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Prekäre Jobs: Nachwuchsforscher arbeiten zwölf Stunden pro Woche zu viel
Getty Images/Science Photo Libra

Wer eine Karriere in der Wissenschaft anstrebt, lässt sich häufig ausbeuten. Eine Umfrage bestätigt das - und zeigt, welche Nachwuchswissenschaftler die meisten Überstunden schieben.

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Strangelove 29.01.2019, 16:08
1. Man kann das auch anders sehen.

Die Promotion ist privatsache, die wissenschaftliche Arbeit wird bezahlt. Also, sofern die Überstunden der Promotion dienen ist es auf jeden Fall in Ordnung. Immerhin Qualifiziert man sich weiter das muss nicht voll bezahlt werden oder werden Schüler bezahlt?
Aber letztendlich würde ich mich nicht beschweren, ich kenne einige die auf einer halben oder 3/4 Stelle 60+ Stunden pro Woche arbeiteten weil es ihnen einfach so viel Spaß machte. Denen war egal ob sie dafür bezahlt wurden (hätten aber sicher nichts gegen mehr Geld gehabt). Wer bei der Promotion Dienst nach Vorschrift macht wird in der Regel auf keinen grünen Zweig kommen denn dann fehlt ihm das Interesse und der Ehrgeiz und er sollte sich etwas anderes, dafür eventuell besser bezahltes, suchen. Ich denke nicht, dass man eine Qualifizierungsstelle mit einem normalen Arbeitsplatz vergleichen kann.
Kommt man dann weiter endet es übrigens nicht mit 40 Stunden. Viele arbeiten dann auch noch deutlch mehr. Nicht weil sie jemand zwingt, sondern weil sie es wollen.

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viwaldi 29.01.2019, 16:20
2. Ich lach mich tot

Was ist das den für eine Schrott- Aussage? Glauben sie Einstein ist um 16:30 nach Hause gegangen? Wer mit der Vorstellung von Tarifstunden in die Forschung geht, ist entweder Verdi- Funktionär oder nicht ganz richtig im Kopf. Mit Beamtenmentalität funktioniert Forschung nicht, da muss schon etwas mehr kommen. Ehrlich gesagt haben wir früher alle 30-40 Überstunden pro Woche gemacht, nicht weil wir es müssten- sondern weil wir wollten: etwas verstehen, etwas bewegen, etwas Neues als erster rauskriegen. Wer da auf die Uhr schaut, hat nichts verstanden und ist da total falsch. Forschung ist keine Produktion und keine Versorgung, es ist Lust und Drang. Was für ein trauriges Verständnis von Forschung wird hier vermittelt - wie armselig.

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astrolenni 29.01.2019, 16:22
3. Differenzierung nötig

In der Promotionszeit sollte es selbstverständlich sein, nur zu 50-65% bezahlt zu werden (und entsprechend Lehre zu leisten), das würde ich nicht als "Überstunden" bezeichnen. Die Situation für Post-Docs ist eine andere.

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Actionscript 29.01.2019, 16:23
4. Forschung ist Passion

Wer als Naturwissenschaftler in der Forschung an Instituten oder der Universität arbeitet, tut dies nicht nur zum Geldverdienen sondern aus Passion. Zumindest habe ich das als Naturwissenschaftler so erlebt. Dann spielt der Konkurrenzkampf eine grosse Rolle. Besonders in der Grundlagenforschung konkurriert man mit anderen Arbeitsgruppen in demselben Gebiet, wer als erster publiziert. Ich habe als Diplomand, Doktorand und Postdoc und auch später als selbständiger Forscher in Deutschland sowie den USA zwischen 50 und 80 Stunden pro Woche gearbeitet. Das hab ich für mich getan. Die Zellen fragen auch nicht ob es Wochenende ist oder Nacht.

Dafür kann man sich aber auch in der Naturwissenschaft die Zeit einteilen und braucht nicht pünktlich morgens um 8 oder 9 anfangen oder man nimmt sich mal während des Tages frei. Das man aber täglich pünktlich um 17.00 den Bleistift fallen lässt bzw heutzutage den Laptop schliesst, das sollte man als Naturwissenschaftler - wohlgemerkt in der Forschung, nicht in der Industrie, wo andere Regeln herrschen - vergessen. Oder man sollte sich einen anderen Beruf suchen.

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physiowdc 29.01.2019, 16:24
5. Sie arbeiten für Ihre Karriere, also!

Ein Wissenschaftler, der seine Überstunden zählt, ist eigentlich schon falsch am Platz. Er arbeitet für seine eigene Karriere und dient nicht einem Unternehmen. Er bringt sein eigenes Projekt voran und es ist doch klar, dass man dafür Überstunden macht. Ich verstehe diesen Artikel in keiner Weise! Vielleicht sollten wir uns dann auch darüber wundern, dass ein Start-Up Gründer oder Privatunternehmer Überstunden macht. Das ist doch sinnfrei! Insofern bitte die Kirche im Dorf lassen.

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kascnik 29.01.2019, 16:24
6. Arbeit

Arbeit ist das einzige und höchste Gut unserer Gesellschaft. Generell sollte die 60 Stunden Woche eingeführt werden, damit Überstunden als Thema der Faulen und Nichtsnutze wegfallen. Wer zu was kommen will, verschreibt sich dem Arbeiten ganz und gar, dafür muss auch sowas wie Familienplanung hinten anstehen. Auch sollte unbezahltes Arbeiten auf Probe auf 1Jahr ausgeweitet werden. Gerade im Billiglohnsektor, damit man sieht wer wirklich will. Sachleistungen können die Willigen in dieser Zeit beziehen, aber nur wenn sie die ach so bösen Überstunden klaglos hinnehmen und keinen Krankheitstag feiern.

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aquin13 29.01.2019, 16:31
7. @Strangelove

Ich möchte den Doktoranden sehen, der die wissenschaftliche Arbeit für die er bezahlt wird von der wissenschaftlichen Arbeit die seiner Promotion dient, und damit nach ihren Worten "Privatvergnügen" ist trennen kann.
Letztendlich sind die halben Stellen reine Ausbeutung, die die Doktoranden mit sich machen lassen, weil ihnen die Arbeit Spass macht, oder weil sie sich bessere Karrieremöglichkeiten versprechen.

Und sie dürfen einen Doktoranden nicht mit einem Schüler vergleichen, denn ein Schüler erwirtschaftet nichts. Wenn sie vergleichen wollen, dann müssen sie einen Doktoranden mit einem Lehrling vergleichen. Beide sind in einer Phase der persönlichen Qualifikation, aber gleichzeitig leisten sie produktive Arbeit. Und Lehrlinge werden auch bezahlt.

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schreckgespenst 29.01.2019, 16:31
8.

Zitat von Strangelove
Die Promotion ist privatsache, die wissenschaftliche Arbeit wird bezahlt. Also, sofern die Überstunden der Promotion dienen ist es auf jeden Fall in Ordnung. Immerhin Qualifiziert man sich weiter das muss nicht voll bezahlt werden oder werden Schüler bezahlt?
Der Vergleich mit den Schülern ist natürlich polemisch und übertrieben. Die Promotion ist eben nicht "Privatsache" und im Arbeitsvertrag -zumindest bei einer Anstellung an einer Universität im ÖD- klar geregelt. Dem Nachwuchswissenschaftler muss ausreichend Zeit eingeräumt werden, damit er seine eigenen Forschungen und damit insbesondere die Promotion verfolgen kann.
Meiner Erfahrung nach werden die meisten Überstunden auch nicht durch die Forschungsbelastung bedingt, sondern vielmehr durch Lehrtätigkeiten und Verwaltungsaufgaben.

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florianusa 29.01.2019, 16:34
9. Effizienz

Das ganze Feld ist halt extrem kompetitiv. Wenn man Wissenschaftler WIRKLICH nur die vertraglich vereinbarten Stunden arbeiten lassen will, koennte man nur die 1% anstellen, die nicht nur extrem intelligent, sondern auch extrem effizient sind.
Ausserdem haben Wissenschaftler als Angestellte immer noch weniger Stress als diejenigen, die sich ein eigenes Geschaeft aufbauen, die muessen naemlich nicht nur die Arbeit leisten, sondern auch noch Kunden gewinnen. Wenn ein Wissenschaftler keine Idee hat, arbeitet er vor sich hin, bis ihm was einfaellt. Wenn ein Unternehmer keine Kunden hat, wird er nicht bezahlt.

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