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"Lehrende" statt "Lehrer": Hannover führt gendergerechte Sprache ein
DPA

Herr und Frau wird es als Anrede nicht mehr geben, Lehrer und Wähler auch nicht: Die Stadt Hannover wird E-Mails, Pressemitteilungen, Broschüren, Formulare, Flyer und Briefe künftig an genderneutral formulieren.

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anja-boettcher1 22.01.2019, 18:53
600. "It's the economy stupid."

Zitat von michaelneiss
Einschlägige Forschung zeigt, wie sehr Sprache das Bewusstsein prägt und damit die Entfaltungsmöglichkeiten des Individuums vorherbestimmt und schlimmstenfalls begrenzt. Daher ist die Neutralisierung von Berufstiteln ein logischer Schritt, welcher einer geschlechtsbasierender Rolleneinteilung entgegenwirkt
Der "geschlechtsbasierenden Rollenverteilung" würde ausschließlich helfen, wenn das ideologische Primat des hayekschen Brachialkapitalismus soweit gebrochen würde, dass Personalchefs nicht mehr darauf fixiert wären, in Einstellungsverfahren um die 30jährige Frauen nicht mehr als potenziell neunmonatige Unterbrechungen von Arbeitsproduktivität und Profitmarge zu sehen. Die nicht anerkannte Familienarbeit, wozu auch die Entstehungszeit einer Familie zählt, findet just in dem Lebensabschnitt statt, in dem Karrieren sich aufbauen.

Die Verdrängung der ökonomischen Basis sozialer Fragen aus dem kollektiven Bewusstsein, zu welchen auch die ökonomische Benachteiligung von arbeitenden Frauen gehört, durch eine pseudofortschrittliche, schrille, aber in Wirklichkeit völlig apolitische Genderideologie, die Probleme - billig - auf eine Ebene verschiebt, die die Hegemonie von Marktmacht nicht juckt, kommt in Wirklichkeit just jenen zupass, die von der immer noch minderbezahlten weiblichen Arbeitskraft einseitig profitieren.

Die Genderei passt, wie jede andere Ideologie der Prenzlbergschickeria, prima in eine allgemein entpolitisierte Gesellschaft, in der peppige Kampagnen Aktivitäten vortäuschen, die wirkliche Macht, nämlich Marktmacht, unangetastet lassen.

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Buddha0815 22.01.2019, 18:55
601.

Zitat von cobaea
Es sind Ihnen schon ganz andere sprachliche Bezeichnungen "oktroyiert" also aufgedrängt worden. Haben Sie sich beschwert, als in jedem Konzern aus dem Finanzchef der Chief Financial Officer (CFO) und aus dem Betriebsleiter der Chief Executive Officer (CEO) wurde? Fanden Sie es unzumutbar, dass man ihnen "aufdrängte", nicht mehr von Krüppeln, sondern von Behinderten zu sprechen? Und es war wohl auch ein Wahnsinnszwang, der auf Sie ausgeübt wurde, als man sich darauf einigte, nicht mehr "Zigeuner" sondern "Sinti und Roma" zu sagen? Sprache passt sich geänderten Gegebenheiten an - manchmal fliessend und manchmal mit ein bisschen Nachhilfe.
Stimmt, das ist natürlich ein brilliantes Beispiel, auch total alltagsrelevant. CEO und CIO benutz ich täglich. Das hat sich auch ganz klar durchgesetzt. Geschäftsführer/in sagt niemand mehr...

Junge, junge, junge.... ach nee, mädchen, mädchen, mädchen, ach nee, neutrum, neutrum, neutrum...

Sprache war noch NOCH NIE künstlich ,sondern IMMER Ausdruck einer gelebten Kommunikation. Wieviel prozent tangiert das Thema? 1%?

Dieser Genderquatsch wird sich daher auch durchsetzen. Dazu muss man kein Prophet sein.

Ich möchte nur mal wissen, wie der öffentliche Dienst so noch Leute finden will? Die zahlen schon recht bescheiden, jetzt wollen die auch noch die Alltagssprache beeinflussen? Viel Erfolg bei der Personalsuche!

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irobot 22.01.2019, 18:56
602.

Zitat von teacher20
In der Tat sollte die Erfahrung mit behördlich verordneter Sprachpanscherei in der Vergangenheit hoffnungsfroh stimmen. Weder behördliche Verdeutschungen von Technikbegriffen (Fernsprecher statt Telefon) noch rechte, deutschtümelde Verirrungen ("Gesichtserker" statt Nase) setzten sich außerhalb der entsprechenden Dunstkreises durch.
Der Gesichtserker stammt von den Sprachpuristen des 17. Jahrhunderts. Und die waren sehr erfolgreich mit ihren Vorschlägen:

Abstand = Distanz
Bücherei = Bibliothek
Augenblick = Moment
Leidenschaft = Passion
Anschrift = Adresse
Rechtschreibung = Orthographie
Verfasser = Autor

Links sind alles Kunstwörter (!), die sich flächendeckend durchgesetzt haben. Warum?
1. Es wurde kein Zwang angewendet!
2. Zeitgeist
3. Praktisch

PS: der Meuchelpuffer (Pistole) hat es leider ebenfalls nicht in die Liste geschafft.

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VolkerKulle 22.01.2019, 19:04
603.

Heißen sie jetzt die Hannovenden?

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th2609 22.01.2019, 19:05
604. Jetzt freue ich mich

als Hannoveraner über den nächsten Brief von der Stadtverwaltung. Wie werde ich -als Mann- angesprochen,vielleicht als Hallo Bürger*in? Im Ernst: Die Förderung der Gleichberechtigung ist wichtig aber dich nicht so. ich entschuldige mich in aller Form für unsere Stadtverwaltung und unseren völlig orientierungslosen OB. Von vorne das Ermittlungsverfahren der StA gegen ihn, von hinten das Disziplinarverfahren aus dem Haus seines Parteifreunden Pistorius. Da flüchtet man (ich weiß jetzt als 53 jähriger nicht wie Mann das umsschreibt) in die Genderei. Es wird Zeit das sie SPD den OB-Sitz verliert.

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Buddha0815 22.01.2019, 19:07
605.

Zitat von urla2
Sprache lebt von Einfachheit? Sprache ist wohl das Komplexeste was die Evolution zu bieten hat- Können v.a. Menschen mit Frontalkortex. Und mit der Komplexität der Gehirne steigt auch die Komplexität der Sprache- und diese verändert sich dementsprechend und passt sich kulturellem Fortschritt an.
Genau, passt sich dem kulturellen Fortschritt an, und nicht umgekehrt. Sie sagen es doch.

Sprache entwickelt sich dahin, dass sie einfach wird und nicht komplizierter.

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olli47 22.01.2019, 19:09
606. Ein Vorschlag

Alle 11.000 städtische Mitarbeiter*innen sollen weiterhin volles Gehalt bekommen. Bedingung: nur jede*r zweite von ihnen darf künftig seine "Dienststelle" aufsuchen. Zur Bearbeitung dümmlicher Genderideen und dergleichen hätten die dann keine Zeit.

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rolantik 22.01.2019, 19:10
607. Sprachliche Entgleisungen. " Bier trinkende Studierende"

Wenn man die Vorschläge, die aus dem "Rathaus" in Hannover kommen, kann man nur den Kopf schütteln über so dümmliche, sprachliche Ansätze wegen geschlechstneutraler Ansprache.
Oft wird auf die Gerundiv(um), nicht zu verwechseln mit Gerundium, wird mit "zu" plus Partizip I gebildet.
Beispiel:
- schwer zu beinflussende Lehrer (oder "Lehrende" als geschlechstneutrale Form)
- Bier trinkende Studenten (oder Studierende als geschlechstneutrale Form)
An den Beispielen sieht man die Perversion der Sprache, wenn man, um "geschlechstneutral" ansprechen zu wollen, die Gerundivum verwendet.
Ein tolle Variante las ich auf der Uni in Hannover für Gasthörer:
"Liebe Gasthörende", oder
"Ihr Gasthörendenbüro"
Dazu ist wohl nichts mehr hinzuzufügen!!

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