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Mythen der Arbeit: Roboter machen uns arbeitslos - stimmt's?
DPA

Je schlauer und vernetzter Maschinen werden, desto mehr Arbeitsplätze fallen weg. Klingt logisch, stimmt aber nicht, meint Arbeitsforscher Joachim Möller. Das Gegenteil ist der Fall.

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motul 06.08.2015, 11:13
110. wie soll ein Standort Deutschland sonst überleben?

Der weitere Schritt der Industrialisierung und der Weltkapitalismus macht es für Deutschland zwingend notwendig "High-Tech" Produkte im Land zu entwickeln und dazu gehört auch, dass diese Technologien im Land zum Einsatz kommen.
Was nun unter Industrie 4.0 "oben" diskutiert wird ist ein Witz - die Technik bzgl. Vernetzung, Kommuniikation und Rechenleistung ist so weit - was fehlt sind eindeutige Standards... und daran wird es scheitern, weil jeder "vom Kuchen möglichst viel will" und somit "seine Standards" durchsetzen will.

Zurück zum Thema: warum geht es uns in Deutschland noch "so gut"? (trotz Gejammer usw.. geht es uns im Vergleich zum "Rest der Welt" blendend)
Weil Deutschland ein High-Tech Export Land ist.... wenn Automobil, Automatisierung, Maschinenbau in Deutschland nicht mehr getrieben wird, dann ist die Grundlage für "Wohlstand" weg!
Dass die "Dienstleistungsgesellschaft" nicht funktioniert sieht man in den USA seit Jahren und in Deutschland haben viele dieses Sektors mehr als eine Arbeitsstelle um durchzukommen...
Wertschöpfung ist das Stichwort -> dazu muss etwas hergestellt werden.. und das geht heute nicht mehr ohne High-Tech!

Bzgl. der Gefahr der "Intransparenz" durch High-Tech und Vernetzung kann ich nur anmerken: wo ist denn die Transparenz bei den weltweiten Finanzmärkten... sieht hier niemand, dass diese Intransparenz die Ursache für viele Probleme ist (Griechenland, TTIP, Flüchtlingsströme wegen Ausbeutung...)
Schon das Wort "Geldwirtschaft" ist Dummfug - denn Geld kann nicht meht werden... ohne dass eine Wertschöpfung statt findet... ohne dass jemand bohrt, hämmert, programmiert oder kocht... Geld kann nicht anders "vermehrt" werden

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vwl_marlene 06.08.2015, 11:19
111. Heimarbeit und Konferenzen

Menschen sind soziale Tiere. Wenn sie kommunizieren, dann erschliesst sich der INhalt des Gesagten nicht nur ueber die reinen Worte, sondern auch ueber Intonation und Koerpersprache. Daran wie andere nonverbal auf unser Gesagtres reagieren, merken wir, ob sie uns verstehen oder nicht und wir merken, wo wir etwas anders formulieren muessen. digitale Technik kann echten Kontakt nicht ersetzen. Das merkt man dann auch, wenn es um das Generieren von Ideen geht. Oft werden Loesungen fuer Probleme im Kontakt mit anderen Menschen gefunden. Manchmal beim Angeln, obwohl beide nur nahezu stumm nebeneinander sitzen.

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thinkSelf 06.08.2015, 11:23
112. Danke für den Artikel

Arbeit kann uns nur ausgehen, wenn den Menschen die Ideen ausgehen. Mir fallen sofort genug Aufgaben ein die ganz Europa für Jahrzehnte beschäftigen.

Aber viele Kommentatoren hier verstehen das überhaupt nicht. Einige Beispiele:
- Wer soll das alles konsumieren? Z.B. 6 Mrd. Menschen die noch immer auf einem recht bescheidenen Niveau leben. Und ich persönlich könnte meinen Konsum auch noch problemlos sinnvoll vervielfachen.
- Und wer nicht konsumien will, produziert halt weniger
- Was hat die Taktung mit Rationalisierung zu tun? Das ist lediglich eine Folge inhumaner Arbeitsorganisation.
- Für Unqualizierte: Unqualifizierte Arbeit ist scheiß Arbeit. Die ist menschenunwürdig und gehört wegrationalisiert soweit es nur irgendwie geht. Wer das anders sieht kann ja gerne Spargelstechen gehen oder wieder mit Schlegel und Hammer Kohle abbauen. Wer Unqualifiziert ist, ist zu qualifizieren. Passiert das nicht, versagt diei Gesellschaft aber das ist keine Schuld der Rationalisierung.
- Und wer sich nicht qualizieren will, der will sich auch nicht entwickeln. Hat also eine infantielle Lebenseinstellung. Na, ja und Kinder versorgen wir ja auch.

Bloß keine Veränderungen im eigenen Leben. Diese Zumutung halten ja viele nicht aus.

Arbeitslosigkeit gibt es nicht, höchstens Einkommenslosigkeit. Die Ursachen hierfür liegen aber in den gesellschaftlichen Strukturen und nicht im Automatisierungsgrad. Aber da für Veränderungen zu kämpfen ist ja anstrengend. Da richtet man sich dann lieber in seinem Elend ein, findet Merkel gut und jammert über billige Chinesen und böse Maschinen.

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vwl_marlene 06.08.2015, 11:27
113. Bildung

Lebenslanges Lernen - schon AGB Fisher hat das empfohlen, in den 1930er Jahren. Allerdings stehen die modernen Entwicklungen im Ausbildungssytem - wo man aus breit angelegten Studieninhalten nun "berufsqualifizierende Studiengaenge" macht (Danke an die Bertelsmannstiftung und ISNM!) diemetral dem Ziel entgegen, Menschen dazu zu befaehigen, sich schnell in unterschiedliche Themen und neue Entwicklungen einarbeiten zu koennen.

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C. Goldbeck 06.08.2015, 11:37
114.

Löhne und Gehälter pendeln sich auf dem Niveau der Produktivität ein. Ohne Maschinen ist die Produktivität halt sehr niedrig und damit auch das Einkommen, der Lebensstandard, Wohlstand, die staatliche Wohlfahrt, Absicherung im Alter, medizinische Versorgung etc.. Zahlreiche traurige Beispiele finden sich z.B. bei den Länder der dritten Welt.

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vwl_marlene 06.08.2015, 11:45
115.

Zitat von Anhaltiner
Diesen Wandel gab es auch schon immer. Wenn früher 98% in der Landwirtschaft tätig waren und heute nur 2-3% heißt das entweder 95% sind arbeitslos oder es gab einen Wandel. Solange gibt es ja den Sektor "Dienstleistungen" noch nicht.
Tatsaechlich wuerde der Begriff "tertiary sector" erst von AGB Fisher in einem Aufsatz von 1933 vorgeschlagen. Dienstleistungen als solche gab es aber auch davor schon, wurden aber statistisch nicht erhoben: Da gab es all die Hausangestellten (Dienstmaedchen), da gab es Saenftentraeger und Kutscher, da gab es bereits in Aegypten eine ganze "Kaste" von Verwaltungsbeamten und Priestern. Es gab Polizisten, Geburtshelfer, Haendler, Barber, Juristen, Lehrer.
Zudem ist es schwierig, die Dienstleistungen von den anderen Taetigkeiten abzugrenzen.

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vwl_marlene 06.08.2015, 11:52
116.

Zitat von motul
Zurück zum Thema: warum geht es uns in Deutschland noch "so gut"? (trotz Gejammer usw.. geht es uns im Vergleich zum "Rest der Welt" blendend) Weil Deutschland ein High-Tech Export Land ist.... wenn Automobil, Automatisierung, Maschinenbau in Deutschland nicht mehr getrieben wird, dann ist die Grundlage für "Wohlstand" weg!
Es mag verwundern, aber tatsaechlich sind die Ausfuhren von High-Tech Produkten aus Deutschland ziemlich gering! Obwohl die Deutschen es anders empfinden moegen: Automobilindustrie und der Maschinenbau gehoeren nicht zu den High-Tech-Industrien.

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vwl_marlene 06.08.2015, 11:58
117. technischer Fortschritt

Wie sich technischer Fortschritt auf den Lebensstandard der Mehrheit der Menschen auswirkt, haengt auch von der Wirtschaftsverfassung, vom politischen System ab. Seit der industriellen Revolution gabe es eine Bewegung in Richtung Demokratisierung und die Masse der Menschen konnte von den gestiegenen Produktionsmoeglichkeiten profitieren (und insbesondere hat man nicht, wie Ricardo vorschlug, die Arbeitslosen verhungern lassen). Derzeit aber wird politische Elitenbildung gut geheissen, es scheint in Richtung einer Feudalisierung des Kapitals zu gehen.

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vwl_marlene 06.08.2015, 12:05
118.

Zitat von MatthiasPetersbach
Wenn es jetzt trotz Automation MEHR zu arbeiten gibt - warum dann Automation? Wo ist da der Fortschritt? Das ist doch dann ein Rückschritt?
(1) Der Fortschritt liegt in den gestiegenen Produktionsmoeglichkeiten und daher gestiegenen Konsummoeglichkeiten. Es gibt Menschen, die denken, dass mehr Fernseher, mehr Autos, mehr Mikrowellen etc. den Lebensstandard erhoehen. Ob die Menschen die neuen KOnsummoeglichkeiten verwirklichen, liegt an deren Einkommen und an der Preiselastizitaet der Nachfrage sowie der Einkommenselastizitaet der Nachfrage (und: die Einkommenselastizitaet der Nachfrage fuer konsumorientierte Dienstleistungen ist kleiner als 1, nur fuer Bildung und Gesundheit ist sie groesser als 1).
(2) Dass die grosse Masse der Bevoelkerung keine Erhoehung in ihrem Lebensstandard empfindet, wird von den Daten unterstuetzt: es ist eben kaum zu REallohnsteigerungen gekommen, weil es eine Verschiebung von den Arbeits- hin zu den Kapitaleinkommen gab. Und das wiederum hat auch eine Auswirkungen auf die Nachfrage und fuehrt zu Konjunkturstockungen, wie Emil Lederer sagen wuerde.

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dliblegeips 06.08.2015, 12:14
119.

Zitat von vwl_marlene
Es mag verwundern, aber tatsaechlich sind die Ausfuhren von High-Tech Produkten aus Deutschland ziemlich gering! Obwohl die Deutschen es anders empfinden moegen: Automobilindustrie und der Maschinenbau gehoeren nicht zu den High-Tech-Industrien.
Es kommt nicht nur darauf WAS produziert wird sondern auch WIE es produziert wird.
Beispiel.
Man könnte ein Pferdehuf auf einen 3D Scanner geben und dann das Hufeisen in einem 3D Drucker oder Lasercuter herstellen. Am besten noch aus einer Speziallegierung. Das Hufeisen wäre dann High-Tech. Ob das Resultat dann besser wäre als die Traditionelle Methode sei mal dahingestellt.Aber mit der richtigen Werbung könnte man so eine Dienstleistung/Produkt sicher an die vermögenden Pferdefreunde bringen.

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