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Mobbing am Arbeitsplatz: "Eine Kollegin sabotiert mich"
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Eine Oberärztin tritt ihren Job an einer Klinik an. Alles läuft gut - bis eine Schwester plötzlich Termine doppelt vergibt und Akten verschwinden. Was kann die Ärztin tun?

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Zokka11 22.12.2017, 10:50
1. Arbeitsverdichtung

Was erwarten Sie denn als Führungskraft in einem Bereich, der sowieso idR schon am Limit ist, bei einer um nochmals 30% gestiegenen Auslastung ?

Ich finde es gut, dass die eine Schwester so mutig ist, zu rebellieren...auch wenn das erstmal unfair klingt.

Leider ist es in unserer Arbeitswelt mittlerweile meistens nicht mehr möglich, OFFEN Mißstände und Arbeitsüberlastung anzusprechen.

Im Pflegebereich soll es genügend Mitarbeiter geben, die schon mehrfach Überlastungsanzeigen gestellt haben... ohne Erfolg.

Ihre Aufgabe als Vorgesetzte ist es zunächst einmal, für Motivation zu sorgen und Arbeitsabläufe so zu optimieren, dass die Mehrbelastung entweder a) durch die gestiegene Auslastung wieder kompensiert wird ODER b) dass dann eben auch 30% mehr Mitarbeiter eingestellt werden, um die höhere Auslastung abzufangen.

Wie Motivation funktioniert ?
Eine WERTSCHÄTZENDE Mitarbeiterführung wäre schon mal ein Anfang.

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Bjoern @ Fracebook 22.12.2017, 10:52
2. Das Vorgehen ist doch eindeutig

1) Klare Aufgabenzuordnung. Die Schwester für Terminverwaltung und Patientenakte verantwortlich machen. Wenn dann etwas nicht passiert: Gespräch, schriftliche Ermahnung, Abmahnung.
2) Mobbing geht auch in die andere Richtung. Wie wäre es denn, Teamgespräche auf die Zeit kurz vor Dienstschluss zu legen? Das wird die Schwester sicher auch sehr freuen.
3) Wer schreibt, der bleibt. Eine nachvollziehbare Dokumentation ist das A und O. Heißt: wenn die Patientenakte an die Schwester übergeben wird, dann quittieren lassen. Sonst behauptet die Schwester später noch, sie habe die Akte nie bekommen.

Schließlich darf man nicht vergessen, dass solches Verhalten - egal auf welcher Hierarchieebene - einen starken negativen Einfluss auf das gesamte Team hat und nicht nur wie in diesem Fall die Ärztin, sondern die gesamte Abteilung leidet.

An die Ärztin noch einen Check vorher: wie ist das Verhältnis der Schwester zu Vorgesetzten der Ärztin? Zwar sollte man seinen Füller nicht in Firmentinte stecken, aber hin und wieder soll es dann doch vorkommen.

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stefan.albrecht@virgilio. 22.12.2017, 11:10
3. Total einseitig

Was für ein einseitiger Artikel. Was, wenn die Ärztin absolut überheblich mit ihren Mitarbeitern umgeht und deshalb nun Druck bekommt? Es kommt, wie in der Antwort richtig angedeutet, aber leider nicht ausgeführt, erheblich darauf an, wie man "Mehrarbeit" kommuniziert.
Hat sie mal mit der verdächtigen Schwester gesprochen und ihr gesagt, was sie denkt? Hat sie die Schwester einmal gefragt, wie es ihr geht und ob sie vielleicht Probleme hat?
Ich denke, damit kann sie im ersten Schritt viel mehr erreichen, als durch Einschalten des Vorstandes und knallhartem Durchziehen, von irgendwelchen Arbeitsrechtlichen Regeln. Auf mich macht die Ärztin den Eindruck, als ob sie nicht fähig ist, mit Mitarbeitern zu sprechen und vielleicht denkt sie ja, dass sie allen zeigen muss, dass sie alles besser kann.

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CancunMM 22.12.2017, 11:19
4.

Zitat von Zokka11
Was erwarten Sie denn als Führungskraft in einem Bereich, der sowieso idR schon am Limit ist, bei einer um nochmals 30% gestiegenen Auslastung ? Ich finde es gut, dass die eine Schwester so mutig ist, zu rebellieren...auch wenn das erstmal unfair klingt. Leider ist es in unserer Arbeitswelt mittlerweile meistens nicht mehr möglich, OFFEN Mißstände und Arbeitsüberlastung anzusprechen. Im Pflegebereich soll es genügend Mitarbeiter geben, die schon mehrfach Überlastungsanzeigen gestellt haben... ohne Erfolg. Ihre Aufgabe als Vorgesetzte ist es zunächst einmal, für Motivation zu sorgen und Arbeitsabläufe so zu optimieren, dass die Mehrbelastung entweder a) durch die gestiegene Auslastung wieder kompensiert wird ODER b) dass dann eben auch 30% mehr Mitarbeiter eingestellt werden, um die höhere Auslastung abzufangen. Wie Motivation funktioniert ? Eine WERTSCHÄTZENDE Mitarbeiterführung wäre schon mal ein Anfang.
Gehts noch ?
Erst einmal hat natürlich die Mitarbeiterin es zu verbalisieren, wenn sie die Arbeit nicht mehr schafft. Man kann ja nicht immer erwarten, dass alle sich in den anderen hineinverstzen können. Vielleicht empfinden es andere gar nicht als so belastend.
Dann ist es natürlich völlig inakzeptabel die Ärztin zu sabottieren. Umgekehrt wärer das Gejaule wegen Mobbings riesengroß, aber auch so ist nicht akzeptabel. Und schon gar nicht wenn Akten verschwinden oder absichtlich (was man beweisen müsste) falsch abgelegt werden. Denn da wird es nämlich nicht mehr nur eine Sache zwischen Schwester und Oberärztin, sondern dann ist der Patient involviert. Und wenn auf ein mal Infos fehlen, kann es für den Patienten auch gefährlich werden. Und hier sprechen wir nicht mehr Mobbing oder Schwierigkeiten, sondern von Körperverletzung.

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querollo 22.12.2017, 11:36
5. Merkwürdiger Rat

"Machen Sie den Verlust der Akten öffentlich" ist Ihr Rat an eine neue Mitarbeiterin, die noch keine Hausmacht hat und von einer Stamm-Mitarbeiterin gemobbt wird? Ist Ihnen klar, dass das schwer nach hinten losgehen kann, wenn ihr vorgeworfen wird, ihren neuen Job nicht im Griff zu haben - was vermutlich das Ziel der Mobberin ist?

Mein Rat wäre ein anderer, nämlich das Gespräch zu suchen. Der Zeitpunkt, an dem man vielleicht noch die Beweggründe der Schwester hätte ermitteln und eine Allianz schmieden können, ist vermutlich schon vorbei. Jetzt muss man sich Andere ins Boot holen. In einem psychiatrischen Krankenhaus sollte sich ja jemand finden, der in Gesprächsführung ausgebildet und mit keiner der beiden Kontrahentinnen näher bekannt ist. Wenn nicht, muss der von außen kommen. Also: Moderator suchen, mindestens einen Nachmittag investieren (nicht nur ne Stunde. Alles was in der ersten Runde gesagt wird, wird sich im weiteren Verlauf noch ganz anders darstellen), offen aussprechen, was es zu sagen gibt - und zuhören. Auf beiden Seiten.

Vor allem aber: Nicht auseinander gehen, ohne ein konkretes Ergebnis festgehalten und eine Verabredung getroffen zu haben.

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Lopid 22.12.2017, 11:48
6.

Zitat von Bjoern @ Fracebook
1) Klare Aufgabenzuordnung. Die Schwester für Terminverwaltung und Patientenakte verantwortlich machen. Wenn dann etwas nicht passiert: Gespräch, schriftliche Ermahnung, Abmahnung. 2) Mobbing geht auch in die andere Richtung. Wie wäre es denn, Teamgespräche auf die Zeit kurz vor Dienstschluss zu legen? Das wird die Schwester sicher auch sehr freuen. 3) Wer schreibt, der bleibt. Eine nachvollziehbare Dokumentation ist das A und O. Heißt: wenn die Patientenakte an die Schwester übergeben wird, dann quittieren lassen. Sonst behauptet die Schwester später noch, sie habe die Akte nie bekommen.
Sie haben also noch nie in einem Krankenhaus gearbeitet?

Ob die Krankenschwester überhaupt für Terminverwaltung und Aktenerstellung zuständig ist, ist etwas zu bezweifeln, wenn es extra Arzthelferinnen gibt. Hängt ein bisschen vom KH ab. Wo ich gearbeitet habe, stellt sich die Pflege nur die pflegerischen Akten zusammen. Für die ärztlichen Akten sind die Ärzte zuständig. Ob man dann mal was aus Gefälligkeit tut, ist eine andere Sache.

Patientenakten sind aber ein wichtiges Arbeitsgerät sowohl von ärztlicher als auch pflegerischer Seite. Sich die Herausgabe von Akten innerhalb einer Abteilung eines Krankenhauses quittieren zu lassen, ist völlig absurd. Diese müssen durchgehend für alle medizinisch- und pflegerischen Mitarbeiter der Abteilung spontan zugänglich sein. Völlig unmöglich, das sich quittieren zu lassen und dann wieder die Rückgabe zu quittieren.

Und eine Pflegekraft werden Sie auch nicht mit Überstunden wegen Teamgesprächen ärgern können. Die liegen nämlich meist zu den Übergabezeiten. Gleichzeitig ist es aber eigentlich nicht die Aufgabe eines Oberarztes, diese anzusetzen. In dem Fall müsste zumindest Rücksprache mit der pflegerischen Vorgesetzten gehalten werden und vermutlich sollte das auch eher der Chefarzt machen, wenn er auch der Meinung ist, dass da was zu besprechen ist.

Dazu ist auch einfach mal zu überdenken, dass wenn eine Oberärztin (kein einfacher Patient) durchgehend nur von der "Schwester" spricht und nicht zumindest von einer Krankenschwester oder besser einer Krankenpflegerin spricht, ob dann die Oberärztin selbst den nötigen Respekt und das nötige Wissen um den Aufgabenbereich der pflegerischen Kräfte hat.

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Zokka11 22.12.2017, 11:48
7.

Zitat von CancunMM
Gehts noch ? Erst einmal hat natürlich die Mitarbeiterin es zu verbalisieren, wenn sie die Arbeit nicht mehr schafft. Man kann ja nicht immer erwarten, dass alle sich in den anderen hineinverstzen können. Vielleicht empfinden es andere gar nicht als so belastend. Dann ist es natürlich völlig inakzeptabel die Ärztin zu sabottieren. Umgekehrt wärer das Gejaule wegen Mobbings riesengroß, aber auch so ist nicht akzeptabel. Und schon gar nicht wenn Akten verschwinden oder absichtlich (was man beweisen müsste) falsch abgelegt werden. Denn da wird es nämlich nicht mehr nur eine Sache zwischen Schwester und Oberärztin, sondern dann ist der Patient involviert. Und wenn auf ein mal Infos fehlen, kann es für den Patienten auch gefährlich werden. Und hier sprechen wir nicht mehr Mobbing oder Schwierigkeiten, sondern von Körperverletzung.
Die Ärztin schreibt doch selbst:

"Ich war höchst motiviert, habe meine Mitarbeiter wertgeschätzt und hatte den Eindruck, dass alles professionell läuft.

Seitdem ich mit der Arbeit begonnen hatte, sind die Patientenzahlen ungefähr um ein Drittel gestiegen, also gab es auch mehr zu tun. Der Druck auf die Mitarbeiter stieg. Natürlich passte das nicht allen."

Entsprechend ist alles Anfangs gut gelaufen, bis eine Arbeitsverdichtung (und in diesem Bereich kann man davon ausgehen, dass die Mitarbeiter auch schon vorher gut ausgelastet waren) stattgefunden hat.

Warum soll die Schwester denn das Risiko eingehen, durch ein Überlastungsanzeige evtl. beruflich kalt gestellt zu werden ?

Die ltd. Ärztin müsste eigentlich so klug sein, diese Situation selbst zu erkenen, zumal die Mitarbeiterin die Überlastung auch konkludent durch "Fehler" zu verstehen gegeben hat.

Allerdings vermute ich mal, dass die Ärztin lediglich IHRE Karriere im Blick hat und auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter nicht allzu viel Rücksicht nimmt.

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klausheubisch 22.12.2017, 11:51
8. Der Fall scheint konstruiert zu sein

Gehört es denn zu den Aufgaben einer Pflegerin, Patientenakten anzulegen? Meines Wissens nicht. Dafür ist die Arzthelferin da. Die Pflegerin ist ausserdem höchstwahrscheinlich der Pflegedienstleitung unterstellt und nicht der Ärztin. Entweder der Fall ist konstruiert oder die Ärztin sollte weniger dieser unrealistischen Arztserien im Fernsehen ansehen. Vielleicht ist es einfach Unwisssen der Ärztin und das Verhältnis zur Pflegerin würde sich massiv verbessern, wenn die Ärztin anerkennen würde, dass die Pflegerin eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen hat und weitaus mehr kann, als Handlangerdienste für eine junge Ärztin auszuführen.

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issernichsüss 22.12.2017, 12:09
9. Führungskompetenz wird vermisst!

Zitat von stefan.albrecht@virgilio.
Was für ein einseitiger Artikel. Was, wenn die Ärztin absolut überheblich mit ihren Mitarbeitern umgeht und deshalb nun Druck bekommt? Es kommt, wie in der Antwort richtig angedeutet, aber leider nicht ausgeführt, erheblich darauf an, wie man "Mehrarbeit" kommuniziert. Hat sie mal mit der verdächtigen Schwester gesprochen und ihr gesagt, was sie denkt? Hat sie die Schwester einmal gefragt, wie es ihr geht und ob sie vielleicht Probleme hat? Ich denke, damit kann sie im ersten Schritt viel mehr erreichen, als durch Einschalten des Vorstandes und knallhartem Durchziehen, von irgendwelchen Arbeitsrechtlichen Regeln. Auf mich macht die Ärztin den Eindruck, als ob sie nicht fähig ist, mit Mitarbeitern zu sprechen und vielleicht denkt sie ja, dass sie allen zeigen muss, dass sie alles besser kann.
In einem solchen als Mobbing vorgetragen Sachverhalt bzw. Zustand, wird auf den zweiten Blick deutlich sichtbar, dass diese Situation aus zwei Richtungen verursacht wurde.
Da ist zum einen die wegen "Mobbings" beschuldigte Mitarbeiterin, deren Taten vielleicht nur Hilfeschreie zur Lösung dieser Arbeitssituation sein könnten.
Aber auf der anderen Seite stellt sich ganz offensichtlich die "Führungskraft" als wenig kompetent dar. Denn diese hatte zuvor alle Signale, die sie von ihrer Mitarbeiterin erhalten hatte, unzweifelhaft ignoriert, d.h. nicht ernst genommen.

Es hätte günstigenfalls nur einiger weniger Gespräche bedurft, um die besagte Mitarbeiterin wieder in das Team zurückzuholen.
Wenn es die Oberärztin allein nicht schaffen sollte, diese Lage zu bereinigen (selbstverständlich erst einmal ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen!), dann sollte sie aus eigenem Antrieb, oder besser noch, durch ihren Arbeitgeber, für externe Hilfe durch geschulte Anti-Mobbbing-Experten sorgen.

Es ist für die Beteiligten manchmal zu schön und einfach, erst einmal die Mobbing-Keule herauszuholen, um dann hinterher, wenn der nichtwiedergutzumachende Schaden eingetreten ist, dann doch zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass keine weiteren Optionen/Interventionen verbleiben um den Konflikte noch friedlich beilegen zu können. Denn bei einer ungebremsten Eskalation kann es auf beiden Seiten nur Opfer geben...

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