Forum: Karriere
Schräge Stellenanzeige: "Sie erwarten nichts? Bewerben Sie sich bei uns!"
DPA

"Wir suchen eine eierlegende Wollmilchsau, bieten Überstunden und schmales Gehalt" - mit dieser entwaffnenden Annonce sucht ein Pflegedienst Personal. Fürchtet der Chef nicht, Bewerber abzuschrecken?

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Sibylle1969 16.01.2015, 16:37
1. ich habe mal gelesen,...

...warum der Beruf des Altenpflegers/der Altenpflegerin so schlecht bezahlt ist. Früher wurde nämlich die Altenpflege unentgeltlich von Ordensschwestern erbracht, die in ihrer Gemeinde tätig waren. Als es dann immer weniger Ordensschwestern gab, musste die Arbeit notgedrungen bezahlt werden, aber es war niemand so richtig bereit, den Job angemessen zu bezahlen. Von einer Bekannten, die mal bei einem mobilen Altenpflegedienst gearbeitet hat, weiß ich, dass das ein ziemlich harter Job ist: schlecht bezahlt, 12 Tage arbeiten am Stück (Mo-Fr, dann das Wochenende, nochmal Mo-Fr) und dann erst ein freies Wochenende. Dazu waren Doppelschichten nicht selten, denn die Frühschichtmitarbeiter mussten Doppelschichten machen, wenn jemand aus der Spätschicht krank war, was öfters vorkam. Gut verständlich, wenn das niemand lange durchhält. Die Bekannte hat es wenige Monate durchgehalten und sich dann einen anderen Job gesucht.

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jamesbrand 16.01.2015, 16:43
2. super

endlich mal eine ehrliche Stellenanzeige, in Deutschland wird nur so eine neue Stelle ausgeschrieben aber der Text ist immer total verlogen. Es fehlt noch " und nach 50 Jahren hart arbeiten werden Sie in die Sozialhilfe Rente entlassen"

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ykarsunke 16.01.2015, 16:51
3. dem unternehmen viel glück

dem unternehmen wünsche ich viel glück. die unhaltbare situation auf dem pflegemarkt wenigstens noch mit sarkasmus zu nehmen, zeugt schon von einem belastbaren sinn für humor.

aber es soll ja leute geben, die demonstrieren eifrig gegen zuwanderung...

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meckeronkel 16.01.2015, 23:27
4.

"ich habe mal gelesen,...warum der Beruf des Altenpflegers/der Altenpflegerin so schlecht bezahlt ist. Früher wurde nämlich die Altenpflege unentgeltlich von Ordensschwestern erbracht,[...]"

Noch maßgeblicher dürfte eine Rolle spielen, dass früher Zivildienstleistende in diesem Bereich arbeiteten und dass diese plötzliche Lücke bis heute nicht so einfach geschlossen werden konnte.
Warum führt man nicht analog wieder ein soziales Jahr für alle ein (Ausnahme: wer zur Bundeswehr geht) und rechnet die geleistete Dienststunden für eine spätere eigene Pflege an.

Oder sogar universeller wie in Japan:
Jeder kann unentgeltlich in der Altenbetreuung arbeiten und bekommt die geleistete Arbeit als Guthaben für eine spätere eigene Pflege vom Staat garantiert gutgeschrieben - wahlweise kann er diese Stunden auch für eigene Angehörige "ausgeben".

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bernard_bs 17.01.2015, 00:42
5. erst der Anfang

Das Hauen und Stechen um die finanziellen Ressourcen hat noch nicht einmal begonnen! Die zukünftige Altersstruktur birgt ein erhebliches Konfliktpotential. Zum einen werden weniger Menschen Beiträge in die Pflegeversicherung einzahlen, jedoch durch die steigende Lebenserwartung mit kostensteiegernden Begleiterkrankungen - vor allem Demenz - ein wachsender Personenkreis Leistungsansprüche stellen.
Zum anderen werden sich die zukünftigen Senioren - zu Recht - fragen, weshalb der Eingliederungshilfe nach SGB XII im Vergleich zum SGB XI eine erheblich bessere finanzielle Ausstattung gewährt wird um behinderungsbedingte Nachteile ausgleichen oder reduzieren zu können!
Wer nach 35 - 40 Jahren Erwerbsleben aufgrund seiner reduzierten Fähigkeiten sein Doppelzimmer im "satt & sauber"-Pflegeheim bezieht, wird sich sehr schnell die Frage stellen, warum bei ihm der Erhalt der vorhandenen Fähigkeiten weniger Wert ist, als bei Menschen, die körperlich, geistig oder psychisch behindert sind.

Ich habe viele Jahre in der Eingliederungshilfe gearbeitet und habe sehr erfolgreich behinderte Menschen dabei begleitet bzw. die Begleitung koordiniert um ihre Alltagskompetenz in sehr unterschiedlichen Bereichen zu erweitern. Am Anfang ist häufig der Aufwand/die Kosten höher, auf Dauer wird es für den Kostenträger aufgrund der erworbenen Fähigkeiten billiger. Meine Befürchtung ist bei der angeführten Schilderung, dass es in der nächsten Legislaturperiode eine Angleichung nach unten geben wird. Eine Absenkung der Leistungen der Eingliederungshilfe Schritt für Schritt auf das Niveau der Pflegeversicherung.

Pflege hat eine Wertschätzung wie Resterampe. Es ist ein Markt, der bezahlt werden muss. Es ist kein Markt, der im Koste-Nutzen-Rechnen Überschüsse bzw. ein gesamtwirtschaftliches Plus ergibt. Die wachsende Grösse des Marktes bedingt nicht die entspechende Würdigung - das "Problem" wird grösser und damit teurer.

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Wirbelwind 17.01.2015, 08:10
6.

Zitat von jamesbrand
endlich mal eine ehrliche Stellenanzeige, in Deutschland wird nur so eine neue Stelle ausgeschrieben aber der Text ist immer total verlogen.
Ich lach mich auch jedesmal tot, wenn ich im Schaufenster eines Lebensmitteldiscounters eine Stellenanzeige sehe, in der das gutes Arbeitsklima angepriesen wird. Diese verlogene Gesellschaft schreckt wirklich vor keiner noch so offensichtlichen Lüge zurück. Alles was zählt, ist der Schein.

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established 17.01.2015, 08:47
7.

Ein gutes Beispiel für unsere misslungene Zuwanderungs-Politik: Immer mehr Wirtschaftsflüchtlinge klauen uns erst die gut bezahlten Arbeitsplätze und dann teilen sie sich die immer weniger werdenden Alten unter sich auf...! Deutschland, mach deine Grenzen dicht!

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glorieux 17.01.2015, 08:58
8. Satire oder reales Leben?

Ich habe gerade eben von den 100 Mio Jahresgehalt eines Herrn Wiedeking, Wendelin gelesen. Es zeigt sich recht deutlich wie verkommen dieses System ist. Wir haben ja gerade auch gelernt, dass bei Satire alles erlaubt ist. Ist das hier jetzt noch real life in unserem System? Das sind leider harte Fakten, marktgerechte Demokratie halt.

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Qwert1133 17.01.2015, 09:54
9.

Ich habe selbst 3 Monate in der Krankenpflege verbracht und muss sagen dass das der schlimmste Part im Medizinstudium darstellt... Habe dort viel über den Beruf mitbekommen und würde jedem abraten unter diesen Bedingungen einen Job anzufangen! Dann noch lieber bei Aldi&Co arbeiten!

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