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Marketing: Bitte keine Instantbücher mehr!
Corbis

Auf der Buchmesse wurden massenweise Business-Bücher vorgestellt, die besser nicht geschrieben worden wären. Sie kommen von Autoren, für die das Buch nur ein Mittel zur Selbstvermarktung ist. Monika B. Paitl und Jörg Achim Zoll erklären für Harvard Business Manager, warum solche Bücher die Buchkultur ruinieren.

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MikeNaeheHamburg 15.10.2012, 09:19
1. optional

Noch überflüssiger sind Kochbücher (à la „Die wirklich echt authentische italienische Küche“), die für 4,95 bei den großen Filialisten die Regale vollmüllen, der 23. Abklatsch irgendeines Historienromans und ähnlicher Mist. Außer den Bestsellern bekommt man vielerorts kaum noch was anderes zu sehen. Klassiker sind ja oft schon aus den Regalen verschwunden wegen Platzmangel. So kann man auch eine Lesekultur zerstören.

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Archimedes_da_Siracusa 15.10.2012, 09:34
2. Peer-Review

Neue Erkenntnisse, welche der wissenschaftlichen Überprüfung standhalten, werden erscheinen nicht zuerst in Büchern, sondern in Fachmagazinen.
Alles andere war immer schon mehr Business als Wissensspeicher.

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kumi-ori 15.10.2012, 09:37
3. optional

Solche Bücher gab es doch schon immer und nicht nur auf dem Wirtschaftssektor sondern auch in allen anderen Bereichen. Als ich mal die Druckwerke in den Hinterlassenschaften meiner Ahnen durchgeschaut habe, fand ich viel Gruseliges zu jedem Sachgebiet aus einem Publikationsjahr, in dem die 19 vorne noch ziemlich frisch war.

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querollo 15.10.2012, 09:45
4. Fatal

Sabine Asgodom, eine Couchette, ruft in gleich mehreren ihrer Bücher ausdrücklich dazu auf, zum Zweck der Selbstvermarktung ein Buch auf den Markt zu bringen und gibt auch gleich eine Anleitung (am besten eine eigenen Methode benennen - Name reicht). Kennt man diese Anleitung, so findet man immer wieder amüsiert in einem Wust von Banalitäten genau diesen Roten Faden wieder. Zum Beispiel beim bisher schlechtesten "Fachbuch", dass ich je gelesen habe. Darin vermarktet die Autorin nicht nur sich selbst, sondern auch gleich all ihre kleinen Freunde, in dem sie und ihre Geschäfte ausführlich in "Anwendungsbeispielen" Erwähnung finden - mit voller Adresse und dem Hinweis darauf, wie klasse sie doch auf ihrem Arbeitsgebiet sind. Höhepunkt ist das Interview mit einer anderen Couchette zum Thema Leitbild, in dem die Interviewte gefragt wird, ob sie eins hätte und im Grunde wortreich antwortet, dass dem nicht so sei. Klar, so unterstreicht man natürlich die Wichtigkeit eines Leitbildes. Oh, und natürlich gibt es auch hier eine Methode - die VIVA Methode, die komplett substanzlos ist.

Abgesehen von der eigenen Selbstvermarktung gab es hier - wie vermutlich in vielen anderen Fällen eine weitere Motivation zum Bücherschreiben: Die Dame ist Dozentin und braucht, will sie jemals Professorin werde (was der Herr verhüten möge), wenn sie schon keinen Doktortitel hat, so doch wenigstens eine Veröffentlichung.

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ancoats 15.10.2012, 10:17
5. So, so

Zitat von sysop
Auf der Buchmesse wurden massenweise Business-Bücher vorgestellt, die besser nicht geschrieben worden wären. Sie kommen von Autoren, für die das Buch nur ein Mittel zur Selbstvermarktung ist. Monika B. Paitl und Jörg Achim Zoll erklären für Harvard Business Manager, warum solche Bücher die Buchkultur ruinieren.
Das ist ja alles richtig, aber die entsprechenden Autoren "ruinieren die Buchkultur" (geht's vielleicht noch ein bisschen dramatischer?) durchaus mit tätiger Nachhilfe von Harvard Business Manager, Spiegel, FAZ und Co., die jeden dieser albernen Selbstdarstellungspüpse regelmäßig auch noch besprechen. Laßt das doch einfach mal.

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ralf_si 15.10.2012, 10:18
6.

Zitat von sysop
Ob sie etwas zu sagen haben, fragen sich die Vertreter dieses Typs frühestens im zweiten Schritt. Manchmal auch gar nicht.
Unterscheidet sich nicht von der Masse der Blogs. Fragt sich nur, ob mittlerweile eine von Google geprägte Generation von Lektoren ihre Qualifikation ins Spiel bringen?

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nr.7 15.10.2012, 10:32
7. Danke!

Danke! Danke!

Nicht dass ich die Hoffnung hätte, es würde was gegen die Flut von gebundenem Stuß helfen.

Trotzdem: Danke!

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MoorGraf 15.10.2012, 10:47
8.

ja ja, und im Dezember 2012 geht die Welt unter...

vor 50 Jahren war die Produktion eines Buches eine sehr aufwendige (aka teure) Veranstaltung, also wurde da recht sorgfältig gesiebt, was veröffentlicht wurde.

Heute ist das Drucken eines Buches nahezu kostenlos zu haben (in der Regel für weniger als ein Monatsgehalt), so dass Autoren "sich ihr eigenes Buch gönnen" können.

Da sich das erst nach und nach im Bewusstsein der potenziellen Kunden niederschlägt, kann mit dem noch unterstellten Renommee durchaus ein positiver Effekt verbunden werden, also wären Berater, Fachleute etc. dumm, wenn sie das nicht nutzen würden.

Da ich auch schon recht viele solcher Instantbücher in der Hand hatte, interessieren mich Bücher nicht mehr als solches, ich schau eher auf den Verlag (wenn z.B. Handelblatt oder Harvard etwas herausgeben, ist es meistens lesenwert etc.) oder ich schau mir (z.B. auf Amazon) an, was andere Leser darüber sagen.

Vermutlich geht das in Zukunft den meisten anderen Lesern auch so, aber selbst dann ist ein eigenes Buch eine gute Gelegenheit, seine Ideen und Konzepte mal gründlicher zu Papier zu bringen, als das in einer konkreten Beratungssituation möglich wäre und damit steigt in Zukunft die Zahl dieser Bücher sicherlich (ich find´s dann besser, dass Fachleute selber die Bücher schreiben, aber da viele Fachleute leider schlechte Autoren sind, gibt es auch legitime Gründe für Ghostwriting).

Dass das jetzt die Buchkultur ruiniert?Wahrscheinlich ähnlich wie die Gutenbergpresse vor 500 Jahren die Buchkultur ruiniert hatte: auch damals haben die Mönche argumentiert, dass das monatelang dauernde händische Abschreiben verhindert, dass der Buchmarkt durch Massenschund geflutet wird. Was ja auch stimmte. Was aber auch einer Flut von richtig guten Büchern (und Ideen wie der Reformation, Humanismus, Aufklärung etc.) zur Folge hatte.

Es wird auch in 100 Jahren noch GUTE Bücher geben, es war auch vor 100 Jahren schon so, dass viele schlechte Bücher gedruckt wurden (und wie heute zu 99% ungelesen eingestampft wurden), also dass das jetzt die Buchkultur ruinieren soll, kann ich nicht erkennen.

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Karl_Lauer 15.10.2012, 12:22
9. marketing management

Ich schreibe als Fachfremder eine Arbeit zum Thema Marketing und habe mich zunächst für das Thema "Guerilla Marketing" sehr interessiert... bis ich mir ein paar der "Fachbücher" zu Gemüte geführt habe.
Schnell wurde mir klar das viele Werke sich nicht mit dem Thema selbst beschäftigen sondern schlicht selbst eine Maßnahme des Marketing sind. Eben für den jeweiligen Autor.
Dann lieber schön zurück zu Kotler und Co..

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