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Start-up-Studie: Deutschland fehlt der Gründergeist
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Hohe Bürokratie, mangelnde Fehlerkultur: Unternehmensgründer in Deutschland haben es laut einer Studie schwer. Die Zahl der Start-ups gehe deshalb weiter zurück.

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manicmecanic 29.11.2016, 19:33
20. Zwänge ohne Ende

Ich kenne bzw. kannte einige kleine Unternehmer.Selbst vor 20 Jahren sagten die meisten,daß sie sich das in diesem überregulierten Bürokratenstaat nie wieder antun würden.Bevor man anfängt einigermaßen in die Gewinnzone zu kommen,schlagen schon die vom Staat protegierten Blutsauger wie IHK,HWK etc. auf.Dann noch das Finanzamt,daß auf die Vorrauszahlung von ihm selbst geschätzter Steuern besteht.Dann gibts noch 'Nettigkeiten'wie in meiner Branche.Ich hatte mir das auch mal überlegt mit eigener Werkstatt,tja,als deutscher muß ich selbst Meister machen oder einen einstellen.Nun der besondere Knebel für mich mit deutschem Paß,EU Ausländer sind in D vom Meisterzwang AUSGENOMMEN! Ich habe also im eigenen Land weniger Rechte als Ausländer.Ich rate schon lange allen jungen Menschen dieses zu seinen Bürgern so freundliche Land zu verlassen.Das tun ja auch schon seit Jahrzehnten jährlich 140000 gut ausgebildete Menschen.

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michal101 29.11.2016, 19:38
21.

„Vor einem Schalter stehen: das ist das deutsche Schicksal. Hinter dem Schalter sitzen: das ist das deutsche Ideal.“ An dieses Tucholsky-Zitat von 1927 muss ich denken, wenn ich Artikel über die Sehnsucht junger Deutscher heutzutage nach Festanstellung bzw. Beamtentum lese. Es belegt zugleich, dass die negative Sicht auf Unternehmertum kein aktuelles Phänomen ist, sondern schon damals vorhanden war. Der ausufernde Bürokratismus und die Regelungswut sind dabei nur Symptome dieser Mentalität, nicht Ursachen.

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kunibertus 29.11.2016, 19:56
22. Das Problem dürfte nicht ganz neu sein,

Zitat von Crom
Logisch, denn erfolgreiche Gründer begegnet man hier höchstens mit Neid und vorher werden einen auch zu jeder erdenklichen Gelegenheit Knüppel zwischen die Beine geworfen.
denn schon Churchill äußerte sich dazu: "Es gibt Leute, die halten Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse, andere meinen, der Unternehmer sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken kann. Nur ganz wenige sehen in ihm das Pferd, das den Karren zieht." In der heutigen Zeit - und da kann ich aus Erfahrung sprechen - hat es sich nur wesentlich verstärkt. Es gibt gegenüber Churchill`s Zeiten eine Vielzahl mehr an Verwaltungsbürokraten, die alle ihre Existenzberechtigung nachweisen wollen; am besten, dadurch, dass sie irgendetwas verhindern wollen. Ich ist in meiner zeitweiligen Tätigkeit in einem Bundesministerium keine Stellenbeschreibung bekannt geworden, in der das Wort "lösen" auch nur ansatzweise erwähnt wird. Weitverbreitet ist auch die Auffassung in den Verwaltungen, dass der Bürger für die Verwaltung da ist - getreu der Erkenntnis von Kurt Tucholsky: "Der Wunsch eines Deutschen ist es, hinter einem Schalter sitzen zu können. Sein Problem ist, vor einem Schalter stehen zu müssen." Die Bürokraten vergessen dabei offensichtlich, dass ihre Besoldung von den Steuerzahlern erwirtschaftet wird und es von der Besoldungsstelle nur überwiesen wird. Ein konkreter Vorschlag zum Bürokratieabbau ist der Verzicht auf die Gewerbesteuer für Gründer, sagen wir für drei Jahre. In den ersten Tätigkeitsjahren werden von der übergroßen Mehrzahl der Neugründungen sowieso keine Gewinne erwirtschaftet, die Anfangsverluste sind einfach zu hoch. Aber die Gewerbesteuererklärung muss trotzdem gemacht werden. Das kostet auch Zeit und Geld, das man sicher besser nutzen könnte. Über die Knüppel, die dem Existenzgründer von den Behörden, speziell den Fördermittel verwaltenden Landesbehörden - beim Bund wird da konstruktiver gehandelt - bei der Beantragung von Fördermitteln zwischen die Beine geworfen werden, schweige ich aus Höflichkeit lieber.

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hasselblad 29.11.2016, 19:57
23.

Ich habe in den vergangenen 15 Jahren zwei Unternehmen in Deutschland gegründet und würde das nie wieder tun. Die deutsche Haltung dazu ist, dass der Gründer sich und anderen einen Arbeitsplatz auf Lebenszeit schafft, Risiko und Scheitern sind im Sozialversicherungswunderland nicht vorgesehen. Venture Capital wird in homöopathischen Dosen verteilt und immer mit der Bedingung, dass der Kapitalgeber in der Gesellschafterversammlung Stimmrecht bekommt. Kredite bekommt man eigentlich nur, wenn man Haus und Hof dafür verpfändet, und auch dann nur in lächerlichen Größenordnungen. Die Mitarbeiter erwarten auch im Start-up höchstens 40-Stunden-Wochen mit vollem Überstundenausgleich, Urlaub ohne Ende und haben null unternehmerisches Denken, das hat ihnen in ihren stromlinienförmigen Bachelor-Kursen nämlich keiner beigebracht. Dass beide Gründungen in durchaus einträgliche Exits gemündet sind, ist ein kleines Wunder, sehr viele Gründerkollegen sind kolossal gescheitert (und damit in Deutschland verbrannt). Meine aktuelle Company habe ich in Dänemark gegründet und empfinde die Zustände als vergleichsweise paradiesisch.

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StevieB 29.11.2016, 20:10
24. Nur Irre

machen sich heute noch selbständig. Bei der heutigen Bürokratie, den Steuern, Gebühren und Abgaben, wie IHK ARD, BG, SOKA Bau usw. usw. und vor alllem bei der wahnsinnig guten Kapitalausstattung von Seiten der Banken muss man entweder total irre sein, Drogen nehmen oder masochistisch veranlagt sein.

Von den sonstigen bürokratischen Fallstricken erst gar nicht zu sprechen . . .

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GumpyOM 29.11.2016, 20:11
25. Falsche Grundvoraussetzung

Erstmal an alle, die über die vielen Beamten meckern: Deutschland hat eine Staatsdienerquote von 13,6% (und das sind zum größten Teil Angestellte) - das ist mit die niedrigste Quote aller westlichen Staaten. Sogar niedriger als in den USA!

Und zum eigentlichen Thema: Kann es vielleicht auch einfach daran liegen, dass sich die Prioritäten der jungen Leute geändert haben? Diese (mich eingeschlossen) wollen sich einfach nicht unendlich krummbuckeln, sondern wollen arbeiten um zu leben, nicht umgedreht.
Ich will Geld verdienen ja, aber ich will auch Zeit für meine Kinder haben - und sie nicht nur abends ins Bett bringen.
Das hat nichts mit fehlendem Gründergeist der heutigen Generation zu tun - eher eben mit der Einsicht, dass endlose Arbeit keine wirkliche Erfüllung ist.

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Meconopsis 29.11.2016, 20:17
26. Noch nNoch niemand ist mit seiner Geschäftsidee an den IHK-Beiträgen gescheitert

Leider sind viele Startups nur heisse Luft und von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Das meiste, was da auf den Markt soll, sind auch keine wirklich innovativen Ideen, sondern es geht mehr darum, alten Wein in neuen Schläuchen anzubieten, oder Bedürfnisse bei den Menschen zu wecken, die sie vorher gar nicht hatten. Somit nicht viel mehr, als ein schönes Spiegelbild unserer ausufernden Konsumgesellschaft.

Wenn die Gründer scheitern, suchen sie den Fehler oft nicht bei sich selbst, sondern schiebens auf den bösen Staat, der ihnen lauter Steine in den Weg legt und ihnen die Kohle wegnimmt. Artikel, wie dieser, tragen nur dazu bei, diese Sichtweise zu festigen und die Selbstkritik zurückzufahren. Noch niemand ist mit seiner Geschäftsidee an den IHK-Beiträgen gescheitert (obwohl ich die auch nur sehr ungerne bezahle und meist mit einem bösen Betreff im Formular überweise).

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Odde23 29.11.2016, 20:23
27.

Zitat von GumpyOM
Ich will Geld verdienen ja, aber ich will auch Zeit für meine Kinder haben - und sie nicht nur abends ins Bett bringen. Das hat nichts mit fehlendem Gründergeist der heutigen Generation zu tun - eher eben mit der Einsicht, dass endlose Arbeit keine wirkliche Erfüllung ist.
Da ist so und es ist auch der Grund, weswegen ich meine Gründung von vor 15 Jahre mehr und mehr bereue. allerdings ist der Umstand, dass ich keine Zeit für Familie und Privates habe, weniger der Arbeit als Selbständiger zuzuschreiben, als vielmehr dem Staat, der mich mit utopischen Mindestbeiträgen auspresst.

Der Betreiber des Hamsterrads heißt BRD und die Karotte im Hamsterrad wird jährlich größer. Ändern wird sich daran so lange nichts, wie die heutigen Parteien weiter lustig miteinander Koalieren und es sich in de politischen Hängematte bequem machen.

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awoth 29.11.2016, 20:38
28.

Dieser Titel impliziert irgendwie, dass uns in Deutschland Gründer mit echtem Gründergeist fehlen...
Dem ist nicht so! Wir haben tolle junge Leute mit einer Vielzahl toller und erfrischender Ideen!!
Man kann allerdings (und das ist in D das Problem) sogar diese Szene so lange total frustieren und abzocken, bis sie das Weite suchen. So geschehen in vielen Fällen! Ich bin Zeuge.....

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Shlomo Spitzberg 29.11.2016, 20:45
29.

"Hohe Bürokratie, mangelnde Fehlerkultur: Unternehmensgründer in Deutschland haben es laut einer Studie schwer."

Jepp, kann ich bestätigen.
Genau deswegen habe ich mich nach dem Maschinenbau Studium in der Schweiz selbständig gemacht, statt in Deutschland.
Jetzt haben wir 14 hervorragende Mitarbeiter, Deutschland hat uns nur Steine in den Weg gelegt, daher der Weg über die Schweiz.

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