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"Lehrende" statt "Lehrer": Hannover führt gendergerechte Sprache ein
DPA

Herr und Frau wird es als Anrede nicht mehr geben, Lehrer und Wähler auch nicht: Die Stadt Hannover wird E-Mails, Pressemitteilungen, Broschüren, Formulare, Flyer und Briefe künftig an genderneutral formulieren.

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anja-boettcher1 22.01.2019, 18:38
590. "Kein Mensch muss müssen."

Zitat von my_chem
So muss das, ihr nörgelnden konservativen Vergangenheitsfanatiker!
Das zumindest entspricht klassischen Freiheitsvorstellungen, die nach diesem Motto Friedrich Schillers ( pardon, natürlich der Friederizierenden Schiller*In) den eigenen Sprachgebrauch noch jedem einzelnen selbst überlassen.

Anders als in Frankreich, wo die Academie Francaise Sprache normativ regulieren und damit das Erfüllen obrigkeitlich gesetzter sprachlicher Normen zivilgesetzlich verordnen darf (ergo Knöllchen für "sprachliche Normverstöße" austellen kann), ist in Deutschland noch jedem selbst überlassen, wie er schreiben will.

Machen sich staatliche Institutionen so weit mit den Marotten eines ideologisch bornierten Sektiererzirkels gemein, um mit Hilfe hysterisierender Kampagnen repressiv erzwingen zu wollen, dass eine Mehrheit sich genötigt sieht, sich im alltäglichen Sprachgebrauch gegen ihr eigenes ästhetisches Empfinden und Sprachgefühl zu wenden, untergraben sie die eigene moralische Legitimität. Denn zufällig sind öffentliche Institutionen vor allem der ideologischen Neutralität verpflichtet.

PS: Das von Ihnen so enthusiastisch verwendete Wort "geil", von der indogermanischen Wurzel "ghei", mit der Bedeutung "verlangen" oder "begehren", wie sie auch in Geiz oder Geier vorkommt, bedeutete althochdeutsch als "geil" die Saftigkeit einer gedüngten Wiese und wurde im Mittelalter dann zunehmend für die im Zustand des Begehrens erfolgende Aufrichtung des Schwellkörpers männlicher Säugetiere verwendet, um erst dann auf den Menschen übertragen zu werden. Die entsprechende Neigung weiblicher Säugetiere wird übrigens als "Brunst" bezeichnet. Sind Sie sich also sicher, dass Sie die Neuerung als "geil" bezeichnen möchten? Das ist defiitiv keine geschlechtlich neutrale Formulierung. Und auch das Wort "Mensch" kommt etymologisch von "männisch". Freilich können wir, um des ideologischen "Fortschitts" willen, auch demnächst Fraudarinen essen, während eine Fraudoline spielende PersonI*n uns fraulich unterhält, auf dass wahre "Gernderneutralität" vorfrauscht.

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cassi77 22.01.2019, 18:38
591. ...

Zitat von cobaea
Es sind Ihnen schon ganz andere sprachliche Bezeichnungen "oktroyiert" also aufgedrängt worden. Haben Sie sich beschwert, als in jedem Konzern aus dem Finanzchef der Chief Financial Officer (CFO) und aus dem Betriebsleiter der Chief Executive Officer (CEO) wurde? Fanden Sie es unzumutbar, dass man ihnen "aufdrängte", nicht mehr von Krüppeln, sondern von Behinderten zu sprechen? Und es war wohl auch ein Wahnsinnszwang, der auf Sie ausgeübt wurde, als man sich darauf einigte, nicht mehr "Zigeuner" sondern "Sinti und Roma" zu sagen? Sprache passt sich geänderten Gegebenheiten an - manchmal fliessend und manchmal mit ein bisschen Nachhilfe.
" Und es war wohl auch ein Wahnsinnszwang, der auf Sie ausgeübt wurde, als man sich darauf einigte, nicht mehr "Zigeuner" sondern "Sinti und Roma" zu sagen? "

Habe ich mich in der Tat schon mal drüber aufgeregt. Nicht wegen des Zigeunerschnitzel, das interessiert mich nicht, juckt mich nicht und Gemüsepaprika mag ich eh nicht.

Aber, weil ich mal einen Menschen ziganer Abstammung im Fernsehen gesehen habe, der sich doch sehr darüber aufgeregt hatte, dass mit 'Sinti und 'Roma' lediglich zwei zigane Familien 'erfasst' werden (vielleicht die größten oder auch einflussreichsten Familien, keine Ahnung), aber eben nicht alle 'Zigeuner' zu den Sinti oder Roma gehören! Der Begriff 'Zigeuner' hatte zumindest alle der ziganen Familien inkludiert, 'Sinti und Roma' aber eben nur die beiden Familien 'Sinti und Roma' eben. Alle anderen nicht.

Ob ein Begriff abwertend benutzt wird oder nicht, ändert nicht die ursprüngliche Bedeutung. Man sollte versuchen, grundsätzlich 'Abewrtung' zu vermeiden, aber doch nicht, in dem man 'Worte verbietet' oder sowas! *kopfschüttel*

Und der CEO mag 'denglisch' sein, mir egal. Das 'Studierendenwerk' ist und bleibt aber SACHLICH FALSCH!

cassi

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Antidarwinist 22.01.2019, 18:38
592. die besten Argumente zum Schluss

Es wird häufig zur Besänftigung darauf hingewiesen, dass niemand zur Benutzung feministischer Antigrammatik gezwungen werden soll, und damit der Eindruck der Freiwilligkeit erweckt. Dabei wird absichtlich unterschlagen, dass Sprache ja auch immer Zuhörer oder Leser hat, die sich das meist nicht aussuchen können, z.B. in Bildungsinstitutionen und Beruf. Jeder Bürger, der sich nicht vollkommen isoliert, ist heute der feministischen Sprachquälerei ausgeliefert.
Die deutsche Sprache ist bereits praktisch so geschlechtergerecht wie möglich. Mehr geht aus linguistischen Gründen bis auf ein paar unbedeutende Kleinigkeiten kaum. Seltsamerweise werden diese verbliebenen Möglichkeiten komplett ignoriert (z.B. “Gästin” statt “Gast”).
Man kann nicht eine Wortform in allen Verwendungen durch eine andere ersetzen. Das geht aus linguistischen Gründen nicht. Es kommt dann prinzipbedingt zu Bedeutungskonflikten. Zumal man dann der Sprache ihre Bedeutungsvielfalt nimmt, die ja auf der Formenvielfalt beruht. Die Bedeutungsmenge von “die Studenten und Studentinnen” z.B. ist nämlich nicht synonym zur Bedeutungsmenge von “die Studierenden”. Wenn man bedenkt, dass es hunderte von solchen Wortpaaren gibt, heißt das, dass die Sprache um hunderte ihrer Ausdrucksmöglichkeiten beraubt wird, wenn man alle jeweils gleichsetzt! (Umschreibungen lösen das Problem nicht, sondern verlagern es nur.)
Die genaue Bedeutung ergibt sich häufig aufgrund der Lexikalisierung, ein grundlegendes linguistisches Phänomen, das von Sprachideologen völlig totgeschwiegen wird. So ist z.B. “die Schüler” längst beidgeschlechtlich lexikalisiert.

Das verallgemeinernde Femininum, das immer häufiger verwendet wird, ist ein grammatisches Verbrechen und Betrug. Es verletzt die Grammatikregeln auf eklatanteste Weise, weil es zum verallg. Maskulinum linguistisch im Widerspruch steht. Was das verallgemeinernde Genus angeht, gilt nämlich die Regel: Es kann in einer Sprache aus linguistischen Gründen nur eines geben. Genauso, wie es in einem Straßensystem nur entweder Linksverkehr oder Rechtsverkehr geben kann. Da aber im Deutschen das verallg. Mask. zuerst da war, ist für das verallg. Fem. schlicht kein Platz in der Sprache mehr. Zudem gilt: Wenn, wie die Feministen behaupten, das verallg. Maskulinum nicht funktioniert, dann funktioniert das verallg. Femininum auch nicht, da es ja derselben Logik folgt. Es “zum Ausgleich” zu verwenden, ergibt unter dieser Voraussetzung gar keinen Sinn. Von daher kann ich diesen Versuch nur als Betrug bezeichnen.

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austromir 22.01.2019, 18:40
593. UNd jetz die FAkten

Zitat von cobaea
Die geänderten Bezeichnungen haben auch etwas mit einer geänderten Wertschätzung bzw. Einstellung gegenüber den Betroffenen zu tun. Kann ich nur positiv finden.
und jetzt sehen wir uns die Ergebnisse der sprachlichen Änderungen in den USA im Lauf der Zeit an.

Oh. Black lives matter heisst die Bewegung und sie sagt, dass Gewalt gegen Schwarze (wörtlich: black) zunimmt. Trotz Sprachanpassungen und Kampagnen zur richtigen Sprache gegenüber minorities.

Egal. Was interessiert uns die Relität. Wir basteln weiter an der Fiktion.

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Antidarwinist 22.01.2019, 18:45
594. Der wahre Zweck

Wenn man sagt, feministische Antigrammatik ist Orwellsches Neusprech, es ist totalitäre Gedankenkontrolle, dann ist das keine Übertreibung, sondern 1:1 die Realität. Doch dieses Neusprech kann seine vorgeblichen Ziele aus linguistischen Gründen niemals erreichen und ist daher zur Herstellung der Geschlechtergerechtigkeit vollkommen ungeeignet. Sein wahrer Zweck ist auch etwas völlig anderes: Es geht nur um Schikane und Demutsgesten! Es geht darum, feministische Macht in einem Bereich zu demonstrieren, dem sich niemand entziehen kann: der Sprache. Jeder soll die Macht des Feminismus in seinem täglichen Leben spüren. Jeder soll dem Feminismus ein Opfer bringen, indem er seine Sprache umlernt oder sich von anderen feministische Sprache anhören muss, obwohl er es nicht will. Gerade weil diese Sprache so unerträglich dämlich, widersinnig und penetrant ist, wird sie den Leuten zugemutet. Denn wenn sie Spaß machen würde, wäre es ja kein Opfer. Und dieser Sadismus widert mich an.

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spon-1284764451159 22.01.2019, 18:45
595. Liebe Liebenden- und der Plural? Warum sind die Bürger immer weiblich?

Find ich immer noch die beste Anrede.

Aber Schmerz beiseite: Also der Denkfehler ist ja, der aber aus gewissen Leuten nicht herauszukriegen ist, dass der grammatikalische Genus (heißt übersetzt auch Art, Gattung, nicht nur Geschlecht) etwas mit dem Geschlecht des Angeredeten zu tun haben soll.

Völlig unbeachtet die letzten Jahrzehnte blieb ja, dass sowohl Plural und zusätzlich praktisch alles Geld der Welt sprachlich in weiblicher Hand sind:
die Menschen, die Bürger, die Gelder
die AG, die GmbH, die Gesellschaft, die Firma
Wer schon mal einen Vertrag gelesen hat, der weiß, dass, wenn dort "sie" steht, immer von der Firma die Rede ist, deswegen steht in allen Verträgen dann auch Vertragspartnerin.
Da praktisch der komplette Besitz der Welt in Gesellschaften steckt, und seien es nur Scheingesellschaften, gehört rechtlich also alles der Weiblichkeit- es heißt also korrekt "die Welt".

Also wenn schon so verklemmt, dann sollte man es richtig machen, wie bei den Hochs- und Tiefs.
Ein Jahr spricht man von den Bürgern, nächstes von den Bürgerinnen und dann führt man ein Gedenkjahr für die Intersexuellen ein.

Ich persönlich finde, dass der Hauptdenkfehler ja darin liegt, dass pro Person nur eine Anrede angenommen wird- ja und ich als Transvestit möchte aber sowohl in meiner weiblichen Rolle als auch auch in meiner biologischen männlichen Funktion angeredet werden. Auch die Ladyboys verdient, doppelt angeredet zu werden, und nicht nur mit einem schnöden Stern- die anderen kriegen Buchstaben zur Geschlechtsidentifikation- und die Trans- und Intersexuellen sollen sich den Stern teilen? Das haben sich doch wieder weiße alte Männer ausgedacht, ihr Luschen !

Sowieso liegt ein Denkfehler vor, weil eine Beschränkung auf biologische Identität gemeint ist. Und Ein biologischer Mann, der sich als Frau fühlt, hat eben auch das Recht, so angeredet zu werden, und nicht als Sterngemisch.
Konsequenterweise sollten die Rechte der Homosexuellen und Bisexuellen nicht beschnitten werden, von den Pansexuellen, die überhaupt fast nie erwähnt werden, ganz zu schweigen.

Und ich persönlich würde auch den laktoseintoleranten, Glutenallergikern und ähnlich Geplagten eine extra Erwähnung gönnen, wenn man schon mal dabei ist, sollte man mit Buchstaben nicht so geizig sein.

Ein Gegenvorschlag wäre die exkludierende Anrede:

Guten Tag Ihr Arschlöcher, W*chser (nur echt mit Gender-Star) und Hater!

Wer will da schon dazugehören, da kann man sich die weiblichen Formen und Gender-Star sparen, da wird keiner drum bitten.

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tantew 22.01.2019, 18:47
596. whataboutism

Zitat von hans-henning
Es ist manchmal nicht zu fassen, welch unfassbarer Quatsch mit unseren Steuergeldern verzapft wird. Vielleicht wären die Urheber dieses Unfugs so freundlich, sich endlich auf die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft zu konzentrieren: Kriminalität, schlechte Schulen, herunterkommende Infrastruktur etc. Da gibt es mehr als genug zu tun!
Genau: Warum soll ich zuhause auch mal saubermachen (und nicht nur mein Mann), solange es Mord und Totschlag auf der Welt gibt?

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jopad 22.01.2019, 18:48
597. Jaja, immer schön ...

... an der Sprache abarbeiten, das lenkt schön ab. Da muss mann dann auch nicht mehr gar so sehr an der tatsächlichen Gleichstellung arbeiten!
Es spielt dabei auch gar keine Rolle, dass das Genus so gar nichts mit dem Sexus zu tun hat!

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walter.m 22.01.2019, 18:49
598. erst der Anfang, erst die Anfang

Tolkien: "Die Gefährten", wird nun zu "Die Gefährdenden", muß ja wohl. Alle Bücher, in denen Gefährte oder Gefährtin steht, müssen nun umgeschrieben werden, jedenfalls für die, die glauben, daß es die Lesenden für ihr weiteres Leben brauchen. Gefährte oder Gefährtin wird zu Gefährdende, da freu’ ich mich drauf. Ich würde allen, die das für gut und notwendig halten, schaut mal unter der Dusche an euch runter, ihr werdet euch wundern. Ceterum, was machen wir mit der Bibel, steht doch da: er machte einen Mann, eine Gefährtin dazu (gekürzte Version), funktionierte allerdings erst mit der Zweiten richtig. Nun muß dieses Buch korrigiert werden.

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soldev 22.01.2019, 18:49
599.

Zitat von sammilch
Lassen Sie mich raten - Sie sind ein Mann? Natürlich wissen Sie dann nicht, wie sich Frauen in Ihrem Umfeld fühlen. Können Sie auch gar nicht. Hören Sie auf Ihre Töchter, sollten Sie welche haben. jede Frau wird wenigstens verbal in Ihrem Leben benachteiligt sein. Das das sprachlich wenigstens versucht wird zu verinngern sollte Sie eher freuen als ärgern. Im übrigen wäre ich in vielen Fällen für das generische Femininum - in Lehrerinnen steckt ja schon das Wort Lehrer, die Männern dürfen sich ja mitgemeint fühlen. Und nein, liebe Männer, davon fällt Ihnen nicht der Penis ab.
Aufgrund dieses Beitrags habe ich als Mann*in mal all die Personn*Innen mit dem fehlenden Chromoson* um eine Stellungname* gebeten. Fazit: Nicht eine fühlt sich schlecht... und das kann nur von einer/m verblendeten Feminist*in kommen... gelacht haben sie alle ..

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