Forum: Karriere
Mobbing am Arbeitsplatz: "Mein Chef macht Stimmung gegen mich"
Getty Images

Ein Mathematiklehrer kommt gut mit seinen Kollegen klar - bis er den stellvertretenden Schulleiter kritisiert. Der stellt sich gegen ihn, auch andere Lehrer wenden sich ab. Was kann der Mann tun?

Seite 1 von 3
engelsgaard 01.11.2017, 09:25
1. Unklare Schuld

Ich bin Mathematiklehrer in der Schweiz. Schüler haben selbstverständlich das Recht sofort zum Schulleiter zu gehen. Bei einem Problem mit einer anderen Lehrperson habe ich einem Schüler auch empfohlen über den Klassenkollegen hinweg zu gehen. Der Schulleiter sollte den Schülern das Gefühl geben, dass er ihnen Verständnis zeigt, damit die Schüler sich frei ausdrücken können und solche Probleme nicht herunterschlucken.
Das Problem mit den Fotos war wahrscheinlich von einem Schüler gemeldet worden und komplett aus dem Kontext genommen, aus diesem Grund ist die Schulleitung doch verpflichtet das offiziell nachzufragen.
Die Art wie es geschehen ist, war taktlos, das stimmt.
Die im Text erwähnte Lehrperson hätte zum Personalverantwortlichen gehen können oder wie der Psychologe erwähnt, sich mit Kollegen unterhalten sollen. Es könnte sein, dass die Sozialkompetenz hier Verbesserungsbedarf hatte. Dies erklärt weshalb der Lehrer nicht gut mit den Schülern auskam, weshalb er die anderen Lehrer nicht um Rat fragen konnte und weshalb er von der Schulleitung nicht das Gefühl bekam, dass er willkommen ist.
Mir scheint es, dass es ein Fall ist, bei dem eine Person von anderen Erwachsenen als "schlechter" Lehrer eingestuft wurde (zu Recht oder Unrecht kann ich nicht beurteilen) und dann dazu motiviert wurde sich eine andere Arbeit zu suchen.
Als ich Schüler war, hatte ich Lehrer die klar nicht für den Job geeignet waren (emotionale Zusammenbrüche etc.), es war entäuschend zu sehen, wie sich die Schulleitung hinter diese Person stellte.
Vielleicht habe auch ich hier zu wohlwollend gegenüber der Schulleitung interpretiert und es war tatsächlich eine Hexenjagd. Ich wünsche dem Lehrer auf jeden Fall viel Glück und Zufriedenheit an seiner neuen Stelle.

Beitrag melden
ogg00 01.11.2017, 09:35
2. mail?

Statt mit der Schulleitung und dem Stellvertreter ein Gespräch zu suchen, wie man die unterschiedlichen Bewertungen des Verhaltens der Schülerinnen wieder glattziehen könnte, schreibt das arme Opfer angeblich sachliche Mails und wundert sich, dass er als Erwachsener Pädagoge nicht mehr ernstgenommen wird. merkense selbst, oder?

Beitrag melden
rachel17 01.11.2017, 09:41
3. Keine Chance gegen Machtausüber, Neid und Mißgunst

So wie ich den Artikel verstehe, hatte der stellvertretende Schulleiter schon vor diesen Schülerbeschwerden etwas gegen den Mathelehrer. Hätte der Mathelehrer nie was gesagt, hätte der Vize ihm in die Beurteilung geschrieben, dass er mit den Schülern nicht gut umgehen könne, also pädagogisch nur ausreichende Leistungen bringe und seine Probleme in den Klassen nicht alleine lösen könne. Aber warum verhält sich der Vize so? Das wäre doch interessant zu wissen, ob sich da Neid, Mißgunst verbirgt? Ich selbst habe als Lehrerin ähnliches erlebt, jahrelang, ich hatte mich dann zurückgezogen. Die Kollegen wollen dann nichts mehr mit einem zu tun haben, wenn der Schulleiter einen nicht leiden kann. Ein männlicher Fachkollege und Liebling des Schulleiters sollte Karriere machen. Ich hatte diesen jungen Kollegen aber durchschaut, dass er mehr redet als kann. Er machte mich bei der Schulleitung schlecht. Das war das aus. Ich erlebte wiederholt, dass Kollegen sich von mir abwendeten, in Konferenzen nicht neben mir sitzen blieben, wenn ich mich wo hingesetzt hatte. Der Schulleiter suchte nach negativen Dingen, mit denen er mich abwerten konnte. Aber ich machte einen guten Job. Ich konnte die Schule nie wechseln. Erst als es einen Wechsel in der Schulleitung gab, löste sich das Problem.

Es gibt in ganz Bayern für Lehrer keine Ansprechpartner bei Mobbing! Wer in Bayern an einer Schule Schulleiter ist, kann Macht ausüben, ungerecht sein. Der Lehrer hat keine Chance. Es gibt nur eines: sich abwenden von den Mobbern, den Neidern und Mißgünstlingen, einen guten Job machen und sich ruhig verhalten, mit einigen netten Kollegen abgeben. nichts sagen und die Bosheiten der Schulleitung mit einem Lächeln erdulden.

Beitrag melden
max-mustermann 01.11.2017, 09:56
4. Einfache Lösung

Unbefristet krankschreiben lassen und derweil eine andere Stelle suchen, Mathematiklehrer werden überall händeringend gesucht.

Beitrag melden
gullliver 01.11.2017, 10:05
5. Schlechter Rat

Davon ab, dass der Kollege sich ungeschickt verhalten hat - warum macht er sich so einen Kopf? Er ist vermutlich verbeamtet und sitzt fest im Sattel. Der Schulleiter soll die Schule leiten und nicht nerven... es ist nicht seine Schule, er hat sie nicht gekauft und bezahlt auch nicht die Leute, die da arbeiten. Also nicht immer gleich den Schwanz einziehen. Soll der Schulleiter doch die Stelle wechseln - ich würde das sicher nicht machen.

Beitrag melden
ice945 01.11.2017, 10:12
6. Genau das...

...habe ich auch gedacht @2! Man schreibt bei sowas keine Mails, man sucht das persönliche Gespräch.

Hier ist gleich auf mehreren Ebenen etwas schief gelaufen: Einmal fand die Auseinandersetzung mit dem Vize nicht persönlich statt, sondern per Mail. Das hätten vermutlich mehrere in den falschen Hals bekommen.
Dazu kommt, dass der Kollege offenbar kein Gespräch mit den betroffenen Schülern, bzw. den Schülerinnen, gesucht hat, was ja eigentlich der erste Schritt sein sollte (und immer schön im Klassenbuch dokumentieren).
Auch wenn die Schüler die Klassenleitung umgehen, der Kollege hätte sie ansprechen sollen. Zeigen die Schüler nur bei ihm ein derartiges Verhalten? Oder auch bei anderen Kollegen?
Personenbezogene Daten auf dem Lehrerhandy? Geht gar nicht! Ausnahme ist ein verschlüsseltes Diensthandy, aber so gut dürfte nicht mal Bayern ausgestattet sein... Spätestens damit hätte die Schulleitung den guten Mann kriegen können, wenn sie gewollt hätte.
Letzte Möglichkeit wäre der Lehrerrat (oder das bayrische Pendant dazu) gewesen, damit ein Vertreter bei dem Gesprächen mit der Schulleitung mit dabei ist.
Und was sagt eigentlich die Schulsozialarbeit dazu? Oder brauchen bayrische Gymnasien sowas nicht?

Der Vize hat viel Macht? Natürlich hat er das... Stellvertretende Schulleiter haben weitreichende Befugnisse, insb. bei Personalfragen. Das steht in der Jobbeschreibung...

Der Kollege empfindet sich selbst als pflegeleicht. Klar ist man das, wenn man sich nicht einbringt und auch über vieles, was zum Problem werden könnte, erst gar nicht redet. Kommt dann aber ein Problem, kommt es meist dicke. Wer mit den Kollegen in komplexeren Situationen nicht kooperiert, darf auch keine Unterstützung erwarten, wenn es einen mal selber trifft. Wenn einen selbst der Fachbereich hängen lässt, ist ja eigentlich wirklich nichts mehr zu retten...

Die Schulleitung hat sich hier sicherlich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Der Einflussnahme bestimmt Schülerinnen auf einen Kollegen (egal ob Leitung oder nicht) sollte nachgegangen werden, ggf. vom zuständigen Dezernat wenn es denn die Schulleitung betrifft.

Eine Versetzung scheint erstmal das einzige, um die Situation zu entschärfen. Beide Seiten haben allerdings nichts gelernt, weshalb die Situation durchaus wieder auftreten könnte...

Beitrag melden
freigeistiger 01.11.2017, 10:18
7. So nicht

Zitat von ogg00
Statt mit der Schulleitung und dem Stellvertreter ein Gespräch zu suchen, wie man die unterschiedlichen Bewertungen des Verhaltens der Schülerinnen wieder glattziehen könnte, schreibt das arme Opfer angeblich sachliche Mails und wundert sich, dass er als Erwachsener Pädagoge nicht mehr ernstgenommen wird. merkense selbst, oder?
Das Problem sind solche Menschen wie Sie. Die üblichen Floskeln und patzige Anmache. Empathie, Sachverhalt verstehen und Kommunikationsfähigkeit, sprich gebildete Umgangsformen, Fehlanzeige. Ihnen kann man offensichtlich nur mit einer robusten Gegenposition begegnen, damit Ihnen ihr eigenes Verhalten anderen gegenüber auf die Füße fällt. Um in Ihrem Jargon zu bleiben, cool kontern.

Beitrag melden
ede_wolf 01.11.2017, 10:28
8. Unterschiede

Zitat von engelsgaard
Ich bin Mathematiklehrer in der Schweiz. Schüler haben selbstverständlich das Recht sofort zum Schulleiter zu gehen.
In der Schweiz sind Lehrer nicht verbeamtet, ein Schulleiter kann komplett fachfremd sein. In unserer Primarschule (Klasse 1-6) ist der Schulleiter ehemaliger Berufsfeuerwehrmann.
Ich will damit nicht auf eine vermeintlich geringere Qualifikation hinweisen (Feuerwehrmann empfinde ich als irgendwie sehr passende Vorerfahrung), sondern auf die komplett andere Ausrichtung.

In Deutschland existiert im Beamtenrecht die Dienst- und Treuepflicht und umgekehrt die Fürsorgepflicht des Dienstherren. Er ist verpflichtet, Schäden vom Beamten abzuwenden und ihm beizustehen (das schliesst Rufschädigungen ein).

Während ich die Verbeamtung von Lehrern als zweischneidig erachte, ist sie vielerorts eine Tatsache. Der Vergleich mit der Schweiz greift also nur auf der Ebene "gesunder Menschenverstand" - das Thema ist aber leider deutlich komplexer.

Beitrag melden
Lasgo 01.11.2017, 10:38
9. Kristallkugeln am Werk

Begeistert nehme ich immer wieder wahr, welch tiefgreifende Diagnosen über Charaktereigenschaften, Arbeitsverhäktnisse und komplexe Zusammenhänge manch Leute durch wenige Zeilen Text Erlangen können.

Muss ich mir doch mal eine Kristallkugel kaufen?

Beitrag melden
Seite 1 von 3
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!