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Neuanfang nach der Lehre: Nur die Hälfte der Azubis bleibt im Beruf
DPA

Erst machen sie eine ordentliche Lehre, dann springen sie von Job zu Job: Nur 48 Prozent aller Azubis bleiben in dem Beruf, den sie gelernt haben. Dabei sind besonders krasse Wechsel schlecht fürs Einkommen.

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MartinS. 22.04.2015, 19:43
20. ...

Zitat von L!nk
Mich haben sie mit starken Heuschupfen Tischler werden lassen. Als der Irrtum dann bemerkt wurde, kamen intensive Tests. "Ich könne auch locker das Abitur nachmachen und Ingenieur werden." hieß es darauf. Aber finanzielle Hilfen dafür gibt es auf keinen Fall - 15 Monate Umschulung waren Maximum. Soviel dann auch zum Thema "Wo bleiben die Fachkräfte".
Nun ja... es krankt doch schon an "haben mich werden lassen" - den Werdegang haben sie doch eigentlich selbst angestrebt, oder was ist da schiefgelaufen?
So ein ganz kleines bisschen Verantwortung muss man auch selbst für sich übernehmen.

Und was haben sie im Endeffekt mit der Einschätzung gemacht, dass man ihnen das Zeug zum Ingenieur zutraut?
Haben sie sich noch mal auf den Arsch gesetzt, und die Schulbank gedrückt, oder dann doch lieber gekniffen? Auch für diesen Werdegang muss der Anstoß letztlich von ihnen selbst kommen.

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MartinS. 22.04.2015, 19:50
21. ...

Zitat von Luqj
Das Problem sind die Ausbildungsbetriebe.. 217 Euro netto bei unbezahlten Überstunden und insgesamt 10 Tagen Urlaub auf zwei Jahre verteilt. Aussicht nach der Ausbildung in dem Betrieb 1800 brutto bei selben Umständen. Am Tag nachdem ich mein vorläufiges Zeugnis erhalten habe, konnte ich bei meinem derzeitigen Arbeitgeber anfangen, der doppelt so viel zahlt und die Umstände sind im Vergleich zum Ausbildungsbetrieb paradiesisch. Wenn ich noch mal von jemanden den Spruch mit den Herrenjahren höre, schmeiß ich ihm Steine an den Kopp. Es gibt zwar noch gute Betriebe, die gut ausbilden und auf den späteren Beruf vorbereiten, aber das sind nicht alle. Immer mehr sehen Auszubildende als günstige Arbeitskraft an und das vermittelte Wissen reicht grade so aus um die Prüfung mit Ach und Krach zu bestehen.. so bindet man auch günstige Arbeitskräfte..
aber mit dem Austreten vom Lehrbetrieb haben sie doch auch bestimmt einen Vergleich angestrebt, oder?

Immerhin hat der Betrieb auf ihre Kosten gegen so einige Gesetze verstoßen. Das wird ihn entweder ziemlich teuer kommen und die Ausbildungsberechtigung kosten, oder er zahlt ihnen nachträglich einen Ausgleich... böse Menschen würden sowas vielleicht Erpressung nennen, aber auf der anderen Seite hat man mit ihnen nichts besseres gemacht, wenn man sie mit der Drohung des Verlusts der Ausbildungsstelle (ob ausgesprochen oder nicht) zu derartigen Zuständen nötigt. Noch dazu als Lehrling.

...oder sie haben dem Laden den Rücken gekehrt und dürfen sich jetzt auch ein bisschen mitverantwortlich dafür fühlen, dass es mit Sicherheit auch den nachfolgenden Lehrlingen ähnlich erging.

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Luqj 22.04.2015, 21:54
22.

Ich habe es der zuständigen IHK gemeldet, auch schon während der Ausbildung. Es kam zu einer Kontrolle seitens der IHK und damit war es erledigt.

Verklagt habe ich die Firma wegen der Überstunden und des nicht ausbezahlten Urlaubs. Die Anwaltskosten, da ja über Arbeitsgerichte jeder seine Kosten selber übernimmt, höher als das mir zustehende Geld waren, hatte ich nicht viel davon. Zumal die Firma sonst keine Auflagen verhängt bekam.

Im September 2014 fing wieder ein Azubi an. Die IHK hat die Unterlagen meiner Anwältin und das Urteil ebenfalls bekommen.

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vanny1984 22.04.2015, 22:26
23.

Zitat von Luqj
Ich habe es der zuständigen IHK gemeldet, auch schon während der Ausbildung. Es kam zu einer Kontrolle seitens der IHK und damit war es erledigt. Verklagt habe ich die Firma wegen der Überstunden und des nicht ausbezahlten Urlaubs. Die Anwaltskosten, da ja über Arbeitsgerichte jeder seine Kosten selber übernimmt, höher als das mir zustehende Geld waren, hatte ich nicht viel davon. Zumal die Firma sonst keine Auflagen verhängt bekam. Im September 2014 fing wieder ein Azubi an. Die IHK hat die Unterlagen meiner Anwältin und das Urteil ebenfalls bekommen.
Und genau diese Geschichte zeigt die massive Schwachstelle unserer dualen Ausbildung: es gibt einfach keine Stelle, die sich für den Azubi verantwortlich fühlt und nur seine Interessen vertritt!

Die IHK wird von den Unternehmen finanziert und wird somit einen Teufel tun und denen in die Suppe spucken (maximal dann, wenn mehrere Azubis über Jahre hinweg rechtlich eindeutig unhaltbare Zustände genauestens dokumentieren und beweisen, was aber allein schon daran scheitert, dass in kleinen Betrieben meist immer nur ein, vielleicht noch zwei Azubis auf einmal angestellt sind). Betriebsrat und JAV haben gerade die kleinen Betriebe, wo der größte Mist läuft, nicht. Berufsschulen und deren Lehrer sind zwar tendenziell gefühlt schon eher auf Azubi-Seite, aber haben keinerlei Handhabe gegen schlechte Ausbildungsbetriebe. Selbst Gewerkschaften scheinen den Bereich Ausbildung eher nur so als "Naja, müssen wir nebenbei auch mal kurz ran, aber bloß nicht lang dran aufhalten" zu betrachten. Faktisch stehen Auszubildende allein auf weiter Flur.

Und wenn Regelungen kaum bis gar nicht kontrolliert und bei Verstoß nicht geahndet werden, dann werden sie einfach wirkungslos. Das duale System ist vom Grundgedanken ein sehr gutes. In der Praxis fehlt aber nun mal die Kontrolle des praktischen Teils dieser Ausbildungsform. Und wer würde sich schon z.B. an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, wenn da nicht die drohende Gefahr des Blitzers mit all den unschönen Konsequenzen lauern würde? Wer bildet schon korrekt nach Gesetz und Verordnungen aus, wenn er stattdessen auch ungestraft ausbeuten kann?

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chalchiuhtlicue 22.04.2015, 22:43
24.

Zitat von seeman84
trifft nicht auf zu jeden zu..Ich bin gelernter Koch. Danach bin ich einfach aus Lust zur See gefahren, sprich Schiffsmechaniker gemacht, Patent gemacht und bin seit zwei Jahren Kapitän auf einem Tankschiff. Bin jetzt 30. Ich sehe keinerlei Zusammenhänge wie sie in dem Artikel beschrieben sind.
Sehr unlogische Argumentation. Sie erklären ihren Fall (Einzelfall) zur Regel. Kein valides Argument gegen den vom Autor geschilderten Sachverhalt.

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Luqj 22.04.2015, 23:33
25.

Die Kontrollorgane sind ja vorhanden, aber funktionieren nicht. Der nette Herr von der IHK hat mir ja vom Gang zum Anwalt abgeraten, während und nach der Ausbildung. Was ich nun eigentlich von dem neuen Azubi erfahren habe: Die IHK hat den ersten Vertrag nicht akzeptiert weil 70% unter Tariflohn. Jetzt nur noch 50.. sonst hätten sie den Vertrag nicht eingetragen. Das war wohl die einzige Konsequenz des Ganzen.

Noch zu meiner Zeit wurde ja dem zweiten Azubi fristlos gekündigt, weil er irgendwann nicht mehr in die Arbeit kam. Ich kann mich noch daran erinnern als er gesagt hat er kann nicht mehr und geht jetzt heim.. ich hatte dann noch Kontakt zu ihm und er wurde wegen Burnout krank geschrieben. Tagtäglich 12 bis 14 Stunden, Sachen die nichts mit der Ausbildung zu tun hatten, Mobbing wegen seiner Rechtschreibschwäche und auch sexuelle Belästigung.. er wollte aber nicht zur IHK, damit ich meine Ausbildung abschließen kann. Heute denke ich eher, dass er sich geschämt hat. Ich denke aber, dass wir da keine Einzelfälle waren. Ich kenne genug Leute, denen es in kleineren Betrieben ähnlich ergangen ist.

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abby_thur 23.04.2015, 05:38
26.

Zitat von jamguy
Wer nach der Ausbildung den Beruf wechselt is niemals Fachkraft auf dem gelernten Beruf,eben nur auf dem Papier!
Das müssen Sie mir mal aber erklären.

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stelzenlaeufer 23.04.2015, 12:28
27.

Was sollen Azubis auch anderes machen? Kaum einer wird noch nach der Lehre übernommen also müssen Sie ja zusehen dass sie irgendwie an Arbeit kommen und da ist es dann halt nicht unbedingt der Beruf den sie gelernt haben. Wenn die Betriebe einfach mal ihre Lehrlinge weiter beschäftigen würden hätten wir diesen angeblichen Fachkräftemangel gar nicht! Aber es geht ja nur darum billige Arbeitskräfte aus dem Ausland zu bekommen die dann am besten hier noch dank Werkverträgen zu ausländischen Tarifen arbeiten.

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wauz 23.04.2015, 16:19
28. Stimmt so nicht!

Zitat von stelzenlaeufer
Was sollen Azubis auch anderes machen? Kaum einer wird noch nach der Lehre übernommen also müssen Sie ja zusehen dass sie irgendwie an Arbeit kommen und da ist es dann halt nicht unbedingt der Beruf den sie gelernt haben. Wenn die Betriebe einfach mal ihre Lehrlinge weiter beschäftigen würden hätten wir diesen angeblichen Fachkräftemangel gar nicht! Aber es geht ja nur darum billige Arbeitskräfte aus dem Ausland zu bekommen die dann am besten hier noch dank Werkverträgen zu ausländischen Tarifen arbeiten.
Die gesuchten Fachkräfte sind eben nicht Bäcker, Metzger und Friseur, oder was es sonst noch an Lehrlingszüchter-Branchen gibt.
Viele Betrieb besetzen Ausbildungsstellen lieber gar nicht, als dass sie sie mit jungen Leuten besetzen, an deren Eignung sie (warum auch immer) arge Zweifel haben. Wenn die Abgewiesenen dann Bäcker anstatt Mechatroniker werden, steigert das ein wenig ihre Chancen, irgendwo hinein zu kommen, eben weil sie "wenigstens Bäcker" gelernt haben.
Ein großes Problem heute sind ja die (notwendigen) Spezialisierungen. Aus meiner Tätigkeit in der Personalbrance kenne ich die Schwierigkeiten. Da ist zum Beispiel Schweißer nicht gleich Schweißer. Es macht einen Unterschied, ob man allgemeinen Baustahl, Aluminium oder Niro-Stähle schweißen muss. Dergleichen Beispiele gibt es zu hauf, je höher die verlangte Qualifikation, desto höher ist auch der Grad der Spezialisierung und damit der Seltenheit des gesuchten Personals.
Da das Personal durch höher Bezahlung ja auch nicht mehr wird, funktioniert eine Rekrutierung allein über das Gehalt nicht.

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lotoseater 23.04.2015, 18:04
29. Frage

Zitat von wauz
Aus meiner Tätigkeit in der Personalbrance kenne ich die Schwierigkeiten. Da ist zum Beispiel Schweißer nicht gleich Schweißer. Es macht einen Unterschied, ob man allgemeinen Baustahl, Aluminium oder Niro-Stähle schweißen muss. Dergleichen Beispiele gibt es zu hauf, je höher die verlangte Qualifikation, desto höher ist auch der Grad der Spezialisierung und damit der Seltenheit des gesuchten Personals. Da das Personal durch höher Bezahlung ja auch nicht mehr wird, funktioniert eine Rekrutierung allein über das Gehalt nicht.
Nur so aus Interesse: Wäre es nicht möglich, einen Schweißer mit Baustahl-Erfahrung einzustellen und ihn für die neue Spazialisierung einzuarbeiten? Wenn der Mitarbeiter mit Nitro-Stahl-Spezialisierung dringend gebraucht ist, müsste es doch für das Unternehmen einen erheblichen Verlust darstellen, wenn es keinen Mitarbeiter hat, um die vorhandene Arbeit zu erledigen und die damit zusammenhängenden Aufträge zu erfüllen. Wo liegt mein Denkfehler?

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