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Mein Leben als Finanzbeamter: "Wir müssen eben Gesetze einhalten"
DPA

Das sichere Auskommen als Staatsdiener war sein Ziel, doch dann erlebte er das reale Behördendasein: Ein Finanzbeamter berichtet - von uralten Computern, starrer Hierarchie und ungerechter Behandlung von Steuerzahlern.

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Mustzy 15.03.2017, 09:57
70. das steuersytem ist ungerecht....

nun muss man sich mal vorstellen von wem diese gesetze erlassen worden sind von irgendwelchen"korrupten" politiker zu gunsten bestimmter auch nicht sehr ehrlicher leute...
die dummen zahlen die zeche(steuern) die klugen(betrüger) kassieren die zeche(steuern) die ehrlichen kommen dann in den knast und die betrüger kommen davon so is´s das muss dringend geändert werden ...

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chrome_koran 15.03.2017, 10:46
71. Mobilität im Berufsleben

Persönlich bin ich den umgekehrten Weg gegangen: erst die freie Wirtschaft –darunter die Kreativbranche –dann der Öffentliche Dienst, allerdings als Angestellter. Die beiden Abschnitte halten sich zeitlich im Moment ungefähr die Waage. Mit Mitte 50 kann ich nun sagen: ich bedaure nichts, außer vielleicht, nicht ein paar Jahre früher im ÖD angefangen zu haben. So war ich für die Verbeamtung zu alt (jawoll, der Staat bricht hier seine eigenen Gesetze und diskriminiert Menschen wegen ihres Alters) und meinen "25-er" werde ich auch knapp verfehlen.

Davon aber abgesehen war der Schritt in Richtung ÖD richtig. Zumal in der "Kreativbranche" Leute in meinem Alter heutzutage entweder Agenturchefs a.D. / Stardesigner sind oder (das dürfte die Mehrheit sein) nicht mehr existieren. In der freien Werbe-und IT-Wirtschaft hatte ich viel mit Aufgaben von öffentlich-rechtlichen Auftraggebern zu tun und weiß nun ein bisschen, wie das Spiel an beiden Seiten läuft. Und die gewisse Sicherheit des Arbeitsplatzes, die in der Kreativbranche höchstens ein Witzthema sein kann, weiß jeder ab etwa Ende 40 zu schätzen, der zuvor mehrmals den "Job" gewechselt hat und Überstunden für umme schob ("Komm, wir sind doch keine Agentur, sondern eine Familie… Sonntage werden eh überbewertet"…).

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Pless1 15.03.2017, 10:51
72.

Zitat von muunoy
Ja, bei einer Betriebsprüfung muss mehr für den Staat herausspringen. Das weiß auch jeder Selbständige. An Steuergerechtigkeit glauben doch nur noch absolute Naivlinge. Bei jeder Betriebsprüfung gibt es daher die orientalische Phase, wo über die Mehrzahlungen gefeilscht wird. Daher ein paar Tipps: Machen Sie zunächst ein oder zwei Fehler in Ihrer Buchführung zu Ihren Lasten. Der Prüfer findet diese Fehler normalerweise nicht. Sie können aber während der orientalischen Phase darauf verweisen. Dann machen Sie mind. einen Fehler zu Ihrem Vorteil. Das geilt jeden Prüfer auf. Wenn der gar nichts findet, haben Sie in der Tat ein Problem. Dann gibt es Vorschläge, die für beide Seiten positiv sind (sog. win-win Situation). Mein Betriebsprüfer hat mich darauf gebracht und ich fand den Vorschlag toll: Ich schreibe einfach meinen Dienstwagen, den ich gebraucht gekauft hatte, noch mal 2 Jahre länge ab. Ich musste 4.500,-EUR plus 80,-EUR Zinsen (o.k., die sind ärgerlich) nachzahlen, bekam den Betrag aber in den zwei Folgejahren wieder zurück. So kann der Staat dann wieder Pressemitteilungen raus geben, dass er so wahnsinnig viel Mehreinnahmen aufgrund von Prüfungen hatte und verschweigen, dass diese Einnahmen in den Folgejahren fehlen. Ist doch alles nur Show. Also, überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Steuerberater, was Sie dem Prüfer in der orientalischen Phase einer Betriebsprüfung anbieten können.
Ja, so geht das. Es interessiert den Betriebsprüfer nur das Mehrergebnis im Prüfungszeitraum. Bei unserer letzten BP hat er eine Rückstellung rausgeworfen im letzten Prüfungsjahr. Die hatten wir ohnehin im Folgejahr (außerhalb des Prüfungszeitraums) aufgelöst, sie wurde steuerlich also nur ein Jahr vorgezogen. Statistisch war das ein riesiges Mehrergebnis für den Prüfer (siebenstellig), es blieben aber nur ein paar Zinsen hängen. Dafür hat er ein paar andere Dinge fallen lassen, die er zunächst aufgegriffen hatte und die zu "echtem" Mehrergebnis geführt hätten. Das war aber sehr dünnes Eis, im Klageverfahren hätte die BP ziemlich schlechte Karten gehabt. Aber wer will schon vors Finanzgericht ziehen, auch als Steuerpflichtiger. Selbst wenn man sich nahezu sicher ist, zu gewinnen: das kostet Unsummen an Zeit und Nerven, Beratungskosten etc. und sollte aus meiner Sicht tunlichst vermieden werden. Dafür haben zumindest wir hier keine Ressourcen.

Am Ende konnte der Prüfer bei seinem Sachgebietsleiter glänzen und wir sind ziemlich billig weg gekommen. Ärgerlich ist dann allenfalls noch der nicht mehr in die Zeit passende Zinssatz von 6%, der aufgrund der meist späten Prüfungen oft mehr als die Hälfte der Nachzahlungen ausmacht. Mit Steuergerechtigkeit oder auch nur richtiger Steuerermittlung hat das alles gar nichts zu tun. Man zahlt nach für Sachverhalte, die meistens gar nicht so sind während Sachverhalte, die vielleicht wirklich auch anders gesehen werden könnten wären oft gar nicht betrachtet werden.

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der-junge-scharwenka 15.03.2017, 16:28
73. Doch Gesetz

Zitat von hman2
Nur sind die Steuern gar nicht in Gesetzen festgelegt, sondern in der Abgabenordnung und die kommt - von der Verwaltung.
Bekommt man denn diesen Unsinn nie aus den Köpfen? Die Abgabenordnung ist selbstverständlich ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz im formellen und materiellen Sinn. Sie verwechseln "-ordnung" mit "Verordnung". Nur letzteres wäre eine von der Verwaltung erlassene Norm.

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tomblu 15.03.2017, 20:44
74.

Zitat von karin_mainz
Ob Sie auch noch so denken, wenn z.B. die Polizei oder Lehrer dann anfangen ggf. Wochen zu streiken?
Man braeuchte doch lediglich die Gesetze entsprechend aendern damit Angestellte des Staates eben nicht streiken duerfen. Auch wenn sie nicht Beamte sind. Wo ein Wille, da ein Weg.

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tomblu 15.03.2017, 20:53
75.

Zitat von Fraktale_Dimension
"Meiner Meinung nach ist das Beamtentum veraltet." Wie die Trend-Mode-Farbe des letzten Jahres? "Das kann man mit ganz regulaeren Arbeitnehmern auch schaffen, mit dem Vorteil, dass man schlechte auch mal wieder loswerden kann." Wir sind froh, überhaupt jemand halbwegs qualifiziertes zu bekommen, da die Randbedingungen (bis auf die Unkündbarkeit, und auch die hat Nachteile!) nicht mehr stimmen. "Ich finde es voellig ueberzogen, all diesen Leuten eine Beschaeftigungsgarantie auf Lebenszeit zu geben nur weil sie fuer den Staat arbeiten." Sehr kurz gedacht. Es ist ein Dienst- und Treueverhältnis, mit allen Vor- und Nachteilen (z.B. Streikverbot). Ausserdem fällt die Tätigkeit nicht weg, weil der Staat normalerweise Bestand hat. Einem Pizzaboten in einer 10000 Einwohner Gemeinde kann ich keine Beschäftigungsgarantie geben, wenn das Geschäft nicht mehr läuft ...
Randbedingungen kann man auch entsprechend veraendern, man muss nur wollen. Streikverbot koennte man problemlos gesetzlich auf Staatsangestellte erweitern. Wer dann fuer den Staat arbeitet, darf nicht streiken, obwohl man nicht Beamter ist und keinen Arbeitsplatz auf Lebenszeit hat. Wo ist das Problem?

Nur weil man keinen "Beamtenstatus" bzw Arbeitsgarantie auf Lebenszeit hat, bedeutet doch noch lange nicht, dass es minderwertige Arbeit ist, oder man nur Leute auf "Pizzaboten"-Niveau braucht.

Fallen z.B. Arbeitsplaetze durch Automation (Computer) weg, um den Staat effizienter machen zu koennen, dann kann man diese Arbeitnehmer - wie in jedem privaten Unternehmen auch - genauso gut entweder anderweitig weiterbeschaeftigen, oder - notfalls - entlassen. Und wenn ein guter Mitarbeiter nach Jahren - warum auch immer - zum totalen "Versager" wird, sollte man halt auch die Moeglichkeit haben, so eine Person irgendwie loszuwerden. Schliesslich sind das Leute, die mit Steuergeldern bezahlt werden, und Steuern verprassen nur damit man Leute *irgendwie* "weiterbeschaeftigt" ist ja wohl auch kaum im Wohl des Volkes.

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unaufgeregter 16.03.2017, 08:18
76. Es ist langweilig

Seit bald 40 Jahren arbeite ich in verschiedenen Bereichen des Öffentlichen Dienstes und ich kann nur bestätigen, was der Autor schreibt. Entweder ist es grottenlangweilig oder es wird auf Kleinigkeiten herumgeritten. Das Große und Ganze interessiert selten. Besonders unangenehm empfinde ich die vielen schlechten Vorgesetzten. Da gab es die Zicke mit Minderwertigkeitskomplexen, die immer mit den Augen rollte, aber sonst nichts geregelt bekam. Oder der Choleriker, der der Auffassung war, dass er der ganz große King ist. Eine echte Lachnummer. Und alle längst versetzt. Auf Posten, auf denen sie keinen Schaden mehr anrichten können, weil Personal ja heute flexibel reagiert, wenn ein Dösbaddel die Regie führt.

Die Mehrzahl der Vorgesetzten ist durchgehend desinteressiert. Warum auch immer. Das Schlimmste was man als Mitarbeiter machen kann, sind Verbesserungsvorschläge. In meiner langen Berufstätigkeit habe ich gelernt, dass es besser ist, immer schön unter dem Radar zu bleiben, notfalls so zu tun, als wäre man total beschäftigt. Okay, das Gehalt ist mit rd. 50.000 Euro überschaubar. Für mich überwiegen allerdings die Vorteile: Das Geld ist immer pünktlich auf dem Konto. Ich bin "unkündbar" und mache pünktlich Feierabend ohne auch nur noch einen Gedanken an die Arbeit zu verlieren.

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rad666 17.03.2017, 12:50
77.

Zitat von tomblu
Man braeuchte doch lediglich die Gesetze entsprechend aendern damit Angestellte des Staates eben nicht streiken duerfen. Auch wenn sie nicht Beamte sind. Wo ein Wille, da ein Weg.
Das wird spannend.
Das Streikrecht ist ein Menschenrecht welches eigentlich auch Beamten zusteht. Einige Gerichte haben schon geurteilt dass auch verbeamtete Lehrer streiken dürfen, da dies kein Kernbereich des Staates sei (im Unterschied zu Polizei und Justiz).

http://www.tresselt.de/lehrerstreik.htm

Die Rosinenpickerei mit "dann dürfen eben auch die Angestellten nicht streiken" wird also nicht funktionieren (zumal man dann überhaupt keine qualifizierten Bewerber mehr finden würde, der ÖD ist was rein die Bezahlung angeht schon lange nicht mehr konkurrenzfähig).
Es ist von Vorteil wenn Gesetze auch Verfassungskonform sind, ihr Vorschlag fällt leider nicht darunter.

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Hans58 17.03.2017, 17:30
78.

Zitat von wally76
Wenn er jetzt in einer ganz anderen Branche arbeitet müsste er ja eigentlich gekündigt haben und könnte höchstens noch als Angestellter zurück, wobei ich nicht weiß, ob das beim Finanzamt möglich ist. Es ist schwer vorstellbar, dass das Finanzamt Beamte freistellt für Jobs in der Wirtschaft. Das wäre eine extreme Ausnahme, die selten klappt. Es sei denn, er ist im ÖD geblieben, evtl. sogar als Beamter, aber in ein anderes "Sachgebiet" wie z. B. Straßenwesen gewechselt.
Aus dem Artikel kann man "zwischen den Zeilen" entnehmen, dass er seine Entlassung beantragt hat. Der Begriff "Kündigung" kennen weder die Landesbeamten- noch das Bundesbeamtengesetz.
Da er als Finanzbeamter Landesbeamter war, kommt es auf das Bundesland an, um Altersgeld (Versorgungsansprüche aus seinem ehemaligen Dienstverhältnis) zu erhalten.

Freistellung vom Dienst ist möglich, ist aber eher die Ausnahme.
Als ehemaliger Beamter kann er wieder "reaktiviert" (berufen)werden.

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RalfWenzel 28.07.2017, 14:00
79. Meine Erfahrungen mit dem Finanzamt sind sehr positiv

Ich habe oft sehr positive Erfahrungen mit dem Finanzamt gemacht. Dort arbeiten Menschen und wenn sie noch nicht allzu abgestumpft sind, geben sie sich wirklich Mühe, dem Steuerzahler zu helfen. Manche freuen sich sogar, mal einen Menschen kennenzulernen.

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