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Nachwuchsmangel: Wie das Handwerk um Azubis kämpft
DPA

Das Handwerk boomt, aber jedes Jahr bleiben Tausende Lehrstellen unbesetzt, auch, weil das Image vieler Ausbildungen mies ist. Die Branche will das ändern - mit ungewöhnlichen Maßnahmen.

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RenRlp 10.01.2018, 12:11
30. Aha

Einer meiner Söhne hat sich für eine Bäckerlehre entschlossen. War und bin ich zwar nicht begeistert von, aber ihm sind die Folgen bewusst, der Beruf macht ihm Spaß. Er ist der erste Lehrling seit 4 Jahren in dem Betrieb, bekommt aber nicht mal die Fahrkarte für die Berufsschule gestellt. Die muss er von seiner mickrigen Ausbildungsvergütung zahlen, was rund 1/4 ausmacht. Wenn das kämpfen ist, sehe ich noch deutlich Luft nach oben.

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53er 10.01.2018, 12:12
31. Die Frage bleibt,

wenn sehr viele der Realschüler bzw. Abiturienten nach der Lehre weiterstudieren und z.B. die Fachhochschule, Techniker- oder Meisterschule besuchen, wer macht dann hinterher die Arbeit vor Ort? Die Imagekampagne des Handwerks ist ziemlich transparent, drei Jahre Arbeit ...pardon Ausbildung von, zuindest in Theorie, gut vorgebildeten Auszubildenden und das oft unter Mindestlohnniveau. Danach.... sehen wir mal. Hauptsache wir nehmen im Boom mit was geht. Liebe Handwerker: Huptlinge habt ihr schon genug, was sollen anschließend die vielen Techniker und Meister? In ein paar Jahren zu Euren Konkurrenten werden? Schafft endlich ordentlich bezahlte Arbeitsplätze mit Arbeitszeiten, die sich dem Industrieniveau anpassen und tut nicht so, als wäre die Arbeit vor Ort nur noch auf Bachelorniveau zu bewältigen. Anstatt jede Menge Geld durch Marketingzauber für Ausbildungswerbung in den Wind zu schiessen, verbessert einfach die Arbeitsbedingungen. Wer wirklich bereit ist, Migranten für eine Ausbildung einzustellen, der kann auch Hauptschüler mit einem mittelmäßigen Zeugnis eine Lehre anbieten und dafür auch einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen, dem genug Zeit bleibt, die Azubis nach Lehrplan zu betreuen und auch außerschulisch weiterzubilden.

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josifi 10.01.2018, 12:12
32.

Zitat von Nellodee
Ein Bekannter von mir ist Bäcker. Auch er sucht regelmäßig verzweifelt nach Lehrlingen. Seine Erfahrung: Leider ist es tatsächlich so, dass viele junge Leute schlichtweg keinen Bock auf einen Beruf haben, der ihnen auch ganz schön etwas abverlangt. Da ist oft sehr viel Bequemlichkeit im Spiel und viele lassen sich vorgaukeln, dass man heute viel leichter an Geld kommen kann....
Genau das ist aber richtig! Man kann leichter an (mehr) Geld kommen. Also frage ich Sie: WARUM um alles in der Welt sollte jemand Bäcker werden wollen, so lange es besser bezahlte )und mit günstigeren Arbeitszeiten!) Alternativen gibt?

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observerlbg 10.01.2018, 12:13
33. Hab gerade ein Deja vu....

Das Thema scheint immanent zu werden. Dann mal los. Ich war selbst viele Jahre Ausbilder und könnte einiges erzählen. Wichtig ist hier aber festzustellen, dass sich die Jugendlichen deutlich verändert haben (im Gegensatz zu 1980...), die Handwerksbetriebe aber oft nicht. Die Lehrlingsvergütung ist übrigens nicht das Problem, ich kam damals auch kurzfristig mit wenig Geld aus. Auch später beim Studium. Zumal die Eltern die erste Ausbildung finanziell unterstützen müssen. Nein, der Verdienst als Ausgebilderter ist maßgebend. Und als Elektrikergeselle, als Dachdecker, als Klempner..... verdiene ich nicht genug, um in diesem unseren Lande hinreichend gut zu leben. Erst als Meister kann ich ein auskömmliches Gehalt erwarten. Und nur als Selbstständiger wirklich die Früchte meiner Arbeit ernten. Muss dabei sicher mehr als 60 Stunden die Woche arbeiten. Nur da muss ich erst mal hin kommen. Nein, kein bequemer Weg. Das Studium mit zehn Semestern ist da deutlich einfacher. Das sind die Überlegungen, die Jugendliche heute treibt. Hier wieder über das Benehmen, Verhalten und Anspruchdenken der Jugend herzuziehen, seit Menschengedenken immer das gleiche Bashing, ist wenig sinnvoll. Also Berufsverbände, Handwerkskammern und Kultusministerien, macht konstruktive Vorschläge. Und geht endlich konzertiert gegen die immer stärker werdende Schwarzarbeit vor. Dann könnte auch ich mir überlegen, wieder ins Handwerksgeschäft einzusteigen.

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jacki 10.01.2018, 12:13
34. tjoa

ich habe mehrere Freunde und Verwandte die jetzt um die 40 sind und samt und sonder ihren Beruf (Bäcker, Klempner, Maurer, Zimmermann) den sie gelernt haben hingeschmissen und umgeschult haben aus gesundheitlichen Problemen.

Nicht die goldigsten Zukunftsperspektiven, ich kann meinen Bürojob vermutlich noch mit 70 machen, der ehemalige Maurer hat Probleme sich die Schuhe zuzubinden. Ich habe jedes Verständniss für jemanden der sagt "ne lass mal"

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x-ray 48 10.01.2018, 12:13
35. Es gab mal eine Zeit ....

da wurden diejenigen welche sich ausbilden lassen wollten mit Füssen getreten. Da wurde gejammert seitens der Arbeitgeber als ginge wieder mal das Abendland unter. Meines Erachtens, gibt es auch heute noch genügend junge Menschen welche deshalb nie eine richtige Ausbildung gehabt haben, und deswegen heute immer noch als benachteiligte anzusehen sind, egal welchen Job sie gerade machen.Betrachtet man es richtig, sind es diese jungen Menschen von damals welche der Altersarmut ins Gesicht sehen. Heute rächt sich das nun bitter, und an die jungen Leute lasst euch nicht über den Tisch ziehen seid nicht bescheiden und verlangt was ihr zu bekommen habt die Arbeitgeber vertragen das, und das Abendland wird nicht unter gehen.

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alexanderweisbrod 10.01.2018, 12:14
36. @tope1212

Oh,
Ich würde jeden Hauptschüler mit kußhand nehmen, wenn es denn welche gäbe, die den Anforderungen entsprechen.
Und ich rede hier nicht von Einser Noten.
Pünktlichkeit, Sauberkeit, Fleiß und eine einigermaßen verständliche Aussprache genügen.
Aber diese Sekundärtugenden sind heute wohl nicht mehr gefragt.

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Plasmabruzzler 10.01.2018, 12:18
37.

Junge Leute sind ja nicht doof und bewerten ihr Eintritt ins Erwerbsleben von vielen Perspektiven - nicht zuletzt geht es auch ums Geld und um den sozialen Status. Auch muss man sich vor Augen führen, wie lange man in dem Beruf arbeiten soll/muss bis zur Rente und ob man dazu überhaupt fähig ist. In körperlich anspruchsvollen Berufen wie Dachdecker oder Fliesenleger wird es schwierig, wenn man annimmt, mit 17 in die Lehre zu gehen und mit 70 in Rente (es wird nicht ewig die Rente ab 67 geben und bei der heutigen Jugend sind 70 Jahre ein guter Schätzwert). Das sind mal eben 53 Jahre, in denen man durchgehend schweren Belastungen ausgesetzt ist und trotzdem Hochleistung bringen muss. Wenn bspw. ein Schreibtischtäter nach 20 Jahren im Beruf einen Bandscheibenvorfall hat, bekommt er eben einen entsprechenden Stuhl und höhenverstellbaren Schreibtisch und sonstige Hilfsmittel. Der Fliesenleger wäre in solch einem Fall kaum noch zu gebrauchen und würde ggf. arbeitslos; mit all seinen Konsequenzen.
Auch bei der Partnerwahl ist die Berufswahl von Bedeutung. Wo junge Frauen noch Handwerker cool finden, weil sie lockere Sprüche drauf haben und körperlich was leisten, darf es bei Familiengründung doch eher der Akademiker sein, den man vorzeigen kann oder der auch mal mit ins Theater oder in die Oper geht. Für gewöhnlich bekommen Akademiker auch mehr Geld für ihre Arbeit - sie sind also eher eine gute Partie. Gut, ein paar Sätze sind für's Phrasenschwein, aber ich bleibe bei meiner Aussage. Studien, die dieses Verhalten belegen, kann man bspw. auch beim Familienministerium finden (z. B. Sinus Studie zu jungen Männern und Frauen).
Ich hatte eine gute Ausbildung im Handwerk (Feinmechaniker), mochte den Beruf und hätte gerne länger darin gearbeitet. Aber ich fand keine adäquate Anstellung nach der Ausbildung und fand das Handwerks-Getue doch ziemlich öde: prollige Sprüche, Klüngelei, Größenwahn, usw. Mein Studium hat sich gelohnt - in allen Belangen.

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_gimli_ 10.01.2018, 12:19
38.

Zitat von Nellodee
Ein Bekannter von mir ist Bäcker. Auch er sucht regelmäßig verzweifelt nach Lehrlingen. Seine Erfahrung: Leider ist es tatsächlich so, dass viele junge Leute schlichtweg keinen Bock auf einen Beruf haben, der ihnen auch ganz schön etwas abverlangt. Da ist oft sehr viel Bequemlichkeit im Spiel und viele lassen sich vorgaukeln, dass man heute viel leichter an Geld kommen kann. Und was an Bewerbungen kommt, ist manchmal sehr traurig: Wer es nicht einmal schafft, einen einseitigen Lebenslauf weitgehend fehlerfrei und sorgfältig zu erstellen und schon nach ein paar Tagen nicht pünktlich und zuverlässig zur Arbeit kommt (krank? Klar, kann passieren - aber dann bitte doch anrufen und krankmelden!), der ist für einen Betrieb leider mehr Belastung als alles andere. Mein Bekannter beobachtet eine deutlich gestiegene Anspruchshaltung, viele junge Leute scheinen zu glauben, sie hätten einen automatischen Anspruch auf ein gutes, entspanntes Leben mit hohem Verdienst, ohne groß etwas dafür zu tun.
Ich denke eher, dass Ihr Bekannter sich da etwas vormacht. Warum sollten junge Leute, die sich den Ausbildungsberuf aussuchen können, einen Beruf mit Nachtarbeit wählen, wo sie im 1. Lehrjahr keine 500 € Azubi-Gehalt bekommen? Also bekommt der Bäcker nur Anfragen von denen, die keine Alternative haben (und eigentlich wohl auch keinen Bock auf den Beruf).

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H.Schirmer 10.01.2018, 12:20
39.

Zitat von tope1212
Es kann nicht angehen, dass Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss keine Ausbildung mehr machen können.
Klar kann das angehen, das muss sogar angehen, falls trotz Hauptschulabschluss elementare Fähigkeiten fehlen sollten. Momentan stellt der Hauptschulabschluss nicht uneingeschränkt sicher, dass der Schüler elementare Fähigkeiten wie ausreichende Deutsch- und Mathematikkenntnisse sowie akzeptables Sozialverhalten bzw. sogar gutes Benehmen mitbringt. Das ist aber für viele Berufe unerlässlich. Unerlässlich bedeutet, dass man ohne diese Fähigkeiten manche Berufe einfach nicht ausüben kann. In diesem Fall halte ich eine Ablehnung durch den Betrieb für angemessen bzw. aus reiner Ehrlichkeit heraus für dringend notwendig.

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