Forum: Karriere
Manager Thomas Sattelberger: "Deutsche Konzerne sind eine Schule der Intrigen"
DPA

Das Top-Management sei "arm an Kreativität" und "klont seine Nachfolger", kritisiert Thomas Sattelberger im SPIEGEL-Interview. Der frühere Telekom-Vorstand hält ein Outing als Homosexueller in dieser Macho-Kultur für sehr heikel.

Seite 1 von 2
Sugafoot 08.02.2015, 18:31
1. Wie

"Deutsche Unternehmen sind viel stärker auf pure Effizienz fixiert als etwa angelsächsische oder skandinavische", sagte Sattelberger im Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Ertragsziele würden oft exzessiv bis auf die unterste Ebene durchgestellt"
Welche weitere wunderbare Ziele hat denn ein Unternehmen? Etwa die Glückseligkeit der Mitarbeiter?
Ein Unternehmen läuft am besten, wenn jede Hierarchieebene die Gesamtziele und entsprechende Teilziele kennt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
promoexxl 08.02.2015, 19:45
2. @1

Sie töten mit diesem Effizienzgeseier jegliche Innovation, die innerhalb ihres Unternehmens hochkommen kann. Das Management hat im Regelfall von gar nix eine Ahnung, kein Fachwissen, keinen Überblick, keine Kompetenzen wichtige Entscheidungen zu treffen. Das sind reine Zahlenmenschen, denen in fast allen Gebieten das Fachwissen abgeht langfristig gute Entscheidungen zu treffen. Die deutschen Großkonzerne sind deshalb erfolgreich, weil sie seit Jahren (Jahrzehnten) qualitativ gute Produkte herstellen und davon zehren. Das Management hat heutzutage im Regelfall von den Kernkompetenzen eines Unternehmens keinen Plan. Die Innovationen vor allem in der IT-Branche kommen nicht (mehr) aus Deutschland (und IT ist einer der großen Zukunftsmärkte). Die meisten kleinen/mittelgroßen Unternehmen, könnten sich ein Gebahren wie große Firmen in Deutschland nicht im Ansatz leisten, die wären nach 1-2 Jahren pleite. Wer Qualität und Innovation will, sollte die Großkonzerne meiden. Wobei ich hier nicht bestreiten will, dass es auch kleine bis mittlere Unternehmen in Deutschland gibt, die miserabel geführt werden. Es ist aber generell so, dass man in den meisten Branchen eher nach den kleineren Firmen (bis 20 Mitarbeiter) suchen sollte, wenn man qualitativ hochwertige Arbeit haben will. Wer nicht übermäßig expandiert und einige Jahre am Markt ist, hat im Regelfall gute Mitarbeiter und bezahlt diese anständig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bissig 08.02.2015, 20:43
3.

"Ein Unternehmen läuft am besten, wenn jede Hierarchieebene die Gesamtziele und entsprechende Teilziele kennt". Irrtum, Wenn der einzelne Mitarbeiter die Ziele kennt, und sich mit diesen und dem Unternehmen identifiziert. Was schätzen sie, wieviele Mitarbeiter die kommunizierten Ziele des Unternehmens kennen und diese als machbar/sinnvoll/gut für's Unternehmen einschätzen? In Zeiten, in denen die Controller das sagen haben und das kurzsichtige Erreichen der vorgegebenen jährlichen Zielzahlen mehr zählt als längerfristige, aber strategisch wichtige Prozesse aufzusetzen, die den Fortbestand des Unternehmens sichern helfen, dürften das nicht allzu viele sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Newspeak 08.02.2015, 22:03
4. ...

Zitat von Sugafoot
"Deutsche Unternehmen sind viel stärker auf pure Effizienz fixiert als etwa angelsächsische oder skandinavische", sagte Sattelberger im Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Ertragsziele würden oft exzessiv bis auf die unterste Ebene durchgestellt" Welche weitere wunderbare Ziele hat denn ein Unternehmen? Etwa die Glückseligkeit der Mitarbeiter? Ein Unternehmen läuft am besten, wenn jede Hierarchieebene die Gesamtziele und entsprechende Teilziele kennt.
Das oberste Ziel eines Unternehmens ist die im Beitrag angesprochene Zukunftsfähigkeit.

Wem nutzt die Effizienz von heute, wenn man sich dabei langfristig den Ast, auf dem man sitzt, absägt?

Unternehmen, die nur auf Zahlen und Effizienz im Moment schielen sind am Ende perfekt angepasst und optimiert auf die aktuelle Situation, gelten darin vielleicht sogar als Vorbild, haben aber jede Anpassungsfähigkeit verloren (kaputtgespart), wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Was sie unweigerlich tun werden.

Beispiele gibt es genug, man denke an die großen amerikanischen Autoproduzenten, die Entwicklungen völlig verschlafen haben, man denke an die britische Textilindustrie, die vor langer Zeit mal weltweit führend war (ganz zu schweigen von der britischen Industrie an sich, die überhaupt erst die Industrialisierung begründete...wo sind diese Unternehmen heute alle? Man kann dem Manchester-Kapitalisten sicher nicht nachsagen, daß er nicht zuerst an Zahlen gedacht hätte). Bei der deutschen Industrie kann man diesen Abstiegsprozess gerade beobachten (z.B. Siemens).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mjj 08.02.2015, 22:28
5. Endlich...

...mal ein (Ex) Manager der dieses Thema public macht. Ich selbst gehöre nicht zu der Riege der Manager, obgleich ich in einer Führungsposition bin und für einen großen deutschen Konzern arbeiten.

Ich gehe absolut mit den Vorrednern @1 und bissig konform. Eines der größten Probleme ist sicherlich die Rekrutierung des Nachwuchses und das Heranziehen der Nachfolger, sowie die Verweildauer eine Manager in einer Spitzenposition (i.d.R. 5 Jahre). Mal ehrlich, wer glaubt eigentlich daran, dass das gut und förderlich für eine Firma ist, wenn alle 5 Jahre ein neuer Schlaumeyer an der Spitze steht und mal lenken darf.

Was ich ebenfalls kritisiere ist der Mangel an sozialer Kompetenz im deutschen Managerkaders. Es wird sich mit Ellenbogen an die Spitze geboxt und getreten. Am Steuerruder angekommen wird dann wild hin und her gelenkt, ohne eigentlich genau zu wissen wohin man will. Wird das Schiff gegen die Klippen gesteuert waren es erst einmal die anderen Schuld und die Belegschaft darf es dann ausbaden. Der Manager scheidet aus und darf sich dann für einen Job in den unzähligen Aufsichtsräten zB. S21 oder BER bewerben, wo sie dann mit dem gleichen Mist mit einer überaus glänzender Inkompetenz weiter machen. Siehe auch hierzu https://www.youtube.com/watch?v=2r_u1F3IQNU

Eine besonder Fähigkeit, welche den deutschen Manager auszeichnet ist seine Gabe den Mitarbeiter so zu demotivieren, dass im das Gesamtziel sowie deren "heilige" Teilziele ziemlich egal werden. Ende vom Lied, schlecht gelaunte Mitarbeiter produzieren schlechte Produkte und behandeln Kunde schlecht. Aber Hauptsache am Ende des Jahres stimmen die Zahlen (aber nur, weil man ein Sparprogramm gefahren hat)

Meine lieben Bernd Stromberg Manager da draußen versucht es mal mit Konstruktivismus und Mitarbeitermotivation, dann klappts auch mit den Zahlen am Ende des Jahres.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fatfrank 08.02.2015, 22:31
6. Die Überschrift weckt ganz andere Erwartungen.

Schön wäre es gewesen, mehr über die "Schule der Intrigen" in deutschen Unternehmen zu erfahren. Letztlich ging es im Artikel aber "nur" um Homosexualität.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Mondlady 08.02.2015, 22:40
7. Hehre Worte von Herrn Sattelberger

Klingt nicht sehr glaubhaft von einem Topmanager, der einmal selbst gesagt hat, dass es ihn stolz mache und freue, dass die Mitarbeiter bei Lufthansa Angst haben, wenn sie ihm auf dem Flur begegnen?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
GeMe 08.02.2015, 22:52
8. 24 Monate sind das Maximum,

des Planungshorizontes, den ein Unternehmen im Auge hat.
Investitionen und Umstrukturierungen müssen sich in max 24 Monaten amortisieren, sonst sind sie uninteressant.
Manager denken maximal soweit wie die Restlaufzeit ihres Vertrages reicht. Bis dahin muss der Laden brummen, damit die Abschlussprovision stimmt.

Wechselt man danach in ein anderes Unternehmen, ist es egal wie man den letzten Laden verläßt, bekommt man eine Vertragsverlängerung im alten Unternehmen, muss man entsprechend vorsorgen, damit man auch die nächsten Jahre sein Geld verdient.
Der Facharbeiter am unteren Ende der Hierarchiekette interssiert dabei nur als Kostenfaktor, den man möglichst einsparen muss.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
MoorGraf 08.02.2015, 23:30
9. es gibt eine Zeit für Entwicklung....

... und es gibt eine Zeit für Konsolidierung, beides hat im Unternehmen sein Recht.

Unternehmen müssen erstmal eine Idee haben, wie sie am Markt Geld verdienen wollen (oder wie sie die Welt verbessern oder was auch immer.... bei Steve Jobs war das Geldverdienen irgendwie auch wichtig, aber weit hinter seiner umfassenden Vision von "incredible greatness", seiner Vision, die Welt viel besser zu machen; ähnlich war es bei Siemens, Bosch, bei Fischer und vielen anderen)

Und dazu braucht es einerseits genügend Erfolg mit Geldverdienen (das ist letztlich die Ressource, die den Rest ermöglicht), aber auch genügend Vision und Freiraum zum Ausprobieren und auch Scheitern, um das Unternehmen weiterzuentwickeln.

Was Sattelberger meint (also was ich davon verstanden haben): Google schafft eine Balance zwischen Großartigkeit und Begeisterung einerseits und dem sehr effizienten finanziellen Ausbeuten funktionierender Ideen. Da ist Raum für Google Maps, Android oder Internet-by-Luftballon und da sind Milliardengewinne, die effizient aus den funktionierenden Produkten herausgeholt werden. Ähnlich ist es bei Amazon: wäre Bezos stehen geblieben, bei "ich weiß, wie Handel funktioniert", wäre Amazon längt wieder untergegangen. Nur solange es immer wieder neue Ideen gibt, neue Bereiche, die ausprobiert werden und die Amazon mittlerweile zu einem Medienkonzern, Handyhersteller, Organisator von Finanzströmen, Rechenzentrum, ... machen, wird Amazon weiterhin in der Lage sein, zig-Tausend Arbeitsplätze zu schaffen und zu halten (und Millionen glückliche Kunden begeistern)...

Deutsche Firmen (Lufthansa, Deutsche Bank, Siemens, Metro, ...) sind sehr fokussiert, das bestehende Geschäftsmodelle noch effizienter zu gestalten, was erstmal prima ist, aber eben nur einige wenige Jahre gut geht. Danach ist entweder die Kuh totgemolken oder der Fokus muss sich wandeln... und da sind die Skandinavier oder amerikanischen Unternehmen einfach besser/schneller (die UK sehe ich da nicht so, aber auch das weiß Sattelberger wesentlich besser als ich :-))

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2