Forum: Karriere
"Lehrende" statt "Lehrer": Hannover führt gendergerechte Sprache ein
DPA

Herr und Frau wird es als Anrede nicht mehr geben, Lehrer und Wähler auch nicht: Die Stadt Hannover wird E-Mails, Pressemitteilungen, Broschüren, Formulare, Flyer und Briefe künftig an genderneutral formulieren.

Seite 50 von 61
star spain 22.01.2019, 17:21
490. Ich bin Übersetzer...

...und möchte Übersetzer bleiben. Ich wüsste einfach nicht, wohin ich als Übersetzender übersetzen sollte.

Beitrag melden
Antidarwinist 22.01.2019, 17:22
491. Doch, eben und doch.

Zitat von MoKo111
1) Gendergerechte Sprache nimmt niemandem etwas weg. 2) Eine allgemeine Formulierung zu benutzen, unter der Männer und Frauen beide gefasst sind, ist doch kein großes Ding. 3) Es ist ja nicht so, dass auf einmal für alles die weibliche Form benutzt wird.
ad 1) Doch. Die Unterdrückung von hunderten von Wortformen nimmt der dt. Sprache hunderte von Bedeutungsnuancen und Ausdrucksmöglichkeiten. Außerdem nimmt dieses Antideutsch Zeit weg. Beim Lernen und beim Anwenden.

ad 2) Genau. Und deswegen gaben wir sie schon in Form des generischen (= verallgemeinernden) Maskulinums.

ad 3) Das Gendersternchen ist der Versuch, scheinbar zufällig das generische Femininum durchzusetzen, da man dabei die weibliche Form denkt und spricht.

Beitrag melden
MissMorgan 22.01.2019, 17:22
492. @Chasie_aus_HH

Sprache wächst - ja, das stimmt. Das kann man auch gut finden. Hier wächst aber nichts, hier wird zurecht gezimmert. Und zwar ohne die Unterstützung der großen Mehrheit. Sie sind in der Minderheit und seit wann darf eine Minderheit die Mehrheit reglementieren und ihnen den Sprachgebrauch vorschreiben?

Beitrag melden
santoku03 22.01.2019, 17:22
493.

Zitat von meg siostra
Endlich eine Stadt, die sich progressiv zeigt und die nötigen Änderungen umsetzt. Allen, die das hier kritisieren, sei das Buch "Die Töchter Egalias" von Gert Brantenberg zu empfehlen - vielleicht macht's ja dann Klick?
Nur haben komischerweise in "Egalia" die Frauen die Oberhand. Daher auch "Egalia"...

Beitrag melden
olli47 22.01.2019, 17:23
494. Ich.....

möchte jetzt mal ein älteres Lied anstimmen: "Studierende*r sein, wenn die Veilchen blühen...."
Und wenn ich das gesungen habe, gehe ich im Stadtpark spazieren. Dort sind "Hündinnen und Hunde an der Leine zu führen". Nach dem Spaziergang trinke ich eine*n "Jäger*innenmeister*in.

Beitrag melden
TheK79 22.01.2019, 17:23
495.

Interessanter Ansatz – dass man "Studenten" nicht durch irgendein sperriges "Studentinnen und Studenten" (oder irgendwelche * und I) ersetzt hat, sondern schlicht von "Studierenden" redet, ist ja längst etabliert. Offenbar will man in Hannover diesen deutlich lesefreundlichen Ansatz jetzt allgemein umsetzen.

Beitrag melden
Matyaz 22.01.2019, 17:24
496. So verschafft man der AfD neue Wähler*innen

In der Sache ist das sicher gut gemeint, aber man sollte die Wirkung auf einen grossen Teil der Bevölkerung nicht unterschätzen, bei der die z.T. haaresträubenden verbalen Umerziehungsversuche nur Verärgerung auslösen. Der guten Sache ist mit dem Herumreiten auf Formalismen nicht gedient, im Gegenteil.

Beitrag melden
libero777 22.01.2019, 17:25
497. Die wahren Probleme dieser Gesellschaft

Was für ein Unfug von unseren Volksvertretern und alllen voran dem Oberbürgermeisternden von Hannovernden. Solche Leute, die sich anstatt um die wirklichen Probleme und vor allem das Beräumen des rathausinternen Selbstbefienungsladens zu kümmern, lieber sich mit solchen Nichtig- und Sinnlosigkeiten beschäftigen, gehören schlicht und ergreifend weg. Leider ist die nächste Wahl noch etwas hin, doch das kommt auf die schwarze Liste gegen das Vergessen.

Beitrag melden
odapiel 22.01.2019, 17:26
498.

Sie haben recht, vollständig und zur Gänze. Übrigens möchte ich, als genderqueere Frau, nicht genderneutral angesprochen werden.

Aber was mir besonders aufstößt ist eine Beobachtung, über die ich in letzter Zeit häufiger nachdenke:

Je dümmer und brutaler diese künstlich oktroyierten Sprach- und Gedankenverrenkungen sind und als angeblicher "Fortschritt" zelebriert werden, desto stärker werden Männer/Jungen und Frauen/Mädchen tatsächlich gegendert und in genau definiertes Geschlechterverhalten gepresst.

Fällt einer genderqueeren Frau schon auf, die vor der Jahrtausendwende aufgewachsen ist. Weder gab es damals rosa und hellblaue Kinderspielzeugabteilungen, noch einen regelrechten Kleiderzwang wie er heute herrscht, noch den Zwang sich "weiblich" oder "männlich" zu verhalten, noch war in der Praxis irgendetwas den Leuten beiderlei Geschlechts "verboten" oder verschlossen. Niemand mußte sich rasieren, oder bestimmten Schönheitsidealen folgen, ob nun Jungs oder Mädchen. Das gabs in der Hippiegeneration/bei den 68ern so nicht. Die Leute waren offener, übrigens auch gegenüber dem anderen Geschlecht, gelassener, nicht verbissen.

Das hat sich sehr geändert. Müßte ich das zeitlich festmachen, dann fings für mich mit den späten 1990ern an, als dieser massive Einfluß der verquasten US-Gesellschaft Landung machte. Deren hartes Gendering hat sich damals schlagartig ausgebreitet.

Was derzeit passiert ist ein Nachäffen der Amis und es wird uns noch weiter auseinanderbringen. Nichts Gutes. Man kann nur hoffen, daß es den Weg der Rechtschreibreform geht...

Beitrag melden
cobaea 22.01.2019, 17:26
499.

Zitat von r_dawkins
Lehrende und Wählende ist doch ne gute Idee. ob sie allerdings die sich über dieses Thema Ärgernden erreicht, bleibt zu bezweifeln
Nein, natürlich erreicht sie diese sich Ärgernden nicht, weil die sich ja nicht erreichen lassen wollen. Es gibt zwei Leitsprüche für Leute, die sich immer noch über gendergerechte Sprache aufregen: "das haben wir noch nie so gemacht" oder wahlweise "das haben wir schon immer so gemacht". Beide gerantieren den Stillstand und drücken die Weigerung aus, je etwas zu ändern.

Beitrag melden
Seite 50 von 61
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!