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Lohngleichheit von Männern und Frauen: ZDF-Reporterin scheitert vor Gericht
ZDF/ Svea Pietschmann

Eine Reporterin wollte das ZDF zu einer gerechteren Entlohnung zwingen. Doch das Landesarbeitsgericht Berlin hat entschieden: Der Sender muss ihr nicht das gleiche Gehalt zahlen wie männlichen Kollegen.

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krautrockfreak 06.02.2019, 11:27
60. Man sollte zwischen "gerecht" und "moralisch korrekt" unterscheiden!

Der erste Begriff wird meistens falsch verwendet, es geht hier rein um die rechtliche Auslegung der Gesetze. Die Diskussion um "gerechtes" Gehalt ist vielmehr eine moralisch oder philosophische. "Verdienen" ist ja auch was anderes als "bekommen", denn ich verdiene viel mehr, als man mir Gehalt bezahlt (sage ich)....

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adal_ 06.02.2019, 11:29
61. Reguläre und "irreguläre" ArbeitnehmerInnen

Zitat von lars-s.
Das Gesetz zur Lohntransparenz ist löchrig wie ein Schweizer Käse und damit absolut nutzlos, danke für nichts, sPD. Ob die Frau berechtigterweise weniger verdient, ziehe ich einfach mal aus Gutgläubigkeit in Zweifel....
Die Lohntransparenz existiert im Fall freier und, wie in diesem Fall, fest-freier - sogenannter arbeitnehmerähnlicher - MitarbeiterInnen ja gerade nicht.
Weder gibt es einen Anspruch darauf, die Honorare der freien bezw. fest-freien Kollegen vom Arbeitgeber in Erfahrung zu bringen, noch auf so etwas wie einen bestimmten Tarif, den man einfordern könnte.

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realist4 06.02.2019, 12:54
62. @ Dr. Kilad

Zitat von Dr. Kilad
Hier bastelt sich ein Gericht wieder mal sein AG-freundliche Rechtsprechung zusammen. Denn die Frau ist ähnlich der anderen "freien" Mitarbeiter beschäftigt. Der Einwand verfehlt schon deshalb sein Ziel, weil er unterstellt, dass der Gesetzgeber bei freien Mitarbeitern Diskriminierung nicht beseitigen wollte. Dabei ergibt sich mögliche Diskriminierung aus dem GG, weil danach Gleiches gleich behandelt werden muss. Wo ist eine entsprechende Beweisaufnahme des Gerichts? Eine unbewiesene Behauptung reict nicht.
Aus dem Artikel ist zu entnehmen, dass das ZDF dem Gericht Dokumente vorgelegt und auf Tarifverträge verwiesen hat. Die Klägerein hat ihrerseits keine Beweise für eine Benachteiligung erbracht, außer dem Argument dass irgendjemand mehr verdient. Was soll da gebastelt sein? Es wird, Gott sei Dank, nie so sein, dass alle gleich verdienen weil es eben doch immer Unterschiede in der Berufserfahrung und Leistung gibt.

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der_durden 06.02.2019, 15:04
63.

Zitat von Dr. Kilad
Hier bastelt sich ein Gericht wieder mal sein AG-freundliche Rechtsprechung zusammen. Denn die Frau ist ähnlich der anderen "freien" Mitarbeiter beschäftigt. Der Einwand verfehlt schon deshalb sein Ziel, weil er unterstellt, dass der Gesetzgeber bei freien Mitarbeitern Diskriminierung nicht beseitigen wollte. Dabei ergibt sich mögliche Diskriminierung aus dem GG, weil danach Gleiches gleich behandelt werden muss. Wo ist eine entsprechende Beweisaufnahme des Gerichts? Eine unbewiesene Behauptung reict nicht.
Was ein Gerede mal wieder. Gerichte entscheiden nach der Rechtsordnung. Urteile werden von Richtern so gefällt, dass sie möglichst revisionssicher sind, jedenfalls in Bezug auf Verfahrensfehler, also auch in Bezug auf die Falschauslegung des Rechts. Wollen Sie hier allen Ernstes behaupten, dass in Deutschland durch alle Instanzen Urteile ermauschelt werden? Und dann auf europäischer Ebene, vor dem EuGH das alles dann Bestätigung findet? Ganz ehrlich, diese ganzen abstrus konstruierten Verschwörungstheorien sind einfach nur noch albern.

Zudem sind deutsche Arbeitsgerichte nun auch nicht dafür bekannt, besonders arbeitnehmerfeindlich zu urteilen. Aber legen Sie sich nur Ihr Bauchgefühl zurecht und stellen Sie es über jede Realität.

Inhaltlich haben Sie das Ganze auch nicht richtig erfasst, wie es scheint. Freie Mitarbeiter sind selbständige, die eigenständig Ihre Honorare aushandeln. Sie fallen ganz sicher nicht unter den Arbeitnehmerschutz, jedenfalls dann nicht, wenn keine vom Arbeitgeber geförderte Scheinselbständigkeit vorliegt. Und selbst wenn, dann ist auch der Scheinselbständige u. U. nicht aus der Haftung entlassen.


Ein Letztes noch:
Sie sprechen im letzten Satz von angeblichen "unbewiesenen Behauptungen".
Vielleicht sollten Sie sich genau in diesem Punkt mal selbst an die Nase fassen. Nur so eine Überlegung...

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dr.eldontyrell 06.02.2019, 15:17
64. Kenne ich.

Zitat von mrschabak
Es ist immer wieder unglaublich zu beobachten, mit welchen Begründungen manche Menschen Ausgleich verlangen. Sei es aufgrund von Rasse, Geschlecht, Verfolgung und sonstige Dinge. Wem der Job nicht gefällt soll kündigen oder neu verhandeln. Das nennt sich freie Marktwirtschaft. Der Unterschied: Viele Männer schmeißen Ihren Job, wenn Ihnen das Gehalt nicht ausreicht. Ein Großteil (natürlich nicht Alle) der Frauen haben aber dazu nicht den Mumm, nicht zuletzt weil für viele von Ihnen andere Dinge außer Gehalt zählen, z.B. kollegiales Umfeld, Freizeitausgleich, etc. Der Jobmarkt ist kein Buffet, wo man sich alle Rosinen rauspicken kann.
Habe in einem Verlag gearbeitet. 66% Frauenanteil. Löhne insgesamt nahe der Sittenwidrigkeit. Betriebsrat von der GL unterwandert. Trotzdem gab es dort ganz viele Frauen, die das geringe Gehalt monierten, auf Nachfragen der Vorgesetzten aber alles super-gummi-gut fanden. Bin dann recht schnell da raus. Kann mit sowas nicht öm.
Von den Damen übrigens haben den Absprung nur ganz junge, bissige (positiv, mit Biss) geschafft. Der Rest fühlte sich unterbezahlt anscheinend ganz wohl. Wenn ich von dem Verhalten die Gehaltsverhandlungen ableite, erklären sich 2%-6% bereinigter Gender-Pay-Gap von alleine.

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doedelf 07.02.2019, 10:24
65. fest-freie

Weil hier einige nachfragen ob sie freie oder feste Angestellte war. Offizell ist sie eine "fest-freie". Dieses Konstrukt gibt es merkwürdigerweise beim ÖR (auch der ARD). Eine Freundin von mir ist dort "angestellt" als Journalistin/Redakteurin. Sie hat aber in dem sinne keinen echten Angestelltenstatus, sondern es sind freie Mitarbeiter die aber dermaßen in den Arbeitsalltag eingebunden sind das jedes private Unternehmen sofort Probleme wegen Arbeitnehmerüberlassung und Scheinselbsttätigkeit haben würden. Nicht so die ÖR. Sie zahlen tatsächlich Sozialversicherungsbeiträge, haben einen latenten Kündigunsschutz und sogar sowas wie Urlaub (Sie bekommen ein Urlaubsgeld für den Verdienstausfall). Dennoch gelten sie im interen Status als freie Mitarbeiter, bekommen also keine zusätzliche Pension oder ähnliches. Sie dürfen damit auch keine Karriere machen, also kein Teamlead sein oder gar Indentant. Das Problem dabei ist das der ÖR das mittlerweile bei fast allen Journalisten und Redakteuren tut. Internalisierung gibt es nur wenn jemand der oberen mal seinen Posten räumt. Das ganze ist ein sehr schräges Konstrukt und die Dame bei ZDF hat ja auch gegen dieses Status geklagt aber der wurde erst gar nicht verhandelt. Wie das wohl so mit dem Grundgesetz aussieht - alle Angestellten sind gleich außer es ist ein öffentlich rechtlicher Arbeitgeber?

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ruhepuls 07.02.2019, 15:03
66. Wie objektiv kann man Leistung beurteilen?

Es gibt sicher Bereiche, da ist es ziemlich einfach, zu belegen, warum jemand einen bestimmten Betrag verdient. In der Fertigung beispielsweise, anhand von Stückzahlen oder Arbeitsstunden. Wo es also mehr um die Arbeitskraft (sprich Hände und Zeit) geht. Je mehr aber weiche Faktoren wie Erfahrung, Können etc. eine Rolle spielen, desto schwieriger wird es. Beispielsweise handeln Schauspieler ihre Honorare selbst aus bzw. ihre Agenten tun das. Dabei fließen z.B. die Erwartungen des Produzenten mit ein: Bringt ein Meier mehr Zuschauer als ein Müller? Oder ist der neue - hochbezahlte - Oberarzt wirklich besser als die Kollegen?

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ruhepuls 07.02.2019, 15:08
67. Was ist gerecht?

Zitat von peter.teubner
doch nicht um Gerechtigkeit, sondern um gleichen Lohn. Das sind verschiedene Sachen. Aber der Kampf für Gerechtigkeit ist natürlich ein Noblerer. Das Gericht hat nun entschieden, dass eine Lohnanhebung nicht gerechtfertigt ist. Ob das gerecht ist oder nicht können wir natürlich nicht beurteilen. Wäre schön, wenn die Journalisten vom SPIEGEL etwas genauer wären.
In Gehaltsfragen scheint mir gerecht zu sein, wenn für gleiche Arbeit (Art und Zeitaufwand) UND für gleiches Arbeitsergebnis auch das gleiche Gehalt bezahlt wird. Spätestens beim Arbeitsergebnis wird es aber unter Umständen schon schwierig. So könnte die fragliche Journalistin argumentieren, Sie habe ja genau so viele Beiträge, in der gleichen Länge abgeliefert, wie ihr Kollege Maier, der aber mehr bezahlt bekommt. Der Chefredakteur könnte aber argumentieren, die Beiträge vom Maier kämen bei den Zuschauern besser an - und damit wäre auch ein höhere Vergütung gerechtfertigt.
Was wäre jetzt gerechter? Die Journalistin bekommt das gleiche Gehalt oder Honorar wie der Kollege oder er bekommt mehr, weil sein Chef ihn für besser hält. Wird also die Tätigkeit oder die Leistung/das Ergebnis bezahlt?

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