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"Meistertitel so viel wert wie Studium": Chef verteidigt Wurstverkäuferin auf Faceboo
Kzenon/Getty Images

In einem bayerischen Supermarkt soll sich eine Kundin despektierlich über eine Mitarbeiterin hinter der Fleischtheke geäußert haben. Der Chef des Ladens ließ sich im Netz darüber aus. Die Reaktionen überraschten ihn.

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CobCom 01.06.2019, 22:14
250.

Zitat von niroclean
...war kann man sich ja denken. Tatsächlich ist aber ein Meisterbrief heute sicherlich gleich, oder gar höher zu bewerten als ein Hochschulstudium. Denn die umfassenden Kenntnisse, gepaart mit der notwendigen Berufserfahrung sind oft wertvoller als das eher theoretisch eingepaukte Universitätswissen. Dazu kommt noch, das viele mit einer Attitüde das Abitur/Studium wie ein Bundesverdienstkreuz vor sich her tragen und im festen Glauben sind dadurch das Recht haben sich zu einer besseren Klasse der Gesellschaft gehörig zu fühlen. Es gibt aber auch sehr bodenständige Akademiker.
Sie wissen aber schon, dass diese Fristen im Bereich Berufserfahrung relativ kurz sind. Berufsausbildung plus 1 Jahr reicht.
Die jüngste Person, die mir bekannt ist, war knapp 21 Jahre bei Ablegen der Meisterprüfung. Guter Mann, etwas unerfahren, aber das wächst sich raus.

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CobCom 01.06.2019, 22:23
251.

Zitat von MisterD
das war von der EU ein sehr unglücklicher Kunstgriff, um die deutschen Abschlüsse überhaupt irgendwo reinzupacken. Außerhalb Deutschlands kennt man nämlich weder Meister, noch staatl. gepr. Techniker... Das diese Gleichstellung lachhaft ist, können Sie alleine schon erkennen, wenn Sie sich mal die Ausbildungsdauer vor Augen führen... Bachelor = min. 6 Semester Studium Techniker = 2 Jahre Schule Meister = 1 Jahr Schule Selbst wenn der Stoff vom Niveau her derselbe wäre (was er nicht ist), würde das nicht hinkommen. Lassen Sie doch einen Handwerksmeister mal eine gewöhnliche Differenzialgleichung 2. Ordnung lösen, dann wissen Sie, wie gleichwertig das alles ist ;)
DAS können Sie ja auch mal bei den Soziologen oder den Juristen versuchen ... gerade letztere können ja addieren, was sie wollen, aber mehr als 15 Jahre kommt nie raus ;-)

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Nania 01.06.2019, 23:07
252.

Zitat von Gleichstrom
Stimmt. Aber da ist es gefühlt von unten nach oben, auch wenn das in der Rhetorik nicht wirklich rüberkommt, und Akademiker sind ja nun WIRKLICH weltfremd, und WIRKLICH überheblich, während der Meister einfach zurecht davon überzeugt ist, daß er alles kann, auf das es wirklich jemals ankommen werde. Überheblichkeit von Akademikern kenne ich nur aus dem Hörensagen ... und als Reaktion auf Leute, die einem fürs Diplom zwei linke Hände und das Leben außerhalb der normalen Realität vorwerfen.
Selbes auch hier. Ich habe auch viele Akademiker in meinem Umfeld, würde aber NIE auf die Idee kommen, meine Cousin, der selbst Handwerker ist, nicht mit dem nötigen Respekt zu behandeln. Und alle anderen auch nicht. Nur stichelt mein Cousin auch nicht gegen Akademiker und er weiß, dass da einfach anderes Wissen und in manchen Teilen BESSERES Wissen vorhanden ist. Das heißt nicht, dass der Akademiker beispielsweise einen Tisch besser zusammenbauen könnte als ein Schreiner, aber vielleicht, dass der Akademiker sagen kann, warum welches Holz für welche Aufgabe am besten geeignet ist - ganz salopp gesagt.
Ein Akademiker kann auch vielleicht keine Blume einpflanzen, aber er kann sagen, warum genau ein Dünger aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung besser für eine bestimmte Pflanze ist als ein anderer und auch einen neuen entwickeln.

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anna cotty 01.06.2019, 23:34
253.

Ich denke, da ist auch noch ein Riesenunterschied, ob ich Elektrikermeister bin oder Fleischwarenfachverkaeuferin. Ist das letztere nur in Deutschland ein Beruf, wo man 3 Jahre fuer lernen muss? Und was , um Himmels Willen, lernt man da 3 Jahre lang?
Mein Neffe hat Baeckereiwarenfachverkaeufer gelernt und ich denke, dass ich genauso unsinnig. In der Berufschule hat er gebacken und ueber verschiedene Getreidesorten gelernt. Na und? Warum und wofuer? Ich gehe in eine Baeckerei und frage nach, was fuer ein Brot das ist. Ich denke, wenn jemand da arbeitet, sollte er innerhalb von ein paar Wochen alles gelernt haben, was man fuer den Beruf braucht.
Ich selber habe vor 50 Jahren lang eine Buchhaendlerlehre gemacht. Ich denke, dass es das heute in Deutschland auch noch gibt. Damals wurde zumindest eine mittlere Reife verlangt ( Hauptschulabschluesse waren damals die Norm) und spaeter sogar Abitur. Wir haben Literaturgeschichte gelernt und Wissenschaftskunde gehabt. Heutzutage ( und eigentlich damals auch) war es 'overkill' fuer das, was wir machen mussten. Ok, es war schon wichtig, einen gewissen Standard an Gemeinwissen zu haben, aber wir haben nicht wirklich etwas in der Berufsschule gelernt, was wir fuer unsere Arbeit gebraucht hatten. Heutzutage braucht man solche gelernte Buchhaendler noch weniger. Ich kenne Leute, die im Sortiment arbeiten und sie haben selten wirklich etwas mit Kunden zu tun. Meiner Meinung nach, koennten all dies Jobs im Einzelhandel, von der Wurstverkaeuferin bis zu Buchhaendlerin einfach Anlernberufe sein.
Das bedeutet natuerlich nicht, dass irgendjemand auf diese herabschauen sollte. Arbeit schaendet nicht und ich habe nicht nur im Buchhandel gearbeitet, sondern war auch Haushaltshilfe und habe spaeter unterrichtet.
Wenn der Bericht stimmt, war das Benehmen der Kundin natuerlich schlecht. Man braucht viele verschiedene Talente. Aber meine Kinder haben alle studiert und haben ihre Masters ( mit einem Bachelor kann man wirklich nicht viel anfangen) und ich haette nie gesagt: das ist Zeitverschwendung, geht in den Einzelhandel.
Allerdings finde ich diese Vorurteile gegen 'Akademiker' sehr unangehm und sie sind genauso schlecht, wie Vorurteile gegen Putzfrauen oder Verkaeuferinnen, Muellmaenner oder Pfoertner. Ich kenne etliche hochintelligente Menschen und sie sind die interessantesten und nettesten Menschen, die ich kenne. Ich bin die einzige in unserem Kreis ( Verwandtschaft und Bekanntschaft) die keine Universitaetsausbildung hat. Niemand ist arrogant oder haelt sich deswegen fuer etwas besseres. Und erstaunlicherweise kenne ich sogar etliche, die nicht nur gerne ' Do - it yourself- machen ' sondern auch noch richtig gut dabei sind.

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ser4t 02.06.2019, 00:23
254. "Wurstverkäuferin"

Es wäre respektvoll, hier den Ausbildungsberuf der Verkäuferin zu nennen. Andernfalls stellt man sich auf die Seite der Kundin, die dann aber gerechterweise als "Wurstkäuferin" zu titulieren wäre.

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jim73 02.06.2019, 05:14
255. Was dies über unsere Gesellschaft aussagt

Erst einmal danke ich dem Geschäftsführer für sein Handeln. War genau richtig.
Erstaunt bin ich über so manchen Forumsbeitrag. Da werden doch tatsächlich Berufe und Ausbildungen nach Intelligenz (wieviele Menschen könnten welchen Job ausüben) und Verdienstmöglichkeiten gewertet.
Das einzige das zählt ist, inwieweit man in der Lage ist ein selbstbestimmtes, zufriedenes und glückliche Leben zu führen. Hiernach sollte gerankt werden. Und ja, eine gute Bildung ist hierfür sehr wertvoll. Intelligenz und Verdienst häufig aber nicht.

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spellbound 02.06.2019, 06:35
256. ..

Ja, grundsätzlich sollte sich ein Chef immer vor seine Angestellten stellen.
Ja, das Benehmen der Mutter ist menschlich unter aller Kanone, keine Frage.
Nein, wir wissen NICHTS, überhaupt NICHTS über die berufliche Ausbildung aller Beteiligten (weder, ob die Dame hinter der Theke (wie unterstellt) Metzgermeisterin ist, noch ob die Mutter einen Akademiker geheiratet hat).
Wir wissen noch nicht mal, ob sich das Ganze genau so zugetragen hat. Stand der Marktleiter direkt daneben? Schweigend, bereits den Kommentar in FB gedanklich formulierend?
Aber wie immer interessant, welche Diskussionen sich entspinnen, und wie schnell Unterstellungen und Vermutungen zu Fakten werden und Neid, Missgunst und "A gegen B" Diskussionen entflammen.
DAS macht mir wirklich Sorgen.

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gerechtzz 02.06.2019, 07:16
257.

Das könnte meine Nachbarin gewesen sein, reich verheiratet mit einen Ingenieur, Mutter zweier verzogener Kinder. Sie selbst arbeitet nicht, belehrt aber immer wieder gerne die Damen an der Käsetheke im Rewe. Mit solchen Leuten will man auch nicht zusammen wohnen.

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Michael Kn 02.06.2019, 07:19
258. Wow Führungskräfte die hinter Ihren Mitarbeitern stehen

Auch das sieht man leider zu wenig.

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Padme_G 02.06.2019, 07:25
259. Lyncht sie doch!

Müssen denn gleich alle über die Mutter herfallen? Kennen wir den Kontext ihrer privaten Aussage? Hat sie das überhaupt gesagt, oder ist es eben nur eine Edeka-Image-Kampagne? Sagen wir nicht alle mal was Dummes? Welcher Akademiker ist nicht enttäuscht, wenn es der Nachwuchs nicht aufs Gymnasium schafft? Wer zahlt sich dumm und dämlich für Nachhilfe, damit es doch noch was wird? Und: Was verdient denn der Edeka- Filialleiter? 2, 3, oder sogar 4 mal soviel wie die Fachverkäuferin? Vielleicht wollte die Mutter vor dieser Ungerechtigkeit warnen? Vielleicht war sie Verkäuferin bei Aldi? Vielleicht war der Edeka-Filialleiter BWLer?

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