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Personalmangel: Die unfreiwillige Feuerwehr von Grömitz
Andreas Arnold/ dpa

Freiwillige Feuerwehr? Funktioniert - wie der Name sagt - nur mit Freiwilligen. Weil die fehlen, verpflichtet ein Ort in Schleswig-Holstein jetzt seine Bürger.

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gaherus 02.06.2019, 15:12
80. Es gibt verschiedene Lösungen

Hauptberufliche Kräfte in Stützpunktwehren die für mehrere Orte zuständig sind. Diese wird im Brandfall von anderen, weiter entfernt liegenden Stützpunktwehren unterstützt.
Mit kleinen hauptberuflichen Wehren kann der Brandschutz kostengünstig auch in der Fläche abgedeckt und die Hilfsfrist eingehalten werden.

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gunnerson 02.06.2019, 16:09
81.

Zitat von Nordstadtbewohner
Ich bin froh, in einer Stadt mit einer Berufsfeuerwehr zu leben. Dafür zahle ich auch entsprechend Steuern und Abgaben. Zwangsdienst im Rahmen einer Pflichtfeuerwehr als "Ehrenamt" zu bezeichnen, halte ich für einen krassen Euphemismus.
So? Wer macht das denn? Der Artikel jedenfalls nicht...

Und die Pflicht besteht ohnehin schon, ist nur faktisch in der großen Mehrheit der Fälle durch ausreichend Freiwillige ausgesetzt. Finden sie die nicht mehr, kommt halt der Rückgriff auf die Verpflichtung.

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gunnerson 02.06.2019, 16:11
82.

Zitat von bluraypower
... eine Pflicht gegen mich erlassen würde bei der Feuerwehr teilzunehmen dann würde ich sofort umziehen und weg aus der Kleinstadt gehen. Ich zahle Steuern und Abgaben und damit ist meine Schuld getilgt und wenn der Bürgermeister nicht richtig haushalten kann mit unseren Gebühren und Abgaben dann ist das nicht mein Problem. Ende!
Ähem? Es dürfte wohl nicht am Haushalten des Bürgermeisters liegen, denn die freiwiliigen bekommen gerade kein Geld dafür. Also ändert die finanzlage nichts am Aufkommen der Freiwilligen.
Und Berufsfeuerwehren sind in den Landesfeuerwehrgesetzen erst ab 100.000 Einwohner vorgesehen. Da kommt Grömit selbst mit doppeltem Touristenansturm nicht im Ansatz hin.

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gunnerson 02.06.2019, 16:30
83.

Zitat von meimei
Ihr Argument ist ja wunderbar. Es sollen wenige gezwungen werden, damit der Rest nicht die tatsächlichen Kosten zu tragen hat. "Super" - dann zahlen wir eben alle ein Teil mehr, aber so etwas geht gar nicht. PUNKT. Sylt als Beispiel, wie kann es sein, dass da Anwohner rangezogen werden? Wenn das hauptsächlich wegen der Touri-Saison ist? Das ist doch mal Hohn schlecht hin. Warum sollen hier nicht die Hotels und Gaststädtenbetreiber zahlen, und die Gemeine von den Steuereinnahmen? Oder wenn eine Bundesstraße in der Nähe ist. Warum sollte es hier nicht der Steuerzahler sein? Bundesstraßen, Autobahnen?
Der Saison-Betrieb dürfte gerade mit da sProblem sein - denn da will Herr Hotelier nicht seinen Mitarbeiter zur Feuerwehr lassen. Eigentlich müssten es ja paradisische Zustände für dir Tagesverfügbarkeit sein, bei so hoher Arbeitsstellenquote vor Ort. Da trifft es dann durchaus die richtigen, wenn gerade diese nun nicht mehr ihr Personal faktisch zurückhalten können, um noch mehr Geld zu scheffeln.

Was Autobahnen anbelangt - da gilt imme rnoch, dass für die ortsüblichen gefahren die Kommune zuständig ist. Und auch ohne BAB die Rettung bei Verkehrsunfällen gewährleisten muss. Also ist das Material ohnehin vorzuhalten. Und natürlich finanziert vom Steuerzahler. Allerdings dem lokal ansässigen.
Während die Einsatzkosten bei Verkehrsunfällen wiederum sogar verursachergerecht vom Halter getragen werden, da sie aus der besonderen Betriebsgefahr von Kraftfahrzeugen herrühren... Nennt sich Kfz-Haftpflichtversicherung...

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meimei 02.06.2019, 16:48
84.

Zitat von gunnerson
Der Saison-Betrieb dürfte gerade mit da sProblem sein - denn da will Herr Hotelier nicht seinen Mitarbeiter zur Feuerwehr lassen. Eigentlich müssten es ja paradisische Zustände für dir Tagesverfügbarkeit sein, bei so hoher Arbeitsstellenquote vor Ort. Da trifft es dann durchaus die richtigen, wenn gerade diese nun nicht mehr ihr Personal faktisch zurückhalten können, um noch mehr Geld zu scheffeln. Was Autobahnen anbelangt - da gilt imme rnoch, dass für die ortsüblichen gefahren die Kommune zuständig ist. Und auch ohne BAB die Rettung bei Verkehrsunfällen gewährleisten muss. Also ist das Material ohnehin vorzuhalten. Und natürlich finanziert vom Steuerzahler. Allerdings dem lokal ansässigen. Während die Einsatzkosten bei Verkehrsunfällen wiederum sogar verursachergerecht vom Halter getragen werden, da sie aus der besonderen Betriebsgefahr von Kraftfahrzeugen herrühren... Nennt sich Kfz-Haftpflichtversicherung...
Nun ja, ich habe ja (ok - einige Posts geschrieben) auch geschrieben, dass es so nicht weitergehen kann. Was ich schreibe sind dann eben Vorschläge, wie es anders gehen sollte.

Menschen Zwangsverpflichten (wo ist der wirkliche Unterschied zu Leibeigenschaft?) seien es Arbeitnehmer vom Hotelbesitzer oder Gasstätte ist nunmal wahrlich nicht die Lösung. Die Leute, die Zwangsverpflichtet werden, werden sich bei Ihnen sicherlich bedanken.

Aber die Gelder, Kurtaxi usw könnten sicherlich dazu verwendet werden, entweder eine Berufsfeuerwehr aufzubauen, oder den Freiwilligendienst eben finanziell attraktiv zu gestallten.

Der Generationenvertrag (Rente) ist doch schon lange aufgekündigt, die Umweltsünden-Hypothek ist aber noch lange da. Dazu noch die veränderten Anforderungen an den Beschäftigten und an die "Freiwillige Feuerwehr".

Also Berufsfeuerwehren wo es geht. Mischbetrieb und Freiweillige Feuerwehren - mit guter Vergütung der Einsatzzeit, Bereitschaft und Wochenendenzuschläge.

Wie sie selbst geschrieben haben, zahlt z.B. bei Unfällen die Versicherung den Einsatz. Wie widerlich ist es aber da, diese Bezahlung mit "Zwangsarbeitern" zu berechnen? Oder eben Freiwilligen. Wo ist da die "Gemeinnützigkeit".

Ich hoffe, dass dieses Verfahren mal bis zum EuGH geht. Ich möchte mir einfach nicht vorstellen, dass das in dieser Form durchkommt.

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interessierter Laie 02.06.2019, 17:10
85. ein Problem...

ist dass viele Gemeinden m.E. ihre Feuerwehren nicht vor unnötigem Mist schützen, der die Motivation völlig untergräbt. Man muss sich mal überlegen, was Dienst in der Feuerwehr bedeutet: Man wird zu jeder Tages- und Nachtzeit von einem Pieper aus dem Schlaf, der Arbeit, dem Essen oder Badezimmer gerissen, rennt oder fährt zum Gerätehaus, legt die Kluft an und fährt zum Einsatz. Und dann stellt sich in drei von vier Fällen heraus, dass es sich um den Fehlalarm einer berüchtigten schlecht gearteten Brandmeldeanlagen im Umkreis oder bescheuerten Raucher gehandelt hat, wegen dem nun zwei komplette Züge dumm in der Gegend rumstehen. Der Einsatz wird zwar natürlich berechnet, aber zu Preisen, die geradezu lächerlich sind. Sind ja schließlich Freiwillige... Da braucht man sich wirklich nicht zu wundern, wenn die Feuerwehrleute irgendwann keine Lust mehr haben.

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gunnerson 02.06.2019, 17:12
86.

Zitat von vitalik
Milchmädchenrechnung. Eine Gemeinde mit 100 Häusern braucht keine 50 Feuerwehrmänner. Wäre es so, dann wäre jede freiwillige Feuerwehr maßlos unterbesetzt. Und in einer Stadt hätte man 5000 Feuerwehrkräfte versammeln müssen. Dann gibt es noch Bereitschaftszeit und 24 Stunden Dienste. Ich wette, dass es da einen Berechnungsschlüssel gibt und nicht Ihre Pi Mal Daumen Methode. Sollten die Steuereinnahmen der Gemeinden nicht für eine Berufsfeuer ausreichen, müsste man halt die gesetzlichen Regelungen ändern, sodass der Bund für diese aufkommt.
Doch, das passt schon. Und der Berechnungsschlüssel für 24/7-Verfügbarkeit lautet nun einmal "5 x zu besetzende Positionen". Macht dann 219 reale Arbeitstage zu 8 Stunden.

Auslegungsstandard ist üblicherweise der kritische wohnungsbrand, der im Ertschlag nach 10 Minuten (+/- je nach Landegesetz) schon 10 Funktionen vorsieht. Darunter ist sinnvolles Arbeiten praktisch nicht möglich.

Folglich 10 Funktionen => 50 angestellte Feuerwehrler. Für das absolute Minimum einer zur Staffel abgespeckten Gruppe mit Löschfahrzeug, Einsatzleiter und Drehleiter, die irgendwie mit Erstmaßnahmen die Zeit überbrücken kann, bis weitere Kräfte eintreffen. Weitet man es auf einen abgespeckten Zug auf, was dem üblichen Ansatz einer BF-Wache entspricht, so landet man bei weiteren 6 = 30 zu finanzierenden Leuten.

Kostenrahmen mal so eben im oberen einstelligne Mio-Bereich. Viel Spaß für die 100 beschützten Häuser mit der nächsten Steuer...

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keksguru 02.06.2019, 17:35
87. Problem ist die Zweckentfremdung...

Ich wohne in einem Dorf, dessen Kern 500 Einwohner hat und in den Neubaugebieten drumherum ca. 2000 weitere Einwohner, und wir haben keine Berufsfeuerwehr hier im Dorf. Die wäre dann 6 km weit entfernt. Die Freiwillige Feuerwehr ist 3 Minuten zu Fuß von unserem Haus entfernt... wenn es rein um Brände und Mithilfe beim Katastrophenschutz geht, wär ich mit dabei, aber ich mag das einfach nicht einsehen daß da auch zahlreiche Einsätze laufen bei denen z.B. der Verkehr bei regionalen Großveranstaltungen geregelt wird. Auch dafür wird die Freiwillige Feuerwehr in Anspruch genommen und da bin ich strikt dagegen... muß man am Ende abwägen, man muß auch wissen, daß man bei Einsätzen nach 22 Uhr am nächsten Tag nicht arbeiten muß...

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hexenbesen.65 02.06.2019, 18:23
88.

Zitat von Nordstadtbewohner
Ich bin froh, in einer Stadt mit einer Berufsfeuerwehr zu leben. Dafür zahle ich auch entsprechend Steuern und Abgaben. Zwangsdienst im Rahmen einer Pflichtfeuerwehr als "Ehrenamt" zu bezeichnen, halte ich für einen krassen Euphemismus. Ich durfte bereits Zwangsdienst für die Bundeswehr leisten und habe außerdem 3 Kinder, da muss ich nicht noch zur Pflichtfeuerwehr. Dazu kommt, dass man bei der Freiwilligen- und Pflichtfeuerwehr auch während der Arbeitszeit zum Einsatz muss, was wie im Artikel richtig erwähnt wird, nicht zur Kündigung führen darf. Wer aber beruflich vorankommen und Karriere machen will, der wird da so seine Probleme bekommen. Dazu kommt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht durch eine Pflichtfeuerwehr erzwungen werden kann.
Ach Gottchen...lassen Sie sich gesagt sein, dass Weltenretter, wie Sie es sind, gar nicht gewollt sind ! Denn solche Leute, die so abfällig über EHRENÄMTER bzw freiwille Helfer äußern....denen gönn ich , dass ihre Hütte abbrennt, udn nur ein Helferlein zu ihnen kommt und sagt:"Du sorry, tut mir ja furchtbar leid...aber wir haben keine Freiwilligen...udn weist du...JEDER hat ne ANDERE AUSREDE, da nicht mitmachen zu müssen !"
Zwangsdienst Bundeswehr...lach. Sie haben Sold bekommen. Nicht viel, aber Sie haben Geld bekommen. ICh (als Frau und EHRENAMTLICHER) Rettungs-und Katastrophendienstler hab genau 0,00 Euro im Monat bekommen (im Gegenteil, ich durfte meine Wäsche---weiße Klamotten für den Rettungsdienst, graue Anzüge für den Katastrophenschutz selber waschen usw.. ) UND meine Verpflegung selber zahlen... Die Fahrt zur Wache wurde auch nicht übernommen. Lassen mich mal überlegen, wieviele Stunden ich im MONAT für den Verein tätig war.... Also mit Dienst schieben (jeden Samstag locker 6- 10 Stunden), Ausbildung (2 mal die Woche 3 Stunden) plus Fahrzeugpflege / Gerätepflege für den Gerätewagen im MOnat 6-8 Stunden... PLUS natürlich die Dienstpläne abrechnen, Stunden für die anderen abrechnen (also mehr Büro-Tätigkeiten)....da komme ich LOCKER auf 70- 80 Stunden im Monat---unbezahlt !!!!Und ja, ich bin auf meine 20 Stunden / Woche gekommen !!! Alleine 10 Stunden "nur" am Samstag plus "kleines Fußballtunier" am Sonntag für 4 Stunden plus Unterricht / Lehrgänge, die man besuchen muss.

Und was machen Sie so ??? Außer bei Unfällen die Rettungsgasse blockieren und sich auf ihre "Zwangszeit" bei dem Pille-Palle-verein Bundeswehr zu verweisen ?
Ach--und als Feuerwehrler im Einsatz hätten Sie anspruch auf Entgeld-Fortzahlung. Als wir damals nach Rumänien Hilfslieferungen gefahren haben , musste ich eine Woche URLAUB nehmen.
Also bitte, keine Lächerlich-Gemache rund um den Ehrenamtlichen...die arbeiten MEHR, als Sie es jemals tun würden ! Nicht für sich, sondern für andere !!!!!

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hexenbesen.65 02.06.2019, 18:27
89.

Zitat von bluraypower
... eine Pflicht gegen mich erlassen würde bei der Feuerwehr teilzunehmen dann würde ich sofort umziehen und weg aus der Kleinstadt gehen. Ich zahle Steuern und Abgaben und damit ist meine Schuld getilgt und wenn der Bürgermeister nicht richtig haushalten kann mit unseren Gebühren und Abgaben dann ist das nicht mein Problem. Ende!
Hm..ich zahlen Steuern wie ein Hundehalter auch und kack trotzdem nciht vor ihre Tür.
Mit dem Geld werden neue Autos gekauft (haben Sie eine AHNUNG, was so eine Drehleiter kostet ????? ) Und ein kleiner Ort mit minimaler "Steuer-Bezahlung" durch den Bürger kann sich das abslout nicht leisten.
Aber typisch Egoist: Ich zahl, also hab ich alles getan.
Tja, ich zahl auch Steuern UND war Jahrzentelang Ehrenamtlich tätig. Während sie vor sich hin blubbern hab ich hunderte von Leute ins Krankenhaus gefahren, hab Unfallstellen ausgeleuchtet usw... Ohne uns Ehrenamltichen wäre die Steuerlast NOCH höher !!! Schon mal daran gedacht ????

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