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Mythen der Arbeit: In der Krankenpflege verdient man wenig - stimmt's?
dpa

Fachkräfte in der Krankenpflege verdienen wenig, ist oft zu hören. Tatsächlich verdienen sie mehr als der Durchschnitt aller Beschäftigten, rechnet Arbeitsmarktforscher Joachim Möller vor.

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ottscher 24.01.2018, 12:41
1. Mittelwert nicht gleich Mittelwert

Der hier im Artikel beschriebene Mittelwert(Median) ist wahrscheinlich von den Autoren bewusst gewählt worden damit dieser bewusst hoch erscheint. Die Aussage dass 50%mehr verdienen und 50%weniger verdienen ist zwar korrekt aber das bezieht sich lediglich auf die Anzahl der ausgewerteten Löhne und richtig sich leider nicht nach der tatsächlichen Höhe. Sagen wir bspw die 50% der Menschen die mehr als die im Artikel beschriebenen 3239 ? verdienen, verdienen 100? mehr und die 50% der Menschen die weniger als 3239? verdienen, verdienen 500? weniger dann bleibt der Median unverändert bei 3239? der tatsächlichen arithmetische Mittelwert liegt dann aber 300? unterhalb von 3239? nämlich dann bei 2939.

Dem Normalbürger der sehr wahrscheinlich den Unterschied zwischen Median und arithmetischen Mittelwert nicht kennt wird dadurch ein "durchschnittliches" Gehalt präsentiert was mit an hoher Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weit vom arithmetischen Mittelwert und damit dem entscheidenden Mittelwert abweicht.

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sven2016 24.01.2018, 12:46
2.

Es fehlt die Statistik der tatsächlich geleisteten Stundenzahl und der Steigerung der Aufgaben in den letzten Jahren.

Als Vergleich und Ergänzung wäre auch die Einkommenssituation der Beschäftigten in ambulanten Pflegediensten interessant.

Medianwerte ohne Angabe der Varianz zur Abschätzung der Streuung um Mittelwerte sollten immer mitgeliefert werden.

Sonst ist das der alte Fall ein Fuß in Eis, der andere in kochendem Wasser. Mittelwert ganz ok.

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walli_sp 24.01.2018, 12:55
3. Ich will es nur noch mal betonen:

harte physische und psychische Arbeitsbedingungen
Dreischichtbetrieb mit bei mir einer Woche Nachtschicht im Monat
selten anständige Pausen während der Schicht
zwei bis drei Wochenenddienste im Monat
immer wieder einspringen für kranke Kollegen
erworbene Überstunden abbummeln, indem man eher geht oder auf Abruf zu Hause bleibt
eine Unaufmerksamkeit kann durchaus schweren Schaden für Leib und Leben des Patienten bedeuten

So sieht es bei uns aus.
Würde da der nine-to-five Bürojobber für 100 € mehr mitmachen?
Wohl kaum.

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phrasendrescher 24.01.2018, 12:56
4. Überdurchschnittlich,

aber nur, wenn man die Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit mit einrechnet. Ich finde das jetzt nicht wirklich fair für meine Kollegen in der Pflege, die sich Jahr für Jahr den Ar*** aufreißen, im Durchschnitt 14 Jahre früher sterben als ein Nicht-Schichtler. Ich dachte immer, diese Zuschläge wären ein kleiner Ausgleich für die Minuspunkte, die man mit der Berufswahl erwibt, kein "wir wuchten den Lohn mal auf Durchschnitt"

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larryunderwood 24.01.2018, 13:43
5. examinierte Fachkräfte...

Verdienen zum Beispiel in der altenpflege fast 1000? weniger als ungelernte in der Metallindustrie... Außerdem gibt es in der Pflege in der Regel eine 39-40 Stunden Woche und keine 35 Stunden Woche rechnet dann das auf das Jahr hoch kommt alleine dadurch eine Mehrarbeit von rund 250 Stunden gegenüber z. B der 35 Stunden Woche auf... Daher überlege ich selbst lieber wo anders zu arbeiten und auf mein staatsexamen als Therapeut zu verzichten...

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leser66in 24.01.2018, 14:00
6. 3.239,-€

"Vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in der Krankenpflege verdienten im Jahr 2016 im Mittel 3239 Euro brutto monatlich"...
Ich frage mich, in welchem Krankenhaus ein derart hohes Gehalt für Fachkräfte in der Krankenpflege gezahlt wird.
Examinierte Kinderkrankenschwester mit fachspezifischer Weiterbildung pädiatrische Intensivpflege und Fortbildung zur Praxis-Anleitung bekommt das in Thüringen bei Vollzeit und 3-Schicht-System definitiv nicht. Habe 2 in der Familie...

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hei61 24.01.2018, 14:10
7. Dummes Zeug!

Was soll ein solch undifferenzierter Artikel? Beim SPIEGEL erwarte ich mehr. Sonst kann ich ja gleich auf BILD oder FACEBOOK als Info-Quelle umsteigen. Wenn man einen Vergleich anstellen will, dann muss man das Einkommen der Pflegekräfte mit dem ähnlich Qualifizierter (mind. 3jährige Ausbildung) vergleichen, die ebenfalls im 3-Schicht-Betrieb rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr arbeiten. Außerdem sollte man für eine faire Beurteilung nicht die gesamte Pflege in einen Topf werfen. Da gibt es auch nochmal Unterschiede je nachdem, ob es sich um eine Krankenschwester/einen Krankenpfleger im Stationsdienst, auf einer Intensivstation oder in einem Funktionsbereich mit zusätzlichen Bereitschaftsdiensten handelt.
Ein Problem in der Bezahlung des Pflegedienstes liegt in der unzureichenden Vergütung der Arbeit zu unangenehmen Zeiten (nachts, Wochenende, Feiertage). Das Grundgehalt wäre für einen nine-to-five-Job Montags bis Freitags durchaus diskutabel. Aber: Berichten Sie doch mal darüber, wie viel Geld zusätzlich eine Krankenschwester bekommt, die z.B. am 1. Weihnachtsfeiertag Nachtdienst macht. Was richtig ist: In der Altenpflege sieht es nochmal schlechter aus. Aber das kann ja wohl kein Argument dafür sein, dass der Krankenhauspflegedienst auch unfair bezahlt wird! Was leicht vergessen wird: Die "ärmsten Schweine" im Krankenhaus sind nicht die Schwestern und Pfleger sondern die Outgesourcten in den Servicegesellschaften. Oft sind diese Servicegesellschaften 100%ige Töchter der Kliniken (dieses Konstrukt halte ist skandalös!). Dort wird dann Mindestlohn oder knapp drüber gezahlt. Und das alles in einem System der überwiegend öffentlichen Gesundheitsfürsorge, dass maßgeblich von Kassenbeiträgen normaler Arbeitnehmer finanziert wird! Da gibt es für die SPD ganz schnell ganz viel zu tun!!!

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dietmarrottmann 24.01.2018, 14:18
8. Äpfel und Birnen

Interessant wäre der Vergleich mit den Verdiensten mit ähnlichen Vorraussetzungen. Drei Schichten, 365 Tage im Jahr, Bezahlung im Tendenzbetrieb usw.
Das und noch viel mehr nach drei Jahren Ausbildung. Dann stellt sich die Frage, ob der Verdienst immer noch über dem Schnitt liegt.

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Nordstadtbewohner 24.01.2018, 14:32
9. Völlig in Ordung

Zitat von hei61
Was leicht vergessen wird: Die "ärmsten Schweine" im Krankenhaus sind nicht die Schwestern und Pfleger sondern die Outgesourcten in den Servicegesellschaften. Oft sind diese Servicegesellschaften 100%ige Töchter der Kliniken (dieses Konstrukt halte ist skandalös!). Dort wird dann Mindestlohn oder knapp drüber gezahlt.
Diese Konstrukte sind völlig legal und in Ordnung! Sie sorgen dafür, dass das Gesundheitssystem auch morgen noch finanzierbar bleibt. Es kann nicht sein, dass jemand, der nur Essen ausfährt, 20 Euro die Stunde dafür bekommt.

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