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So geht Bluffen: "Schwindler enttarnen? Höchstens eine Fitfty-Fifty-Chance"
Corbis

Vermeidet ein Lügner wirklich den Augenkontakt? Oder schwitzen die Hände des Gegenübers bloß, weil er nervös ist? Günter Köhnken prüft die Wahrheitsliebe von Zeugen. Im Interview erklärt er, warum er Jörg Kachelmann Glauben schenkte.

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noalk 27.11.2014, 22:29
1. aufschlussreich

Allerdings frage ich mich, warum der BGH seinerzeit die Eignung eines Polygraphtestes verneint hat, weil ein solcher nur eine Trefferquote von 98% hat. Ich bezweifle, dass Herr Köhnken diesen Wert übertrifft, geschweige denn erreicht.

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nick999 28.11.2014, 23:01
2. selbst passiert

ich habe es einmal erlebt, das jemand vor 25 Zuhörern ein komplett falsches Bild über sich abgegeben hat. Es klang glaubwürdig. Als ich es zufällig feststellte, hieß es plötzlich leise: "Psst, das ist mein Avatar". D.h. Es gibt Menschen, die eine Scheinwelt vorspielen. Für die ist es keine Lüge, die bekommt man mit keinen Psychotricks gestellt.

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les2005 28.11.2014, 12:54
3.

Zitat von noalk
Allerdings frage ich mich, warum der BGH seinerzeit die Eignung eines Polygraphtestes verneint hat, weil ein solcher nur eine Trefferquote von 98% hat. Ich bezweifle, dass Herr Köhnken diesen Wert übertrifft, geschweige denn erreicht.
Keine Ahnung ob das mit den 98% stimmt, aber ich denke es ging um die Zulassung als BEWEISMITTEL. Mit anderen Worten, das Ergebnis des Polygraphentests würde als hinreichender Beweis gewürdigt. Wenn ein Sachverständiger dagegen, wie hier geschildert, ein Gutachten abgibt, wird dies vom Gericht nicht als Beweis angesehen, sondern vom Gericht selbst hinsichtlich Aussagekraft eingestuft. So zumindest die Theorie...

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colr 28.11.2014, 12:54
4. Erstaunlich und bitter

finde ich, dass sich immer noch nicht herumgesprochen hat, dass es im Zuge einer Traumatisierung durchaus so sein kann, dass Details nicht mehr klar, teilweise sogar falsch (in ihrer Zusammensetzung) oder gar nicht erinnert werden können. Die Informationsverarbeitung funktioniert während und nach einer Traumatisierung einfach anders. Das macht es Gerichten schwer, das ist klar! Aber auch den Opfern. Ich finde es an der Stelle nur einfach eine Frechheit, dass aufgrund dieser Dinge immer gleich der Schluss gezogen wird, dass eine Aussage falsch sein müsste, ohne dem Rechnung zu tragen was Traumatisierung verursachen kann. Besonders auch dann verursachen kann, wenn es vielleicht (was ja auch denkbar wäre) nicht die erste Traumatisierung dieser Art war.

Es ist nicht leicht, an der Stelle Richter oder Gutachter zu sein. Aber es ist auch verdammt schwer, an der Stelle Opfer und Zeuge zu sein.

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Join_Me 28.11.2014, 12:55
5.

Zitat von noalk
Allerdings frage ich mich, warum der BGH seinerzeit die Eignung eines Polygraphtestes verneint hat, weil ein solcher nur eine Trefferquote von 98% hat. Ich bezweifle, dass Herr Köhnken diesen Wert übertrifft, geschweige denn erreicht.
„Der Polygraph bezweckt mithin, vom Beschuldigten mehr und andere „Aussagen“ als beim üblichen Verhör zu erlangen, darunter solche, die er unwillkürlich macht und ohne das Gerät gar nicht machen kann. Neben der bewußten und gewollten Antwort auf die Fragen „antwortet“, ohne daß der Beschuldigte es hindern kann, auch das Unbewußte. Ein solcher Einblick in die Seele des Beschuldigten und ihre unbewußten Regungen verletzt die Freiheit der Willensentschließung und -betätigung (§ 136a StPO) und ist im Strafverfahren unzulässig. Zur Erhaltung und Entwicklung der Persönlichkeit gehört ein lebensnotwendiger und unverzichtbarer seelischer Eigenraum, der auch im Strafverfahren unangetastet bleiben muß.“

– Urteil vom 16. Februar 1954, 1 StR 578/53 BGHSt 5, 332, 335[7]

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nettes Gespräch 28.11.2014, 12:56
6.

Zitat von noalk
Allerdings frage ich mich, warum der BGH seinerzeit die Eignung eines Polygraphtestes verneint hat, weil ein solcher nur eine Trefferquote von 98% hat. Ich bezweifle, dass Herr Köhnken diesen Wert übertrifft, geschweige denn erreicht.
Da haben Sie das Urteil falsch gelesen, ich zitiere:

"Anderes ergibt sich auch nicht aus den Berichten über hohe "Trefferquoten" (bis zu 98,5 %) bei der Durchführung von Studien. In der Wissenschaft besteht weitgehend Einigkeit, daß sich die in experimentellen Untersuchungen (Labor- und Analogstudien) erzielten Ergebnisse von vornherein nicht auf die gerichtliche Praxis übertragen lassen, weil die Testbedingungen der Wirklichkeit eben nicht entsprechen. Dagegen sind in Feldstudien, d.h. bei Untersuchungen anhand "echter" Kriminalfälle gewonnene Ergebnisse deshalb ohne jeglichen Beweiswert, weil es keinen Maßstab gibt, ihre Richtigkeit zu überprüfen. Es treten weitere Einwände hinzu: Die mitgeteilten Richtigkeitswerte sind Folgen der Verzerrung des statistischen Fallmaterials und daher statistisch wertlos. Aus den - ohnehin falschen - "Trefferquoten" der Untersuchungen kann kein Schluß auf die Beweislage im konkreten Einzelfall gezogen werden. "

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kdshp 28.11.2014, 13:03
7.

Köhnken: Uns machte stutzig, dass die ansonsten sehr wortgewandte Klägerin den eigentlichen Tathergang im Vergleich zu anderen Dingen nur sehr dürftig beschreiben konnte. In den meisten ausgedachten Geschichten fehlen die Details. Deshalb zweifelten wir an der Glaubwürdigkeit der Aussage.
(aús dem artikel)

Jo! Im TV war eine doku über gewaltverbrechen drin UND dort haben gutachter die für die polizei arbeiten gesagt das gerade gewaltopfer die tat verdröängen und sich oft an details nicht mehr erinnern können. Es könnte also auch ein hinweis sein DAS sie die wahrheit gesagt hat.

In einer anderen doku TV ging es ums lügen UND dort kam raus das wir beim lügen IMMER ein körperliches zeichen geben und das meistens im gesicht. Das können auch nur ganz wenige konntrollieren also dann wirklich lügen ohne das man es sieht. Dort war eine eine expertin der körpersprache die könnte von 100 lügen am gesicht 93 erkennen. Man hat das mit studenten ausprobiert die lügen mußten.

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priexo 28.11.2014, 13:11
8. Interessant!

Die 50:50-Quote aufgrund von äußeren Signalen ist interessant! Sich von dieser Erkenntnis freizumachen dürfte allerdings den meisten Menschen inkl. vielen Profis äußerst schwerfallen. Als Lernerkenntnis bleibt: glaube nichts, was Du nicht anhand der Fakten überprüfen kannst!

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kdshp 28.11.2014, 13:14
9.

Köhnken: Uns machte stutzig, dass die ansonsten sehr wortgewandte Klägerin den eigentlichen Tathergang im Vergleich zu anderen Dingen nur sehr dürftig beschreiben konnte. In den meisten ausgedachten Geschichten fehlen die Details. Deshalb zweifelten wir an der Glaubwürdigkeit der Aussage.
(aús dem artikel)

Jo! Im TV war eine doku über gewaltverbrechen drin UND dort haben gutachter die für die polizei arbeiten gesagt das gerade gewaltopfer die tat verdröängen und sich oft an details nicht mehr erinnern können. Es könnte also auch ein hinweis sein DAS sie die wahrheit gesagt hat.

In einer anderen doku TV ging es ums lügen UND dort kam raus das wir beim lügen IMMER ein körperliches zeichen geben und das meistens im gesicht. Das können auch nur ganz wenige konntrollieren also dann wirklich lügen ohne das man es sieht. Dort war eine eine expertin der körpersprache die könnte von 100 lügen am gesicht 93 erkennen. Man hat das mit studenten ausprobiert die lügen mußten.

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