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Psychische Erkrankungen im Job: "Die Wirtschaftskrise von 2008 hinterlässt immer noch
Peter Steffen/ DPA

Drei Mal so viele Arbeitnehmer wie noch vor 20 Jahren fallen heute wegen einer psychischen Erkrankung aus. Sabine Winterstein, Expertin für Gesundheitsmanagement, hält Stress für den wichtigsten Faktor.

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freigeistiger 29.07.2019, 11:47
1. Ein Teil ist richtig, ein Teil, was man üblicherweise so sagt

Grundwichtig ist, genügend positiven Ausgleich zu haben. Als Antidot für die anderen psychischen Belastungen. Intelligente, Gebildete und Emphatische haben ein höheres Risiko depressiv zu werden. Stärke ausstrahlen, eine gewisse Aggression mit Konfliktbereitschaft und eine gewisse Egomanie ist ein Schutz vor Übergrifflichkeiten. Auch davor, Aufgaben aufgehalst zu bekommen. Das ist Stress reduzierend und entspannt.

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freigeistiger 29.07.2019, 12:11
2. Relevant: Die Unternehmenskultur

Der entscheidende Faktor ist die Unternehmenskultur und die Atmosphäre in einem Unternehmen. Sie bestimmt, welche Persönlichkeiten als Führungskräfte eingesetzt werden. Dafür müssen die Personalentscheider aber ebenfalls eine gute Persönlichkeit besitzen, um das zu wissen und die Persönlichkeit von Menschen erkennen zu können. Sie müssen auch hinterhältige Störenfriede erkennen können, die öffentlich jovial und sehr umgänglich auftreten. Selbst Fachleute tun sich damit schwer. Wenn jemand Kritik übt ist er eher idealistisch und loyal. Wegen der Kritik werden diese Menschen aber bekämpft. Gute Führungskräfte-Persönlichkeiten erkennen das.

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andneu 29.07.2019, 12:19
3. Ich verstehe nicht den Zusammenhang ...

... zwischen der Bankenkrise 2008 und der Zunahme an Streß bei Arbeitnehmern?

Nach neoliberaler Heilslehre steht der Profit und Shareholder-Value über allem. Und das erreicht man auf dem Rücken der Angestellten. Das hätten wir auch alles ohne Bankenkrise 2008. Hier wird ein Zusammenhang konstruiert, den es so (kaum) gibt.

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thequickeningishappening 29.07.2019, 13:44
4. Stress gibt es immer wenn Etwas zu knapp oder Zuviel wird

Die Umbenennung Der Abteilung "Personalwesen" in "Human Resources" muss man sich mal auf Der Zunge zergehen lassen: Die Person wird zum "Rohstoff" (Resource). Durch Outsourcing und 4.0 wird Die Resource "menschliche Arbeitskraft" immer weniger nachgefragt Was verständlicherweise zu Stress führt !

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sammilch 29.07.2019, 14:15
5.

" Das mag mit der sozialen Absicherung zusammenhängen. Wer Ende 50 ist, hat oft weniger Sorge, dass es der Karriere schaden könnte, wenn er oder sie mal eine Weile ausfällt."

Wer mit Ende 50 "ausfällt" muss sich generell keine Gedanken mehr um die berufliche Zukunft machen. Denn dann heisst es "negative Gesundheits-und Zukunftsprognose" und auch mit Betriebsrat ist man schlicht raus aus den Job.

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sammilch 29.07.2019, 14:16
6.

Zitat von andneu
... zwischen der Bankenkrise 2008 und der Zunahme an Streß bei Arbeitnehmern? Nach neoliberaler Heilslehre steht der Profit und Shareholder-Value über allem. Und das erreicht man auf dem Rücken der Angestellten. Das hätten wir auch alles ohne Bankenkrise 2008. Hier wird ein Zusammenhang konstruiert, den es so (kaum) gibt.
Ich kann mich daran erinnern, dass wir vor 10 Jahren die Arbeit von (jetzt 10) auf fünf Schultern verteilt hatten. Es wurde keiner eingestellt.
Die Krise hatte nicht nur die Banken getroffen.

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Gertrud Stamm-Holz 29.07.2019, 18:48
7.

......Drei Mal so viele Arbeitnehmer wie noch vor 20 Jahren fallen heute wegen einer psychischen Erkrankung aus. Sabine Winterstein, Expertin für Gesundheitsmanagement, hält Stress für den wichtigsten Faktor.......

Die Frau Expertin kümmert sich nicht um die Ursachen von Stress und sie stellt auch nicht heraus, dass jeder anders mit Stress umgeht und umgehen kann. Respektive nicht mit Stress umgehen kann.
Es geht jeder deckungsgleich ins Arbeitsleben, Klon an Klon, Herkunft und persönlicher Werdegang spielen keine Rolle.
Depressionen kommen vor, wenn man mit einer Situation nicht mehr umgehen kann und das Geschehen nicht mehr kompensieren kann. Jeder kompensiert. Die einen gehen joggen, die anderen radeln und die nächsten werden lethargisch. Aushalten, aussitzen und auf Besserung hoffen.
Das hat alles nicht hauptsächlich mit der Arbeit zu tun. Es geht um Bewältigung. Kommt man in eine psychische/gesundheitliche Schieflage, dann MUSS man sich bei der Firma dienstunfähig melden.
Die Erkrankung selber muss aber nicht mit der Firma in Verbindung stehen. Das tut ein Wadenbeinbruch beim wochenendlichen Kicken auch nicht.
Genausowenig ist die Firma schuld am familiären Desaster, wo Scheidung und Trennung von den Kindern, Körperverletzung vom Lebenspartner oder was auch immer bewältigt werden muss. Die Belastung Arbeit als solche kann alles noch unerträglicher machen. Mehr aber auch nicht.
Wenn jetzt, die Frau Expertin erwähnt den pauschalen Stress, alle nur wegen ein bisschen Arbeitsverdichtung, alle kollabieren nur deswegen, dann möchte ich wirklich nicht wissen, was die Nation tut, sollte morgen ein Krieg ausbrechen.
Psychische Ausfälle werden rauf und runter als Schnupfen verkauft, kann jeder kriegen und das völlig ohne Grund. Das ist ein Tritt gegen all jene, die wissen was psychsich angeschlagen ist. Missbrauchsopfer verschiedener Kirchen und sonstiger Einrichtungen, Kriegstraumatisierte usw.

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freigeistiger 29.07.2019, 21:06
8. Stress (Erschöpfung) und Stress (lange psychische Überbelastung)

Zitat von Gertrud Stamm-Holz
......Drei Mal so viele Arbeitnehmer wie noch vor 20 Jahren fallen heute wegen einer psychischen Erkrankung aus. Sabine Winterstein, Expertin für Gesundheitsmanagement, hält Stress für den wichtigsten Faktor....... .... Wenn jetzt, die Frau Expertin erwähnt den pauschalen Stress, alle nur wegen ein bisschen Arbeitsverdichtung, alle kollabieren nur deswegen, dann möchte ich wirklich nicht wissen, was die Nation tut, sollte morgen ein Krieg ausbrechen. Psychische Ausfälle werden rauf und runter als Schnupfen verkauft, kann jeder kriegen und das völlig ohne Grund. Das ist ein Tritt gegen all jene, die wissen was psychsich angeschlagen ist. Missbrauchsopfer verschiedener Kirchen und sonstiger Einrichtungen, Kriegstraumatisierte usw.
Stress ist in diesem Zusammenhang ein falscher Begriff. Der zeitliche und körperliche Stress mündet eher in eine körperliche Erschöpfung. Dagegen ist Burn Out bzw. Depression verursacht durch lange psychische Überbelastung, mit dem Fehlen von positivem psychischem Ausgleich. Es geht darum die psychischen Belastungen zu reduzieren, und für ein gutes Umfeld für den existenziell notwenigen positiven Ausgleich zu sorgen. Mehr dazu habe ich schon unter @1 +@2 geschrieben.

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Der_schmale_Grat 31.07.2019, 10:08
9. Liebe Frau Stamm-Holz

Ich vermute mal, dass Sie in irgendeiner Form i.S. Ihrer letzten Aussage betroffen sind, daher der Frust, weil Sie alles andere weniger als Krieg, sexuelle Gewalt oder Folter für einen "Schnupfen" halten. Es lässt sich interpretieren, dass für Sie Menschen, die psychische Probleme auf der Arbeit zeigen, nur Symptomträger sind für andere Probleme im Privaten. Dazu lässt sich sagen: Leid ist nicht aufwiegbar, Leid lässt sich nicht vergleichen, es gibt keine objektiven Kriterien für Leid. Sie stellen eine imaginäre Skala von Leid auf, aber dies hat kein Leidender verdient. Leidende gegeneinander auszuspielen ist - mit Verlaub - zynisch. Zudem sagen Sie selbst, dass es auf das Individuum ankommt, wie sie/er mit negativen Situationen umgeht. Wir sind also sehr unterschiedlich im Bewältigen. Frau Winterstein hat einen wichtigen Aspekt herausgegriffen, der zu mehr psychischen Erkrankungen geführt haben könnte in den letzten Jahren (wovon ich auch überzeugt bin, dass veränderte Arbeitswelten einen Teil des Problems ausmacht). Es gibt aber immer multimodale Ursachen für komplexe Probleme, doch die Arbeit kann nun mal ein ganz kritischer Faktor sein bei der Entstehung von psychischen Erkrankungen. Übrigens gilt z.B. Arbeitsplatzphobie (ICD-10: F40.8) als eine sehr hartnäckige psychische Störung im affektiven Bereich. Viele Menschen definieren sich über die Arbeit und viele machen das Spiel unbewusst mit: "Was bist Du?" - "Ich bin Lehrer, Arzt usw." Nein, es ist ein Mensch, der eben sein Geld als Lehrer oder Arzt arbeitet. Wenn ich Ihnen sagen würde, dass ich Menschen kenne, die von ihren Vorgesetzten bedroht, geschlagen, beschimpft, gedemütigt, hintergangen, systematisch bestohlen (ich habe von einem glaubwürdigen Fall gehört, dass eine Frau ihre Schwester in derselben Arbeitsgruppe wissenschaftliche Daten geklaut und unter ihrem Namen "verkauft" hat; nur einmal dürfen Sie raten, wer später Professorin wurde und wer krank) oder z.B. auch mit einem Skalpell am OP-Tisch beworfen und verletzt wurden, sollte dies neben emotional verkümmerten VorgesetztInnen und KollegInnen auch nicht vergessen werden. Alles Gute für Sie und keine Sorge beim nächsten Krieg: Der Selbsterhaltungstrieb des Menschen ist ziemlich groß. Hoffen wir, dass wir dies hierzulande nicht mehr beweisen müssen.

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