Forum: Karriere
Schöne neue Jobwelt: Mit der Freiheit kommen die Überstunden
Corbis

Job-Sharing, Home Office, Gleitzeit: Unternehmen locken Mitarbeiter mit flexiblen Arbeitszeitmodellen. Das klingt entspannt, führt aber oft zu noch mehr Druck mit überlangen Tagen - zu Stress durch (Selbst-)Ausbeutung.

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In Vino Veritas 29.08.2015, 12:33
20. Sowas

Zitat von maria3333
Lehrer arbeiten schon immer so und denen wird vorgeworfen, faul zu sein und "nachmittags frei" zu haben. Erst wenn es andere Berufsgruppen auch trifft, fällt auf einmal auf, dass es gar nicht mal so ein Segen ist, von zu Hause aus arbeiten zu müssen und dass das häufig dazu führt, dass man abends und am Wochenende arbeitet und nie das Gefühl hat, Feierabend zu haben. Wirklich komisch, dass keiner anderen Berufsgruppe vorgeworfen wird, sich bei Home Office einen faulen Lenz zu machen, nur den Lehrern.
einer meiner Lehrer sass jeden Tag ab 13 Uhr zeitungslesend im Cafe oder auf seiner Veranda, der hat sich sicherlich fortgebildet bzw. gearbeitet.

Der Unterschied zu freien Wirtschaft ist, dass am Ende etwas rauskommen muss, wie sich das einteilen ist völlig egal, aber wenn sie es nicht hinbekommen, dann hat das Konsequenzen. Anders wie bei Lehrern.

Aber was erzählt man das Leuten, die nur Uni und Schule kennen? Hoffnungslos.

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kandana 29.08.2015, 12:35
21. Nicht jeder ist dafür geschaffen

Weil das Beispiel Lehrer angesprochen wurde. Hier in Dänemark hat man im Zuge der Schulreform letztes Jahr die Lehrer verpflichtet, auch ihre Vorbereitungen/Nacharbeit usw. an der Schule zu machen.
Obwohl es da großen Widerstand aus der Lehrergewerkschaft gab, wurde das durchgesetzt und als Mitglied des Schulvorstandes bin ich der Meinung, dass es zum Vorteil ist. Manche haben sich überarbeitet, waren dann mit Stress/ Burnout krankgeschrieben und andere haben es sehr, sehr entspannt angehen lassen. Beides war nicht hilfreich. Nur wenige haben eine vernünftige Balance gefunden. Ich persönlich neige auch eher zur Selbstausnutzung. Es ist so einfach, noch einmal schnell ein paar Mails zu schicken oder Bestände zu kontrollieren. Zeit, die man meint, am nächsten Tag einsparen zu können, was dann neue Aufgaben unmöglich machen. Daher arbeite ich auch an einer eher strikten Trennung von Job und privat.

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miss-naekkelstone 29.08.2015, 12:47
22. home office pro und contra

Ich arbeite seit 16 Jahren fast ausschließlich zu Hause. Meine Firma ist uber 200 Kilometer entfernt. Man muss tatsächlich aufpassen, dass man nicht vereinsamt, weil die kleinen Begegnungen wegfallen. Auch wenn ich oft mit den Kollegen telefoniere, ist das etwas anderes. Inzwischen ist es aber für mich normal geworden und ich vermisse die Staus in NRW nicht. Wichtig ist ein fester Arbeitsplatz, an dem nichts anderes gemacht wird. Ausserdem mache ich mich jeden morgen so fertig, als würde ich aus dem Haus gehen, also kein Jogginganzug. Würde ich vor die Wahl gestellt, entweder am Wohnort ins Büro zu fahren oder zu Hause zu arbeiten, würde ich ins Büro fahren. Zum Glück habe ich nette Kollegen!

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JaIchBinEs 29.08.2015, 13:19
23. Flexible Trennung Arbeit/Freizeit

Zitat von klaus meucht
Die Freiheit die Arbeit zu Hause erledigen zu können, führt häufig zu dem Druck die Arbeit in der Freizeit zu erledigen.
Das hat auch Vorteile.
So kann ich mich antizyklisch zu den „Menschenwellen“ verhalten und Stress durch „Freizeit-Staus“ vermeiden, den ich gar nicht mag.
An einem Wochentag, wenn sich die Mehrheit im Büro/Fabrik/Klinik befindet, kann ich entspannt Museum, Natur u.a. genießen und arbeite manchmal genau dann, wenn sich die anderen um den letzten Platz zum Parken, am Restaurant, See usw. streiten.
Der Stundennachweis für meinen Auftraggeber benötigt allerdings etwas Kreativität, aber unter dem Strich braucht es nur zu stimmen.

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big t 29.08.2015, 14:31
24.

Von Zuhause arbeitet man nicht mehr, sondern anders.Man kann sich selber organisieren. Es gibt doch nicht schlimmeres als diese ewigen Uhrgucker, die ja pünktlich anfangen wollen, aber dann mitten im kreativen Prozess rufen "Feierabend" und alles stehen und liegen lassen. Lieber morgens eine Stunde später anfangen, dann kreativ bis 22 Uhr durchziehen und dafür dann die nächsten 2 Tage nur von 10-13 Uhr arbeiten.

Wenn das endlich gelernt wird, kommen wir weiter. Nicht die Atombombe ist die schlimmste Erfindung, sondern die minutengenaue Uhr und das Diktat unter diese.

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dlmb 29.08.2015, 14:36
25. Home Office ist tot?

Ja, nur für altertümliche Unternehmen, in denen die Angst vor Kontrollverlust umgeht, die ihre Mitarbeiter für unfähig halten, sich selbst zu organisieren.
Und dann hocken die Leute dann eben wie vor 50 Jahren am Schreibtisch vor ihrem Computer in einem nicht klimatisierten und engen Büro und machen Dinge, die sie von überall aus in der Welt genauso gut machen könnten.
Nur dann daheim ohne dauernde Störungen, weil es ja so einfach ist, bei jedem kleinen Kram zum Kollegen zu laufen oder anzurufen.

Home Office bedeutet auch nicht, dass man ausschließlich daheim arbeitet. Aber wenn man zu Zeiten von Skype und Co. die technischen Mittel sinnvoll nutzen würde, würden Anwesenheiten im Büro deutlich seltener notwendig werden.

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Powerplay 29.08.2015, 14:54
26. Typisch

Viele Kommentare spiegeln die Mentalität der deutschen Gesellschaft wider: Pessimismus, Neid und Undifferenziertheit.Meine Frau unterrichtet an einem Gymnasium mit 150 Lehrkräften.Die meisten - gerade jüngeren Lehrer - betrachten ihre Aufgabe als Berufung und arbeiten teils Wochenenden durch um den Schülern guten Unterricht bieten zu können.Die hier beschriebene "Korrekturarbeit so nebenbei" kann in Nachtschichten enden, insbesondere wenn der Lehrer Sprachen unterrichtet. Ich halte den Beruf des Lehrers als einen der wichtigsten Berufe überhaupt.Wer die Bildung unserer Kinder nicht als eines der wichtigsten Themen ansieht, dem ist ohnehin nicht zu helfen.Im übrigen haben wir freie Berufswahl: Jeder hätte Lehrer werden können.Das Problem ist ein ganz anderes: Über 80% der Arbeitnehmer haben innerlich gekündigt und nun frustriert über ihr Leben im Hamsterrad und über andere Berufe.Deshalb plädiere ich schon seit Jahren, dass Persönlichkeitsentwicklung in die Schule gehört.Viel mehr Menschen sollten das Privileg haben ihrer Leidenschaft nachzugehen und damit ihren Träumen und Visionen.

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nymousano 29.08.2015, 15:34
27.

In meinem engeren Bekanntenkreis befinden sich fünf Lehrer (junge und alte) und durch die Bank sind diese sich einig, dass sie den Beruf hauptsächlich wegen der geringen Arbeitszeit und dem relativ guten Gehalt gewählt haben. In der Regel wird Sonntags innerhalb 3-4 Stunden der Unterricht für die Woche vorbereitet, mehr wird da nicht gemacht. Das ist aber auch völlig in Ordnung, denn das Problem rührt nicht von den Lehrern her, sondern vom System: Wenn mein Input (Leistung) keinerlei Einluss auf meinen Output (Gehalt, Verantwortung) hat, werde ich natürlich meinen Input soweit wie möglich minimieren. Das ist strikt rationales Verhalten. Und die Junglehrer, die sich am Anfang ins Zeug legen, sehen das nach spätestens 2-3 Jahren auch nicht mehr ein, wenn sie ihre Kollegen beobachten. Dementsprechen zieht der Lehrerberuf aber auch eine Klientel von wenig leistungsbereiten Personen an... da diese natürlich einen Beruf anstreben, in welchem der Input weitestgehend vom Output entkoppelt ist.

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nymousano 29.08.2015, 15:37
28.

In meinem engeren Bekanntenkreis befinden sich fünf Lehrer (junge und alte) und durch die Bank sind diese sich einig, dass sie den Beruf hauptsächlich wegen der geringen Arbeitszeit und dem relativ guten Gehalt gewählt haben. In der Regel wird Sonntags innerhalb 3-4 Stunden der Unterricht für die Woche vorbereitet, mehr wird da nicht gemacht. Das ist aber auch völlig in Ordnung, denn das Problem rührt nicht von den Lehrern her, sondern vom System: Wenn mein Input (Leistung) keinerlei Einluss auf meinen Output (Gehalt, Verantwortung) hat, werde ich natürlich meinen Input soweit wie möglich minimieren. Das ist strikt rationales Verhalten. Und die Junglehrer, die sich am Anfang ins Zeug legen, sehen das nach spätestens 2-3 Jahren auch nicht mehr ein, wenn sie ihre Kollegen beobachten. Dementsprechen zieht der Lehrerberuf aber auch eine Klientel von wenig leistungsbereiten Personen an... da diese natürlich einen Beruf anstreben, in welchem der Input weitestgehend vom Output entkoppelt ist.

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nymousano 29.08.2015, 15:41
29.

Zitat von Powerplay
Viele Kommentare spiegeln die Mentalität der deutschen Gesellschaft wider: Pessimismus, Neid und Undifferenziertheit.Meine Frau unterrichtet an einem Gymnasium mit 150 Lehrkräften.Die meisten - gerade jüngeren Lehrer - betrachten ihre Aufgabe als Berufung und arbeiten teils Wochenenden durch um den Schülern guten Unterricht bieten zu können.Die hier beschriebene "Korrekturarbeit so nebenbei" kann in Nachtschichten enden, insbesondere wenn der Lehrer Sprachen unterrichtet. Ich halte den Beruf des Lehrers als einen der wichtigsten Berufe überhaupt.Wer die Bildung unserer Kinder nicht als eines der wichtigsten Themen ansieht, dem ist ohnehin nicht zu helfen.Im übrigen haben wir freie Berufswahl: Jeder hätte Lehrer werden können.Das Problem ist ein ganz anderes: Über 80% der Arbeitnehmer haben innerlich gekündigt und nun frustriert über ihr Leben im Hamsterrad und über andere Berufe.Deshalb plädiere ich schon seit Jahren, dass Persönlichkeitsentwicklung in die Schule gehört.Viel mehr Menschen sollten das Privileg haben ihrer Leidenschaft nachzugehen und damit ihren Träumen und Visionen.
Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Junglehrer, Nachtschichten etc.: Ich kennen niemanden, der viel arbeitet, Nachtschichten macht etc. und dies an die große Glocke hängt. Wenn jemand von angeblichen Nachtschichten erzählt, so ist das in 99,9 % der Fälle eine Rechtfertigshaltung. Die Person weiß genau, dass sie unterdurchschnittlich viel leistet und versucht dies dann durch solches Gerede vor sicht selbst zu rechtfertigen.

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