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Ständiger Neuanfang als Leiharbeiter: "Keiner hat mir gesagt, wo die Toiletten sind"

Heute hier, morgen dort -*Leiharbeiter wechseln ständig den Betrieb, regelmäßiger Neustart ist für sie Alltag. Viele*Dauer-Debütanten leiden darunter: Sie müssen sich immer wieder beweisen, als vollwertige Kollegen kommen sie nie an.

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mwroer 21.11.2011, 16:47
150. Erwarte ich nicht ...

Zitat von Euron
Erwarten Sie hier bitte keine Ehrlichkeit. wird Ihnen negativ auf die Frage: "Und wie gefällt es Ihnen bei uns?" antworten. Schon gar nicht als Zeitarbeiter.Viele finden sich damit ab, haben Angst, innerlich sind sie aber fertig.
... aber nach knapp 15 Jahren als Firmeninhaber, der eng in Arbeitsprozesse eingebunden ist, entwickelt man schon ein gewisses Gespür für Menschen. Wobei 'nicht wohlfühlen' im Job ganz sicher kein Phänomen der Zeitarbeiter ist, dafür kenne ich zuviele Damen die seit 20 Jahren an der Kasse sitzen und Regale auffüllen und den Job inbrünstig hassen.

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maginot2 21.11.2011, 17:05
151. einige Leihkräfte

Zitat von winfield06
Was heißt "eigene Leihkräfte" hat er eine eigene Zeitarbeisfirma gegründet?
Also mein Arbeitgeber hat keine „eigenen Leihkräfte“, sondern lediglich „einige Leihkräfte“. Da haben sie sich etwas verlesen.
Aber richtig ist, dass es sich natürlich für den Arbeitgeber rechnet Leihkräfte zu beschäftigen, wenn die Auftragslage stark schwankend ist. Sonst würde er es ja nicht machen.
Das was mir als „fest eingestellter“ Sicherheit gibt, ist ein Klotz am Bein für die anderen.
Und das Unternehmen auf solch eine Arbeitskraftform zurückgreifen, weil es sie gibt, ist doch absolut verständlich.

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**Kiki** 21.11.2011, 17:08
152. .

Zitat von uwe0310
Aber um Ihnen nochmal die Augen zu öffnen. Selbst wenn es die Möglichkeit der Arbeitnehmerüberlassung nicht mehr geben sollte, werden die Leute deswegen nicht zwangsläufig alle fest von den Unternehmen eingestellt, sondern der Arbeitsaufwand der bis dato Festangestellten wird sich erhöhen.
Ich brauche niemanden, der mir die Augen öffnet, denn sie sind schon offen. Deshalb sehe ich auch klar, wo Sie an der Sache vorbeiargumentieren.
Zunächst einmal braucht ein Unternehmen Mitarbeiter, die die anfallende Arbeit erledigen. Es hat die Wahl, diese Arbeit entweder erledigen zu lassen oder eben nicht - im letzteren Fall gehen ihm Aufträge flöten. Sie scheinen im Osten zu sitzen, also vielleicht ist das Phänomen, das irrtümlich "Fachkräftemangel" genannt wird, bei Ihnen ja noch nicht angekommen. In meiner Region suchen die Zeitarbeitsfirmen nämlich inzwischen in immer mehr Qualifikationen trotz steigender Lohnangebote vergeblich nach den Fachkräften, nach denen die Unternehmen lechzen. Das ist kein Wunder, denn nur Arbeitslose nehmen solche Jobs an, und auch die fast immer nur höchst ungern. Eine nicht ganz unwichtige Nebenwirkung für die Unternehmen: Es gibt kaum noch Fluktuation unter ihren Mitarbeitern. Die Leute bleiben lieber in einem Job, den sie hassen, der sie über- oder unterfordert oder für den sie eigentlich nicht geeignet sind, anstatt sich in solchen Situationen durch einen Wechsel beruflich zu verändern und damit weiterzuentwickeln.

Unter dem Strich schneiden sich die Unternehmen ins eigene Fleisch. Der unmotivierte oder ungeeignete Mitarbeiter, den sie nicht loswerden, wäre vermutlich schon längst von alleine gegangen, wenn es anderswo nur Stellenangebote gäbe. Aber so lebensmüde, sich aus einem festen Arbeitsverhältnis in Zeitarbeit zu begeben, ist natürlich keiner. Früher oder später wird diese Entwicklung die Produktivität der Unternehmen gefährden. Daß dieser Punkt erreicht ist, wird man daran erkennen, daß sie endlich damit aufhören, über den Fachkräftemangel zu jammern, und stattdessen aus Leibeskräften Festeinstellungen vornehmen, um zu verhindern, daß gute Leute ihnen davonlaufen. Allzu lange wird das nicht mehr dauern.

Was die Unternehmen in den letzten Jahren gemacht haben, war lediglich ein Mitnahmeeffekt. Denn natürlich haben sie zugegriffen, als man ihnen auf dem Höhepunkt der Massenarbeitslosigkeit die Möglichkeit bot, maximale Flexibilität mit minimalen Kosten zu verbinden. Die Hartz-Gesetze, von Nr. 1 (Zeitarbeit) bis Nr. 4 (Ende der Zumutbarkeitsregelungen) machten es möglich. Sie werden diese Möglichkeit genau so lange weiter nutzen, wie sie besteht und wirtschaftlich sinnvoll ist. Früher oder später wird das sein natürliches Ende finden, aber es geht inzwischen schon viel zu lange. Acht Jahre sind eine verflixt lange Zeit für jemanden, der 2003 nach einer Ausbildung jung und motiviert ins Berufsleben eingestiegen ist und bis heute nicht aus der Zeitarbeit herausgekommen und damit auch zu keiner Lebensplanung in der Lage ist. Hier wird gerade eine komplette Generation für den Rest ihres Berufslebens versaut, denn was sie in acht langen Jahren gelernt hat, ist nur eines: Leistung lohnt sich für mich nicht.

Sie haben wahrhaftig keinen Grund, stolz auf das zu sein, was Sie tun. Sie sind ein "Kriegsgewinnler" einer Umverteilungsmaßnahme, die so nicht hätte geschehen dürfen.

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Houdremont 21.11.2011, 17:14
153. Kommentar

Zitat von mwroer
... aber nach knapp 15 Jahren als Firmeninhaber, der eng in Arbeitsprozesse eingebunden ist, entwickelt man schon ein gewisses Gespür für Menschen. Wobei 'nicht wohlfühlen' im Job ganz sicher kein Phänomen der Zeitarbeiter ist, dafür kenne ich zuviele Damen die seit 20 Jahren an der Kasse sitzen und Regale auffüllen und den Job inbrünstig hassen.
In einem früheren Kommentar schlug ich vor mit dieser Art der Arbeitskräftebeschaffung per Gesetz endlich Schluß zu machen. Es ist ganz einfach eine Generation mit neagativen Arbeitsumfeld endstanden welche durch die schlechteren oder auch gefühlt schlechteren Arbeitsbedingungen frustriert sind. Auch in Firmen mit relativ gutem Umfeld gibt es genug Nörgler und Querulanten. Hier muß allerdings auch zwischen Festangestellten und Zeitarbeitern unterschieden werden.
Als Zeitarbeiter ist eine wesetnliche Funktion mittlerweile die daß diese nach dem Ausscheiden bei einer Firma durchgehend für alle Mißstände der Firma verantwortlich gemacht werden. Eine Spirale nach unten die die Arbeitsmoral der Stammbelegschaft weiter nach unten ziehen.

Löhne rauf für alle, Mindestlöhne, und konsequnente Kontrolle der Manager und Leitenden Angestellten, was wirtschaftliche und technische Endscheidungen betrifft.
Verstärkte Kontrollen durch Gewerbeaufsicht und Steuerprüfer.

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Michael Giertz 21.11.2011, 17:28
154. Kein Ausweg

Zitat von **Kiki**
Was die Unternehmen in den letzten Jahren gemacht haben, war lediglich ein Mitnahmeeffekt. Denn natürlich haben sie zugegriffen, als man ihnen auf dem Höhepunkt der Massenarbeitslosigkeit die Möglichkeit bot, maximale Flexibilität mit minimalen Kosten zu verbinden. Die Hartz-Gesetze, von Nr. 1 (Zeitarbeit) bis Nr. 4 (Ende der Zumutbarkeitsregelungen) machten es möglich. Sie werden diese Möglichkeit genau so lange weiter nutzen, wie sie besteht und wirtschaftlich sinnvoll ist. Früher oder später wird das sein natürliches Ende finden, aber es geht inzwischen schon viel zu lange. Acht Jahre sind eine verflixt lange Zeit für jemanden, der 2003 nach einer Ausbildung jung und motiviert ins Berufsleben eingestiegen ist und bis heute nicht aus der Zeitarbeit herausgekommen und damit auch zu keiner Lebensplanung in der Lage ist. Hier wird gerade eine komplette Generation für den Rest ihres Berufslebens versaut, denn was sie in acht langen Jahren gelernt hat, ist nur eines: Leistung lohnt sich für mich nicht.
Perfekt auf den Punkt gebracht - ich bin fast 30 und passe damit genau in den von Ihnen beschriebenen Personenkreis. Aufgegeben hab' ich deswegen nicht, aber mich - verzeihen Sie die Wortwahl - kotzt es an, dass ich immernoch keine Familienplanung angehen kann, immernoch keinen Euro Altersvorsorge zur Seite legen konnte, immernoch in einer halb eingerichteten Wohnung sitze ...

Im Prinzip sind die ersten zehn Arbeitsjahre schonmal vergeigt. Kommen dann noch die letzten zehn Jahre dazu, in denen ich zu alt und zu teuer bin, sind das immerhin schon zwanzig Jahre meines Erwerbslebens, in denen ich suboptimale Einkommensverhältnisse habe und entsprechend Rente bekommen werde (wenn überhaupt). Ein Ausweg aus der Misere gibt's auch nicht. Aufgeben will ich aber -noch- nicht.

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gsm900 21.11.2011, 17:36
155. Im öffentlichen Dienst auch nur Zeitverträge bekommen

Zitat von sedanon
Der strenge Kündigungsschutz ist ein Mär. Schon vor über 20 Jahren gab es die Möglichkeit Menschen befristet einzustellen! Vor meinem Studium hatte ich selbst das Vergnügen die Wartezeit auf einen Studienplatz so zu überbrücken...und da wurde ich ganz regulär nach Metallertarif bezahlt (Daimler). Auch während des Studiums habe ich mit Zeitvertrag am Flughafen gearbeitet. Ging alles - auch ohne Zeitarbeit. Leiharbeit ist nichts weiter als ein plumpes, aber effektives ein Mittel um Arbeitnehmer und Gewerkschaften zu disziplinieren und entsprechend Druck auszuüben.
im Hochschulbreich.

Und dann fragt der Prof: "Wo waren Sie denn Sonntag?"

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gsm900 21.11.2011, 17:45
156. Meine Erfahrungen

Zitat von sysop
Heute hier, morgen dort -*Leiharbeiter wechseln ständig den Betrieb, regelmäßiger Neustart ist für sie Alltag. Viele*Dauer-Debütanten leiden darunter: Sie müssen sich immer wieder beweisen, als vollwertige Kollegen kommen sie nie an.
Dauernd zu Terminen um neue Projekte zu bekommen: nervig

Integration in einer Firma: OK (habe später zu denen gewechselt, war ja schon eingearbeitet). Leider nach 7 Moanten worbei und schwierig eine neues Projekt zu finden (immerhin bezahlt da fest angestellt beim Verleiher).

Ein anderes Problem bei Zeitarbeit: temporär eine Wohnung zu finden.

Dann selbst gekündigt.
Verleiher inzwischen bankrott.

Seitdem Angebote für Zeitarbeit abgelehnt, ich will mich ja schliesslich beim Wechsel verbessern.

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klaus meucht 21.11.2011, 17:48
157. Sub hoch 3 Unternehmen

Zitat von FMode
Warum sollte die Zeitarbeitsfirma nicht ordentlich mitverdienen wollen?
Was ist die Leistung der Zeitarbeitsfirma und was ist das Risiko? Wenn die Zeitarbeitsfirmen ihre Kunden weiterbildet sollt sie auch verdienen.

Wenn die Zeitarbeitsfirma das unternehmerische Risiko übernimmt, und bei gererell schlechter Auftragslage ihren Kunden weiterbezahlt, dann soll die Zeitarbeitsfirma daran verdienen.

Wenn die Zeitarbeitsfirmen einen Kündigen weil dieser innerhalb 3 Wochen nicht vermittelbar ist, dann frage ich mich welchen Sinn die Zeitarbeitsfirma hat. Dann geht es nur noch darum die Vermittlungsgutscheine abzukassieren.

Das Problem in Deutschland ist, dass viele Firmen Subunternehmer beauftragen, die wiederum Subunternehmer beauftragen die dann die Arbeitnehmer einstellen. Diese Arbeitnehmer müssen dann 2 bis 3 Chefs ernähren, und müssen dann mit dem Vorwurf leben, dass sie nicht produktiv genug sind und deswegen aufstocken müssen.

Nur so ist es zu erklären dass Putzkräfte in relativ kleinen Hotels mit geringen Übernachtungspreisen einen höheren Stundenlohn bekommen als Putzkräfte in Hotelketten die nur über Subunternehmer eingestellt sind.

Gerade die Aufstockung macht solche Hierarchien von Subunternehmer möglich. Während das Hotel ggf. einen fairen Preis für die Reinigung zahlt, verdient der 1. Subunternehmer daran, dann der 2. Subunternehmer und der Arbeitskraft bleibt dann ein Stundenlohn oft unter 5 Euro.

Gerade für Hilfskräfte macht es keinen Sinn hier viele Firmen dazwischenzuschalten. Warum soll einer der relativ unproduktiv ist gleich mehrere Chefs ernähren müssen?

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gsm900 21.11.2011, 18:02
158. Und dann mit wertlosem Alugeld

Zitat von NormanR
das heißt: Linke wählen,
?

bezahlt werden?

http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_%28DDR%29

Die Münzen wurden teilweise auch spöttisch Aluchips genannt, was auf ihr Material, ihre Kaufkraft bei höherwertigen Gütern, aber auch auf den geringen Umtauschwert der DDR-Mark gegenüber der D-Mark anspielte.

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tw2 21.11.2011, 18:08
159. Freiberufler

Zitat von Seraphan
Leiharbeiter werden wie Sklaven behandelt und auch so entlohnt. Unternehmen erhalten kostengünstig Arbeitskraft, kurzfristig ein- und abbestellbar, ohne sich binden zu müssen, ohne soziales Gewissen.
Ein naher Verwandter von mir ist Drucker mit Meisterbrief. Nachdem er keine Festanstellung fand, ist er freiberuflich tätig. Mal hier, mal dort. Er fängt Auftragsspitzen ab, kennt die gängigen Druckmaschinen und verdient gut dabei. Warum? Weil er kein Zeitarbeitsunternehmen benötigt, das ihn vermittelt. Er vermittelt sich mittlerweile selbst und hat einen großen Kundenstamm.

Die meisten Menschen sind halt nicht dazu fähig, ihre Arbeitskraft zu vermitteln. Dazu benötigen sie ein Zeitarbeitsunternehmen, das dies für sie erledigt. Nur: die wollen mitverdienen.

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