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Rückzug aus Chef-Position: Ich lass jetzt mal den Praktikanten machen
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Der eine war zuständig für 22 Mitarbeiter, der andere für 100. Dann wechselten beide zurück ins Team - und gaben die Verantwortung an Jüngere ab. Wie fühlt sich das an? Und wie geht es danach weiter?

cosmose 14.11.2019, 14:58
1. nachvollziehbar

Ich habe auch vor kurzem die Teamleitung abgegeben und bin nun wieder "einfacher" Angestellter.
Resultat: Blutdruck normalisiert, kein unterbewusster Stress mehr.. und mehr Gehalt gibt's auch.
Insofern alles richtig gemacht.

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gumbofroehn 14.11.2019, 15:17
2. Leider ist der Mechanismus zutreffend beschrieben ...

... es sind meist die fachlich sehr kompetenten und intrinsisch motivierten Leute, die auf der ersten Führungsposition (Team- oder Abteilungsleiter) merken, dass das Führen nicht unbedingt Lust, sondern auch sehr oft Last ist.

Den Aufstieg in Richtung Geschäftsführung treten dann leider bevorzugt diejenigen an, die rein instrumentell motiviert sind (Hauptsache: großer Dienstwagen, fetter Bonus und Eckbüro).

Da muss man sich dann über nichts wundern. Ich wüsste allerdings auch ehrlich gesagt nicht, wie man das ändern könnte.

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touri 14.11.2019, 15:38
3.

Kann ich voll nachvollziehen. Ich hatte einmal projektbedingt Personalverantwortung für zwei Mitarbeiter und das war ok, aber mehr hätte ich auch nicht gewollt. Meine Chefin trägt Personalverantwortung für knapp 20 Mitarbeiter und vertritt unsere Chefin mit ca. 150 Mitarbeitern. Und den Stress den Sie ausgesetzt ist will ich im Leben nicht, auch wenn ich bereits zweimal die Möglichkeit hatte ähnliche Positionen einzunehmen. Die paar Euro mehr auf dem Konto waren und sind mir meine gesunde Nachtruhe nicht wert.

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MikeRubato 14.11.2019, 15:47
4. Viele richtige Aussagen

Was aber im Beitrag irritiert: natürlich ist es sehr gut, wenn (nur) so ca. 5% bis 10% der Mitarbeiter Führungspositionen übernehmen wollen, denn dann hat jede Führungskraft im Schnitt 10 bis 20 Mitarbeiter und alle sind zufrieden. Wenn 40% Chef werden wollen, dann kann die Mehrzahl von denen das ja nie erreichen, denn es wären ja sonst pro Führungskraft nur 1 bis 2 Mitarbeiter übrig, die geführt werden. Demnach blieben sehr sehr viele Chefaspiranten frustriert auf Teamlevel zurück. Also, passt schon alles, wie es ist!

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renatehofman61 15.11.2019, 07:34
5.

Was für mich einen guten Chef ausmacht, ist menschlichkeit. Was nützt mir jemand, der Top in seiner Arbeit ist, aber so ein Choleriker, dass die Leute sich noch nicht mal trauen, in seiner Nähe zu niesen... Ich hatte in meinem 37 jahren Berufserfahrung mind. 20 Vorgesetzte...drei bis vier waren gut, ein paar glänzten durch ständige Abwesenheit, einer war extrem schlecht (der bekam Abmahnungen wegen ständiger Beschwerden- dem hab ich auch einen Burn-Out und Depressionen zu verdanken) .Mein letzter Chef war ein Engel..kümmerte sich (hielt also seine Versprechen:Ich kümmere mich drum) und dann, wenn es wirklich hart auf hart kam, konnte er auch mal mit der Faust auf den Tisch hauen...Leider ging er in eine andere Abteilung (er meinte: 15 Jahre in einer Abteilung, er will mal was anderes sehen). jetzt hab ich einen Chef...halb so alt wie ich... Aber so langsam wächst er in die Rolle rein (der war quasie ins kalte Wasser geschmissen worden..musste erst auf Lehrgänge usw gehen). Leider werden die Chefs in den "unteren bis mittleren" Führungsebenen von den "darüberstehenden" chefs dermaßen unter Druck gesetzt, das ist nicht mehr feierlich. Dann wundert es mich nicht, dass viele sagen "Ich verzichte auf ein paar Euro, dafür hab ich aber meine Ruhe "

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olivervöl 15.11.2019, 10:45
6. Hierarchien sind oft unproduktiv

Kapitalistische Firmen wurden ebenso wie Behörden oder Schulen ursprünglich wie das Militär organisiert, mit Rekruten, Unteroffizieren, Offizieren und Generälen. Auch wenn sich der Tonfall wesentlich geändert hat, sehen Organigramme immer noch so aus. Im Internetzeitalter sind vernetzte Strukturen und hierarchiefreie Kommunikation viel effektiver und dynamischer; das stellt aber neue und extreme Anforderungen an alle Beteiligten. Firmen, die das organisatorisch hinbekommen, sind die Stars und vollbringen Wunder an Innovation. Allerdings stehen die traditionellen Eigentumsverhältnisse einer solchen Modernisierung im Wege.

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harald441 18.11.2019, 17:21
7. Ein Fehler, der in vielen Firmen

gemacht wird. Ein Beispiel: Man hat eine Gruppe von Drehern, deren Gruppenleiter weggeht, kündigt oder stirbt. Da die Stelle neu besetzt werden muß, spricht man den gruppenbesten Dreher an, ob dieser die Gruppe führen wolle. Nach einigem Zögern sagt dieser zu.
Und wiederum einige Zeit später, bemerkt die Firmenleitung, daß ein exzellenter Dreher nicht automatisch auch zum Gruppenleiter der Dreher taugt. Wie viele will dieser gute Arbeit abliefern und sich an seiner Maschine immer mehr vervollkommnen. Nun aber muß er mit einemmal Kollegen beurteilen, zu Besprechungen gehen, Organisationsschemen anschauen und bewerten, usw.
Klar, daß dieser Mann, hervorragend in der Werkstatt an seiner Maschine, ziemlich unzufrieden auf seiner Gruppenleiterstelle sein und diese baldmöglichst abgeben wird.

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