Forum: Karriere
Ständiger Neuanfang als Leiharbeiter: "Keiner hat mir gesagt, wo die Toiletten sind"

Heute hier, morgen dort -*Leiharbeiter wechseln ständig den Betrieb, regelmäßiger Neustart ist für sie Alltag. Viele*Dauer-Debütanten leiden darunter: Sie müssen sich immer wieder beweisen, als vollwertige Kollegen kommen sie nie an.

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ich.frage.mich 21.11.2011, 19:49
170. Durchaus realistisch -

Zitat von peter h.
So einen Scheiß habe ich selten gelesen.Vielleicht ein zwei mal im Leben dann ist aber fertig. Der normale Mensch sucht Sicherheit und nicht bis 67 Jahren alle aufgezwungene Arbeit annehmen zu müssen. Nicht einmal ein Ing. oder ein Doktor außer Guttenberg. Dieses Bürschchen was den Artikel geschrieben hat ist ein gekaufter Schreiberling von der Leiharbeit sprich Sklavenhandel.
Nein, nein.

Ich habe Jahre lang Zeitarbeit gemacht - als es noch wirklich Zeitarbeit war, in der Art, wie es im Artikel beschrieben ist.Die Arbeit war kfm. Angestellte im weitesten Sinne - mal habe ich die Chefsekretärin während ihres Urlabs/Krankheit vertreten, mal den ganzen Tag am Kopierer gestanden, mal in einem Großraumbüro Phonotypostin .. und noch einiges mehr.

Ich habe es zwar auch deshalb gemacht, weil ich wegen "über 50 Jahre alt" keine andere Stelle mehr gefunden habe. Aber ich hatte mit der Zeitarbeitsfirma Firma einen guten Vertrag ausgehandelt, der auch finanziell ok war (im Vergleich mit der Chefsekretärin verdiente ich natürlich wenig - im Vergleich mit denen, die sonst am Kopierer standen dafür sehr ordentlich).

Ich muss sagen, die Zeitarbeit hat mir mehr Spass gemacht als eine Festanstellung - ich hätte mit kaum einer der Kolleginnen, die ich vertreten habe, tauschen mögen. "DIESE Arbeit immer auf Jahre und länger hinaus machen? Wie schrecklich, war meist meine Reaktion - für ein paar Wochen oder Monate ist es allerdings recht interessant", insbes. da ich mich immer wieder umstellen musste - es war immer wieder eine neue Herausforderung, mich schnell in den jeweiligen job einarbeiten zu müssen).

Mir ist klar, dass ich dabei wahrscheinlich auch damals eher eine Ausnahme war - aber es gibt offensichtlich durchaus Leute, auf die es zutrifft :-)

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tw2 21.11.2011, 19:52
171. Richtig!

Zitat von geroi.truda
Wo ist das Problem? Als Freiberufler ist man mit jedem neuen Kunden/Mandanten... stets in der gleichen Situation, und das ein Berufsleben lang...
Richtig erkannt! Und Sie müssen noch nicht mal ein Zeitarbeitsunternehmen damit durchfüttern.

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nurEinGast 21.11.2011, 19:56
172. 1

Zitat von tw2
Wieso aber ist dieser Arbeitnehmer nicht selbst dazu in der Lage, seine Arbeitskraft zu vermarkten? Wieso bedarf es dazu ein Zeitarbeitsunternehmen? Definieren Sie bitte auch: "Niedriglohnsektor". Danke!
Punkt1: das deutsche Steuerrecht fördert eine Selbstvermarktung nicht- oder nur unzureichend. Während dies für Arbeitnehmer aus dem europäischen Ausland- wie zum Beispiel England- eine lohnende Alternative darstellt, sind in Deutschland die steuerlichen und versicherungstechnischen Hürden/Nachteile zu hoch, um die Vorteile auffangen zu können.

Punkt2: Viele grosse deutsche Firmen verhandeln ausschliesslich mit Leihfirmen. Als Selbstständiger hat man per se keine Chance. Möglich ist so etwas zwar eher in mittelständischen und kleinen Firmen- aber dort ist die Chance auf eine längerfristige Beschäftigung naturgemäss aber auch gering, so dass (wenn man nicht über eine grosse Kundenkartei verfügt) Punkt 1 die ganze Angelegenheit umso kritischer macht.

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**Kiki** 21.11.2011, 20:35
173. .

Zitat von Michael Giertz
Perfekt auf den Punkt gebracht - ich bin fast 30 und passe damit genau in den von Ihnen beschriebenen Personenkreis. Aufgegeben hab' ich deswegen nicht, aber mich - verzeihen Sie die Wortwahl - kotzt es an, dass ich immernoch keine Familienplanung angehen kann, immernoch keinen Euro Altersvorsorge zur Seite legen konnte, immernoch in einer halb eingerichteten Wohnung sitze ... Im Prinzip sind die ersten zehn Arbeitsjahre schonmal vergeigt. Kommen dann noch die letzten zehn Jahre dazu, in denen ich zu alt und zu teuer bin, sind das immerhin schon zwanzig Jahre meines Erwerbslebens, in denen ich suboptimale Einkommensverhältnisse habe und entsprechend Rente bekommen werde (wenn überhaupt). Ein Ausweg aus der Misere gibt's auch nicht. Aufgeben will ich aber -noch- nicht.
Ihre Wortwahl findet durchaus meinen Beifall. Ich sehe die Misere ja an meinem Sohn, der seinen erlernten Beruf nach wenigen Berufsjahren wieder aufgegeben hat, derzeit die Schulbank drückt und ein Studium anpeilt. Bei einer Berufsperspektive von ziemlich genau Null war das wohl das Beste, was er machen konnte, aber wenn das so weitergeht, sitzt er noch mit dreißig bei mir in der Wohnung. Wir versuchen, es mit Humor zu nehmen, aber das hatten wir uns alle beide so nicht vorgestellt, und seine (langjährige) Freundin sicher auch nicht.

Irrwitzigerweise habe ich mich in genau demselben Zeitraum erfolgreich selbständig gemacht und kann mich inzwischen vor gut bezahlten Aufträgen kaum noch retten. Das beweist zumindest eines: Geld ist in den Unternehmen vorhanden, und es wird auch ausgegeben, jedenfalls dann, wenn es nicht als Personalkosten verbucht werden muß.

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thorstenvv 21.11.2011, 20:42
174. Im Politikersprech nennt man es Nachhaltigkeit

Zitat von tw2
Wieso aber ist dieser Arbeitnehmer nicht selbst dazu in der Lage, seine Arbeitskraft zu vermarkten?
Wie zeigt man denn, dass er darauf angewiesen ist? Nur dass Personen jetzt per Leiharbeit eingestellt sind, zeigt doch nicht, dass sie ohne diese heute alle arbeitssuchend wären.

Zitat von tw2
Wieso bedarf es dazu ein Zeitarbeitsunternehmen?
Zeitarbeit, Kündigungsschutzlockerung, Steuersenkungen etc. all das ist durchaus geeignet ein Strohfeuer an Mehreinstellungen zu entfach, aber wo bleiben die versprochenen Langzeiteffekt? Diese scheinen mit eher negativ zu sein. Wirtschaftwachstum ist eine Droge: Kurzfristig toll, aber man kommt nicht mehr so leicht runter, also besser den Götzen gleich links liegen lassen.

Zitat von tw2
Definieren Sie bitte auch: "Niedriglohnsektor".
Zum Zweck der Diskussion: Einkommen, das das Auskommen nicht sichert. Zumindest im Sinne des verfassungsgemäßen Existenzminimums.

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ich.frage.mich 21.11.2011, 20:53
175. Und...

Zitat von Nighthawk1963
Moin im Forum, Aber Flexibilität und Wissensvorsprung im Beruf sollte sich letztendlich in der Börse auszahlen und hier hängt momentan die Branche schief, die Zeitarbeit ist da nur ein fokusierter Spiegel der sonstigen Arbeitsmarktlage! Denn es ist immer einer da, der bereit ist, seine Haut billiger und williger zu Markte zu tragen. Zu "danken" ist dies eben einem "Überangebot" bei den Arbeitnehmern, einer Unterdeckung der Arbeitsplätze und dem allgemein rauhen Klima unserer Gesellschaft.
..und denen, die sich morgens als "Leistungsträger" hochachtungsvoll im Spiegel begrüßen wollen und von denen abgrenzen wollen, die es eben nicht sind.

Ich meine damit diejenigen, die Überstunden (bezahlt oder unbezahlt) machen, damit die Firmen ihre Kollegen rausschmeißen können oder für die Arbeit niemanden einstellen müssen ;-(

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JaIchBinEs 21.11.2011, 21:04
176. Leikräfte als Software-Ingenieure

Zitat von Bundeskanzler20XX
Nun ja, als Softwareentwickler bekommt man auch, abgesehen von einem Softwareunternehmen, keinen festen Job. Man schreibt das Programm für Maschine X einmal, und das ding läuft. Ebenso gibt es viele Ingeneure die als Leiharbeiter arbeiten, weil es halt viele Firmen gibt, die solche Posten nicht ständig brauchen. Dafür verdienen Ingeneure in Leiharbeit oder sie vielleicht auch so viel, das sie mit einem Auftrag mehrere Monate über die Runden kommen können. Aber je geringer der Anspruch für die Tätigkeit wird, um so wichtiger wird der sichere Arbeitsplatz.
Nein.
Die Automobilbranche sucht händeringend Software-Ingenieure, um die nächste Generation der rechnergestützten Fahrzeuge zu entwickeln.
Dabei geht es um mehr als Programm X auf Microcontroller Y zum Laufen zu kriegen.
Allein die Vernetzung der Boardcomputer ist eine Herausforderung, Architekturen und Infrastrukturen festzulegen, Simulationsumgebungen und Testplätze vorzubereiten sind Herkulesaufgaben, die viel Mühe, Zeit und Kosten verschlingen.
Das ist mit Leihkräften allein nicht zu stemmen.

Tom

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thana 21.11.2011, 21:08
177. ...

Hat eigentlich schonmal jemand hier erwähnt, daß der Zeitarbeiter 40 Stunden arbeitet, aber nur 35 bezahlt bekommt? Der Rest wandert auf das "Zeitkonto" - und wird abgezogen, wenn die Firma keinen Einsatzort für einen hat.
Die ZA, bei der ich mich in die Datenbank aufnehmen lassen "durfte", teilte mir neulich stolz mit, der Verdienst sei ab 01. November von 6.89 Euro auf 7.01 Euro gestiegen. Jetzt muß nur noch der Auftraggeber, von dem die nette Dame dauernd erzählt, auch mal auftauchen. Vorher gibts nähmlich keinen Arbeitsvertrag. Nur hat der seit drei Monaten keinen Bedarf angemeldet. Aber wehe, ich verpasse mal einen einzigen Anruf dieser Leute, dann wird sofort das Arbeitsamt alarmiert.

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ich.frage.mich 21.11.2011, 21:09
178. Und wie..

Zitat von Euron
Und wie wird die Kalkulation genannt, wenn Arbeitgeber mehr als genug Aufträge haben und niemand einstellen? Gleichzeitig aber die MA durch alle möglichen Schichtzeiten und/oder Überstunden jagen?
,,werden die MA genannt, die das mitmachen?

Kann ich sogar beantworten: Leistungsträger (zumindest nennen sie sich selbst so)

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thorstenvv 21.11.2011, 21:12
179. Unvermeidbarkeit der Qualifikationskatastrophe

Zitat von FMode
Wenn Firmen Aufträge haben wird automatisch alles was 2 Beine hat eingestellt (auch Langzeitarbeitslose, ... wenn es nichts "besseres" gibt) -
Bei "nichts besseres" gibt es Grenzen. Schlecht vorstellbar. dass Putzkräfte eingestellt werden, wenn man Softwareentwickler braucht.

Zitat von FMode
Die Aussicht auf Gewinne machts möglich und lässt einen schnell den eventuellen Makel des Bewerbers übersehen.
Die Aussicht auf Gewinne kann zu vielerlei motivieren, etwa den Kauf neuer Maschinen, um bei höherer Produktivität gleichzeitig Mitarbeiter entlassen zu können. Für die neue Maschine braucht man dann vermutlich eher einen Softwareentwickler als viele Hilfsarbeiter.

Oder der Unternehmer denkt langfristig und fördert die FDP, um seine Steuern zu senken.

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