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Mindestlohn für Azubis: Plädoyer gegen die Tarifflucht
DPA

Auszubildende sollen bald einen Mindestlohn bekommen. Doch der Gesetzentwurf hat eine entscheidende Schwäche: Nicht die Azubis sind die Gewinner, sondern die Gewerkschaften. Die müssen sich jetzt einsetzen.

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neutron76 15.05.2019, 13:40
1. Wo ist der Mindestlohn für Azubis überhaupt relevant?

Bei allen anderen Berufen außerhalb des Friseurhandwerks wird ohnehin mehr als der Mindestlohn bezahlt. Im Handwerk sogar noch deutlich mehr als in der Industrie, da die Azubis in der Industrie praktisch nicht produktiv arbeiten.

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Der Name 15.05.2019, 13:50
2. Mindestlohn...

Für alle Azubis. Dafür sollte man mit Steuererleichterungen für unternehmen gegensteuern wenn diese Unternehmen ausbilden. Natürlich bringen Azubis im ersten Lehrjahr kein Geld, aber die drecksarbeit musste wohl jeder Azubi schon mal machen. Ob nun putzen, Kaffee kochen oder sortieren. Jeder hat aber das Recht auf Mindestlohn. Können sich dann die Betriebe die Azubis leisten dann arbeiten sie nicht wirtschaftlich und nicht fair genug.

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m.w.r. 15.05.2019, 13:54
3. ?

Zitat von neutron76
Bei allen anderen Berufen außerhalb des Friseurhandwerks wird ohnehin mehr als der Mindestlohn bezahlt. Im Handwerk sogar noch deutlich mehr als in der Industrie, da die Azubis in der Industrie praktisch nicht produktiv arbeiten.
Viele Auszubildende z.B. im Hotel und Gaststättengewerbe oder in der Landwirtschaft liegen mit ihren Ausbildungsvergütungen weit unter Mindestlohnniveau. Die jetzt angestrebte Entlohnung erreicht auch kein Mindestlohnniveau . Wo beginnt für sie Industrie und wer sagt das in großen Betrieben nicht produktiv gearbeitet wird von Ausztzubildenden.

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m82arcel 15.05.2019, 14:49
4.

Warum so kompliziert? Es sollte für Auszubildende schlicht auch der gesetzliche Mindestlohn gelten - ab dem ersten Lehrjahr. Sicher werden einige Dienstleistungen hierdurch teurer und manch Laden wird sich das Ausbilden ggf. nicht mehr leisten können und folglich mangels Nachwuchs schließen müssen. So ist das Leben.
Manch eine Branche sollte dies als Chance zur Erneuerung und Modernisierung sehen - gerade im Friseur-Bereich wird seit Jahrzehnten exakt gleich gearbeitet: viele, viele kleine Salons (mit ständigem Leerlauf), Termine kann man nur persönlich machen (muss also hinfahren, um einen Termin für einen anderen Tag zu vereinbaren), etc.

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Freier.Buerger 15.05.2019, 15:10
5.

Zitat von m82arcel
Warum so kompliziert? Es sollte für Auszubildende schlicht auch der gesetzliche Mindestlohn gelten - ab dem ersten Lehrjahr. Sicher werden einige Dienstleistungen hierdurch teurer und manch Laden wird sich das Ausbilden ggf. nicht mehr leisten können und folglich mangels Nachwuchs schließen müssen. So ist das Leben. Manch eine Branche sollte dies als Chance zur Erneuerung und Modernisierung sehen - gerade im Friseur-Bereich wird seit Jahrzehnten exakt gleich gearbeitet: viele, viele kleine Salons (mit ständigem Leerlauf), Termine kann man nur persönlich machen (muss also hinfahren, um einen Termin für einen anderen Tag zu vereinbaren), etc.
Ok. Das heißt, dass die Azubis in Großbetrieben die ersten 1,5 Jahre gar nichts bekommen. Da sind sie nur in der Berufsschule und in verschiedenen Basislehrgängen eines oft überbetrieblichen Ausbildungsverbundes.

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freygang66 15.05.2019, 15:18
6. Umlegen

Das ist sicherlich alles etwas richtig und auch falsch.
Gerade im ersten Lehrjahr bzw zu Beginn der Lehre hat der angehende Facharbeiter keine Ahnung im Normalfall so das meistens arbeiten für ihn anfallen wo nicht immer jemand aufpassen muss sprich sein wirtschaftlicher nutzen ist da relativ gering. Und jede Firma ob nun ein oder mit mehreren Azubis legt die höhere Vergütung auf das Endprodukt um, sprich es wird alles teuerer nur ist die Frage ob der endkunde egal ob eine Firma, die öffentliche Hand oder ein privat Kunde das bezahlen will oder auch kann. Siehe gerade bei Aufträgen von Kommunen, Gemeinden usw. Danke

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Freier.Buerger 15.05.2019, 15:20
7. Tarifbindung

Leider haben irgendwann in den letzten 30 Jahren die Arbeitnehmer und die Gewerkschaften verlernt für einander da zu sein. Die Gewerkschaften konnten sich irgendwie nicht auf die neue Arbeitswelt mit kleineren Betrieben und viel häufigeren Jobwechsel der AN einstellen. Aber auch die AN haben sich vielleicht zu früh von den Gewerkschaften getrennt.
So fehlt eine wichtige Stütze der sozialen Marktwirtschaft das dezentrale branchenspezifische Aushandeln von Tarifen, Arbeitsbedingungen und Gewinnbeteiligungen.
Viel zu oft werden so von der Politik staatliche Maßnahmen für Probleme gefordert, die kaum existent wären, wenn Gewerkschaften attraktive Lösungen aushandeln könnten.

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mallekalle 15.05.2019, 15:25
8. Mehr Kreativität bitte

Frau Unterberg, das ist natürlich aus Regierungssicht die einfachste Variante das Problem zu lösen. Einfach die finanzielle Last und das Problem auf die Arbeitgeber und Ausbilder abwälzen. War schon beim Mindestlohn so. Da hat der Staat über den Mehrverdienst einfach eine Menge Wohngeldempfänger und Aufstocker aus dem System geschossen. Doppelverdiener, die Sozialkassen. Wobei der Mindestlohn nicht verkehrt ist. Das Problem ist nur, dass in allen personalintensiven Berufen die Abgabenlasten auch schon im Mindestlohnbereich zu hoch sind. Bei 515,- Euro rutschen die Azubis dann auch schon in die Besteuerung, da ist mehr dann weniger.
Prinzipiell geht es auch um etwas völlig anderes. Die Ausbildung im Betrieb ist im Vergleich zum Studium finanziell völlig benachteiligt. Die Förderung, die ein Student über seine gesamte Studienzeit erhält( längere Studienzeit, teurerer Lehrapparat, kostspielige Hochschulen, gefördertes Mensaessen, Bibliotheken, Studentenrabatte, Bafög, etc.) steht dem Azubi und dem Ausbilder nicht einmal ansatzweise zur Verfügung. Nein, der Ausbilder muss selber noch Geld bezahlen, um einem jungen Menschen die Grundlage zur Existenzsicherung beizubringen. Ein Ausbildungsentgelt ist prinzipiell auch in Ordnung, nur kann das niemals als Lohn angesehen werden. Wenn sie gut bis sehr gut ausbilden wollen, dann muss das auch jemand im Betrieb machen. Das verlangt professionelle Strukturen. Und es müssen die Meister ausbilden, wenn Sie ein sehr gutes Prüfungsergebnis wollen. Die können in dieser Zeit aber keine Kunden bedienen. Ausbildung kostet also immer doppelt. Wenn Sie das gut machen, trägt der Azubi im 3. Lehrjahr auch positiv zum Umsatz bei, ist aber über die gesamte Ausbildungszeit nicht gewinnbringend. Was kann der Gesetzgeber tun um die finanziellen Nachteile gegenüber den Studenten auszugleichen? Er kann z.B. Ausbildungsvergütungen komplett beitragsfrei für den Azubi setzen ( Brutto gleich Netto) die Sozialkosten als Pauschalen selber abführen. Ein Mindestausbildungsentgelt selber an die Azubis zahlen. Der AG kann gern drauflegen. Sämtliche Prüfungsgebühren und Kammerbeiträge entweder befreien, oder als Ausbildungswerk selber zahlen. Die Ausbildung mehrer Azubis besser fördern. Die Mehrwertsteuer auf handwerkliche, personalintensive Leistungen auf 10 Prozent senken. Dann würde wieder mehr finanzieller Spielraum und damit mehr Zeit für eine gute Ausbildung entstehen. Die Chefs wären entspannter und die Azubis hätten auch wieder mehr Wertschätzung und ein besseres Gefühl. Es muss geschafft werden, dass Studium und Ausbildung in der Gesellschaft die gleiche Anerkennung bekommen. MfG.

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solitaryway 15.05.2019, 19:28
9.

Zitat von neutron76
Bei allen anderen Berufen außerhalb des Friseurhandwerks wird ohnehin mehr als der Mindestlohn bezahlt. Im Handwerk sogar noch deutlich mehr als in der Industrie, da die Azubis in der Industrie praktisch nicht produktiv arbeiten.
Spätestens ab den 3. Lehrjahr hatten wir damals auch in der Industrie produktiv mitgearbeitet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das innerhalb von 2 Jahrzehnten völlig geändert hat.

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