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Sozialauswahl: Wie Chefs unrechtmäßig kündigen
Corbis

In Bayern bekommt eine Mutter von fünf Kindern eine Kündigung - betriebsbedingt. Dabei hätten vor ihr andere gekündigt werden müssen. Jetzt ist der Fall vor Gericht. Doch dort gewinnt meist der, der die besten Nerven hat.

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manfredkaese 10.11.2014, 15:38
1. auch die Arbeitsrichter

drängen meist mit Nachdruck auf einen Vergleich Kündigung gegen Abfindung; damit sparen sie sich Arbeit und dafür erhalten sie auf den internen Bewertungslisten Pluspunkte, zumindest in einigen Bundesländern. .Da muss man als Laie dann erst mal durch.

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kumi-ori 10.11.2014, 15:45
2. Halbes Monatsgehalt/Jahr ist zuwenig

Eigentlich braucht ein Arbeitnehmer einer betriebsbedingten Kündigung überhaupt nicht zuzustimmen. Dürfte schwierig in den meisten Fällen sein, diese Gründe nachzuweisen.

Ein halbes Monatsghalt/Jahr ist üblich in den Fällen, in denen der Entlassene nicht klagen möchte. Bei einer Klage ist weit mehr als ein ganzes Monatsgehalt üblich.

Der Weg durch die Instanzen: zwar sitzt der AG finanziell am längeren Hebel und kann durch langen Instanzenweg das Verfahren verteuern, aber er hat dabei immer das Risiko, dass die Kündigung letztinstantlich für unwirksam erklärt wird, und dass er dann das Gehalt für den ganzen Klagezeitraum (ca. 1,5 Jahre) das Gehalt nachzahlen muss, und dann noch mal von vorne ("Bitte, bitte, ...") mit einer verbesserten Abfindung und nochmal Kündigungsfrist in den Ring steigen darf. Deshalb wird er zwar erst dicke Backen machen, aber am Ende wird er auch 1,5 Gehälter/Jahr zahlen.

Nicht unterkriegen lassen, es wird Ihnen nicht gedankt!

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k1ck4ss 10.11.2014, 15:45
3. ist ja einfacher

"Elke Spanner (Jahrgang 1967) hat Jura studiert. Statt sich durch juristische Akten zu quälen, schreibt sie aber lieber als Journalistin über Recht, Arbeitswelt und Karriere."

= "statt sich zu quälen, wählte sie den leichteren Weg"

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bartholomew_simpson 10.11.2014, 15:53
4. Dumme Frage:

Gibt es in dieser Firma einen Betriebsrat? Diesem müsste der Arbeitgeber die Liste für die betriebsbedingt zu kündigenden Mitarbeiter vorlegen.

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gekreuzigt 10.11.2014, 15:56
5.

Ich habe den Eindruck, dass der juristischen Welt Unheil erspart blieb. Das kommt mit der Autorin über die Spon-Leser.

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mr.andersson 10.11.2014, 15:58
6.

Zitat von kumi-ori
[...] Der Weg durch die Instanzen: zwar sitzt der AG finanziell am längeren Hebel und kann durch langen Instanzenweg das Verfahren verteuern, aber er hat dabei immer das Risiko, dass die Kündigung letztinstantlich für unwirksam erklärt wird, und dass er dann das Gehalt für den ganzen Klagezeitraum (ca. 1,5 Jahre) das Gehalt nachzahlen muss, und dann noch mal von vorne ("Bitte, bitte, ...") mit einer verbesserten Abfindung und nochmal Kündigungsfrist in den Ring steigen darf. Deshalb wird er zwar erst dicke Backen machen, aber am Ende wird er auch 1,5 Gehälter/Jahr zahlen. [...]
Das hört sich in der Theorie schön an, aber die 1,5 Jahre müssen sie als Arbeitnehmer auch erstmal ohne Gehalt durchhalten.

Im Regelfall bewirbt man sich in der Zeit woanders und ist dann weg, denn die Rechnungen müssen ja bezahlt werden.

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der_c 10.11.2014, 16:04
7. Headcount reduzieren ist die übliche Praxis auch bei Übernahmen

Gerade wenn gespart werden soll oder muss, dann wird geschaut wer den alten und vor allem neuen hohen Herren nützlich scheint und wer nicht. Wenn man dann keinen Fürsprecher weit oben hat oder nicht für den richtigen Kunden zuständig war, fliegt man ungeordnet raus ohne Sozialplan. Besonders toll ist es den Kollegen gegenüber, denen gedroht wird bei Klagen und Nichtumsetzung des Headcount-Plans in die viel größerer Kündigungswelle rein zu rutschen. Das ist eine hole Drohung, nutzt aber häufig.

Abfindungsangebote werden sehr lange vage gelassen. So lange bis Leute schon einen anderen Arbeitsvertrag haben oder in letzter Minute vor dem Gerichtstermin schon wer anders zufällig freiwillig gegangen ist. In den Fällen wird dann zwischen Tür und Angel vor einem genehmen Zeugen die Kündigung zurückgenommen und man hat die Abfindung damit abzuschreiben. Das wirkt fast immer.

Die gewünschten Mitarbeiter werden gehalten und der Schutz unterlaufen. Auf den gesetzlichen Kündigungsschutz in kleineren Unternehmen, denen es nicht gut geht, würde ich nichts geben und eine Arbeitsrechtsschutzversicherung empfehlen. Ein Betriebsrat kann auch schützen, falls der nicht unterwandert ist, aber die Drohung den Laden zu schließen wenn der kurzfristig gegründet wird oder andere Mitarbeiter dagegen aufzuwiegeln, zieht leider auch.

Die Franzosen sind da weit schmerzbefreiter. Dort ist eine Lücke im Lebenslauf aufgrund von arbeitsrechtlichen Streitigkeiten mit den letzten Arbeitgeber aber auch nicht wie hier im Lande, also wie ein schlechtes Arbeitszeugnis.

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Freidenker10 10.11.2014, 16:17
8.

Naja, das Rechtsprinzip unseres Systems ist: Recht bekommt der der es sich leisten kann... Wer kein Geld hat gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen, ist der Depp in unserem Land! Also nichts wirklich neues...

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tims2212 10.11.2014, 16:22
9. Ein ganz anderer Punkt...

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der AG ebenfalls noch eine ganz andere Möglichkeit hat, den AN mürbe zu machen.
Während eines Arbeitsrechtsprozesses laufen die Ansprüche auf Gehalt voll weiter, ABER der AG darf das Gehalt stunden. Der AN sieht also während des Prozesses nix und wird langsam am langen Arm (des Gesetzes) verhungern.
Alles selbst erlebt. Und da hilft auch keine Gewerkschaft oder sonst was, da muss man Glück haben, wenn das Auskommen nicht soo hoch ist und man Eltern hat, die einen die Zeit über Wasser halten können.

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