Forum: Karriere
Politikberater in der Provinz: Der Bürgermeistermacher
Sabine Geiger

Klaus Abberger hievt Politik-Laien ins Bürgermeisteramt. Nicht jedermann - er wählt Kandidaten aus, die zur Kommune passen, und managt ihren Wahlkampf. Im Interview sagt er, welche Bewerber er ablehnt, und was seine Dienste kosten.

Klaus100 17.09.2013, 16:19
1. Keine gute Idee

in die Öffentlichkeit zu gehen. Er konnte es wohl nicht vermeiden. Zu groß wohl das Bedürfnis nach Selbstdarstellung. Eine typische Service- und Lenkungsfunktion bleibt besser im Hintergrund. Der Artikel ist geignet, das Geschäftsmodell "Mach mich zum Bürgermeister" zu zerstören. Wer will denn diese Dienste zukünftig noch in Anspruch nehmen? Jeder Kandidat sieht doch in diesem Zusammenhang wie ein fremdbestimmter Politiker aus.

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silberstern 17.09.2013, 18:54
2.

Zitat von
Was sind das für Menschen, die Ihre Dienste in Anspruch nehmen? Abberger: Das sind überwiegend ausgebildete Verwaltungswirte - die typischen Kandidaten für ein Bürgermeisteramt in Städten und Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohnern. Die Bewerber haben viel Übung im Verwalten, aber keine in Politik. Das bringe ich ihnen bei.
Dummerweise ist der Bürgermeister in erster Linie oberster Chef der Verwaltung. Der Gemeinderat ist für die Politik zuständig. Und ein Verwaltungswirt in einer 10k EW Kommune, der keinen Plan von der Leitung eines Verwaltungsapparates hat und lieber auf Lokalpolitiker machen will, sollte lieber kleiner Sachbearbeiter bleiben.

Wer für so etwas Geld bezahlen muss, tut mir echt leid. Als Bewerber und als Parteiapparat.

PS. Der Unterschied zwischen Verwaltungs- und Vermögenshaushalt sollte für eine BW-Kommune eigentlich keine Rolle mehr spielen. Ansonsten lieber den Kämmerer austauschen. ;-)

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autocrator 17.09.2013, 21:47
3. übersetzung

übersetzt heisst das: für 10.000,- € kaufe ich 130 arbeitsstunden (also einen knappen monat dienstleistung) ein für eine 70%ige wahrscheinlichkeit, tatsächlich derart manipulativ-präpariert in einer 10.000-einwohner-gemeinde gewählt zu werden - wobei über die kandidaten-auswahl (wohl nach parteibuch und traditionellem wählerverhalten in der jeweiligen gemeinde) wohlweislich nichts gesagt wird.

Mir ist es jetzt zu mühselig, zu recherchieren, wie hoch die besoldung eines bürgermeisters ist, oder wieviele bürgermeister in BW nicht der CDU oder SPD angehören. (Wäre job des interviewers gewesen.)

Angesichts der maroden finanzen bei gleichzeitig maroden infrastruktur der meisten gemeinden ist festzuhalten, dass Herr Abberger ganz offensichtlich regelmäßig den falschen Leuten seit 14 jahren in den sattel hilft - das scheint ihn aber wenig zu jucken: Geld kassiert und nach mir die sintflut.

Sorry, irgendwie stimmen mir da preis-leistungsverhältnis und die dimension der auswirkungen für den steuerzahler nicht zusammen. Zumal wenn oberfrech noch die forderung gestellt wird, dass diese kosten (die garantiert eh von der steuer abgesetzt werden) auch noch vom steuerzahler ersetzt werden sollen.

unter'm strich scheint aber klar zu werden, dass wir nur eine schein-wahl-demokratie haben und die großkopferten auf kosten der allgemeinheit schlicht mittels geld installiert werden.
Ich bin dafür, dass künftig keine wahlen sondern versteigerungen veranstaltet werden sollten. Das wär' wenigstens ehrlicher.

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Izmi 17.09.2013, 22:03
4. Meisterbürger

Zitat von sysop
Klaus Abberger hievt Politik-Laien ins Bürgermeisteramt. Nicht jedermann - er wählt Kandidaten aus, die zur Kommune passen, und managt ihren Wahlkampf. Im Interview sagt er, welche Bewerber er ablehnt, und was seine Dienste kosten.
Wir basteln uns einen Bürgermeister:
"...Im Vorfeld helfe ich, dass der richtige Bewerber zur passenden Kommune findet. Oder umgekehrt. Manchmal bestellen Fraktion oder Wählerinitiativen bei mir geeignete Kandidaten. Im Wahlkampf selbst bin ich strategisch-taktische Assistenz, helfe den Bewerbern, sich gegenüber der Konkurrenz zu profilieren, berate programmatisch, was politische Inhalte und Personen anbelangt und konzipiere die Kampagne. Ich erstelle Werbemittel, ich texte, fotografiere, gestalte Drucksachen, bediene die regionale Presse, das Internet."...
Da war doch noch was... mit demokratischen Entscheidungswegen... persönlichen Überzeugungen... Bodenständigkeit und Ehrlichkeit gegenüber den Wählern... Authentizität und Vertrauen ...
oder doch lieber eine Strohpuppe mit Ja/Nein-sage-Mechanik?

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Izmi 17.09.2013, 22:07
5. Teilen

Zitat von Klaus100
in die Öffentlichkeit zu gehen. Er konnte es wohl nicht vermeiden. Zu groß wohl das Bedürfnis nach Selbstdarstellung. Eine typische Service- und Lenkungsfunktion bleibt besser im Hintergrund. Der Artikel ist geignet, das Geschäftsmodell "Mach mich zum Bürgermeister" zu zerstören. Wer will denn diese Dienste zukünftig noch in Anspruch nehmen? Jeder Kandidat sieht doch in diesem Zusammenhang wie ein fremdbestimmter Politiker aus.
Immerhin könnte man daraus ein neues sog. "Format" für RTL schaffen:
"Bürgermeister sucht Stadt" oder "Stadt sucht Bürgermeister". Kriegen wir beide etwas für diese Idee?

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illertal 18.09.2013, 00:49
6. Übrigens ...

ich bin als Diplomverwaltungswirt (FH) auch ohne Politikberater (Bürgermeistermacher) bei der ersten Wahl mit über 80 % und bei der Wiederwahl mit an die 80 % bei jeweils 2 bzw. 1 Gegenkandidaten zum Bürgermeister einer Gemeinde in Baden-Württemberg gewählt worden. Nur soviel zu ihrem interessanten Beitrag.

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gumbofroehn 19.09.2013, 08:21
7. Wieso die Empörung?

Es ist schon richtig, in einer Klein- oder Mittelstadt ist der Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister in allererster Linie Chef der Verwaltung. Trotzdem muss ein erfolgreicher Bürgermeister auch politische Wirkung entfalten: Wer die Mehrheiten im Gemeinderat nicht organisieren kann, wird in dem Amt nichts bewegt bekommen. Insofern ist es schon sinnvoll, dass es sich um ein Wahlamt handelt, dass die im Gemeinderat vertretenen Parteien Bewerber stellen und dass auch Wahlkampf betrieben wird.

Damit ist dann auch klar, dass es dann hierfür spezialisierte Dienstleister gibt, da beim Kandidaten oder dem Ortsverband der Partei, die die Kandidatur trägt, zu wenig Erfahrungswissen vorhanden ist. Deswegen ist die überwiegende Empörung der Vorredner aus meiner Sicht nicht ganz nachvollziehbar.

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forenaccount 19.09.2013, 09:37
8.

Zitat von autocrator
derart manipulativ-präpariert in einer 10.000-einwohner-gemeinde gewählt zu werden
Was ist daran verwerflich? Es gibt Tipps, es wird zugearbeitet.
Evtl. wird durch solche Beratung auch verhindert, dass ein eloquenter Redner ohne Ahnung eine Stadt übernimmt statt ein etwas dröger Verwaltungsmensch, der die Stadt zur Blüte treiben könnte. Wer kann das wissen?

Und u noch etwas ganz plattes hinzuzufügen: Frauen schminken sich auch...

Zitat von autocrator
dass Herr Abberger ganz offensichtlich regelmäßig den falschen Leuten seit 14 jahren in den sattel hilft - das scheint ihn aber wenig zu jucken: Geld kassiert und nach mir die sintflut.
Der Berater ist in Ba.-Wü. tätig - und da gibt es viele starke Gemeinden. Ohne Namen kann man nicht sagen, ob es erfolgreiche oder nicht erfolgreiche Bürgermeister waren.

Zitat von autocrator
Sorry, irgendwie stimmen mir da preis-leistungsverhältnis und die dimension der auswirkungen für den steuerzahler nicht zusammen. Zumal wenn oberfrech noch die forderung gestellt wird, dass diese kosten (die garantiert eh von der steuer abgesetzt werden) auch noch vom steuerzahler ersetzt werden sollen.
"Von der Steuer absetzen" hört sich immer so an, als würde es 0,00 kosten. Es sind lediglich "Geschäftsausgaben", die das zu versteuernde Einkommen verringern. Mag sein, dass bei Ausgaben von 10.000 EUR vielleicht 2000 EUR an Steuerzahlungen "gespart" werden - trotzdem muss man schon etwas idealistisch sein, um für einen immer noch ungewissen Wahlausgang 8000 EUR auszugeben und viel Zeit aufzuwenden, das/die man auch anderweitig "verprassen" könnte.

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