Forum: Karriere
Rat vom Jobcoach: Mann oder Frau - wessen Karriere ist wichtiger?
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Ein Paar, ein Kleinkind, ein Problem: Sie will nach der Elternzeit wieder einsteigen, er hat inzwischen ein lukratives Jobangebot in einer anderen Stadt erhalten. Und nun?

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Margaretefan 04.10.2018, 12:18
20. Sorry, ohne der Dame...

...zu nahe treten zu wollen, sind mir Job- und Karrierecoachs grundsätzlich suspekt. Wie hier noch zusätzlich als Beziehungsberaterin fungierend, gar von äußerst fragwürdiger Natur. Mehr als ein scheinbar breitgefächertes Repertoire an Allgemeinplätzen kann ich da nicht entdecken. Wer wirklich meint, dass sich das Leben mit Kind oder gar Kindern als Familie durchplanen lässt, dem ist eh nicht zu helfen. Das hier beschriebene Problem, ist eh viel weniger ein Paar- bzw Familienproblem, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die, oder auch der sich als vorrangig hauptverantwortlich für das oder die Kinder hergibt, ist Job und Karriere mäßig immer im Nachteil. Frauen sind diesbezüglich grundsätzlich immer im Nachteil. Schwangerschaften sind zwar grundsätzlich was ganz natürliches und eben keine Krankheit, können aber trotzdem mit Komplikationen behaftet sein, die über die gesetzlich vorgeschriebene Auszeit (6 Wochen?) noch zu weiteren Einschränkungen im Job und somit bei der Karriere führen. Das Jobangebot für gut ausgebildete Menschen mag zwar in der heutigen Zeit gut sein und somit auch die Karrierechancen, nur ist der Weg zu einer Karriere weit und alles andere als stressfrei. Wer wirklich Karriere gemacht hat - egal ob Mann oder Frau - der kennt das. 50 Stunden Wochen sind da eher der Normalfall. Always on, immer erreichbar sein halt, gehört nicht selten dazu, wenn man Karriere machen will. Das Glück mit geregelten Arbeitszeiten bei einer familienfreundlichen 35 Stunden Woche Karriere machen zu können, ist eher den allerwenigsten beschieden. Das beide in einer Beziehung mit Kindern Karriere machen können, halte ich für eher unwahrscheinlich. Zumindest wenn beide auch noch dem Kind oder den Kindern die nötige Aufmerksamkeit zugestehen wollen und das nicht in die Hand von Dritten geben wollen. Wer nicht gerade eine Staatsdiener-Karriere anstrebt, dem ist es eh kaum möglich das Berufsleben über mehrere Jahre hinweg zu planen. Wer in der freien Wirtschaft Karriere machen will, der muss recht flexibel sein können. Eine gute Ausbildung (Studium) ist zwar die beste Voraussetzung um Karriere machen zu können, aber halt kein Selbstläufer. Das erworbene Wissen muss dann mit viel (auch zeitlichem) Engagement in messbare Leistung umgesetzt werden. Da mag es dann durchaus angebrachter sein, dass einer in der Beziehung zurückstecken oder gar ganz verzichten kann, wenn wirklich sowas wie ein Familienleben gefragt ist. Das müssen eben nicht zwangsläufig die Frauen sein.

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dasfred 04.10.2018, 12:23
21. Ein möchtegern Geschäftsführer

will also umziehen und braucht einen Jobcoach um Zuhause auszudiskutieren wie man das Eheleben weiterführen kann. In fast jeder Ehe hat nach einer gewissen Zeit jeder Partner seine Zuständigkeit. Wer im Haus die Hosen an hat, bestimmt, wo es lang geht, der andere fügt sich. Das ist der klassische Weg. Diese ausdiskutierenden Pärchen gibt es nur im Fernsehen. Die sind nicht real. Einer trägt die Verantwortung, der andere folgt. Und das kann durchaus die Frau sein, während der Mann eben "nur" das Geld ans Haus bringt. Oder umgekehrt. Aber fast nie dauerhaft auf Augenhöhe.

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vitalik 04.10.2018, 12:32
22.

Wie wäre es mit dem harten Fakten, wie das Geld?
Freunde von uns haben ein Kind bekommen. In der Elternzeit ist die Frau nach 3 Monaten wieder arbeiten gegangen und der Mann ist die restlichen Monate Zuhause geblieben. Die Rechnung war einfach, denn die Frau war verbeamtete Lehrerin und hat mehr verdient als der Mann. Besonders unter der Betrachtung, dass das Elterngeld auf maximal 1800 Euro begrenzt ist, war ausschlaggebend.

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evilynnigirlie 04.10.2018, 12:37
23.

Mein Mann verdient sehr gut. Als ich die Chance bekam, in einer anderen Stadt zu studieren, bin ich mit Kind dorthin gezogen, obwohl meine (deutschen) Verwandten aufgejault haben, dass ich die Familie zerreisse. Aber hätte ich nicht studiert, wuerde ich wohl in Finnland nie einen Job finden. Trotz des guten Verdiensts schadet ein zusätzlicher Verdienst nicht, und bei mir geht es nicht um "Selbstverwirklichung" vorranging, sondern darum, dass mir daheim einfach die Decke auf den Kopf fällt und ich nicht depressiv werde. Oder zählt das als "Selbstverwirklichung"? In Deutschland hat das immer so einen negativen Beigeschmack das Wort, vor allem weil das Wort nur in Zusammenhang mit weiblicher Karriere gebraucht wird, dabei haben die Finnen schon längst erkannt, dass ein Beruf neben der Familie für das seelische Wohlergehen wichtig ist und niemand schwurbelt abfällig über Frauen, die sich "selbstverwirklichen wollen" und damit andeuten, dass das auf KOsten der Kinder geschieht. Andererseits haben wir hier adequate Kinderbetreuung und niemand zuckt mit der Wimper, weil es schlicht normal ist hier. Jetzt zieht mein Mann hier her und nimmt sogar ein kleineres Gehalt in Kauf. Nach meinem Studium werde ich mehr als er verdienen. Das war Grund genug, mal für ein Jahr die Zähne zusammenzubeissen, weil wir uns danach auch mal nen Familienurlaub leisten können, wofür wir derzeit sparen müssten, weil dieser ansonsten ein Loch in die Haushaltskasse reisst.

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intelligoethe 04.10.2018, 12:40
24. Schon die Fragestellung ist krank

Karriere? Job? diese Unwörter verraten schon, wer dahintersteckt. Denn diese beiden Interpretationen des Berufslebens (für unreife Juppies gemacht) führen sowieso ins Unglück. Eigentlich geht es um Arbeit, einen Beruf, in dem man seine Berufung und eine gewisse Erfüllung findet, den man gut mit der Familie vereinen kann. Job ist nur entfremdetes vorübergehendes Geldmachen, das man am liebsten nicht machen möchte, aber muß. Und Karriere? Die hat nun gar nix mit beruflicher Selbsterfüllung zu tun, es sei denn, man ist ein A...h. Karriere, das klingt so schön nach Ellbogen, kriechen und treten, bis man schließlich irgendwo "weiter oben" gelandet ist, wo man andere quälen kann. Beide Konditionen sind für Partnerschaft und Kinder nun gar nicht geeignet. Dort geht es um Familie und gemeinsames Glück, und nicht darum, wer besser Karriere und Geld machen kann.

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Spr. 04.10.2018, 12:47
25. Ja, man sollte Vieles - getan wird es aber leider nicht!

In der Realität wird es immer noch als selbstverständlich vorausgesetzt, dass die Ehefrau ihrem Ehemann den Rücken für seine Karriere freihält. Auch wenn diese Karriere aus einem ganz normalen Job besteht und keineswegs aus einem tollen Geschäftsführer-Posten. Da wird der Ehefrau dann vorgerechnet, dass sie mit Steuerklasse V nur so wenig ausbezahlt bekommen, dass sie mit einem 450€-Job besser dran wäre. Außerdem wäre das doch auch viel bequemer, fragt sich nur für wen.

Das ändert sich dann schlagartig, sollte eine Trennung anstehen, was früher oder später bei rund der Hälfte aller Ehen ansteht. Dann soll die Exfrau gefälligst sofort wieder Vollzeit arbeiten, um ihren Lebensunterhalt und mindestens ihren Anteil am Lebensunterhalt der Kinder selbst finanzieren zu können. Der verpasste Wiedereinstieg in den Beruf, der in der Regel zu deutlichen Einkommenseinbußen der Exfrau führt, mutiert dann in Windeseile von Beweis für die gute Mutter und Ehefrau zum Vorwurf des vorsätzlichen Ausnehmens des Exmannes.

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current3 04.10.2018, 12:59
26. @01099

Liebe(r) 01099,
der Wert meines Mannes ist nicht sein wirtschaftlicher Erfolg, sondern seine Kreativität, sein Humor und vor allem, dass wir uns in den Dingen, auf die es ankommt, verstehen.
Und ich finde es eine Frechheit, zu behaupten, mein Wert als Frau sei meine "Jugendlichkeit und Fruchtbarkeit." Das würde nämlich bedeuten, dass ich irgendwann (heute schon?)nichts mehr wert bin.

Dieses biologistische Denken halte ich für eine Sackgasse. Nur wenn wir die Vision haben, mehr als die Summe unserer Gene zu sein - z.B. lernfähig zu sein in dem Sinne, dass wir nicht nur aus den eigenen Fehlern, sondern auch aus den Fehlern anderer lernen können (siehe Geschichte), nur dann können wir uns als Menschen weiterentwickeln. Und wer daran nicht glaubt, sollte besser keine Kinder bekommen.

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libertarian2012 04.10.2018, 13:01
27.

Erschütternd an dieser „Beratung“ ist für mich, dass das Kindeswohl mit keiner Silbe erwähnt wird. Und ich bin jetzt in einem Alter, wo ich darüber jetzt faseln kann! Wir haben das hinter uns soweit und haben zum Glück immer auf „partnerschaftlicher Augenhöhe“ gestanden: meine Frau wollte gar nicht mehr arbeiten und lieber die Kinder erziehen statt das „out-zu-sourcen“. Und das macht sie nicht weniger emanzipiert als diese ganzen Feminismus 3.0 Opfer. Im Gegenteil.
Karriereentscheidungen und umziehen muss man als Familie besprechen und das für und wider abwägen. Geld ist wichtig. Aufstiegsmöglichkeiten sind wichtig. „Selbstverwirklichung“ wird schnell relstiv. Natürlich will man was machen, wo man nicht widerwärtig jeden Tag hinfährt oder noch in den Spiegel gucken kann.
Der Fall hier sollte einfach sein: ist das Angebot aus Bayern so eines, dass man nur einmal im Leben bekommt? Eher unwahrscheinlich. Dann wäre jetzt die Frage, wo die Familie gerne vom Geundsatz her leben möchte und wo man die bessere Lebensqualität für die Kinder sieht (als erwachsener Kerl arrangiert man sich da so oder). Wenn ich die Wahl zwischen Düsseldorf und bayrischem Dorf abseits vom Schuss hätte, würde ich sagen: Nein-Danke. Zu beidem.

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storchentante 04.10.2018, 13:04
28. In einer realen Familie

wird auch das Wohl des Kindes eine wesentliche Rolle spielen. Wird das einjährige Kleinkind ganztags in einer Kita abgegeben? Gibt es dort, wo man lebt eine Kita mit entsprechenden Öffnungszeiten? Wer kann sich kümmern, wenn die mal zu hat (Ferien)? Oder das Kind krank ist? Vielleicht möchten beide Elternteile Zeit mit dem Kind verbringen? Bei einem Jobwechsel ist es nie ausreichend nur nach der Karriere und der Kohle zu fragen. Das können vielleicht Singles.

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maschroedi 04.10.2018, 13:44
29. In diesem Fall..

Wenn man die Frage so nimmt, wie sie gestellt wird, ist die klare Antwort, dass die Karriere des Mannes in diesem Fall vorgeht. Er bekommt ein lukratives Angebot und hat somit bessere Chancen, die Familie zu ernähren.

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