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Mobbing am Arbeitsplatz: "Mein Chef macht Stimmung gegen mich"
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Ein Mathematiklehrer kommt gut mit seinen Kollegen klar - bis er den stellvertretenden Schulleiter kritisiert. Der stellt sich gegen ihn, auch andere Lehrer wenden sich ab. Was kann der Mann tun?

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cruise2012 01.11.2017, 10:55
10. Geschenkt

Für solche Ratschläge kann sich das Mobbingopfer bedanken. Statt das Mobbingopfer zu stärken und ihm Möglichkeiten an die Hand zu geben, seine Situation mit Hilfe von Rechstmitteln oder einer gezielten, transparenten, kommunikativen Gegenoffensive zu verbessern, macht er ihm noch Vorwürfe, den Mob, der nun einmal gruppendynamisch in jedem Kollegium schlummere, noch angefacht zu haben. Dies entspricht einem schicken Trend unter Beratern, Mobbingopfer scheinbar neutralisierend zu beraten d.h. den Konflikt als gegeben anzusehen, die Gründe dafür zu ignorieren und dem Opfer eigene taktische Reaktionsfehler aufzuzeigen, damit er seine Situation nicht noch weiter verschlimmbessert. Sehr ärgerlich.

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fatherted98 01.11.2017, 10:58
11. jammern...

....auf hohem Niveau. Lehrer sind meist verbeamtet...also unkündbar. Bei solchen Fällen melden sich die Betroffenen meist krank und bewerben sich auf andere Stellen. Etwas...das im "normalen" Arbeitsleben wohl kaum oder nur selten gelingen wird.
Merke: Wer den Chef gegen sich hat, hat verloren....es sei den er ist Beamter.

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theroadtoutopia 01.11.2017, 12:17
12. Wenn es nur jemand in der Hierarchie ist...

Zitat von fatherted98
Merke: Wer den Chef gegen sich hat, hat verloren....es sei den er ist Beamter.
...und nicht der persönliche Besitzer des Unternehmens kann man sich durchaus massiv wehren.
Man muss halt selber die Ellbogen ausfahren und Informationen sammeln, wie man die Gegner auflaufen lassen, oder aber sie über irgend welche ihrer eigenen Probleme in echte Schwierigkeiten bringen kann. Dann muss man nur im geeigneten Augenblick zurückschlagen oder - weit besser - über Juristen zurückschlagen lassen.

Dabei setze ich natürlich voraus, dass man sich in einer Struktur befindet, in der man auf jeden Fall bleiben möchte oder aufgrund von Verträgen bleiben muss. Wenn das nicht der Fall ist, dann lohnt sich oft eher die Suche nach einer besseren Position.
Ich habe zwar vor sehr langer Zeit mal in der Forschung im öffentlichen Dienst gearbeitet, aber anschliessend ausschliesslich im internationalen industriellen Umfeld. Mein Eindruck ist, dass man im öffentlichen Dienst eher in seinen Bewegungsfreiheiten eingeschränkt ist, als in der In Industrie.

Als Beamter kann ich nicht alle paar Jahre beliebig in Deutschland meinen Einsatzort wechseln, aber als Spezialist oder technischer Manager ist das eher der Normalfall, und zwar auch über deutsche Grenzen hinaus.

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gsfx 01.11.2017, 13:23
13. Vorgehensweise von Anfang an verkehrt

Die Vorgehensweise des Lehrers war von Anfang an verkehrt. Statt E-Mails zu schreiben hätte er vorsichtig bei Vorgesetzten nachfragen sollen, wie der die Situation beurteilt und was er als Ratschlag gibt. Damit hätte der Vorgesetzte das Gefühl, am längeren Hebel zu sitzen. Man selber versteht dann die Denkweise des Vorgesetzten besser, vielleicht gibts ja wirklich auf beiden Seiten Verbesserungspotential? Fakt ist, dass viele Menschen sich im persönlichen Gespräch besser ausdrücken als schriftlich. Die Hürde hätte man umschiffen können.

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Olaf 01.11.2017, 13:54
14.

Solche Fälle habe ich in meiner Zeit als Elternrat mehrfach erlebt. Lehrer, die von Schülern und Schülerinnen diffamiert wurden und die die Schulleitung im Regen stehen ließ.

Um dies zu verstehen muss man sich vergegenwärtigen, dass eine Schule einfach eine Behörde des Landes mit Beamten ist, die keine selbstständige Personalverantwortung hat. Der Schulleiter ist also nicht der Disziplinarvorgesetzte der Lehrer, das ist die übergeordnete Landesschulbehörde.

Oberstes Ziel des Schulleiters ist es gegenüber der übergeordneten Behörde möglichst gut dar zu stehen. Er kann also keinen Ärger brauchen und wird alles tun, um auf Ärger jeder Art den Deckel drauf zu halten.

Gelingt dies nicht, ist die beste Strategie die Schuld dem jeweiligen Lehrer zu geben, denn dann fällt am wenigsten auf ihn und die Schule zurück. Schließlich hat er den Lehrer ja nicht eingestellt.

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Stäffelesrutscher 01.11.2017, 14:52
15.

Die Instanz »Personalrat« kommt beim Berater nicht vor, nein?

Und wenn ich das hier lese: »Dann gehen Sie darauf ein, was das bei Ihnen ausgelöst oder bewirkt hat.«, dann ist doch wohl hoffentlich nicht gemeint, dass man losflennen soll »und das hat mich ganz traurig gemacht«?

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theroadtoutopia 01.11.2017, 15:06
16. Wer tut sich denn diesen Job unter diesen Bedingungen...

Zitat von Olaf
Solche Fälle habe ich in meiner Zeit als Elternrat mehrfach erlebt. Lehrer, die von Schülern und Schülerinnen diffamiert wurden und die die Schulleitung im Regen stehen ließ. Um dies zu verstehen muss man sich vergegenwärtigen, dass eine Schule einfach eine Behörde des Landes mit Beamten ist, die keine selbstständige Personalverantwortung hat. Der Schulleiter ist also nicht der Disziplinarvorgesetzte der Lehrer, das ist die übergeordnete Landesschulbehörde. Oberstes Ziel des Schulleiters ist es gegenüber der übergeordneten Behörde möglichst gut dar zu stehen. Er kann also keinen Ärger brauchen und wird alles tun, um auf Ärger jeder Art den Deckel drauf zu halten. Gelingt dies nicht, ist die beste Strategie die Schuld dem jeweiligen Lehrer zu geben, denn dann fällt am wenigsten auf ihn und die Schule zurück. Schließlich hat er den Lehrer ja nicht eingestellt.
...noch an?

Ich wundere mich angesichts dieser Umstände überhaupt nicht über den Mangel an Lehrern im ganzen MINT-Bereich. Als studierter Mathematiker ist man beispielsweise eine gesuchte Person in fast allen Bereichen der Wirtschaft (frei nach dem alten Witz: Wieviele arbeitslose Mathematiker gibt es in Deutschland? - 30! - Was, 30%? - Nein, 30 Personen).

In den 1990er Jahren unterhielt ich mich mit einem Studenten im Diplomstudiengang Mathematik, der kurz vor seinem Abschluss stand. Er erzählte mir, dass die grosse Mehrzahl derjenigen, die sich anfangs für das Staatsexamensziel eingetragen haben innerhalb der ersten vier Semester zum Diplomstudiengang wechseln. Er meinte, dass wohl die Mehrzahl zum Studienbeginn eben nur Schule kennen und etwas Angst vor dem Rest der Arbeitswelt haben. Das legt sich aber meist innerhalb weniger Semester, woraufhin die Studenten dann wechseln.

Das deutsche Schulwesen wird sich wohl gewaltig etwas einfallen lassen müssen...

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SMN 01.11.2017, 16:47
17.

Wer einem Ranghöheren schreibt das man seine eigene Autorität von ihm untergraben fühlt hat man es nicht besser verdient. Ich bin ja nicht in dem Bereich tätig aber ich würde aus reiner Logik behaupten das der Schulleiter mehr Autorität hat als der Mathelehrer, weshalb die Autorität des Lehrers von der des Schulleiters abhängt. D.h. sollte etwas von den Schülern gegen den Lehrer kommen gäbe es ähnliche gespräche andersrum, wird dadurch dann die Autorität der Schüler untergraben?
Lehrer sind schon merkwürdige gesellen, das grenzt ja Fast an Narzismus.

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wolffm 01.11.2017, 18:01
18. nachträglicher Rat

ich vermute, dass Lehrer objektiv betrachtet im Recht war.
Trotzdem spielte eventuel folgendes für den Konflikt eine Rolle:
Der Lehrer hat seine Beschwerde direkt über eMail kommuniziert. Der Stellv. Direktor war sich seinerseitz seines Fehlverhaltens bewusst, stand aber jetzt vor dem Dilemma sich per eMail rechtfertigen zu müssen.
Das Problem: Was schriftlich dokumentiert ist schafft einen höheren Zwang an Rechtfertigung.
Der Stellv. Direktor hat das Dilemma für sich gelöst, indem er einen Frontalangriff gestartet hat. Das Ziel: Seinen vermeintlichen Kontrahenten soweit allgemein zu diskreditieren, dass dessen Vorwürfe nicht mehr wahrgenommen werden.
Fazit: Das persönliche Gespräch am Anfang hätte u.u. mehr gebracht.
Immerhin, einen Trumpf hat der Lehrer auf seiner Seite: Mathe-Lehrer sind Mangelware.
Sollte die Direktorin einen Teil iher geliebten Freizeit mit der Suche nach einem neuen Lehrer verbringen müssen, oder mit der erstellung komplizierter Vertretungspläne, kann sich das Blatt auch schnell gegen den Stellvertr. Direktor wenden.





Den Rat des Experten finde ich nicht zielführend.

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Paddel2 01.11.2017, 18:09
19. Falsche Autorität

Weder der Schulleiter noch dessen Stellvertreter sind Vorgesetzte im klassischen Sinn. Angestellt sind Lehrer nämlich nicht an ihrer Schule sondern am übergeordneten Regierungspräsidium. Der Schulleiter hat lediglich eine gewisse Weisungsbefugnis, er ist aber dennoch nur ein Kollege. Lehrer müssen einfach selbstbewusster werden. Warum sollte man sich von einem derart illoyalen Kollegen ins Büro bestellen lassen? In so einem Fall würde ich die Aufforderung schlicht und ergreifend ignorieren.

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