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Pilot bei insolventer Airline Niki: "Das konnte nicht lange gutgehen"
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Wie fühlt es sich an, wenn die eigene Firma von einem Tag auf den anderen pleite geht? Ein Pilot der insolventen Airline Niki erzählt.

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biesi61 16.12.2017, 16:34
1. Die Rolle der Lufthansa in diesem Drama

ist wirklich hinterfragenswert. Politisch auf jeden Fall und vermutlich auch strafrechtlich. Und die Aktionen der Bundesregierung, insbesondere des Bundesverkehrsministers, sind auch höchst fragwürdig. Viel Arbeit für investrigative Journalisten und versierte Staatsanwälte!

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Stäffelesrutscher 16.12.2017, 16:45
2.

«Das änderte sich, als die neue Konzernmutter Air Berlin vor zwei Jahren das Management auswechselte. Niki war nun der Ferienflieger für Air Berlin, ich musste meist auf Kette fliegen. Das heißt: Von Wien werde ich nach Düsseldorf gebracht, mache von dort den ersten eigenen Flug nach Teneriffa, fliege von dort nach Köln, übernachte entweder dort oder am Reiseziel - und so weiter. Nach Hause kommt man erst wieder nach sechs Tagen.

Das allein wäre nicht schlimm gewesen, aber die Dienstplanumstellung war chaotisch. Ständig wurde der Plan geändert, nichts funktionierte, oft saßen wir Crews halbe Tage wartend irgendwo rum. Der Crew Contact war oft gar nicht zu erreichen, das sind die Kollegen in der Zentrale, die Flüge und Crews koordinieren und bei Problemen eingreifen.«

Da sieht man sehr deutlich, wie ein unfähiges Management eine Firma ruinieren kann. Oder war das Absicht?

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jomai 16.12.2017, 17:28
3. @ Nr 1

Sie wollen ein Haus von jemand kaufen dem das Wasser bis zum Hals steht. Damit es nicht zur Zwangsversteigerung kommt zahlen sie für den Eigentümer die monatlichen Bankraten des Kredits.

Dann kommt die Bauaufsicht und sagt ihnen mehr oder weniger dass sie einem Verkauf vermutlich nicht zustimmen werden.

Würden sie ihr Kaufgebot weiter aufrecht halten und weiter jeden Monat zahlen oder würden sie eher sagen: „Ok ist zwar schade aber dann eben nicht“.

Könnten sie bitte außerdem erläutern was bei der Lufthansa strafrechtlich relevant sein soll?

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spiegel0111 16.12.2017, 17:37
4. Woran können Sie denn erkennen, ...

Zitat von Stäffelesrutscher
«Das änderte sich, als die neue Konzernmutter Air Berlin vor zwei Jahren das Management auswechselte. Niki war nun der Ferienflieger für Air Berlin, ich musste meist auf Kette fliegen. Das heißt: Von Wien werde ich nach Düsseldorf gebracht, mache von dort den ersten eigenen Flug nach Teneriffa, fliege von dort nach Köln, übernachte entweder dort oder am Reiseziel - und so weiter. Nach Hause kommt man erst wieder nach sechs Tagen. Das allein wäre nicht schlimm gewesen, aber die Dienstplanumstellung war chaotisch. Ständig wurde der Plan geändert, nichts funktionierte, oft saßen wir Crews halbe Tage wartend irgendwo rum. Der Crew Contact war oft gar nicht zu erreichen, das sind die Kollegen in der Zentrale, die Flüge und Crews koordinieren und bei Problemen eingreifen.« Da sieht man sehr deutlich, wie ein unfähiges Management eine Firma ruinieren kann. Oder war das Absicht?
... dass diese Vorgehen ruinös war?
Vielleicht hat sich durch diese Dienstplanumstellungen das wirtschaftliche Ergebnis ja verbessert. Schließlich war Niki ja das positive Element in dem Air Berlin Laden.

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humble_opinion 16.12.2017, 17:47
5. Plan für die Zukunft

"Schlecker-Frauen", Siemens-Mitarbeiter, jetzt Piloten und Bordpersonal - die Einschläge auch bei besser- und hochqualifizierten Arbeitnehmern kommen näher. Das ist halt eine der Kehrseiten unseres Turbokapitalismus und aufregen tun sich fast nur die, die gerade frisch betroffen sind. Da fällt einem das Mitgefühl schon etwas schwerer.


Seit den 1970ern verändern Industrialisierung und Computerisierung die Arbeitswelt. D.h. immer mehr Arbeit wird von Maschinen erledigt. Auf eine politische Antwort darauf warte ich bis heute. Das Einzige, was den Regierenden einfällt, ist Weiterbildung. Das mag das Problem abmildern, aber mehr auch nicht, und führt teilweise zu grotesker Verbrennung von Geld. Was da mitunter in den Schulungsakademien vermittelt wird ist völlig weltfremd bzw. werden dort Leute 'hinein gestopft', wohl nur, um die Zahl der Arbeitslosen schönzurechnen. Bekannter von mir, 60, arbeitslos, Druckvorlagenhersteller, 'darf' ab Januar an einer Auffrischung von Software (Photoshop und noch ein Programm) teilnehmen. Costa quanta: 5.000 Euro für nichts, da er sich schon bei allen in Frage kommenden Untrnehmen in unserer Stadt beworben hat, sogar mehrfach. Selbst der Dozent sagte ihm unverblümt, dass das wohl nicht viel bringen würde.


Eine Vision oder gar ein Plan der Regierenden, auf die immer weniger werdende Arbeit, die von Menschenhand erledigt werden muss, zu reagieren? Pustekuchen. Weiterwurschteln ist angesagt.

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Amadablam 16.12.2017, 17:57
6. Jetzt geht das Gejammer weiter

Die Lufthansa ist nicht Ausfallbürge für das Einkommensniveau der Belegschaft insolventer Airlines. Sie ist ihren Aktionären, Mitarbeitern und Kunden gegenüber verantwortlich. Unfasslich, wie munter weiter an einer Dolchstoßlegende gestrickt wird!

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coyote13 16.12.2017, 18:07
7. Strafrechtlich relevant?

Zitat von biesi61
ist wirklich hinterfragenswert. Politisch auf jeden Fall und vermutlich auch strafrechtlich. Und die Aktionen der Bundesregierung, insbesondere des Bundesverkehrsministers, sind auch höchst fragwürdig. Viel Arbeit für investrigative Journalisten und versierte Staatsanwälte!
Was labern Sie da vor sich hin?
Warum soll das Verhalten der LH strafrechtlich relevant sein? Bitte um Erklärung!
Die EU Kommission ist an Arroganz der Macht nicht zu überbieten indem sie wegen 20 (!) Flugzeugen eine vermutete marktbeherrschende Stellung der LH als Anlass nimmt, den Aufkauf von Niki durch LH durch massive Regulationen erschwert. So ein Quatsch. Ich begrüsse es, dass Fluggesellschaften deren Business Modell auf Grund von Billigtickets sich nicht rechnen nun aus dem Markt genommen werden. Muss man wirklich für E 39 über's Wochenende nach Malle fliegen? Mal abgesehen davon dass davon keine Airline Geld verdienen kann (q.e.d.). 1000 Niki Mitarbeiter sind jetzt erst mal ihren job los und wahrscheinlich noch 500 Jobs bei den Zulieferern. War es das wirklich wert?
Das sollten Sie mal hinterfragen. Die EU Kommission hat von Airline-Wettebewerbsregeln so viel Ahnung wie eine Kuh vom Fliegen.

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adieu2000 16.12.2017, 18:13
8. Ohne EU hätte es eine Minister Erlaubnis getan

sollte man sich da nicht besser fragen, ob man
die EU oder unsere Regierung nicht mehr weiter benötigt?
Wer hätte mehr unter einer Übernahme von NIKI durch die Lufthansa zu leiden gehabt,
der Endkunde oder die europäische Konkurrenz?
Wer hat die größere Lobby, der europäische Bürger, oder die großen Konzerne?
Dank dieser Politik werden die Verluste zu 100% umgelegt, auf den dummen Endkunden,
und als Ausrede bekommt man dann zu hören, das man nur den Endkunden in Zukunft schützen will.

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olli0816 16.12.2017, 18:23
9. Große Pleiten sind immer problematisch für das Personal

Bei kleinen Pleiten kommen nicht so viele Leute auf den Arbeitsmarkt, bei den großen Pleiten ist das eine andere Nummer. Andererseits war Air Berlin schon sehr lange in der Krise und dass das Risiko hoch war, das es schiefgeht, war den meisten sicher bewusst. Natürlich verdrängt man es und wenn es dann soweit ist, wird man sehr schnell mit den Tatsachen konfrontiert.

Als Pilot dürfte es sicher einige Möglichkeiten geben unterzukommen. Als Bordpersonal ist es wahrscheinlich schwieriger, ich kenne den Markt nicht. An seiner Stelle würde ich mich auch aktiv bewerben und nicht auf den Betriebsrat hören. Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Sackgasse. Pleiten sind immer ein Drama für die Mitarbeiter, aber in der Wirtschaft unvermeidlich.

Lufthansa agiert auch nur als Wirtschaftsunternehmen. Natürlich ist es nicht ihre Aufgabe, den alten Status Quo aufrecht zu erhalten. Man muss das Handeln dieses Unternehmen getrennt von der Pleite Air Berlins sehen. Sie überlegen sich, was und wie viel sie verantworten können zu übernehmen. Das das nicht immer schön abläuft, ist auch klar. Über die Jahre merkt man, dass der Arbeitsmarkt nicht nett ist. Man sollte sich gedanklich möglichst früh darauf einstellen, dass man mit einer Firma nicht verheiratet ist. Das ist Selbstschutz. Lebenslange Anstellungen gibt es zum größten Teil schon lange nicht mehr.

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