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Management trifft Mensch: Der faule Trick mit dem unbegrenzten Urlaub
DPA

Manche Unternehmen gewähren ihren Mitarbeitern unbegrenzten Urlaub. Klingt super, wird in Wahrheit aber oft zur Falle - zumindest für den Arbeitnehmer.

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observerlbg 06.05.2016, 11:35
1. Die Mehrheit der Unternehmen und....

...Arbeitsstellen lassen derart nicht zu, ist also eher ein Randproblem der Arbeitswelt. Die Selbstausbeutung ist viel schlimmer in Berufen mit einem hohem Anteil an Scheinselbstständigen, aus purer Not. Der Burnout dieser Scheinselbstständigen ist dann rein physischer Natur und führt zum sofortigem entgültigem Berufslebenende.

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Gerdd 06.05.2016, 11:35
2. War der Zwangsurlaub ...

... nicht doch die bessere Loesung?

Zeitweilig hatte ich die Situation, dass der nicht genommene Jahresurlaub am Ende des 1. Quartals des neuen Jahres automatisch gegeben wurde, und aus versicherungsrechtlichen Gruenden durfte man dann auch nicht arbeiten. Es handelte sich um eine sehr grosse Firma und so war es dem jeweiligen Manager nicht moeglich, das zu ueberstimmen. Aber man konnte ganz gut damit drohen: Wenn du mich jezt im Januar nicht gehen laesst, dann falle ich nachher im Maerz aus. Was ist dir lieber?

In Deutschland hatte ich zeitweilig 36 Urlaubstage im Jahr - das konnte man kaum am Stueck nehmen: sieben Wochen plus - und meistens fielen dann auch noch ein paar Feiertage mit da hinein. Acht Wochen weg, das ist schon fast wie kuendigen und wiederkommen. Da sind notwendigerweise die Projekte entweder vorbei oder bis zur Unkenntlichkeit veraendert. Wer seine Karriere also auf sichtbare Erfolge aufzubauen versucht, wird sich damit also schwer tun. Ausnahme (vielleicht) wenn man nach acht Wochen Chaos zurueckkommt und dann das Ganze wieder herausreisst - also etwas fuer geborene Krisenmanager ;-)

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Solid 06.05.2016, 12:06
3.

Es ist eben auch dann erforderlich, dass man für sich selbst eine Balance findet. Und seine sechs Wochen Urlaub im Jahr unterbringt. Die Konkurrenz erringt durch Verzicht keinen Vorteil, an der zieht man vorbei, wenn sie im Burnout ist.

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Europa! 06.05.2016, 12:12
4. Menschen arbeiten gern

"Selbstausbeutung" - was für ein Blödsinn. Die geschilderten Sachverhalte zeigen doch bloß, dass Menschen gern arbeiten, wenn sie das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun. Ein Abenteuerurlaub mit Tropenkrankheit, ein Skiurlaub mit Knochenbruch oder eine Kreuzfahrt mit Zu-Tode-Langweilen ist schließlich auch nicht gesünder als eine erledigte berufliche Aufgabe mit hohem Befriedigungspotential.

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yshitake 06.05.2016, 12:15
5. Das Arbeitsrecht verbietet bereits die meisten dieser Praktiken

aber wo kein Kläger, da kein Richter. Bei mittelständischen Firmen mit Betriebsrat und Gewerkschaftanhang seit anno dazumal gibt es solche Praktiken nirgends. Resturlaub aus dem alten Jahr muss bis Ende März des Folgejahres verbraucht werden, sonst haben sie ihre Geschäftspratiken ruckzuck vor dem Arbeitsgericht zur Prüfung. Ein DAX-Konzern der seine MA vordergründig gut bezahlt, hat weder einen Betriebsrat noch Arbeitsschutz zu fürchten...denn da kann die Selbstausbeutung des Arbeitnehmers ja noch eine Win- Win- Situation sein, zumindest solange man noch jung und stressresistent genug ist, und sonst keine Hobbys hat wie Frau und Kinder...Es sind regelrechte Söldner-Verhältnisse die bspw. in der Unternehmensberatung herrschen...aber solange das niemanden der Betroffenen stört, der Corps-Geist, das Elitedenken, der Gruppenzwang noch funktioniert, kann man dagegen nicht viel sagen, oder?

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b.v. 06.05.2016, 12:22
6. Normalen Urlaub nehmen

Er hätte ja auch einfach erstmal zwei Wochen Urlaub machen können, so wie es viele mit normalen Urlaubsanspruch machen. Und wenn auch das projekt- und vertriebstechnisch schwierig gewesen wäre, hätte dass weniger mit der Anzahl der Urlaubstage als vielmehr mit dem Job an sich zu tun.

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wastl300 06.05.2016, 12:35
7. Karriere über Arbeit

viele werden dazu erzogen, nicht einen Beruf zu erlernen und anschließend einfach einer (interessanten) Arbeit nachzugehen, sondern Karriere zu machen. Koste es was es wolle. Die Industrie weiß das, und nutzt dies natürlich aus. Mit psychologischen Mitteln werden die Mitarbeiter gegeneinander ausgespielt. So wie in dem Fall: "Jetzt wo das Projekt in einer entscheidenden Phase ist, ... Das ist ein Projekt immer.
Aber alle können keine Karriere machen. Mit Teamarbeit würden bessere Ergebnisse erzielt werden - Jeder bringt seine Stärken ein. Die meisten Berufserfahrenen wissen das, darum sind sie auch nicht gerne in der Industrie gesehen.
Klare Regeln sind zu begrüßen, als leere Versprechen.

Übrigens ist in unserer Firma der 4. mit Burn-Out (Depressionen) längerfristig ausgefallen. Einen haben wir, durch seine Entscheidung, zu Grabe getragen.

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JBond 06.05.2016, 13:09
8. Urlaubsplanung

Zitat von Gerdd
In Deutschland hatte ich zeitweilig 36 Urlaubstage im Jahr - das konnte man kaum am Stueck nehmen: sieben Wochen plus - und meistens fielen dann auch noch ein paar Feiertage mit da hinein. Acht Wochen weg, das ist schon fast wie kuendigen und wiederkommen.
Der gleiche Denkfehler wie im Artikel.

Es gibt nicht nur die zwei Möglichkeiten:
1. ich fliege 6+ Wochen in die Südsee
2. ich arbeite einfach durch
Möglichkeit 1 können sich die meisten schon alleine finanziell nicht leisten.

Viel mehr geht es doch darum über das Jahr verteilt immer mal wieder ein bisschen Abstand vom Job zu bekommen.
2 Wochen Mittelmeer (oder Ostsee) im Sommer - 2 Wochen im Winter...und für den Rest findet man auch Zeit und Verwendung.
Wenn man dann noch Kinder hat, ist die Urlaubsplanung eh nur noch an den Ferienkalender statt an Reisetermine gebunden.

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Olaf 06.05.2016, 13:16
9. Was man noch sagen sollte ..

Jeder der das mitmacht disqualifiziert sich natürlich für höhere Weihen in der Firma. Mit Karriere ist da nicht mehr viel.

Jemand, der so gut Arbeitet ist der ideale Untergebene. Kein Chef lobt so jemanden weg.

Zweitens zeigt die Unfähigkeit die eigenen Interessen wahrzunehmen natürlich, dass des an Durchsetzungsvermögen und Entscheidungskraft fehlt.

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