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Mein Leben als Finanzbeamter: "Wir müssen eben Gesetze einhalten"
DPA

Das sichere Auskommen als Staatsdiener war sein Ziel, doch dann erlebte er das reale Behördendasein: Ein Finanzbeamter berichtet - von uralten Computern, starrer Hierarchie und ungerechter Behandlung von Steuerzahlern.

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sammilch 14.03.2017, 11:00
1. Finanzbeamter

Ein ganz normaler Beruf halt. Der Chef (Staat) sagt was gemacht werden muss, und man tut es - für gutes Geld.

Natürlich ist der Gedanke an legale Steuervermeidung von größeren Firmen zermürbend, wenn man sieht, dass ein normaler Arbeitnehmer wenig Einfluss auf seine Steuerzahlung hat.
Ich glaube, da muss man einfach Typ Schreibtischtäter sein. Ganz nüchtern abarbeiten.

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bernd80b 14.03.2017, 11:19
2. Er sagt

fast alles, was vorgeht. Auch im Finanzamt, wie in allen Behörden, sind uralte Programme mit uralten Computern eingesetzt. Es ist kein Geld da für zeitgemäße PC-Ausstattung und schon gar keines für Leute, die erforderliche Programme entwickeln könnten. Diejenigen, die das bisher machen sind meist welche, die es sich selbst beigebracht haben und unterbezahlt ausgenützt werden.Zudem fehlt ein Länderübergreifender Austausch zwichen den wenigen Fachleuten -und damit meine ich genau nicht die Behördenleiter- so dass in einem Bundesland noch mit dem Taschenrechner gerechnet wird, im anderen immerhin schonmit einem Rechenprogramm. Noch schlimmer in der Justiz, wenn Sie da z.B. einen Pfändungsbeschluss beantragen, die Kosten dafür entrichtet haben, dann erfahren sie nach ca. einem halben Jahr, dass schon andere vor längerer Zeit das bei diesem Schuldner vergeblich versucht haben. Hätten die eine funktionierende Datenbank, wüssten Sie das schon bei der Antragstellung und würden darauf verzichten.

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chrisho 14.03.2017, 11:20
3. Sicherheit vs. Träume

Natürlich ist Sicherheit im Job eine feine Sache. Aber mit der Tatsache, dass bereits in jungen Jahren das gesamte Berufsleben final vorbestimmt ist (Gehaltsentwickung, Aufstiegswege, ...), könnte ich nicht leben. Ich mache einmal einen Vertrag, der besagt, wie viel Lebenszeit ich bis zum Tod für wie viel Geld abgeben werde. Ende, das war's. Dann heißt es nur noch warten, bis alles vorbei ist. Nein, so könnte ich nicht arbeiten. Da bleibe ich lieber Friberufler und kann immer wieder eine neue Arbeitswelt entdecken, auch wenn die Gefahr besteht irgendwann einmal zu scheitern.

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sven2016 14.03.2017, 11:29
4.

Im Prinzip sind alle Bürojobs, die man fachlich beherrscht, langweilig.

Kreativbranche ist halt was Anderes - aber mit 65-67 Jahren freut man sich dann vermutlich dich, dass man es richtig gemacht hat.

Und: Sagen Sie mal in einem privaten Betrieb, wann Sie 25jähriges haben werden.... das kommt bestimmt gut an ;)

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wally76 14.03.2017, 11:30
5. Nochmal zurück?

Wenn er jetzt in einer ganz anderen Branche arbeitet müsste er ja eigentlich gekündigt haben und könnte höchstens noch als Angestellter zurück, wobei ich nicht weiß, ob das beim Finanzamt möglich ist. Es ist schwer vorstellbar, dass das Finanzamt Beamte freistellt für Jobs in der Wirtschaft. Das wäre eine extreme Ausnahme, die selten klappt. Es sei denn, er ist im ÖD geblieben, evtl. sogar als Beamter, aber in ein anderes "Sachgebiet" wie z. B. Straßenwesen gewechselt.

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bronck 14.03.2017, 11:34
6. Uralte PCs etc.

Irgendwie kann es eine Behörde der Öffentlichkeit nie recht machen. Werden - um Kosten zu sparen - die alten PCs weitergenutzt, dann wird man gescholten man sei rückständig und ineffizient. Werden neue PCs beschafft, dann wird die Verschwendung von Steuergeld angeprangert.

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Freidenker10 14.03.2017, 11:35
7.

Bin kein Beamter aber im Rahmen meiner Ausbildung habe ich 2002 ein mehrmonatiges Praktikum in einem Sozialministerium absolviert. Ich habe micht dort in die 50 ziger Jahre zurückversetzt gefühlt. Möbel und Einrichtung stammten mit sicherheit aus dieser Zeit und der Menschenschlag wohl auch. Ministerialbeamte sind vermutlich ein ganz besonderer Typus Mensch, aber vielleicht sind die im Finanzamt auch so...? Kein Lachen, wirklich nicht ein einziges in 3 Monaten gehört! Totales Obrigkeitsdenken! Gut zu erkennender Neid auf Beförderungen anderer. Keine erkannbare Kollegialität, aber eine stark subventionierte Kantine mit Preisen von 1.20 Euro pro Mahlzeit und das bei den Gehältern, schon ein Witz! Freitags um 12.00 Uhr ist dann wirklich der Bleistift gefallen und die Leute waren weg bevor selbiger den Boden erreicht hat. Ich arbeite zwar im öD, aber im Leben würde ich in keine Behörde oder gar Ministerium wechseln!

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whitewisent 14.03.2017, 11:36
8.

Ein merkwürdiger Artikel. Die geschilderten Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt, also schon vor der Bewerbung des ehemaligen Beamten.

Was hier aber untergeht, er war durch sein Studium Beamter des Gehobenen Dienstes, hat also mehreren Beamten des Mittleren und Einfachen Dienstes das Arbeitsleben mit genau den Methoden versauert, die er selbst kritisiert. Beförderungen? Wenn man davon in 40 Berufsjahren realistisch gesehen zwei zu erwarten hat, ist man bei der Ersten bestenfalls jünger als 40, die andere folgt 15 Jahre später im Regelablauf. Denn Gegenfrage lautet, wie eine Motivation zu erreichen wäre, wenn bereits nach 10 Jahren das Endamt wegen guter Leistungen erreicht wäre. Dazu kommt, daß es bekanntermaßen vergleichende Beurteilungen sind, bei denen die verfügbaren Notenkorridore genauso vorbestimmt sind, wie Geschlechterquote und ein Rechtsanspruch von früher entsprechend Beurteilten. Wer damit nicht leben und arbeiten kann, sollte gar nicht erst bei ner Behörde oder der Bundeswehr anfangen. Es sind alles nur kleine Ameisen, selbst die vermeintlichen Königinnen oder Sachgebietsleiter.

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ruhepuls 14.03.2017, 12:12
9. Freizeit...

Zitat von chrisho
Natürlich ist Sicherheit im Job eine feine Sache. Aber mit der Tatsache, dass bereits in jungen Jahren das gesamte Berufsleben final vorbestimmt ist (Gehaltsentwickung, Aufstiegswege, ...), könnte ich nicht leben. Ich mache einmal einen Vertrag, der besagt, wie viel Lebenszeit ich bis zum Tod für wie viel Geld abgeben werde. Ende, das war's. Dann heißt es nur noch warten, bis alles vorbei ist. Nein, so könnte ich nicht arbeiten. Da bleibe ich lieber Friberufler und kann immer wieder eine neue Arbeitswelt entdecken, auch wenn die Gefahr besteht irgendwann einmal zu scheitern.
Viele Menschen "leben" in ihrer Freizeit. Denen ist der sichere Job wichtiger als die "Selbstverwirklichung" im Beruf, die eh vielen nicht gelingt. Andererseits kann man seine Freizeit entspannter genießen, wenn man weiß, dass am Monatsende wieder das Geld auf dem Konto ist, mit dem man gerechnet hat. Das ist für Selbständige leider nicht so.

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