Forum: Karriere
Ryanair-Flugbegleiterin packt aus: "Wenn ihr für 20 Euro in den Urlaub fliegt, hat da
REUTERS

Sie muss ihre Verpflegung fürs Flugzeug selbst mitbringen, verdient wenig - und bei Flugausfällen gar nichts: Hier berichtet eine Flugbegleiterin von Ryanair von ihren miserablen Arbeitsbedingungen.

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lobro 26.07.2018, 10:48
60. Hinkender Vergleich

Zitat von womo88
Als ich 1982 mit meinem Studium fertig war, hatte ich nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAFöG genannt, beim deutschen Staat 40.000 DM Schulden wegen meines Studiums, und die wollten das tatsächlich zurückhaben.
Der Vergleich hinkt aber gewaltig. Die 40000 DM BAFÖG, die Sie bekommen haben waren ja keine Ausbildungskosten wie Studiengebühren o.ä., sondern Beihilfe für Ihre Lebenshaltungskosten. Die Ausbildung an einer Universität war zumindest in der Zeit vor 1982 noch kostenlos.

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Pickle_Rick 26.07.2018, 10:48
61.

Zitat von Drehmoment
(...)Der Kunde hat auch gar nicht immer die Möglichkeit zu prüfen, was am Ende wirklich zu Lasten der Arbeitnehmer geht.(...)
Richtig, man kann nur begrenzt einschätzen welcher Preis für ein Produkt ode reine Dienstleistung noch ok ist. Klar, beim Nackensteak für 0,5 € wird es schon recht eindeutig aber viele Firmen bzw. Industrien bemühen sich unbedingt Transparenz zu vermeiden. Der Kunde soll nicht wissen wie es abläuft und wie die Preise entstehen. In vielen Fällen würden sie dann nämlich tatsächlich auf bestimmte Dinge verzichten. Dann wird nicht mehr konsumiert und das Geschäft geht kaputt. Alternativ muss investiert werden um sich umzustellen und auch das kostet erst mal nur Geld und ist daher unbeliebt. Das heißt nicht, dass man als Konsument keinerlei Verantwortung hat und nicht nachdenken darf aber es ist auch nicht so als würde mit offenen Karten gespielt werden.

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Draw2001 26.07.2018, 10:49
62. Sprich nicht vom „billigen Licht“.......

Es gibt einfache Wahrheiten, die keiner weiteren Untersuchung bedürfen. Je geringer der Leistungseinsatz (an Geldmitteln z.B.), desto weniger an Qualität lässt sich erwarten. Es gibt leider auch in der Wirtschaft kein Pertuum Mobile. Das glauben zwar Viele, weil es sogenannte „Selbstläufer“ gibt, jedoch bleibt auch bei solchen Systemen einer der Leistungskomponenten auf der Strecke. In diesem Fall ist es die Mitarbeiterin, der unterbezahlte Pilot oder auch mal der Kunde, wenn der Urlaub nicht angetreten werden kann, bzw. der Rückflug nur unter Inkaufnahme von Umwegen stattfindet.

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Spr. 26.07.2018, 10:50
63. Nicht nur bei Ryanair!

Den Billigheimern und Schnäppchenjägern geht es meilenweit an ihren Hinterteilen vorbei, dass andere, in erster Linie das Personal der Billigunternehmen, sehr teuer für die Vorteile der Billigheimer und Schnäppchenjäger bezahlen muss. Hauptsache, die Billigheimer und Schnäppchenjäger können ein paar Euro oder auch nur Cent "sparen". Und nein, der eigene nicht so hohe Verdienst ist keine Entschuldigung dafür, sondern eine der weitreichenden Folgen dieses Verhaltens!

Dazu kommt, dass die Wenigsten dieser Billigheimer und Schnäppchenjäger in der Lage sind, über ihren eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Das reicht nicht, um die Folgen ihres Verhaltens für das Personals nicht nur von Rayanair (Amazon, Lieferdiensten, und und und) zu erkennen. Schon gar nicht dafür, die darüber hinausgehenden Folgen für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und letztendlich auch für sich selbst zu erkennen.

Das äußert sich dann in mangelnder Empathie und dem daraus folgenden Hinweis, sich nicht so anzustellen, weil das ja vielen anderen Leuten genauso geht. Trifft es den Billigheimer und Schnäppchenjäger dann selbst, ist die Überraschung riesengroß.

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Lebkuchenkiller 26.07.2018, 10:51
64. Viel Erfolg

Ich hoffe,die Flugbegleiterinnen setzen ihre Forderungen durch.
Aber hier ist auch der Gesetzgeber gefragt.Bei allem Respekt für die europäische Dienstleistungsfreiheit,für Arbeitnehmer,die Deutschland leben und arbeiten,muss deutsches Arbeutsrecht gelten.Sonst könnte jeder AG seinen Sitz nach Irland und das gesamze Arbeitsrecht aushebeln.
Ansonsten ein sehr guter,weil wichtiger und informativer Artikel.Ich bin auch schon mal mit Ryanair geflogen,wenn mir diese Tatsachen bekannt gewesen wären,hätte ich das nicht getan.

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tchantchès 26.07.2018, 10:54
65. Auf unser aller Kosten

Der ganze Laden funktioniert ausschließlich auf Kosten der Allgemeinheit. Das geht schon an den Bauernbahnhöfen los, von denen die fliegen. Von Kostendeckung kann dort keine Rede sein. Das schafft auch dort keine nachhaltigen Arbeitsplätze, sondern bestenfalls getarnte ABM-Stellen. Den Rest schießen die Länder und Kommunen zu, die diese Flughäfen betreiben. Im Grunde reine Subventionsabzockerei. Eigentlich gehört sowas verboten.

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hoernomat 26.07.2018, 10:55
66. Zeit für einheitliche Arbeitsmarktregeln

Die Flugbegleiter sind ja quasi Scheinselbstständige - sie bekommen kein festes Gehalt, sondern eine "Durchführungsprämie" und sind von einem einzigen Arbeitgeber abhängig.
Das wäre in Deutschland eigentlich verboten - sollte es auch EU-weit sein.
Aber mal ehrlich: Anstatt auf die Einsicht des Konsumenten zu hoffen, wäre es hier an der Regierung, solche Praktiken als Sittenwidrig zu verbieten und Fluglinien mit solchen Praktiken die Landeerlaubnis auf deutschen Flughäfen zu entziehen.
Es gibt ein Mindestmaß an Anstand und dies wird ebenso wie Mindestlohn, Arbeitszeitgesetz etc. vom Staat festgelegt. Wir alle wissen, wen wir wählen müssten, um in dieser Richtung etwas zu erreichen.
Tun wir das doch einfach mal, oder hören mit dem Gejammere auf.

Wer sich ernsthaft beschwert, dass sein 20-Euro-Flug ausfällt, den kann ich dann auch nicht mehr wirklich verstehen - genauso wenig aber, wenn Lufthansa trotz Streik Rekordgewinne einfährt, weil derselbe Flug über 200 Euro kostet und dann dennoch ausfällt. Die haben mehr als hinreichend Spanne, ihr Personal anständig zu bezahlen und dadurch einen reibungslosen Flugbetrieb sicherzustellen.

In Punkto Ökobilanz frage ich mich jedoch, wann die Mineralölsteuer endlich auch auf Kerosin angewendet wird - bei aller Begeisterung für das Fliegen, ist es ökologisch betrachtet auch dann in diesem Ausmaß übertrieben, wenn der Gesamt-CO²-Ausstoß nur zu 3% durch den Flugverkehr verursacht wird.
Flüge für 20 Euro sind also aus vielerlei Sicht völlig unzeitgemäß!

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citi2010 26.07.2018, 10:56
67.

Zitat von SteveCrj
Die Billigflugperversion (teilweise z.B. wohl 3,99 EURO plus Steuern/Gebühren nach Mallorca) etc. muss einfach enden. Hier ist kein Grundbedürfnis des Menschen zum Wohle aller billiger geworden, sondern ein eigentlicher Luxus wird zu Lasten der Arbeitnehmer, der Sicherheit etc. verschleudert. Es wird Zeit, dass dies endet und Flugpreise generell wieder auf ein Niveau kommen, welches einen vernünftigen Arbeitnehmerumgang etc. ermöglicht. Ich konnte mir trotz damals nicht üppigem Gehalt auch früher Urlaube in Griechenland etc. leisten, als die Flugpreise etc. noch "normal" waren. Also was soll der Billigirrsinn?
Es bedarf ein Gesetz zur Sicherung der Resourcen. So ein Gesetz könnte zum Beispiel festlegen, dass kein Produkt unter 70% der Herstellungskosten verkauft werden darf. Das wären vermutlich bei einem innerdeutschen Flug wenigstens 50 Euro plus Steuern. Bei einem Europäischen wenigstens 90 Euro plus Steuern. Würden dann mehr Sessel leer bleiben? ich glaube kaum; vielmehr denke ich würde ein Großteil der Plätze zu diesem Preis verkauft werden und es gäbe eine Kettenreaktion von Veränderungen im Denken sowohl von Anbieter als auch von Konsument.

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gammoncrack 26.07.2018, 10:56
68. Kleiner Scherz von Ihnen?

Zitat von womo88
Mir ist auch nach 35 Jahren Arbeit keine Firma bekannt, die die Verpflegung stellt. Entweder man bringt sich selbst etwas mit oder geht, wenn vorhanden, in die Kantine und zahlt, u. U. auch mit einem Zuschuss der Firma.
Dann bringen Sie doch einmal, egal ob als Pilot oder Flugbegleiter(innen) Ihre Getränke durch die Sicherheitskontrolle.

Und wenn Sie jemals außendienstlich tätig waren, erhielten Sie vermutlich eine Verpflegungskostenzuschuss bis zu 24.- Euro pro Tag. Zahlt Ryanair ganz sicher nicht - und eine Kantine im Flugzeug habe ich bei denen auch noch nicht gesehen.

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Zita 26.07.2018, 10:59
69.

Wunderbare Kommentare, da wundert mich nix mehr. Keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, dafür aber Kontrolle, ob wirklich krank, keine geregelten Arbeitszeiten, keine bezahlten Überstunden, dafür selbst zu zahlende Ausbildung, abrupte Versetzungen möglich etc. pp. Und Was macht der geneigte Forist daraus: "Soll die Klappe halten, soll doch froh sein, überhaupt was zu arbeiten und Essen gibt's sowieso nie! Und es wird ja keiner gezwungen."
So viel Empathie, so viel über den eigenen Tellerrand hinaus schauen, wie wunderbar.


Ganz große Klasse auch das Argument, ohne solche Ausbeutung kann man sich ja keinen Urlaub mehr leisten und ökologischen Urlaub sowieso nicht. Exakt, das sind natürlich die Ryanair-Fluggäste, arme, deutsche Familien, die sich den Billigflug vom Mund absparen und sonst in Balkonien blieben. Ach, Moment, da schreibt jemand, er fliegt 2-3 Mal pro Jahr, huch, da kommt dieses Bild der armen Familie, die sich sonst nix leisten kann, dann aber doch etwas ins Wanken. Und wo im Grundgesetz steht noch mal, dass man ein Anrecht auf billigen Urlaub mehrfach im Jahr hat? Aber egal, das Recht des Deutschen auf Billigflüge wiegt auf jeden Fall schwere als das Recht irgendeiner Osteuropäerin auf Krankengeld. Wie gesagt, ganz wunderbare Kommentare hier.

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