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Sicherheitstraining: Bahn lässt Shinkansen im Tunnel an Mitarbeitern vorbeirasen
DPA

Mitarbeiter eines japanischen Bahnbetreibers beschweren sich über ein Sicherheitstraining in Tunneln für Hochgeschwindigkeitszüge. Es sei wie "öffentliches Auspeitschen".

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naklar261 27.08.2018, 15:39
1. Kein Bahnexperte aber...

Solange vernünftige Sicherheitsregeln eingehalten werden hört sich das nach einem zweckmäßigen Training an. Wem sowas nicht gefällt bzw. nicht damit zurecht kommt in der Nähe von solchen Zügen zu arbeiten sollte vielleicht noch mal in sich gehen und eine detaillierte Selbstreflektion machen. Gerne auch im Gesprächskreis mit Schweigekerze.

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sven2016 27.08.2018, 15:53
2.

Es erschließt sich mir aus dem Artikel nicht, welche Qualifikation man dadurch erwirbt, dass man im Tunnel zu dicht an einem vorbeirasenden Zug steht oder welche Schadenssituationen dies simuliert.

Ein Wertung fällt insofern schwer.

Man hofft ja immer, dass sich jemand etwas Sinnvolles dabei gedacht hat.

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chronoc 27.08.2018, 16:06
3. Wenn...

es umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen gibt und die Mitarbeiter über diese Maßnahme vorab unterrichtet werden, empfinde ich es nicht als unmenschlich. Es mag hart sein, aber es kann sicherlich zu einer Schärfung der Sinne kommen und Betriebsmüdigkeit entgegenwirken. Bei derartigen Hochgeschwindigkeitszügen kann jeder Fehler zu einer Katastrophe führen. Allerdings sollten auch Führungskräfte an der Maßnahme teilnehmen.

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burlei 27.08.2018, 16:09
4. Absolut unverantwortlich!

Jetzt muss ich voraus schicken, dass ich 50 Jahre bei der Bahn gearbeitet habe, also eigentlich voreingenommen bin. Alle zwei Jahre wurde uns bei den Schulungen gepredigt, wie wir uns im Gleisbereich zu verhalten hatten. Tunnel durften ohne Gleissperrungen gar nicht betreten werden. Der von den Zügen ausgelöste Sog selbst auf Strecken mit einer HG unter 160 Km/h ist lebensgefährlich. Ohne festen Halt, ohne Schutzbauten (keine "Nischen"!) ist die Chance, nicht vom Sog erfasst zu werden enorm gering. Ich gehe jetzt davon aus, dass diese Mitarbeiter der japanischen Bahn sich in solchen Schutzbauten befanden, auch wenn es der Artikel nicht preis gibt. Trotzdem, völlig unverantwortlich. Ich hoffe nur, dass diese Manager, die solchen "Selbstversuch" angeordnet haben, das einmal selber versuchen dürfen.

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hyperlord 27.08.2018, 16:13
5.

Zitat von sven2016
Es erschließt sich mir aus dem Artikel nicht, welche Qualifikation man dadurch erwirbt, dass man im Tunnel zu dicht an einem vorbeirasenden Zug steht oder welche Schadenssituationen dies simuliert. Ein Wertung fällt insofern schwer. Man hofft ja immer, dass sich jemand etwas Sinnvolles dabei gedacht hat.
Steht doch direkt am Anfang des Artikel:
"Damit die Mitarbeiter, die für die Wartung der Züge zuständig sind, ein Gefühl für die Geschwindigkeit und die damit verbundenen hohen Sicherheitsanforderungen bekommen"

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Hamberliner 27.08.2018, 16:17
6. je nachdem

Man kann es auch entgegengesetzt empfinden, das ist auf eine kippelige, instabile Weise ganz von den Rahmenbedingungen abhängig. Ich habe einmal im Autozug Hamburg-Lörrach wirklich himmlisch, paradiesisch geschlafen, weil ich in meinem Schlafwagenabteil, das ich für mich alleine hatte, das Fenster offen hatte. Es donnert, es wummert, vorne zieht mich ein bullerndes Kraftpaket ans Ziel meiner Träume, und immer wenn ein ICE entgegen kommt beginnt das mit einem peitschenden Geräusch, und danach rauscht es so oft wie der ICE Waggons hat. Der Grund meines Wohlbefindens: tiefes, unerschütterliches Vertrauen in die Technik und in die Menschen, die sie warten. Draußen ist die Hölle los, und ich kuschele mich geborgen unter meine Bettdecke. Wobei ich nicht weiß, ob die Relativgeschwindigkeit zwischen einem Autozug und einem ICE der Absolutgeschwindigkeit eines Shinkanseng entspricht.

Im übrigen halte ich solche Ausbildungsmethoden einer Hightech-Nation, einer Ingenieursnation wie Japan unwürdig. Wer mit Technik zu tun hat soll nicht lernen, sich vor der Technik zu fürchten, sondern sachlich und souverän die Technik zu beherrschen.

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Mehrleser 27.08.2018, 18:11
7.

Muss man wohl im Kontext der japanischen Kultur bewerten. In der verlinkten englischsprachigen Zeitung ist auch ein Bericht zu finden über einen "ernsthaften Zwischenfall", bei dem es 3 Stunden gedauert hat, bis ein Zug aufgrund einer Meldung über einen seltsamen Geruch inspiziert wurde - diese Verzögerung führt nun zu einer Untersuchung des Vorgangs durch die Aufsichtsbehörde. Das ist ein extrem hohes Sicherheitsniveau, nicht mit dem Betrieb in Deutschland zu vergleichen. Stellt natürlich andere Ansprüche an Technik und Mannschaft.

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metastabil 27.08.2018, 18:39
8.

Zitat von naklar261
Solange vernünftige Sicherheitsregeln eingehalten werden hört sich das nach einem zweckmäßigen Training an. Wem sowas nicht gefällt bzw. nicht damit zurecht kommt in der Nähe von solchen Zügen zu arbeiten sollte vielleicht noch mal in sich gehen und eine detaillierte Selbstreflektion machen. Gerne auch im Gesprächskreis mit Schweigekerze.
Die Züge, an denen die Wartungstechniker arbeiten, stehen allerdings im Depot und bewegen sich nicht. Im Depot fahren die Züge generell nicht mit 300 km/h umher. Es besteht also keine Notwendigkeit, den Wartungstechnikern die Fähigkeit zu vermitteln, in nächster Nähe zu mit 300 km/h fahrenden Zügen zu arbeiten.
Das Training soll den Technikern einen Eindruck von der von den Zügen gefahrenen Geschwindigkeit vermitteln und ihnen verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass sie sorgfältig arbeiten. Dies zu vermitteln ist zwar durchaus sinnvoll, dazu aber die Techniker dazu zu zwingen, sich in einen etwa einen Meter tiefen Graben zwischen zwei mit 300 km/h befahrenen Gleisen zu kauern, das ist schlichtweg unverhältnismäßig. Die Verletzungsgefahr in einem mit 300 km/h befahrenden Tunnel ist enorm, einerseits durch möglicherweise mitgerissene Objekte, andererseits durch die teilweise enormen Druckwellen während der Vorbeifahrt. Selbstreflektieren sie doch einfach selbst einmal darüber, ob sie ohne zwingenden Grund an einem ihre Gesundheit gefährdendem Training teilnehmen wollen würden?

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DorianH 27.08.2018, 18:54
9.

Zitat von Hamberliner
Im übrigen halte ich solche Ausbildungsmethoden einer Hightech-Nation, einer Ingenieursnation wie Japan unwürdig. Wer mit Technik zu tun hat soll nicht lernen, sich vor der Technik zu fürchten, sondern sachlich und souverän die Technik zu beherrschen.
Das hat doch nichts mit Furcht vor der Technik zu tun, sondern eher damit, selbst zu spüren und damit auch einzuschätzen, was ein solches Tempo bei einem Zug bedeutet.
Und ihm dann mit dem gebotenen Respekt zu begegnen.
Denn das erhöht dann auch die eigene Sicherheit.
Das kann keine noch so gute Theorie bieten.

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