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Mythen der Arbeit: Roboter machen uns arbeitslos - stimmt's?
DPA

Je schlauer und vernetzter Maschinen werden, desto mehr Arbeitsplätze fallen weg. Klingt logisch, stimmt aber nicht, meint Arbeitsforscher Joachim Möller. Das Gegenteil ist der Fall.

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klaus meucht 06.08.2015, 12:40
120.

Zitat von Prokrastes
Früher gab es im ÖPNV Menschen, die Fahrkarten verkauft haben. .... Heute gibt es nur noch Fahrkartenautomaten.
Das ist eine andere Form der Rationalisierung.

Der Kunde macht die Arbeit die ein gelernter Schaffner früher erledigte inzwischen selber, und bei einer falschen Fahrkarte wird er mit Bußgeld bestraft.

Noch witziger sind die Selbstbedienungskassen bei Ikea. Jede dieser Kassen braucht einen Ikea Mitarbeiter, der den Kunden helfen muss diese zu bedienen. Da hat die Rationalisierung wohl nicht ganz funktioniert.

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Thomas Meyer 06.08.2015, 12:59
121. Welcher Zeitraum?

Von welchen Zeitraum bis zur Verwirklichung reden wir?
10 Jahre, 20 , sogar 30?

Vielleicht leben wir bis dahin in einer fatalistischen Theokratie und uns ist die technische Entwicklung herzlich egal.
China und vielleicht noch die USA beherrschen die Welt und schalten und wallten wie sie wollen.
Je länger ich lebe, desto düsterer wird meine Vorstellung der Zukunft.

Nichts mit: "gemeinsam zu den Sternen!" :)

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vwl_marlene 06.08.2015, 13:11
122.

Zitat von klaus meucht
Das ist eine andere Form der Rationalisierung. Der Kunde macht die Arbeit die ein gelernter Schaffner früher erledigte inzwischen selber, und bei einer falschen Fahrkarte wird er mit Bußgeld bestraft. Noch witziger sind die Selbstbedienungskassen bei Ikea. Jede dieser Kassen braucht einen Ikea Mitarbeiter, der den Kunden helfen muss diese zu bedienen. Da hat die Rationalisierung wohl nicht ganz funktioniert.
Ich tendiere auch dazu, dass zumindest fuer die konsumorientierten Dienstleistungen Gershuny Recht hatte, und in unserer "Dienstleistungsgesellschaft" einfach immer mehr Taetigkeiten auf die Konsumenten abgschoben werden (E-Banking, Selbstbedienungskassen, selber tanken, selber einchecken, Selbstbedienungsrestaurants, mit Hilfe von Geraeten selber putzen (Staubsauber, Spuelmaschine) und Waschen (Waschmaschine)), wegen technischer Entwicklungen Dienstleistungen durch Dinge ersetzt werden koennen (Fertiggerichte statt Restaurantsbesuch oder Imbis) oder als Folge von Standardisierung entfallen (normierte Kleider- und Schuhgroessen).

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vwl_marlene 06.08.2015, 13:19
123.

Zitat von dliblegeips
Es kommt nicht nur darauf WAS produziert wird sondern auch WIE es produziert wird. Beispiel. Man könnte ein Pferdehuf auf einen 3D Scanner geben und dann das Hufeisen in einem 3D Drucker oder Lasercuter herstellen. Am besten noch aus einer Speziallegierung. Das Hufeisen wäre dann High-Tech. Ob das Resultat dann besser wäre als die Traditionelle Methode sei mal dahingestellt.Aber mit der richtigen Werbung könnte man so eine Dienstleistung/Produkt sicher an die vermögenden Pferdefreunde bringen.
Das Hufeisen wird nicht durch eine neue Produktionstechnologie zum High-Tech-Produkt, sondern das High-Tech-Produkt waere das Geraet, mit dem das Hufeisen hergestellt wuerde.

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dliblegeips 06.08.2015, 13:36
124.

Zitat von vwl_marlene
Das Hufeisen wird nicht durch eine neue Produktionstechnologie zum High-Tech-Produkt, sondern das High-Tech-Produkt waere das Geraet, mit dem das Hufeisen hergestellt wuerde.
Wenn das Hufeisen präziser gefertigt wurde und aus einer besseren Legierung gefertigt ist aus mit bisheriger Technologie, ist das Hufeisen selber High-Tech.
Je nach Materialanforderung gibt es ganz einfache Dinge die nur noch einige wenige Unternehmen fertigen können. Das kann so etwas einfaches sein wie Schrauben und Muttern.
Und genau im fertigen von so unscheinbaren Dingen ist die Industrie in Europa (mindestens D-A-CH+BENELUX) stark.
Oder wieso wird immer noch Schokolade aus der Schweiz exportiert. Eigentlich müsste die beste Schokolade in den Kakao Anbauländer hergestellt werden.

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Wofgang 06.08.2015, 13:48
125.

Zitat von klaus meucht
... Noch witziger sind die Selbstbedienungskassen bei Ikea. Jede dieser Kassen braucht einen Ikea Mitarbeiter, der den Kunden helfen muss diese zu bedienen. Da hat die Rationalisierung wohl nicht ganz funktioniert.
Nicht wirklich aufgepasst! Ein Mitarbeiter pro 4 Selbstbedienungskassen, macht 3 gespart. Einfache Grundrechenarten. Wie viel Kohle man nach der Investition tatsächlich gespart hat, steht dann noch auf einem anderen Blatt. Aber Kassen mit Personal kosten ja auch, in so fern wird sich das schon rechnen

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vwl_marlene 06.08.2015, 13:51
126.

Zitat von dliblegeips
Wenn das Hufeisen präziser gefertigt wurde und aus einer besseren Legierung gefertigt ist aus mit bisheriger Technologie, ist das Hufeisen selber High-Tech. Je nach Materialanforderung gibt es ganz einfache Dinge die nur noch einige wenige Unternehmen fertigen können. Das kann so etwas einfaches sein wie Schrauben und Muttern. Und genau im fertigen von so unscheinbaren Dingen ist die Industrie in Europa (mindestens D-A-CH+BENELUX) stark.
Ich bezweifele ja nicht, dass es auch fuer "einfache" Dinge hohes Know-How braucht oder sogar high-tech-Produktionsgeraete.
Aber in der Aussenhandelsbilanz werden die so hergestellten Produkte trotzdem nicht als High-Tech eingeordnet. Es ist tatsaechlich so, dass nach der Handelsbilanz Deutschland nur ziemlich wenig High-Tech-Produkte exportiert.

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vwl_marlene 06.08.2015, 14:00
127.

Zitat von dliblegeips
Oder wieso wird immer noch Schokolade aus der Schweiz exportiert. Eigentlich müsste die beste Schokolade in den Kakao Anbauländer hergestellt werden.
Schoki wird ja nicht nur aus Kakao, sondern auch aus Milch und Zucker hergestellt. Man braucht also Milchwirtschaft, die es in den Kakao-Anbaulaendern praktisch nicht gibt, auch weil es dort zu warm ist und diese Laender wegen ihres industriellen Entwicklungsstands ueber keine ausgebauten Kuehlsysteme verfuegen. Zudem werden Nahrungszubereitungen zunaechst nahe am Markt hergestellt. Die Schoki-Industrie hat sich also dort entwickelt, wo die Konsumenten waren. In den Kakaoanbaulaendern aber essen die Menschen kaum Schoki, weil es einfach zu warm ist.

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dliblegeips 06.08.2015, 14:15
128.

Zitat von vwl_marlene
Ich bezweifele ja nicht, dass es auch fuer "einfache" Dinge hohes Know-How braucht oder sogar high-tech-Produktionsgeraete. Aber in der Aussenhandelsbilanz werden die so hergestellten Produkte trotzdem nicht als High-Tech eingeordnet. Es ist tatsaechlich so, dass nach der Handelsbilanz Deutschland nur ziemlich wenig High-Tech-Produkte exportiert.
Trotzdem sind bei der Produktion fast aller Produkte High-Tech Produktionsmittel und entsprechende Fachkräfte nötig. Es ist ein grosser Vorteil wenn möglichst viel im eigenen Land hergestellt wird.

Als Gegenbeispiel kann man z.B. Saudi Arabien nehmen. die Fördern schon seit mehreren Generationen Öl sind aber immer noch auf ausländische Fachkräfte und Spezialunternehmen angewiesen. Anstelle eine eigene Industrie aufzubauen wurde alles Geld verpasst.
An dem Beispiel kann man auch sehen dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen nichts bringt. Dies ist ja in Saudi Arabien Realität (natürlich nur für die eigenen Bürger). Das Resultat ist, dass das ganze Land auf Fremdarbeiter angewiesen ist. Von der Krankenschwester bis zu Ingenieur. Alle Produktivität wird dort von Fremdarbeiter geleistet.

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trebbien 06.08.2015, 14:27
129. Das wusste ich tatsächlich nicht!

Als ich 16 war, besichtigten wir mit der Klasse die Fordwerke in Köln. Durch die Produktionshallen liefen die Autoteile, drahtige Arbeiter knallten mit schweren Druckschraubern an langen Schläuchen jeweils eine Schraube in die vorbeischwebenden Motorblöcke, und am Ende der Bänder, wo der Lärm leise geworden war, setzten andere die neuen Kutschen zusammen. Es wimmelte von Menschen.
Mit 60 war ich im gleichen Werk. Der Lärm war weg. Roboterarme drehten mit faszinierender Eleganz je eine Schraube in die Motorenblöcke, ohne dass sie ins Baumeln gerieten. Nicht ein einziger Mensch war zu sehen. Ich fragte mich seitdem, wo die abgeblieben sind. Dank Joachim Möller weiß ich das jetzt: Sie schreiben eMails und sitzen in Acht Stunden Schichtern in Konferenzen.

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