Forum: Karriere
Musiker-Karrieren: Starpianistin trifft Barpianistin
Andy Kania/ SPIEGEL JOB

Kindheit: Sowjetunion. Geschenk: Talent. Ausbildung: vom Feinsten. Lilya Zilberstein und Irina Hoperia sind vom gleichen Punkt aus gestartet. Heute jettet die eine von Mailand nach Paris, die andere spielt Tango und Walzer in Berliner Cafés. Schicksal?

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geradsteller 10.01.2014, 16:29
1. Oha, Barpianist!

Geht's noch? Inbegriff gescheiterter Träume?? PianoPlayer Klischee a la Billy Joel? Paule Kuhn's Mann am Klavier?
Zeugt auch von Sozialkasten- Kurzsichtigkeit.
"I was playin Music, and that was all that mattered" schreibt Clarence Clemons treffend in seiner Biographie. Millionen Musikern geht es so. Es werden auch schreibende Kollegen von Regionalblättern sich nicht als gescheitert begreifen, nur, weil sie es nicht für den Spiegel tun. Respekt ist anders.

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tuuticki 10.01.2014, 18:31
2. Geplatzte Träume?

Was für ein weltfremder Artikel. Die Frau arbeitet in dem erlernten Beruf, offensichtlich macht ihr die Tätigkeit als Barpianistin Spaß - da hat sie doch großes Glück! Eine Weltkarriere machen ohnehin nur ganz, ganz wenige, außer Talent gehört ja auch eine gute Portion Zufall und zur richtigen Zeit am richtigen Platz sein dazu (wie bei Lilya Zilberstein ja auch ausdrücklich vermerkt).

Geplatzte Träume sind ganz was anderes. Ich habe in meinen Deutschkursen Leute aus Russland sitzen, die waren in ihrer Heimat Chorleiter, Opernsängerin und Ballerina. Hier dürfen sie sich glücklich schätzen, wenn sie einen Job an der Supermarktkasse von Aldi kriegen.

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h.hass 10.01.2014, 19:40
3.

Seltsamer Artikel... warum ist die Person, die nicht die ganz große internationale Karriere gemacht, denn "gescheitert"? Und nach welchen Kriterien definiert sich Erfolg? Es gibt sicher genügend international "erfolgreiche" Künstler, die aus allen möglichen Gründen sehr unzufrieden sind. Sind die dann auch noch erfolgreich? Sind sie es auch dann noch, wenn sie die fünfte Scheidung, den tausendsten Therapeutenbesuch oder den dritten Selbstmordversuch hinter sich haben?

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Wiedereinaussteiger 11.01.2014, 01:04
4.

Man sollte den Musikantenberuf nicht glorifizieren.

Wer diesen Weg wählt, wählt den Weg, für seine einzigartige Neigung sonst sein Leben weitenteils im Abseits zu verbringen.

Es gitb keinen akademischen Beruf, der so miese angesehen und so schlecht bezahlt ist wie der des Musikers.

Das ist noch übler als die Un-Sitten im Mediengewerbe. Wer Musiker werden will, dem MUSS klar sein, dass er es mit einem SEHR hohen Grad an Wahrscheinlichkeit niemals zu einer normalen Familie, zu einem normalen Einkommen und den Träumen der Bürgerlichkeit bringen wird, Haus, Auto, Urlaub.

Statt dessen Freelancerei, Projektarbeit, schlecht bezahlt, und sogenannte Mugge, Musik zu spielen als Barpianist oder den Schneewalzer auf Hochzeiten, von Trinkgeldern zu existieren.

Oder sich mit Musikschülern herumzuschlagen und deren geizgeilen Eltern des Bessserschmecker-Tennisplatz-Audi-Kuh-Sieben-Milieus,

Weil, sonst an Städtischen Musikschulen zu existieren kannst auch weitenteils vergessen. Wenn im Kultur-Etat gespart wird, verbleibt der Leiter der Musikschule als Beamter ungeschmälert, und Kostensenkungen tragen NUR die Freiberuflichen. So ist das heute. Alles korrupt. Und die schwächsten tragen die Folgen.

Man muss schon Musik ungeheuer lieben und in ihr die Essenz seines Lebens sehen, um all das das machen und sich zumuten lassen zu wollen.

Musik war früher etwas eminent Kostbares. Nur Adlige leisteten sie sich.

Heute ist Musik omnipräsent und damit nichts mehr wert.

Muzak. Im Fahrstuhl des Kaiufhauses das Gedudele, um die Herzen der Menschn zum Einkaufen weichzuklopfen.

Dementsprechend das Ansehen und die beruflichen Chancen derer, die musizieren, gleich auf welchem Niveau.

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nutella67 11.01.2014, 06:57
5. Was ist Karriere?

Eigentlich hätte es ein toller Artikel werden können, ein großartiges Plot für eine Story, aber leider fehlt es an Empathie - Karriere bedeutet nicht alles! An der Weltspitze zu stehen, ist nicht die Normalität, sondern eine Anomalie! Scheinbar ist aber die Generation der Millennials, der der werte Autor ja angehört, so Karriere fixiert, das viele dabei übersehen worauf es im Leben wirklich ankommt: Erfüllung und Zufriedenheit - aber es besteht die Hoffnung, das nach dem Platzen so manches Traumes hier Realität einkehrt.

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Bergunfall 11.01.2014, 09:01
6.

Ich weiß auch nicht, wer wirklich besser dran ist. Ich nehme stark an, dass die Konzertpianistin deutlich mehr üben muss und wohl auch unter einem höheren Druck stehen wird. Natürlich verdient sie sicher mehr.

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vonwoderwestwindweht 11.01.2014, 12:37
7. ***

Dass Zilberstein "ohne Blatt" spielt ist nichts Ungewöhnliches, sondern bei klassischen Pianisten der Normalfall. Woran man schon erkennt, dass der Autor fachfremd ist und so gut wie nie im klassischen Konzert ist.

Ich würde mich übrigens sehr freuen, wenn man beim SPIEGEL mal zur Kenntnis nehmen würde, dass es auch hierzulande Nachwuchspianisten gibt, die absolute Weltklasse sind und dass man dafür schon lange nicht mehr aus Nowosibirsk oder Moskau kommen muss, denn die Zeiten von Horowitz und Svjatoslav Richter sind lange vorbei. Das ist schon bizarr, dass hier alle paar Wochen ein von fachfremden Autoren geschriebener Artikel über russische Pianisten erscheint als gäbe es nichts anderes - und gerade mal einen Steinwurf von den großen Redaktionen entfernt in Kreuzberg jahrelang ein deutscher Nachwuchspianist vor sich hinübte, der weltweit fast alle wichtigen Preise abräumte - unter anderem übrigens bei Busoni-Wettbewerb in Bozen, aber auch in Leeds, den Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel sowie den weltweit ebenfalls bedeutenden ARD-Wettbewerb in München. Die Rede ist von Severin von Eckardstein, der nebenbei übrigens auch sehr anspruchsvolle, teilweise überaus witzige so genannte "Neue Musik" komponiert, wo er Pianistischen Anspruch mit E-Musik und Unterhaltungswert kombiniert, was allein schon einzigartig ist. Ich frage mich langsam, ob das eigentlich politische Gründe hat, dass deutsche Top-Pianisten von deutschen Medien eigentlich mit einer derart bizarren Konsequenz ignoriert werden. Übrigens habe ich kürzlich Lilya Zilberstein gehört, die ich persönlich sehr sympathisch finde. Aber sie hat Scarlatti genauso gespielt wie Rachmaninow. Das ist übrigens ganz typisch für das russische Klavierspiel der Gegenwart: da werden so gut wie keine Unterschiede gemacht. Es hört sich alles ziemlich ähnlich an und man muss konstatieren, dass die Zeiten großer pianistischer Persönlichkeiten aus Russland (Richter, Horowitz etc.) lange vorbei sind. Gibt Ausnahmen wie Yulianna Avdeeva, aber auch über die berichtet der SPIEGEL ja nicht, obwohl sie sogar den Chopin-Wettbewerb gewonnen hat - eine sehr starke Persönlichkeit. Diese Kriterien, nach denen man sich hier Pianisten widmet, werden auf ewig undurchschaubar bleiben.

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mac4ever2 11.01.2014, 18:13
8. Richtig

Zitat von Wiedereinaussteiger
Man sollte den Musikantenberuf nicht glorifizieren. Wer diesen Weg wählt, wählt den Weg, für seine einzigartige Neigung sonst sein Leben weitenteils im Abseits zu verbringen. Es gitb keinen akademischen Beruf, der so miese angesehen und so schlecht bezahlt ist wie der des Musikers. Das ist noch übler als die Un-Sitten im Mediengewerbe. Wer Musiker werden will, dem MUSS klar sein, dass er es mit einem SEHR hohen Grad an Wahrscheinlichkeit niemals zu einer normalen Familie, zu einem normalen Einkommen und den Träumen der Bürgerlichkeit bringen wird, Haus, Auto, Urlaub. Statt dessen Freelancerei, Projektarbeit, schlecht bezahlt, und sogenannte Mugge, Musik zu spielen als Barpianist oder den Schneewalzer auf Hochzeiten, von Trinkgeldern zu existieren. Oder sich mit Musikschülern herumzuschlagen und deren geizgeilen Eltern des Bessserschmecker-Tennisplatz-Audi-Kuh-Sieben-Milieus, Weil, sonst an Städtischen Musikschulen zu existieren kannst auch weitenteils vergessen. Wenn im Kultur-Etat gespart wird, verbleibt der Leiter der Musikschule als Beamter ungeschmälert, und Kostensenkungen tragen NUR die Freiberuflichen. So ist das heute. Alles korrupt. Und die schwächsten tragen die Folgen. Man muss schon Musik ungeheuer lieben und in ihr die Essenz seines Lebens sehen, um all das das machen und sich zumuten lassen zu wollen. Musik war früher etwas eminent Kostbares. Nur Adlige leisteten sie sich. Heute ist Musik omnipräsent und damit nichts mehr wert. Muzak. Im Fahrstuhl des Kaiufhauses das Gedudele, um die Herzen der Menschn zum Einkaufen weichzuklopfen. Dementsprechend das Ansehen und die beruflichen Chancen derer, die musizieren, gleich auf welchem Niveau.
Sie kennen sich aus. In einer Gesellschaft, die keine Kunst braucht, kann das gar nicht anders sein. Wenn irgendwo gespart wird, dann immer zuerst am Kulturetat. Und Konzerthäuser halten die meisten Menschen für rausgeschmissenes Geld für Besserverdienende.

Was dieser Artikel auch richtigerweise anklingen läßt, ist, daß der moderne Konzertbetrieb hochperfekter Viruosen an dem eingeschränkten Konzertrepertoire - weil das Publikum nicht akzeptiert, was es nicht kennt, und nicht wie in der Popmusik gesponserte Ohrwurm-reindrück-Abspielstationen existieren - nur eingeschränkt etwas mit Kreativität zu tun hat. Das sind Hochleistungssportler der Musik.

Dort gehen die Arrivierten hin, um ihre Abendgarderobe auszuführen. Wirkliche Musikerlebnisse dabei gibt es, aber selten. Ich habe mal vor vielen Jahren eins erlebt, als ein italienisscher Dirigent mit seinem Temperament die Staatskapelle Dresden (?) regelrecht überfahren hat, mit Mahlers 1. Sinfonie, heute auch Standardrepertoire, aber bei der Uraufführung abgelehnt mit regelrechtem Haß: damals erwartete das Konzertpublikum etwas anderes. Es war noch nicht reif dafür....

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peudargent 13.01.2014, 02:17
9. Journalistenbashing

Sicher, der junge Autor ist mit Sicherheit kein Musikjournalist - und SPON ist nicht die NZM. Und anstelle von "ohne Blatt" heißt es wahrscheinlich eher "vom Blatt". Aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Man merkt dem Text an, dass der Autor eine gute Geschichte am Haken hatte - und wahrscheinlich zu wenig Zeit/Honorar erhielt, um sich auf die Suche nach dem Besonderen zu machen. So ist es eine etwas brave Geschichte geworden, in der wie wenig erfahren und die so ähnlich auch in der piefigen Berliner Morgenpost zu lesen sein könnte. Dass Künstler fachfremd arbeiten müssen, ist ja nichts Neues.

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