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PR des Virgin-Chefs: Richard Branson schafft Urlaubsanträge ab
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Urlaub nehmen, egal wann und wie viel - das will Virgin-Chef Richard Branson seinen Angestellten erlauben. Doch das vermeintlich großzügige Angebot könnte manchen Mitarbeiter die Karriere kosten.

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UM Pieper 27.09.2014, 01:11
60. Nein, danke.

Das Modell ist eine Schnapsidee. Klar kann es funktionieren. Doch zu viele "Wenns" müssen dafür erfüllt sein. Ein Forist nannte als Vorbedingung, daß man einen Chef hat, der einem später keinen Strick dreht. Das Gleiche gilt auch für die Kollegen.
Kann man sich darauf verlassen, daß sie einem später nicht vorwerfen, trotz eines hohen Arbeitsaufkommens in Urlaub gefahren zu sein - wobei sie seinerzeit aber versicherten, das allein schultern zu können und zu wollen?
Da macht jemand keinen Urlaub und erwartet, daß sein Einsatz für die Firma honoriert wird, dann kommt aber jemand weiter, der sich zwei Monate frei genommen hat.
Oder jemand nimmt, weil er lange krank war, keinen Urlaub. Die Kollegen aber gewichten seine Abwesenheit - in einer womöglich arbeitsreichen Zeit - schwerer als die Kollegialität, die hinter der Bereitschaft stecken, zum Ausgleich auf den Jahresurlaub zu verzichten.
Am Ende gilt noch jemand, der, um alle Probleme zu vermeiden, weiterhin 20 Tage frei nimmt, als unflexibel, als Bürokrat, der mit Freiheit nicht umzugehen weiß.

... Nein, danke. Der festgelegte Mindest-Urlaubsanspruch ist eine Errungenschaft. Was hier als "Freiheit", als Merkmal eines entspannten, fortschrittlichen Unternehmertums verkauft wird, hat lauter unschöne Dinge im Schlepptau und ist in Wirklichkeit keine Freiheit - die kann mal als Angestellter nicht haben.
Das Beispiel Evernote zeigt, wohin sie in der Praxis führt.

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sso82 27.09.2014, 01:17
61. Idee...

Wenn Richard Branson sagen würde: "Jeder darf soviel Urlaub nehmen wie er will, er ist jedoch verpflichtet die ihm gesetzlich zustehende Anzahl an Urlaubstagen mindestens zu nehmen", dann wäre das Ganze glaubhaft.So ist es nur eine Masche um die Leute unter Druck zu setzen ganz auf ihren Urlaub zu verzichten.

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Newspeak 27.09.2014, 01:51
62. ...

Das Konzept nennt sich Vertrauensarbeitszeit und ist weder neu, noch ausbeuterisch, wenn Menschen involviert sind, die sich auf beiden Seiten respektvoll begegnen und wenn gleichzeitig konkrete Ziele vereinbart werden, die man in der normalen Arbeitszeit auch problemlos erreichen kann.

Das erfordert ein gewisses Pflichtgefühl auf beiden Seiten, aber eben auch Verantwortung, Vertrauen und Strukturierung.

Ob das ein allgemeines Modell sein kann, ist fraglich. Ich kenne das aber aus der Führungsebene von Großkonzernen. Da funktioniert das schon seit Jahren sehr gut.

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Newspeak 27.09.2014, 01:55
63. ...

P.S.

Das Gesagte gilt übrigens allgemein.

Bei einem vertrauens- und respektvollen Umgang braucht es wenig Regeln. Der (gerechtfertigte) Regulierungswahnsinn im Arbeitsrecht (aber auch im Mietrecht) resultiert daraus, daß es immer einen Idioten gibt, der meint, er müsste andere übervorteilen, wenn er die Möglichkeit dazu hat. Und gerade Kleinstunternehmer fühlen sich gerne wie Gott und handeln danach. Aus diesem Grund allein muß der Gesetzgeber eingreifen und jedes klitzekleine Detail regeln und in Gerichtsentscheidungen durchsetzen lassen, und sei es noch so hirnrissig.

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Paul-Merlin 27.09.2014, 02:33
64. Blaupause zur Selbstausbeutung

Unklare Vertragsverhältnisse, die es den Mitarbeitern scheinbar überlassen wie viel Urlaubstage sie nehmen, führen fast zwangsläufig dazu, dass der Weg zur Selbstausbeutung eingeschlagen wird. Interessant sind ja auch die von Branson genannten Eckpunkte, die klar die Interessen des Betriebs in den Vordergrund stellen. Nur wird es in der Praxis immer Gründe geben, warum gerade jetzt die Anwesenheit des Mitarbeiters für ein Projekt, eine Arbeitsaufgabe usw. erforderlich ist. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass je motivierten ein Mitarbeiter ist, umso eher gehen dann seine Urlaubstage Richtung Null und die notwendige Regeneration entfällt.

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mart.n 27.09.2014, 08:13
65.

Das letzte Mal als ich Vertrauensarbeitszeit genoß hiess es schnell, Kollege XY geht auch immer erst um 21 Uhr. Wieso bitte der Rest so früh gehe, das könne nicht sein. Freiwilliger Urlaub ist doch genau der gleiche Schnack. Es wird einfach nur versucht, am Gesetz vorbei die Urlaubstage zu drücken.

Was zu tun ist schließlich immer. Oder wann haben sie mal den letzten Arbeitnehmer getroffen der behauptet hat, er sei mit seiner Arbeit fertig und habe jetzt nichts mehr zu tun. Eben.

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mr.andersson 27.09.2014, 08:17
66.

Zitat von kfp
Das ist - bei fairer Umsetzung (bei qualifizierten Tätigkeiten in den USA deutlich üblicher als in D) - nichts anderes als Mitarbeiter wie erwachsene Menschen zu behandeln.
Dann behandeln Sie doch bitte den Mitarbeiter auch beim Gehalt "wie einen erwachsenen Menschen" und lassen ihn über seinen Lohn entscheiden.

Ich bin mir sicher, ein qualifizierter Mitarbeiter der neben seinen eigentlichen Tätgikeiten noch mal eben so planen kann, dass der Arbeitsfluss in der Abteilung aufrecht erhalten bleibt und dabei seinen Urlaub so nimmt, dass es "weder der Arbeit, noch dem Unternehmen, noch seiner Karriere" schadet, auch erwachsen genug sein Gehalt in Eigenverantwrtung so zu gestalten, dass es "weder der Arbeit, noch dem Unternehmen, noch seiner Karriere" schadet.

Oder endet das erwachsene Behandeln des Mitarbeiters wieder einmal dort wo ich ihm erlaube sich selbst auszubeuten?

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logisch_konsequent 27.09.2014, 10:06
67. Wer das nicht will...

...sollte seinen Job wechseln. Es geht doch nur darum, sich selbst darum zu kümmern, dass während der eigenen Abwesenheit Kollegen ausreichend Bescheid wissen, damit dadurch nicht unnötig Projektfortschritte blockiert werden. Oder selbst zu entscheiden, was man vom Büro und was von zu Hause oder einem schönen dritten Ort machen möchte.
.
Wer immer nur Angst hat, dass "böse" Arbeitgeber das ausnutzen, damit keiner mehr Urlaub nehmen kann, sollte auch seinen Arbeitgeber wechseln, dann würden ein "schlechten" Arbeitgeber keine oder keine kompetenten Mitarbeiter mehr bekommen oder halten können. ausgetrocknet.
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Wer trotzdem meint, dass der Arbeitgeber langfristig am längeren Hebel sitzt und einen ausnutzen kann, sollte sich schleunigst um seine Kompetenzen und Weiterbildung kümmern.

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spon-facebook-10000146721 27.09.2014, 10:59
68.

Ist wieder typisch Deusch, dass man wie Spiegel es tut die negativen Seiten aufzeigt und eine "REGELUNG " doch viel besser findet. Im Gegenteil. Wir haben zwar Urlaubsanträge etc. aber der Urlaub wird eben auch mal storniert wenn zu viel Arbeit ansteht und das ist auch richtig so, denn letzten Endes geht es ja um meinen Arbeitgeber. Dafür können wir an anderen Tagen auch mal fix zu Hause bleiben ohne dafür gleich Urlaub nehmen zu müssen. Oder kann auch mal ohne Probleme 4 oder 5 Wochen am Stück Urlaub nehmen, wenn eben die Projekte es zu lassen. Ich geniesse dieses lockere und könnte mir so ein starres System nicht vorstellen. Von daher find ich es gut.-

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auf_dem_Holzweg? 27.09.2014, 11:23
69. Urlaub nehmen wenn es die Projektsituation erlaubt...

ist die billigste Manager-Finte (Manager-Seminar 1 erste Schulstunde) um Urlaub quasi ganz abzuschaffen.
Obliegt es doch dem Manager JEDEM seinen "Untergebenen" - sie nennen sie "Mitarbeiter" die Projekte zuzuschieben - quasi nach Belieben und unabhängig von Jahres- oder Urlaubszeiten. Auch Doppelprojekte sind in freier Wirtschaft keine Seltenheit - wann soll da also man Zeit sein um "mal eben zwischendurch" Urlaub anzutreten?

Jedenfalls klingt dieser Manager-Wunsch ganz nach Merkels unerfüllten Träumen - Volk bekommt weniger und weniger dafür und hat auch keinen Anspruch auf Urlaub während Firmenbesitzer enlos mehr verdienen

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