Forum: Karriere
Psychische Erkrankungen im Job: "Sagen Sie Ihrem Chef nicht die Wahrheit"
Uwe Umstätter/ Westend61 / Getty Images

Wer im Laufe seines Berufslebens psychisch erkrankt, steht vor zwei Fragen: Woran liegt's? Und wie sage ich es meinem Chef? Ein Experte erklärt, wie er sich verhalten würde.

Seite 7 von 9
gartenkram 03.04.2019, 15:26
60. Wenn ich

Als chefin und als mensch etwas überhaupt nicht leiden kann, dann angelogen zu werden. Das geht gar nicht. Meine mitarbeiter können mit allen problemen zu mir kommen und kriegen hilfe, gar keine frage. Aber mich anzulügen, das ist absolutes no-go. Ich habe einen psychisch labilen mitarbeiter, mit dem habe ich eine absprache u die setzen wir um. Das hilft ihm mehr als wenn er seinen job aufgeben müsste (was sein arzt ihm empfohlen hatte). Mit der jetzigen konstellation arbeitet er weniger, aber er arbeitet u sagt selber, das tut ihm gut. Empfehlungen zu lpgen sind das allerletzte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wiese 03.04.2019, 15:28
61. Kritik!

Ich sehe die Angelegenheit als Kollegin oder Untergebene überaus kritisch, ich glaube die meisten hier auch. Ich hatte viele Jahre mit Kollegen oder Kolleginnen zu tun, die in unsere Abteilung abgeordnet wurden und auffällig waren. Irgendwann sprach der Buschfunk...! Wir hatten/haben einige dabei, die durchaus auch aggressiv reagierten, wenn man Kritik am Arbeitsverhalten oder fachliche Kritik übte. Das ist für Kollegen eine schlimme Belastung, weil man die Angelegenheit nicht ansatzweise für sich einordnen kann. Außerdem demotiviert es die motivierten und belastbaren Kollegen. Ähnliches ist zu nennen, wenn Chefs psychische Probleme haben. Das kann man nach außen eigentlich nicht kommunizieren...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vera gehlkiel 03.04.2019, 15:56
62.

Zitat von gartenkram
Als chefin und als mensch etwas überhaupt nicht leiden kann, dann angelogen zu werden. Das geht gar nicht. Meine mitarbeiter können mit allen problemen zu mir kommen und kriegen hilfe, gar keine frage. Aber mich anzulügen, das ist absolutes no-go. Ich habe einen psychisch labilen mitarbeiter, mit dem habe ich eine absprache u die setzen wir um. Das hilft ihm mehr als wenn er seinen job aufgeben müsste (was sein arzt ihm empfohlen hatte). Mit der jetzigen konstellation arbeitet er weniger, aber er arbeitet u sagt selber, das tut ihm gut. Empfehlungen zu lpgen sind das allerletzte.
Frau Gartenkram, die Lüge ist arbeitsrechtlich sogar schutzbewehrt. Und damit, auch wenn Sie sich auf den Kopf stellen, überhaupt kein "No go", sondern ein legitimer Teil der Gesundheitsvorsorge. Jede verantwortliche Psychiaterin oder Psychologin wird dies mit einem hilfesuchenden Menschen übrigens auch genau so besprechen. Mein ungenierter Tipp: der sicherlich hoechst altmodische Arzt, der im Verlauf des explorativen Gesprächs seinen Patient*innen zu etwas anderem rät als dazu, die quälenden Schuldgefuehle gegebenenfalls durch ungeniertes Luegen in den Griff zu bekommen, taugt nichts als Ansprechpartner bei Depressionen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cinci 03.04.2019, 16:13
63. Trugschluss

Wer glaubt, dass ein Burnout oder eine depressive Episode mal so eben um die Ecke kommen und dann durch eine Bronchitis "weggelogen" werden können, täuscht sich aber gewaltig. Ich kenne mehrere Kollegen, die davon bereits betroffen waren und bei jedem einzelnen kündigten sich die Ausfälle über längere Zeit vorher an. Selbst für uns Laien war ganz klar ersichtlich, dass es den Personen nicht gut ging, dass sie Probleme hatten, überwältigt waren und ihre Aufgaben nicht geschafft haben. Wenn dann eine Bronchitis oder eine Rückenerkrankung kommt (die sich im Zweifelsfall immer wieder um 2 Wochen verlängert), glaubt das sowieso keiner. Und als Vorgesetzter, der ich auch bin, muss ich zwar nicht genau wissen, was mit meinen Leuten los ist, aber wenn es die Möglichkeit gibt, am Arbeitsumfeld oder an den Aufgaben etwas zu optimieren, so dass die Überlastung gelindert wird, dann muss ich schon wissen, dass genau hier ein Problem liegt!
Außerdem: Wer in so einer Krise steckt, der sollte sich mal einen Sch... um seine Beförderung kümmern. Es kann hier um Leben oder Tod gehen. Und wie hier auch schon gesagt wurde - vielleicht ist in dieser Situation eine Beförderung (und damit die Übernahme von noch mehr Aufgaben und Verantwortung) einfach auch das Letzte, was die betroffene Person braucht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Luemgi 03.04.2019, 16:24
64.

Warum wird es in dem Artikel so dargestellt, als wäre immer die Arbeit die Ursache für eine psychische Erkrankung? Mein Chef weiß Bescheid und er weiß auch von Anfang an, dass die Arbeit nicht der Grund ist, ich meinen Arbeitgeber sehr schätze und auf jeden Fall bleiben möchte. Ich habe zum Glück einen Arbeitgeber, der bei lang dauernder Erkrankung keine Kündigung schickt, sondern Blumen. Ja, sowas gibt es auch.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mens 03.04.2019, 16:58
65. Privacy

Sich auf das Verständnis eines Vorgesetzten zu verlassen ist recht blauäugig. Die Leitung als väterlicher/mütterlicher Freund/in kann man vergessen. Bei episodenhaftem (!!!!!) Oder leichterem Auftreten geht Lügen sehr wohl. In der ersten BRONCHITIS, RÜCKEN, MIGRÄNE -Phase, kann man von einem Arzt ggf eine Medikation erhalten, die einen zumindest fähig macht eine ambulante Therapie zu starten. NIEMAND muss wissen dass man statt zur Physio, Schmerztherapie, Infusion, zur Gesprächstherapie geht. Also nicht gleich aufregen wenn in einem Artikel nicht der eigene oder persönlich bekannte Werdegang beschrieben wird. Auch hat NIEMAND im Artikel behauptet eine Depression sei das selbe wie eine Bronchitis. Wo steht das? Ok, die Aufregung liest halt schlecht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
badscooter 03.04.2019, 17:48
66. ich habs meinem chef gesagt

als ich nach zwei jahren erkannte, dass ich mich in einer fetten depression befand, hab ich es als erstes meinem chef gesagt. und übrigens auch als einzigem. seine reaktion auf die nachricht, dass ich mich 9 wichen in einer psychiatrischen tagesklinik aufhalten werde: „kümmer dich erst mal um dich, werd gesund und mach dir keine sorgen um deinen job. der ist in 9 wochen noch da und bleibt deiner. nimm dir alle zeit die du brauchst.“
mein chef ist der beste chef der welt. das ganze ist drei jehre her, es haben sich zu keiner zeit nachteile für mich ergeben. ich gehe offensiv mit meiner ex-depression um und erzähle vielen menschen davon. eine erstaunlich häufige reaktion darauf: also, MEIN therapeut sagt ja... oder ähnliches. viele menschen befinden sich in psychologiscger oder psychiatrischer behandlung, und viele sprechen auch darüber. vor allem u50. und such nur do werden psychische erkrankungen ihr stigma verlieren.
und ja, mir ist klar, einen chef wie meinen gibts‘s nicht oft, andere werden weniger glück haben. trotzdem: offensiv und ehrlich sein war am ende (für mich) die bessere wahl. aber letztendlich muss sich jeder seinen weg suchen, damit umzugehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mintyapple 03.04.2019, 20:24
67.

Wenn ein bestimmtes Arbeitsumfeld einen krankgemacht hat, dann sollte man es schleunigst verlassen, sobald man wieder die Kraft dazu hat - und dann kann einem wumpe sein, was Ex-Chef und Ex-Kollegen wissen oder nicht und ggf. darüber denken.

Für wichtiger halte ich es, dass in der neuen Abteilung niemand von der Erkrankung weiß, denn sonst sind Probleme vorprogrammiert.

Übrigens, auch bei Wechsel des Hausarztes gilt hier: Schnauze! Wenn so was einmal in der Patientenakte steht, wird es als Erklärung für alles herangezogen, wofür der Arzt einfach keine Lösung hat. "Das scheint mir psychosomatisch/eine depressive Episode zu sein, hmmm..."

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mintyapple 03.04.2019, 20:28
68.

Zitat von gartenkram
Als chefin und als mensch etwas überhaupt nicht leiden kann, dann angelogen zu werden. Das geht gar nicht. Meine mitarbeiter können mit allen problemen zu mir kommen und kriegen hilfe, gar keine frage. Aber mich anzulügen, das ist absolutes no-go. Ich habe einen psychisch labilen mitarbeiter, mit dem habe ich eine absprache u die setzen wir um. Das hilft ihm mehr als wenn er seinen job aufgeben müsste (was sein arzt ihm empfohlen hatte). Mit der jetzigen konstellation arbeitet er weniger, aber er arbeitet u sagt selber, das tut ihm gut. Empfehlungen zu lpgen sind das allerletzte.
Sie müssen jetzt ganz tapfer sein :-)
Hier zählt, was für die Betroffenen richtig ist und nicht, was Sie gerne hätten. Hier geht es nicht um Sie. Die Gesundheit der Mitarbeiter ist in jedem Fall wichtiger als die Befindlichkeiten von Chefs.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vera gehlkiel 03.04.2019, 21:18
69.

Besonders für Menschen, die nicht gerade viel Eigenliebe aufbringen, kann ein als übermäßiges Verständnis interpretiertes Mitgefühl von Seiten des sozialen Bezugssystems sich zu gefühlt unentrinnbaren Schuldgefuehlen auswachsen. Das Luegen hilft auch dabei, sich einer solchen drohenden Verstrickung einstweilen zu entziehen. Fest steht, dass im Vollbild einer Depression, das bekanntlich auch wahnhafte Symptome mit sich führen kann, eine selbstreflexive Systemregulaton den psychischen Apparat ergreift oder sogar dominiert, die sich Laien, auch bei maximaler Gutwilligkeit, nicht zwangsläufig durchs Anwenden von gesundem Menschenverstand erschließt. Die im Artikel vom Fachmann empfohlenen zwei Wochen wären dabei ungefähr die zur näheren Exploration benötigte Zeit, meinen aber keinesfalls den absoluten Zeitraum für die Therapie. Die Beispiele mit Kumpels als Chefs hier im Forum sollten selbst Betroffene jedenfalls nicht auf die eigene Situation zu übertragen versuchen. Es ist auch Okay, seinen Chef nicht zu mögen... Und ebenso, einem Chef, den man mag, etwas zu verschweigen, von dem man glaubt, dass es ihn nichts angeht...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 7 von 9