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Management trifft Mensch: Der faule Trick mit dem unbegrenzten Urlaub
DPA

Manche Unternehmen gewähren ihren Mitarbeitern unbegrenzten Urlaub. Klingt super, wird in Wahrheit aber oft zur Falle - zumindest für den Arbeitnehmer.

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KeineIdee100 06.05.2016, 13:34
10.

Zitat von Europa!
"Selbstausbeutung" - was für ein Blödsinn. Die geschilderten Sachverhalte zeigen doch bloß, dass Menschen gern arbeiten, wenn sie das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun. Ein Abenteuerurlaub mit Tropenkrankheit, ein Skiurlaub mit Knochenbruch oder eine Kreuzfahrt mit Zu-Tode-Langweilen ist schließlich auch nicht gesünder als eine erledigte berufliche Aufgabe mit hohem Befriedigungspotential.
Ich sehe da schon selbstausbeuterische Ansätze.
In den wenigsten Fällen steckt wirklich der Wunsch nach Berufsbefriedigung dahinter. Was ist das auch für ein armseliges Leben, in dem der Beruf der einzige Lebensinhalt zu sein scheint (und ich verstehe meinen Beruf wirklich als Berufung und liebe ihn; ich liebe aber auch Menschen und andere Aktivitäten). Oft ist es schlicht Gruppendruck und gerade bei jüngeren Firmen eine Art Sektiererei.
Weil alle Kollegen sich auch so reinhängen und nicht in Urlaub gehen, weil ich den netten Team-Captain, die Firma/Mannschaft, die Team-Kameraden nicht hängen lassen will, weil ich mich total und absolut mit meiner Firma identifiziere, die Firma der Mittelpunkt meines Universums ist, mache ich weiter und weiter und weiter.

Wenn ich dann den Burnout habe, sagen alle, ich sei selbst daran schuld. Ich hab ja meinen Urlaub nicht genommen.
In anderen Bereichen schützt der Staat die Menschen vor sich selbst. Hier wird es auch Zeit, dass man auf die Einhaltung von längst bestehenden Gesetzen dringt.
Denn die Folgen dieser Selbstausbeutung zahlen wir alle, mit zahlreichen Arbeitslosen, die aus den Statistiken rausgerechnet wurden, mit hohen Krankheitskosten und enormen sozialen und gesellschaftlichen Kosten, die durch die immer größere Versingelung entstehen.
Aber gut, jetzt hat man schon Social Freezing erfunden, wahrscheinlich kann man das Leben, dass man jetzt verpasst, dann in 15 bis 20 Jahren in virtuellen Welten nachholen.

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Sibylle1969 06.05.2016, 13:59
11. Usa

In den USA gibt es mittlerweile viele Firmen, die "unlimited Vacation" bieten. In der Praxis sieht das dann auch oft so aus, dass weniger Urlaub genommen wird als vorher mit vorgegebener Zahl von Urlaubstagen. Wenn die Firma das wirklich ernst meint, müsste sie vorschreiben, dass mindestens x Tage zu nehmen sind, und wer die nicht nimmt, der wird irgendwann in Zwangsurlaub geschickt.

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jomai 06.05.2016, 14:11
12.

Ich habe keinen unbegrenzten Urlaub sondern Vertrauensurlaub, das bedeutet meine Urlaubstage werden in keinem System erfasst sondern ich notiere mir wie viele Tage Urlaub ich bereits genommen habe.

Im letzten Jahr war das ca eine Woche weniger als die 30 Tage die mir offiziell zu stehen, heuer werden es wohl ein paar Tage mehr werden. Aber nicht weil ich das sofort wieder ausgleichen will, sondern weil weil eine ungeplante Reise dazu gekommen ist.

Ich habe auch schon gebuchte Urlaubsfluege kurzfristig, aus Firmeninteressen, storniert. Da meine Firma die Storno- und eventuelle Mehrkosten, der neuen Buchung fuer mich und meine Frau, uebernimmt habe ich damit kein Problem. Mit jahrelang keinen oder nur minimal Urlaub zu nehmen allerdings schon.

PS: Ich sitze gerade auf dem Balkon ohne den heutigen Tag als Urlaubstag zu zaehlen. Wie man sieht kann Work-Life-Blending durchaus auch funktionieren.

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criticalsitizen 06.05.2016, 14:13
13. Wieso wollen die Urlaub, der E-Kommerz ist doch so lieb, gut, innovativ und positiv

da kann man doch gern für einen HUngerlohn 120 Stunden pro woche bunte WEbseiten und innovative Geschäftsideen projektieren. Man bekommt ja dafür alles im Netz um 100-15% billiger und hat tausende ute Freude bei Whatsu und Fratzenbilder mit Emijis bekommt mna auch, das macht doch so glücklich.
Breitband für Alle, Digitale Agenda.

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mansiehtnurmitdemherzengu 06.05.2016, 14:19
14. Reines Führungsproblem

Der Boss hat keinen Plan, da er nicht planen kann. Daher gibt es ständig Gründe, den Urlaub zu verschieben. Über kurz oder lang wird sich die Planlosigkeit nicht nur auf dem Stundenkonto niederschlagen, sondern auch auf dem Firmenkonto. Dann nämlich, wenn Projekte platzen oder Aufträge abgelehnt werden müssen, weil man den Umgang mit Ressourcen nicht beherrscht.

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McMuffin 06.05.2016, 14:31
15. Warum Job und Privates trennen?

Mal abgesehen vom "Urlaub so viel du willst", der nicht funktionieren kann, wo ist das Problem hierbei: "Denn wer im Privaten nicht den Job mal ausblenden kann - der bringt das Private auch mit in den Job"?

Ich arbeite in einer Firma, in der es keine festen Arbeitszeiten gibt, sondern der Projektfortschritt entscheidend ist. Das heißt, in den heißen Phasen wird auch mal deutlich länger und auch am Wochenende gearbeitet, und man schaut auch privat mal in seine Mails. Dafür stört es auch keinen, wenn man Privates im Büro erledigt oder wenn man mal ohne offiziell Urlaub zu nehmen einen halben Tag nicht kommt, weil die Kinder eine Aufführung haben, es einen Werkstatttermin gibt oder man mal in Ruhe shoppen gehen möchte.

Ich bin fest überzeugt, dass solche Modelle beiden mehr bringen. Dem Arbeitgeber, weil die Arbeitnehmer dann mehr geben, wenn ihr Einsatz besonders gebracht wird, und weil sie unter dem Strich ein bisschen mehr arbeiten, als sie müssten. Und den Arbeitnehmern, weil sie ihre Arbeitszeit an ihre privaten Bedürfnisse anpassen können. Das ist eine ganze Menge wert.

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hmoik 06.05.2016, 14:47
16. selten so einen Unsinn gelesen...

...da hätte Max vielleicht einmal etwas mehr Rückgrat beweisen müssen.
Als ob es mit festen Urlaubszeiten anders liefe, wenn gerade wichtige Projekte anstehen...
Ich kenne eine Nenge Netflux MAs in Los Gatos (HQ) und die lieben diesen Modus.
Und was genau ist nochmal gegen "Work-Life-Blending" einzuwenden....? Ach ja. Passt nicht so auf die deutsche Schiene. Da muss man mal abbiegen. Ganz schlecht... man oh man...
LG von einem Silicon Valley Liebhaber

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MichaSe 06.05.2016, 15:18
17. Garantierte sechs Wochen Sommerurlaub....

... ohne schlechtes Gewissen geht eigentlich nur als Lehrer.

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Celegorm 06.05.2016, 15:34
18.

Zitat von hmoik
Und was genau ist nochmal gegen "Work-Life-Blending" einzuwenden....?
Eigentlich nichts, zumindest in manchen Branchen ist das im Prinzip die optimale Lösung. Das Problem ist halt, dass viele Angestellte wie Firmen (noch?) nicht wirklich damit umgehen können. So etwas wie "Work-Life-Blending" wird dann zu einem Problem, wenn die Firmenkultur sich nicht wirklich darauf einlässt, sondern noch im gestrigen Präsenz-Wettkampf feststeckt, was dann zum (vermeintlichen) Zwang führt, dauerhaft 24/7 verfügbar zu sein. Wobei das keineswegs von oben kommen muss, häufig sind das Arbeitskräfte selbst, die meinen, ohne sie ginge nichts und eine kurze Abwesenheit würde entweder ihre Karriere oder die Firma oder beides ruinieren.

Das Konzept funktioniert halt nur, wenn man sich wirklich darauf einlassen kann. Und genug Gelassenheit dafür vorhanden ist. Was wohl ein anderes typisches Problem ist: Es gibt auch gerade in den Branchen zu viele Klitschen (a.k.a. "Startups"), die dauerhaft im Panikmodus fern der Gewinnzone und am Rande der Insolvenz operieren - und darum irgendwann ohne permanente Selbstausbeutung aller Beteiligten gar nicht mehr funktionieren. Konsequenterweise müsste man da halt den Stecker ziehen bzw. als Mitarbeiter gehen, aber das getrauen sich halt viele nicht oder können es sich auch gar nicht leisten..

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Freiheit für Europa 06.05.2016, 15:42
19. drohende Abmahnung

Also ich wurde einmal einbestellt wg. 1 Tag Krankmeldung ohne Attest, also irgendwie Fehlstunden. Dann führte ich aus, daß ich eigtl. jede Nacht bis über Mitternacht hinaus arbeite, am Wochenende auch - und eine 35-Stunden-Woche bei mir eigtl. am Dienstag beendet sei... Die verblüffende Antwort: ich dürfe garnicht mehr als 10 Stunden am Tag arbeiten... was von 100 Leuten fast keiner einhielt. Das war Selbstausbeutung pur. Der Jahresurlaub vieler verfiel dann jedes Jahr. Die später eingeführte Magnetkarte funktionierte so, daß man innerhalb 2 Monate nur 250 Überstunden anhäufen konnte, danach diese auf 16 Stunden zurückgestellt wurden, da man ja einen Vor- oder Nachmittag auch mal 4 Stunden hätte abfeiern können. Das Absurde: natürlich musste man sich vor Mitternacht ausstechen, weil das System den Datumswechsel nciht akzeptierte... Das war halt der Schwachsinn der Helmholtz-Gemeinschaft, die viele Wissenschaftler durch Selbstausbeutung total ruiniert hat.

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