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Pils-Verkostung: Ein Bier zum Arbeitsbeginn ist Pflicht
dapd

Na denn Prost: Schon um halb neun trinkt Jörg Hormes das erste Pils. Streng beruflich. Ohne seine Freigabe verlässt keine Flasche die Brauerei. Für 20 Minuten schauen die Tester morgens tief ins Glas und kosten. Ausspucken ist tabu - immerhin ist das Bier, kein Wein.

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chupamela 19.02.2012, 09:11
1. Reinheitsgebot

Zitat von sysop
Der Brauer-Bund hat dazu keinerlei Vorgaben. Bindend sind allein die Regeln aus dem Reinheitsgebot von 1516, wonach nur vier Zutaten zur Herstellung eines deutschen Bieres gestattet sind: Malz, Hopfen, Wasser und Hefe.
Natürlich gibt es noch viele ander Vorgaben, nach denen in Deutschland Bier gebraut werden muss, die in keinem Zusammenhang mit dem Reinheitsgebot von 1516 stehen.
So darf man seltsamerweise nur Gerstenmalz untergärig verbrauen, wer Weizenmalz untergärig verbraut zahlt skurilerweise eine Strafe. In obergärigen Bieren sind Süßstoff und Zucker zugelassen, außerdem so leckere Klärungsmittel wie Polyvinylpolypyrrolidone, welches nicht 100%ig entfernt werden kann. Unvermälztes Getreide wie im Stout sind verboten, obwohl 1516 lediglich von Gerste die Rede war, aber nicht von Gerstenmalz. Weizen als Rohstoff wurde 1516 komplett verboten, da er zu wichtig für die Ernährung war, das hindert aber die Weizenbierbrauereien nicht daran auf ihre Flaschen zu schreiben, dass sie das Bier streng nach dem Reinheitsgebot von 1516 brauen, was ein glatte Lüge ist.
Genau so ist es eine Lüge, dass bei uns Bier nach dem ältesten Lebensmittelgesetz der Welt gebraut werden muss, es gilt nämlich das vorläufige Biergesetz von 1993, das hört sich halt nicht so gut an.
Alles insgesamt ein volksverblödender Marketinggag und wir sind ja in unserer nationalen Hybris so stolz auf unser tolles Bier, dass uns die Amerikaner mittlerweile in Grund und Boden brauen:
BZO - Willkommen im Bildungszentrum Oberjosbach
Insgesamt ist es sehr schwierig, sich mit einem deutschen Bierkonsumenten über Bier zu unterhalten, kennt er doch normalerweise nur Pils, Helles und Weizen, was einen sehr kleinen Bruchteil all der genialen Bierstile auf der Welt darstellt (India Pale Ale, Kriek, Porter, Imperial Stout, Wit, Cascadian Dark Ale usw). Die sind bei uns dank Vielfaltsverbot allerdings so gut wie nicht erhältlich. Trotzdem denken wir immer noch, dass wir das beste Bier der Welt brauen und merken nicht, welch sensationelle Entwickling in Dänemark, Italien USA, Holland und sonst noch überall auf der Welt in Sachen Bier am laufen sind.
Mit viel Glück kennt man hier den Unterschied zwischen obergärig und untergärig, eigentlich traurig, wie wenig die Konsumenten hier über ihr Lieblingsgetränk wissen.

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Stäffelesrutscher 19.02.2012, 12:10
2.

Zitat von sysop
Ohne seine Freigabe verlässt keine Flasche die Brauerei.
Dieser Satz bedeutet: Er probiert jede einzelne Flasche und gibt jede Flasche einzeln frei. Prost!

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TS_Alien 19.02.2012, 15:09
3. .

Zitat von Stäffelesrutscher
Dieser Satz bedeutet: Er probiert jede einzelne Flasche und gibt jede Flasche einzeln frei. Prost!
Und genau deswegen ist in der Flasche das Bier nicht bis zum Kronkorken gefüllt.

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Was bedeutet das alles? 19.02.2012, 16:18
4. IF (Bier o.k.) THEN (Freigabe) ELSE (?)

Die Berichterstatterin war so fasziniert von dem Umstand, daß an bestimmten Arbeitsplätzen Bier getrunken wird, daß sie darüber die Konsequenzen vergaß mitzuteilen. Was passiert denn, wenn die Tester einmal mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind? Kann nachgebessert werden? Oder läßt man die ganze Charge hektoliterweise in den Gully laufen?

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chupamela 19.02.2012, 16:44
5.

Zitat von Was bedeutet das alles?
Was passiert denn, wenn die Tester einmal mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind? Kann nachgebessert werden? Oder läßt man die ganze Charge hektoliterweise in den Gully laufen?
Eine Brauerei, die was auf sich hält, kippt das Bier tatsächlich in den Gulli. Ich kenne eine bayrische Weißbierbrauerei, die hat extra eine Maschine um die Flaschen zu Öffnen, damit man den Inhalt wegkippen kann (beim Hefeweizen mit Flaschengärung kann man das Ergebnis erst testen, nachdem abgefüllt wurde).
Man kann den Fehlsud natürlich auch mit anderen verschneiden bis es wieder passt, je nach dem, was schief gelaufen ist. Bei einer Infektion muss das Zeug aber auf jeden Fall in den Gulli.

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Stäffelesrutscher 19.02.2012, 16:48
6.

Zitat von Was bedeutet das alles?
Die Berichterstatterin war so fasziniert von dem Umstand, daß an bestimmten Arbeitsplätzen Bier getrunken wird, daß sie darüber die Konsequenzen vergaß mitzuteilen. Was passiert denn, wenn die Tester einmal mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind? Kann nachgebessert werden? Oder läßt man die ganze Charge hektoliterweise in den Gully laufen?
Dann gibt es vermutlich eine Extracharge Meisterbräu für die Discounter.

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pömpel 19.02.2012, 17:41
7.

Zitat von chupamela
Insgesamt ist es sehr schwierig, sich mit einem deutschen Bierkonsumenten über Bier zu unterhalten, kennt er doch normalerweise nur Pils, Helles und Weizen, was einen sehr kleinen Bruchteil all der genialen Bierstile auf der Welt darstellt (India Pale Ale, Kriek, Porter, Imperial Stout, Wit, Cascadian Dark Ale usw). Die sind bei uns dank Vielfaltsverbot allerdings so gut wie nicht erhältlich. Trotzdem denken wir immer noch, dass wir das beste Bier der Welt brauen und merken nicht, welch sensationelle Entwickling in Dänemark, Italien USA, Holland und sonst noch überall auf der Welt in Sachen Bier am laufen sind. Mit viel Glück kennt man hier den Unterschied zwischen obergärig und untergärig, eigentlich traurig, wie wenig die Konsumenten hier über ihr Lieblingsgetränk wissen.
Das stimmt natürlich - es ist wirklich traurig, dass es in deutschen Läden wenig Sortenvielfalt gibt. Allerdings ist das nicht unbedingt Problem der deutschen Gesetzgebung.
Denn es dürfen in Deutschland auch all die schönen Sorten verkauft werden die du eben genannt hast, es wird nur nicht vermarktet und würde wohl auch nicht gekauft werden.
Biermischgetränke wurden auch ein Erfolg obwohl sie keinem der Reinheitsgebote die im laufe der Geschichte auftraten entsprechen.
Aber sie sind billig herzustellen, haben eine Konsumentenzielgruppe und lassen sich desshalb trotz des fehlenden Wortes Bieres auf dem Etikett wunderbar verkaufen.
Das bringt einem natürlich zur Zielgruppenfrage. Wer trinkt bier? bei welcher Gelegenheit und wie groß ist sein Geldbeutel? Eine große Sortenvielfalt bedeutet auch ein etwas teurer Preis. Aber der normalo der abends vorm Fernseher Bier trinkt, möchte kein besonderes Aroma und er sieht es auch nicht ein deswegen mehr Geld auszugeben. Er möchte einfach etwas was schmeckt und ihn langsam berauscht, sodass er sich der dummen Fernsehlandschaft widmen kann. Und bei Partys geht es auch nicht darum über das Bier zu philosophieren wie schön es doch aussieht und dass der Schaum dieses Bieres aber besonders lange steht. Es geht darum sich langsam zu berauschen und heiße Diskusionen über die blöden Griechen zu führen.
Alle anderen die gerne etwas ausprobieren und ihr Getränk bewusst genießen wollen trinken Wein.
Für alle speziellen Biertrinker gibt es übrigens Maruhn, dort gibt es denke ich für jeden etwas.
Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht dass Deutschland wirklich immernoch das beste Pils herstellt. Lager / Pils /Helle und ähnliche Biere im Ausland schmecken einfach nur wie Alkoholfreies Bier in Deutschland - wässrig. Für gute Qualität muss man im Ausland schon recht tief in die Tasche greifen, da kostet dann eine Flasche Bier schonmal soviel wie eine gute Flasche Wein. Der Vorteil im Ausland ist nur dass man diese Qualitäten auch im Supermarkt bekommt und nicht beim Spezialhändler wie in Dland

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chupamela 19.02.2012, 18:00
8.

Stimmt schon, Bier ist in Deutschland ein billiges Rauschmittel, das den Konsumenten möglichst nicht mit auffälligen Aromen belästigen soll so dass man auch mehrere Liter mühelos runterspülen kann.
Das Resultat sind dann diese Fernsehbiere, die letztendlich leicht alkoholische gelbe Blubberwasser sind, die etwas bitter schmecken.
Zum Thema Pils: Die langweiligste Biersorte überhaupt (schmeckt nur trocken und bitter), allerdings am schwierigsten zu brauen da man Fehlgeschmäcker sofort bemerkt. Leider wird immer weniger Hopfen eingesetzt und die Bitterstoffeinheiten sind die letzten Jahre immer mehr zurückgegangen.
Das beste Pils das ich jemals hatte war ein "Pausa Cafe" aus Italien, ein im Eichenfass gelagertes mit Saazer Hopfen trocken gehopftes Aromawunder, sensationell! Wird übrigens im Gefängnis gebraut.
So was würde hier keiner brauen, da gibt man lieber einen Schuß Limone ins Pils.
Ganz schlimm ist auch der Stinktier/Lichtgeschmack vieler deutscher Pilsbiere durch die grünen Flaschen, das ist so verbreitet, dass sich die Leute schon daran gewöhnt haben.
3-Methyl-2-buten-1-thiol

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JohnC. 19.02.2012, 19:04
9. *

Das deutsches Bier langweilig ist, habe ich spätestens Mitte der Neunziger begriffen, als mir hier>> Eske's Brew Pub and Restaurant - Taos, New Mexico ein Green Chilli Beer kredenzt wurde.

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