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Mythen der Arbeit: Das solidarische Grundeinkommen ist eine Alternative zu Hartz IV -
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Davon träumen gerade viele: Weg mit Hartz IV, her mit einem solidarischen Grundeinkommen und einem sozialen Arbeitsmarkt. Ob das als Modell taugt, hat der Arbeitsforscher Joachim Möller überprüft.

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stoffi 27.04.2018, 13:29
1. Überprüfen lässt sich das in der Theorie gar nicht

Viele Menschen haben mehrere Jobs, um über die Runden zu kommen. Sollen nun die, die nie gearbeitet haben gleich gestellt werden? so ist es jetzt schon bei den Rentnern. Viele haben 40 Jahre und mehr gearbeitet und bekommen nicht mehr Rente, als einer, der nie gearbeitet hat und nun Grundsicherung erhält.
Ich denke Harz4 ist ok und die die lange gearbeitet haben sollten 200Euro mehr bekommen, genauso bei der Rente.

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Nania 27.04.2018, 13:35
2.

Gerade weil man mit solchen Jobs nur wieder andere Leute verdrängt und vielleicht sogar billiger wegkommt, ist der Vorschlag eines solidarischen Grundeinkommens eben Blödsinn. Das ist auch nicht das "Grundeinkommen" von dem viele Menschen in Deutschland träumen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, wie es vielfach gefordert wird. ist eben bedingungslos und wird an alle in gleichem Maße ausgezahlt. Natürlich gibt es damit verbunden einige Fragen, die zu klären wären: soll das Grundeinkommen das Arbeitslosengeld ersetzen? Wie hoch soll das Grundeinkommen sein? Was ist mit Leuten, die so viel Geld verdienen, dass das Grundeinkommen für Sie nur noch lächerlich ist? Wie will man dann Menschen wieder in Arbeit bringen, die nicht arbeiten wollen? Aber: die Grundidee ist eben, dass jeder (!) davon profitiert. Und auch, wenn viel vom Fachkräftemangel geredet wird und es sicherlich viele Bereiche mit massiven Problemen Nachwuchs zu finden, gibt, so liegt das doch vielfach gerade an Dingen wie zu niedriger Verdient, geringe soziale Wertschätzung oder beides. In anderen Bereichen gibt es dann für hochqualifizierte Menschen keine Stelle und im Hinblick auf Langzeitarbeitslose muss man leider auch sagen: Es ist eben keine einfache Rechnung. Nur weil 100 Gesundheitspfleger gesucht werden und man 100 Arbeitslose hat, heißt das nicht, dass all diese Arbeitslosen jetzt doch die Stellen als Gesundheitspfleger annehmen können. Wenn unter den 100 Arbeitslosen nur gelernte Tischler (Beispiel! Falls sich hier ein Tischler auf den Schlips getreten fühlt) sind, hilft das weder den Arbeitslosen, noch den Arbeitgebern.

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quark2@mailinator.com 27.04.2018, 13:38
3.

Warum soll man sich was vormachen? Wenn es ein hinreichendes Einkommen ohne Arbeit gäbe, würde die Leistungsbereitschaft eingeschränkt. Man arbeitet ja prinzipiell gern, aber niemand hätte Bock darauf, für minimalen Lohn als Hilfskoch oder marginaler Selbständiger oder als Pfleger zu arbeiten. Diese Gesellschaft basiert darauf, daß eine nennenswerte (Millionen) Menge Menschen hart rackern, ohne groß was dafür zu kriegen. Am Ende eines harten Arbeitslebens dann Sozialrente. Das ist ja gerade der Skandal. Es ist völlig demokratisch legitimiert. Und es ist leider sogar unumgänglich, denn wenn DE allein (und ohne Ölquellen wie Norwegen) anfangen würde, sozial fair zu zahlen, dann wäre es mit der Konkurenzfähigkeit bald vorbei. "Sozial fair" soll heißen, daß die Leute, welche wirklich unangenehme Jobs machen wenigstens soviel verdienen, wie diejenigen, die angenehme Jobs machen. Persönlich würde ich das Doppelte meines Ingenieursgehalts fordern, wenn ich Altenpflege machen sollte und kein Geld der Welt brächte mich dazu, Tiere in Stücke zu säbeln. Insofern ist ein bedingungsloses Einkommen ein Traum für eine Zeit, wo Roboter alles machen, was Menschen brauchen, aber ungern tun wollen.

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MapleLeaf 27.04.2018, 13:41
4. Systemfehler....

Wann kapiert auch mal der Dümmste, dass unser bisheriges Beschäftigungssystem nach dem Prinzip "Arbeit für alle" schon lange nicht mehr funktioniert?! Die Moderen Rationalisierung sorgt dafür, dass es einfach nicht mehr genug Arbeit gibt, um eine ganze Gesellschaft und gleichermaßen die Weltbevölkerung mit Arbeit so zu versorgen, dass jeder arbeitsfähige Erwachsene in Lohn und Brot steht. Und mit dem weitergehenden Fortschritt wird die Diskrepanz immer größer. Aber anstatt die Menschen allgemein davon profitieren zu lassen, dass die gleiche Arbeit nun bei gleichbleibendem oder steigendem Wohlstand mit weniger Einsatz (also Arbeit) zu ermöglichen ist, wird der Einzelne weiterhin daran gemessen, ob er jede Woche mindestens seine 40h "gearbeitet" hat. Was für ein Unfug. Und alles nur, weil die Reichen immer reicher werden wollen und die Politik nicht in der Lage ist Wohlstand gerecht zu verteilen. Als Resultat sind die Geschäfte voll von Dingen, die kein Mensch braucht, während unsere Umwelt den Bach runtergeht und weder Forschung, noch Bildung oder Bekämpfung von Armut und Hunger wirkungsvoll angegangen werden. Je älter ich werde, desto desillusionierter werde ich über die Spezies Mensch. Wir sind doch wirklich ein beschissener genetischer Unfall....

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Der_Franke 27.04.2018, 13:48
5. Was soll daran solidarisch sein?

Da wird einem Bruchteil an Hartz IV Empfängern eine Beschäftigung auf einem künstlichen Arbeitsmarkt beschafft, der mit dem realen Arbeitsmarkt nicht das geringste zu tun hat. Das Ganze wird dann etwas über Hartz IV entlohnt. Und der Rest der Arbeitslosen geht leer aus. Diese Sozenidee ist enfach nur völlig bescheuert und hilft niemanden weiter. ABM Maßnahmen haben wir in den zurückliegenden Jahrzehnten schon mehrere gehabt. Und alle haben nur dazu gedient, Steuergelder zu verbrennen. Vergeßt diesen Unsinn von Müller!

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Martuk 27.04.2018, 13:50
6. Die ABM Maßnahmen lasst mal

Das wird immer missbraucht. Selbst einen ABM-Systemadministrator habe ich mal erblickt, dies war in einer Schule. Das kostet wirklich nur reguläre Jobs und bringt einfach gar nichts positives. Natürlich richtet sich der ABMler auf seinen Job ein und geht diesem nach als sei es ein echter. Er wird sich nicht mehr bewerben, warum auch?

Außer natürlich es ist geplant den ABMlern Mindestlohn zu zahlen und der Mindestlohn in der freien Wirtschaft wird verdoppelt, dann hätten Sie eine Motivation sich weiterhin zu bewerben. Aber ist das geplant/gewünscht? Wohl eher kaum.

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zeichenkette 27.04.2018, 13:51
7. Ich sehe beim besten Willen nicht

wie sich das von den berühmten 1-Euro-Jobs unterscheidet. Das ist ja kein Grundeinkommen, das ist einfach sehr schlecht bezahlte Arbeit.

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Reinhold Schramm 27.04.2018, 13:53
8. Ist Unfug! Es geht um die Kürzung sozialer Leistungen!

Kommentar

Der „Grundeinkommen-Versuch“ zielt auf Abbau sozialer Leistungen!

Notwendige Vorbemerkungen:

Die quantitative und qualitative Wertschöpfung in den entwickelten kapitalistischen Industriemetropolen nimmt auch weiterhin zu. Demnach wäre auch eine weitere Erhöhung sozialer Leistungen für die große Mehrheit der erwerbstätigen Bevölkerung und ihrer Familien, Alleinerziehenden und Alten, Kinder und Jugendlichen, möglich. — So analog auch für die aus unterschiedlichen Gründen vom Erwerbsleben ausgeschlossenen [sei es durch körperliche und/oder psychische Behinderung und/bzw. Erwerbsminderung, fehlende Erwerbsbiographie und Altersvorsorge, u.a.m.].

Die Reichtumsentwicklung in den kapitalistischen Wirtschafts- und Industriemetropolen könnte allen Menschen in der Gesellschaft einen auskömmlichen und sogar steigenden sozialen Wohlstand ermöglichen. Aber warum ist dem nicht so?

Der Kapitalismus ist eine Gesellschaftsformation der sozioökonomischen Ungleichverteilung. Der Kapitalismus ist, so wie alle vorausgegangenen Gesellschaftsformationen, eine Klassengesellschaft. Die entscheidende materielle Grundlage des Kapitalismus ist das Privateigentum an Produktionsmitteln und damit die private Verfügungsgewalt über die Produktion von Waren und Gütern aller Art. Der entscheidende Hebel für die materielle Wert- und Mehrwertschöpfung in der Produktion von Waren ist zugleich die Verfügungsgewalt über die (dafür auch bezahlte) differenziert qualifizierte menschliche Arbeitskraft [von der Reinigungskraft, Facharbeiter, Meister, Abteilungsleiter, Konstruktions- und Produktionsleitung, Verwaltung, Verkauf und Vertrieb, Dienstleistung und Manager*innen/Vorstand, u.a.m.]

Fazit: Der “Grundeinkommen-Versuch“ im Kapitalismus, ebenso die Ablenkungs-Diskussion über ein „bedingungsloses Grundeinkommen (bGe)“ - im Kapitalismus, dient vorrangig der differenzierten Minderung aller sozialen Leistungen und der weiteren Umverteilung der Reichtumsentwicklung nach ganz Oben. Zugleich ist er auch für die (kommende) kapitalistische Krise ein vorbeugendes Projekt, zur Stabilisierung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Eine massenpsychologische Aufgabe besteht auch darin, die vom Verkauf ihrer Arbeitskraft abhängige Erwerbsbevölkerungsmehrheit vom Versuch der Aneignung der Produktionsmittel abzuhalten, mit dem Ziel: Gemeineigentum an den gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsmitteln nachhaltig zu verhindern!

PS.: Die „Grundeinkommen“-Diskutantinnen betätigen sich freiwillig, aber auch aus Illusionen, als Zuhälter der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Sie sind letztlich (illusionäre) Hilfswillige der Finanz- und Monopolbourgeoisie der imperialistischen Gesellschaftsformation.

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Mach999 27.04.2018, 14:08
9.

Das "solidarische Grundeinkommen" ist Blödsinn. Das ist nichts anderes als 1-Euro-Jobs, also alter Wein in neuen Schläuchen. Dazu ist es noch Etikettenschwindel, weil es behauptet, etwas ähnliches wie ein "bedingungsloses Grundeinkommen" zu sein. Meines Erachtens geht es hier vor allem darum, mit einer offensichtlichen untauglichen Lösung alles, was "Grundeinkommen" genannt wird, zu diffamieren. Für ein "bedingungsloses Grundeinkommen" spricht vieles (aber natürlich nicht alles), für ein "solidarisches Grundeinkommen" nichts.

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