Forum: Karriere
Rollentausch: Wollen Sie mal Kinder, Herr Müller?
Corbis

Wie wäre es, wenn Männer und Frauen für einen Tag die Rollen im Berufsleben tauschen? Das fordert Buchautor Martin Wehrle. Er ist sicher: Der Arbeitsalltag einer Frau wäre für jeden Mann ein Skandal.

Seite 3 von 16
parresia 29.09.2014, 10:23
20.

Liebe Herren, die Ihr vielleicht das Schicksal mit mir teilt: Ich habe eine Familie zu ernähren. Mein Mann hat sich für einen weniger gut bezahlten Beruf "entschieden", von dem man definitiv keine Familie ernähren kann.
Gleichzeitig war ich wohl auch "dumm" (also Fallgruppe "selbst schuld"): Ich arbeite in der Wissenschaft, d.h. zwar gut und gleich bezahlt, aber ständig befristet und die Personalplanung läuft danach, wieviel Prozent wieder global gekürzt werden müssen. Bei - nicht von mir nachgefragten - Gesprächen zu einer Vertragsneugestaltung oder (nachgefragt) -verlängerung, bei denen immer klar war, dass meine Arbeit 1. gebraucht wird und 2. bestens ist, durfte ich mich dann folgenden Fragen stellen:
- "Wollen Sie nicht reduzieren, dann haben Sie mehr Zeit für Ihre Kinder!?"
- "Schaffen Sie das überhaupt, Vollzeit und Kinder?"
- "Was macht denn eigentlich Ihr Mann, verdient der nicht genug?"
- "Wir würden die Vollzeitstelle lieber Herrn XY geben, der erwartet nun das zweite Kind!"
- "Sie müssen schon verstehen, als Sie kamen, hatten Sie ja gerade einen Säugling, da haben wir nicht damit gerechnet, dass Sie noch ein Kind bekommen. Das war sehr schwierig für uns!"
- "Vielleicht wollen Sie so ein Frauen-mit-Kinder-Stipendium beantragen (nein, möchte ich nicht, keine Sozialversicherung und danach Hartz-IV - ICH HABE EINE FAMILIE ZU ERNÄHREN). Wir könnten dann die Stelle an jemand anderes geben."
- "Sie sollten schon solidarisch sein als Frau. Vor allen mit den Kolleginnen, die für die Arbeit auf Kinder verzichtet haben."

Fassen wir es zusammen: Es geht hier um höherwertige Stellen. Ich habe noch nicht gehört, dass einer meiner Kollegen nach dem Gehalt der seiner Frauen gefragt worden ist bzw. derart persönliche Fragen gestellt bekommen hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
an°n 29.09.2014, 10:28
21. No risk, no fun

Was ein schöner Beitrag. Dass man sich trotz anderer Probleme auf ein Thema stürzen kann, was non-existent ist. Herrlich.

Würde es um Frauen in Saudi-Arabien gehen - okay.
Aber das hier ist höchstens vergleichbar mit den tumblr Feministen, die auch Männer des "eye-rape" bezichtigen und sowieso sind alle Männer ausnahmslos Vergewaltiger. Läuft bei denen.

Aber zurück zum Thema:
Ich arbeite in einem (gut bezahlten) kaufmännischen Beruf, in meiner Abteilung gibt insgesamt 2 Männer: Den Chef und einen Azubi.

Jetzt kann man natürlich die Gender-Keule aus dem Schrank holen: "Der einzige Ausgebildete Mann ist der Chef. War ja klar!"

Nun ist der Chef auch um die Mitte 50, wahrscheinlich hat er also auch ein wenig mehr Erfahrung, als die meisten anderen (junges Büro, Durchschnittsalter ca. Mitte 30).
Zudem sind von den knapp 120 Bewerbern dieses Jahr 13 zu einem Assissment Center Tag eingeladen worden - 11 von ihnen waren Frauen.

Wer will, dass sich was ändert, sollte aufhören, eingestaubte Fakten von 1976 rauszukramen und Frauen, sowie ihre freien Entscheidungen zu akzeptieren, anstatt zu pöbeln und (unter anderem) eine Frauenquote zu fordern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kfp 29.09.2014, 10:28
22.

Zitat von großwolke
Wenn sie etwas ändern wollen, gehen Sie in die Schulen und setzen sie den Mädels dort, irgendwie, die Idee in den Kopf, dass sie was aus sich machen können, dass es keine Schande ist, einen beruflich weniger erfolgreichen Partner zu haben, dass Maschinenbau am Ende auch nur ein Studiengang ist, den man schaffen kann, dass zum Erfolg eben auch die Verantwortung gehört, der Familienernährer zu sein.
Aber sagen Sie den Mädels ja nicht, was passiert, wenn sie den Studiengang geschafft haben: Dass die dann nämlich mindestens doppelt so häufig als Männer arbeitslos sein werden. Dass sie am Arbeitsplatz als fleißige, aber leider hirnlose Arbeitsbiene abgestempelt werden und jeder Versuch eines Gegenbeweises an dem Scheuklappenblick der vorgefertigten Erwartungshaltung der männlichen Kollegen und Chefs abprallen wird. Dass sie gerne versuchen dürfen, eine Familie zu ernähren, aber bei Interviews auf entsprechende Stellen darauf den "väterlichen" Hinweis erhalten, das sei schließlich ein "anspruchsvoller Vollzeitjob", also nichts für eine Frau mit Familie... Wenn sie in derselben Weise wie Männer um ihr Gehalt verhandeln, aber dann eben nicht als ausgefuchst und sich ihren Wertes bewusst wahrgenommen werden, sondern als überhebliche Zicken "die an die Fleischtöpfe wollen" sofort aussortiert werden. - Vielleicht wäre es nicht wirklich nicht schlecht, wenn Männer mal für eine kurze Zeit in die Frauenrolle schlüpfen und selbst erleben, wie sie ja nur das "Richtige" studieren und Verantwortung übernehmen bräuchten, und schon gäbe es all diese Benachteiligungen nicht mehr... Sie würden ihr blaues Wunder erleben, wie "frei und gleichberechtigt" Sie tatsächlich wären, sich in unserer heutigen Gesellschaft zu behaupten...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wolf15 29.09.2014, 10:32
23. Ziemlich einseitig...

Was its denn mit der andiron Seite? Die Jungen die im Unterricht schlechter abschneiden weil vorallem mündlich gearbeitet wird. Das spilt Mädchen veil eher in die Hände. Was ist mit den männlichen Kindergärtnern die dringend gebraucht werden? Grundschullehrern? Krankenpflegern?
Es gibt eine menge Vorurteile gegen Männer die sich in 'Frauendomänen' reindrängeln. Gleichberechtigung würde auch bedeuten das man sich darum kümmert das die Jungs nicht zurückstehen.
Wird andernfalls ohnehin zu voll in den Managerbereichen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kfp 29.09.2014, 10:33
24.

Zitat von mr.andersson
Also sofern ich mich enstinne, ist die Frage nach Kinderwunsch in Bewerbungsgesprächen unabhängig vom Geschlecht verboten. Sagt jemand "Ja" und wird dann nicht genommen, liegt ein 1A Klagegrund vor.
Und sofern ich mich entsinne, sind Video- oder Audioaufnahmen von Bewerbungsgesprächen (ohne Zustimmung aller Parteien) nicht legal. Wie wollen Sie also beweisen, dass diese Frage (oder ähnliche, ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung berichten, dass Personaler da sehr kreativ sind) gestellt wurde? Ganz abgesehen davon, dass es selbst dann nicht beweisbar wäre, dass die Antwort darauf der Grund für die Ablehnung war...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Nicole1975 29.09.2014, 10:38
25. Danke,

lieber Herr Wehrle, fuer diesen amuesanten Beitrag!

Das Gros der Reaktionen hier spricht natuerlich mal wieder Baende... Vielleicht wuerde so ein Experiment ja wirklich etwas in den Koepfen aendern, wer weiss. Auf die leichtbekleideten Direktoren im Vorzimmer wuerde ich persoenlich dabei allerdings lieber verzichten ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kfp 29.09.2014, 10:44
26.

Zitat von Mullersun
Herr Wehrle, habe Sie in den vergangenen Jahren mal Ihren Schreibtisch verlasen und sich den Arbeitsalltag in diesem Land angesehen? Karriere und Familie lassen sich durchaus vereinigen, Frauen werden auch nicht generell schlechter bezahlt, im Tarifbereich kaum möglich.
Herr Mullerson, haben Sie in den vergangenen Jahren mal versucht, sich als Frau zu bewerben bzw. von Frauen aus erster Hand gehört, wie diesen in Interviews oder auch Berufsalltag begegnet wird? (Oder alternativ, geben Sie sich hier im Forum einfach mal einen weiblichen Usernamen und posten Sie ein neutrales Statement, dass sowohl Männern als auch Frauen zugesteht, in dieser Debatte valide Argumente zu haben...)

Wenn man es übrigens im Tarifbereich nicht einrichten kann, Frauen schlechter zu bezahlen, sorgt man einfach dafür, dass man diese Frauen eine Tarifstufe niedriger einstellt. Denn schließlich beinhaltet ihre Qualifikation einen Frauenbonus, weshalb sie mit gleicher Qualifikation wie ein Mann trotzdem weniger drauf haben. Auch sollten man ihnen nicht soviel Verantwortung zumuten, da sie sowieso bald schwanger werden und dann die Suche nach Ersatz nur schwieriger wird usw usf...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Agrarökonom 29.09.2014, 10:46
27. Einiges mag ja stimmen, aber ...

... vieles von dem, was wir als Missstand betrachten, ist nicht von heute auf morgen zu beseitigen. Es ist nun mal so, dass wir soziokulturelle Prägungen haben, und die sehen im Moment so aus, dass Frauen immer einen ehrenvollen Rückzug in Teilzeit oder ganz nach Hause antreten können, wenn der Stress zu große wird. Es reicht schon, dass nur ein Drittel der Frauen diese Chance wahrnimmt, und schon haben Sie doppelt so viel Teilzeit und 50% weniger qualifizierte Bewerberinnen auf Leitungsposten. Ich selbst bin Familienvater, wir arbeiten beide Vollzeit, aber meine Frau verdient wg nicht abgeschlossenem Studium (die Kinder hat sie erst danach bekommen) leider etwas weniger als ich. Trotzdem, weil sie jede Stunde genau aufschreiben muss, bringe und hole ich meistens die Kinder aus der Kita, denn bei mir auf der Arbeit ist eher Outputorientierung angesagt. Wenn meine Frau morgen nach Hause käme und anböte, statt meiner den Löwenanteil Geld nach Hause zu bringen, würde ich auch gerne kürzer treten. Das würden viele Männer gerne, aber find mal so 'ne toughe Frau! Die individuellen Prägungen und Präferenzen sehen einfach derzeit noch anders aus. Und die toughen Frauen halten sich im Übrigen vielfach für so dermaßen toll, dass sie es als unter ihrer Würde ansehen, einen Mann zu heiraten, der weniger verdient, so sieht's aus.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kfp 29.09.2014, 10:49
28.

Zitat von parresia
Liebe Herren, die Ihr vielleicht das Schicksal mit mir teilt: Ich habe eine Familie zu ernähren. Mein Mann hat sich für einen weniger gut bezahlten Beruf "entschieden", von dem man definitiv keine Familie ernähren kann.
Ditto, selbe Situation. Ergebnis nach vielen Jahren: Wir fliehen ins Ausland, weil wir in D einfach keine Perspektive mehr sehen. (Und ich im Ausland, im Gegensatz zu D, tatsächlich in Interviews Fragen zu Fachlichem beantworten darf, statt solche Fragen, wie Sie sie treffend beschrieben haben, oder z.B. ob ich denn schon einen Kitaplatz organiziert habe - für den wir uns allerdings erst anmelden dürfen, wenn wir auch tatsächlich schon einen Wohnsitz in der Stadt der neuen Stelle hätten...)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nalodü 29.09.2014, 10:49
29. Genau so ist es.

Vielen Dank für den Artikel, er trifft es auf den Punkt. Dass sich die Männerwelt darüber aufregt, ist verständlich. Die ständigen Wehklagen, es ginge bei der Gleichstellungsdebatte nie um Arbeitsplätze bei der Müllabfuhr und beim Bauhof, sind skurril. Es wenn es nur Männer gäbe, die körperlich schwer arbeiten und wenig dafür verdienen (ich sag nur Krankenschwester und Putzfrauen, die unsere Büros jeden morgen um 6 Uhr in Schuss bringen). Falls der Autor Interesse daran hat, welche Sprüche man sich als Wirtschaftsanwältin, die seit 8 Jahren minimum 60 Stunden in der Woche im Büro ist, von Kollegen, Mandanten und Gerichten anhören muss, ich hätte eine Sammlung parat. Das Highlight der letzten Woche: Ein Mandant sagt mir, er könne "nur" eine Dame aus seiner Rechtsabteilung statt dem Abteilungsleiter zum Gerichtstermin schicken, ob das denn ginge, sich von zwei Frauen vertreten zu lassen? Nein, das sieht unsere Zivilprozessordnung leider nicht vor, es muss immer ein Mann dabei sein;-). Bei dem Mandanten handelte es sich um einen Geschäftsführer einer großen GmbH, nur falls Zweifel an dessen Zurechnungsfähigkeit aufkommen. Die ständige Frage von Mandanten, weshalb ich denn um 18 Uhr am Freitag noch im Büro sei, "ich sei doch verheiratet", ist da ja noch harmlos.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 16