Forum: Karriere
Mein Leben als Friseurin: "Mich schockiert nichts mehr"
REUTERS

Früher musste sie ungewaschenen Herren die Haare schneiden und Kunden unsinnige Wünsche erfüllen - bis sie ihren eigenen Salon eröffnete. Eine Friseurin berichtet von ihrem Berufsalltag.

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observerlbg 26.01.2017, 07:03
1. Gratuliere,

es gibt sie noch, die "kleinen" Selbstständigen, die Spaß an ihrem Job haben, auch in einer Branche, die traditionell wenig Lohn ermöglicht. Aber all zu oft werden die Angestellten von egoistischen Chefs ohne Personalführungseignung ausgebeutet. Als Kunde erkennt man solche Betriebe schnell an der vorherrschenden Stimmung im Betrieb.

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Rollerfahrer 26.01.2017, 07:28
2. Nun ja, ist es wirklich so?

Auch ich kenne ein wenig von diesem Geschäft, und denke mir daß da wohl einiges durch die rosa rote Brille gesehen wurde und anderes überspitzt dargestellt ist.
Fangen wir hiermit an: "Die Arbeit am Kunden macht nur einen Bruchteil meines Alltags aus."
Ich sage, bei zwei Angestellten, -die vernüftig bezahlt werden - kann man so keinen angemessenen Lohn erwirtschaften. Die realen Kosten gegen die realen Einnahmen gestellt, passt nicht! Kein Kunde ist bereit, den doppelten Preis gegenüber den Mitbewerbern zu zahlen; es sei denn, man ist ein Star-Friseur! Genau das wollte die Gute aber nicht sein. Kunden aus dem Geschäft zu weisen, warum auch immer, ist mittlerweile nicht ungewöhnlich in Geschäften, die auch nur annähernd respektvoll mit den Mitarbeitern umgehen.
Auch das Trockenschneiden von ungepflegten Leuten pp. ist wohl nicht Stand der Dinge! Stellt sich auch die Frage, was ist ekelig? Für eine/r Auszubildende/en hat das, ganz sicher, einen anderen Grad, als für jemand mit deutlich mehr Berufserfahrung. Das liegt in der Natur der Dinge. Es ist schlicht relativ und klingt mir doch sehr nach einer übersteigerten Erinnerung. Jeder, der wirklich mit jungen Leuten gearbeite hat weis das.
Mein Fazit: Der Inhalt, der hier transportiert wurde, entspricht schlicht nicht wirklich der breitbandigen Realität.
Ausnahmen gibt es sicherlich, z.B. Haareschneiden ist mein Hobby, mein Geld kommt von woanders.
Viele Grüße von einem, der dieses Business aufgegeben hat, weil er genau für seine Arbeit eben nicht adäquat entlohnt werden konnte, obwohl ich dieses selber Geschäft betrieben habe und essen Startbedingungen nicht zu den schlechtesten gehörte. Ja, mein Geld kam von woanders, Gott lob!

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spon-41d-frm9 26.01.2017, 07:40
3. Ja,

das kann ich als -seit 6 Jahren- selbstständige Friseurin unterschreiben. Man muss nicht in irgendwelche asiatischen Länder schauen um nach Ausbeutung zu suchen. 25 Jahre meines Angestelltenlebens habe ich mit Existenzängsten verbracht. Denn in unserer Branche kann man seine Mitarbeiter trotz Arbeitsvertrag und Kündigungsfrist einfach rausschmeißen. Der Inhaber zahlt zwar bis zum Vertragsende, der Eindruck der Willkür und des Ausgeliefertseins bleibt.
Seit ich selbstständig bin,habe ich keine Ängste mehr. Ich gebe bei jeder Kundin/Kunden mein Bestes, und wenn das nicht genügt, dann bin ich nicht der richtige Friseur für diese Leute.
Ich arbeite ohne Angestellte. Hatte in meinem Leben noch nie soviel Urlaub, Gehalt und aus tiefsten Herzen Freude an der Arbeit.

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schorni76 26.01.2017, 07:42
4. Billige Frisur

Zum Thema Verdienst der Frisöre: Wer sich bei einem Salon die Haare für 20 ? oder darunter schneiden lässt, nimmt in Kauf, dass die Angestellten ausgebeutet werden. Für eine anständige Arbeit sollte man einfach auch anständig bezahlen.

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kpdsu 26.01.2017, 08:46
5.

@2 die Sache mit den Preisen ist doch gerade bei Frisuren komplett aus dem Ruder gelaufen. Auf der einen Seite gibts billig-Friseure mit 7?-Schnitt (Herren) und das geht in beliebigen Schritten hoch. Ich zahle zur Zeit z.B. 30? war aber auch schon bei 15? und 20?-Salons. Ist aber auch ein ganz anderes Erlebnis, da zahle ich gern das vierfache. Können sich aber viele nicht leisten. Wir entwickeln uns halt leider in die falsche Richtung in Deutschland.

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mam71 26.01.2017, 08:59
6.

Zitat von schorni76
Zum Thema Verdienst der Frisöre: Wer sich bei einem Salon die Haare für 20 ? oder darunter schneiden lässt, nimmt in Kauf, dass die Angestellten ausgebeutet werden. Für eine anständige Arbeit sollte man einfach auch anständig bezahlen.
Kommt drauf an. Mein Haarschnitt dauert mit Rasierer 10 Minuten. Dafür zahle ich 15 Euro plus 2 Euro Trinkgeld, macht umgerechnet ca. 100 Euro/ Stunde. Das finde ich angemessen.

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lady_hesketh-fortescue 26.01.2017, 09:04
7. Schöner Artikel

Meine Mutter hat unsere Familie als selbständige Friseurin auf dem Lande durchgebracht. Ich selbst habe die Lehre abgebrochen. Noch heute regt es mich auf, wenn Menschen herabwürdigend über diesen Berufsstand urteilen. Die Arbeit ist hart und in den allermeisten Fällen unterbezahlt.
Die größten Probleme sind meines Erachtens, dass es auf dem Gebiet zu viel Schwarzarbeit gibt und dass es Leute gibt, die für einen Haarschnitt nicht mehr als 10 Euro ausgeben möchten. Ich drücke der Dame die Daumen, dass sie noch lange bei guter Gesundheit durchhält.

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gammoncrack 26.01.2017, 09:21
8. Ich bin aus Bequemlichkeit

jahrelang immer in unser Einkaufszentrum zum einem Laden einer Friseurkette gegangen. Das war bequem und günstig. Der Preis, immer einen Maschinenschnitt, betrug 14.- Euro, mit Tip dann 16.- Euro.

Vor einigen Wochen hätte ich dort lange warten müsse, ging also in einen Friseurladen direkt in der Nähe. Ich musste nicht lange warten, zahlte 20.- Euro + 2.- Tip und bemerkte ein total anderes Klima bei den dortigen 4 Angestellten und der Chefin. Das war im Umgang locker und freundschaftlich. In dem Kettenladen merkte man immer eine gewisse Unzufriedenheit der Angestellten, der vermutlich auch den häufigen Personalwechsel begründet. Ich habe ganz selten einmal ein herzliches Lachen wahrgenommen.

Seit dem zahle ich lieber 22.- Euro statt 16.- Euro und verzichte auch auf die Erstattung von 1,40 Euro an Parkgebühren.

Insoweit kann ich absolut nachvollziehen, warum sich die Verfasserin in die Selbständigkeit begeben hat.

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licorne 26.01.2017, 09:27
9.

Es scheint so, dass manche Chefs das Trinkgeld als Gehalt sehen und deswegen knapp entlohnen. Da ist der Mindestlohn wirklich ein Segen.
Viele andere, im Gesundheits- und Pflegewesen können Ungepflegte nicht abweisen, das sollte eigentlich auch niemand tun.

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