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Statistik: Zahl der Azubis erreicht Rekordtief
DPA

Im vergangenen Jahr haben etwa 510.900 Menschen in Deutschland eine Lehre begonnen, so wenige wie noch nie. Einige Berufe sind aber weiter begehrt.

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hj.binder@t-online.de 12.04.2017, 15:59
1. Die Jungen

sind gar nicht so dumm, wie sie die Verbundfunktionäre der Wirtschaft gern hätten.

Hinter jeder Entscheidung wie ein Leben aussehen könnte steht das Monster Hartz-IV, das in der Regel jeden Traum, manchmal auch ein Leben schlagartig beendet.

Die privatwirtschaftlichen "Kammerausbildungen" verlieren in den Job-Center ihre Gültigkeit, wenn 3 Jahre lang nicht in dem Beruf gearbeitet wird, sprich der Betroffene ist ohne Beruf und damit Manövriermasse der Hartz-IV-Verbrecher. Das gilt nicht nur für den "einfachen" Gesellenbrief, auch für die Techniker und Fachwirte und Meister; alles "Abschlüsse", die sehr teuer sind und keine Rolle mehr spielen wenn die Firma nach China verlagert wird.

Anders sieht es mit Hochschulabschlüssen aus. Die Jungen quälen sich zum Abi, sitzen in irgendeiner Hochschule die Zeit zum BA ab und haben einen Abschluss, den ihnen keiner mehr nimmt. So einfach ist das, sie haben dann gelernt durch nachlabern zu irgendwelchen wichtigen Papieren zu kommen.
Natürlich hat weder das eine noch das andere mit Bildung zu tun - die muss der Mensch sich anders gönnen.

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dergrosskugler 12.04.2017, 16:48
2. Vergeudung an Lebenszeit

Da mittlerweile nicht mehr nur die Besten zum Studium zugelassen werden, sondern alle die sich irgendwie befähigt halten, ganz abgesehen von der menschlichen Reife. Es gibt kein Leistungsprinzip in der Bildung. Die Abgänger versuchen sich dementsprechend nach oben zu orientieren und ignorieren ihre eigenen Fähigkeiten. Wen alles erlaubt ist und alle Möglichkeiten offen stehen, warum dann nicht hoch pokern und das Beste herauspicken, zurück kann man immer. Die Vergeudung von Zeit und Finanzen, bei späteren Lebenskorrekturen, wird Heranwachsenden nicht beigebracht. Viele Studenten bedeuten nicht gleich viele Absolventen....

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spon-facebook-10000361426 12.04.2017, 17:14
3. Der Markt

reguliert sich, neoklassizistisch, ganz von selbst. Werden eben zukünftig mehr Ingenieure als Maurer, etc. arbeiten..... Aus der Traum vom Topverdiener in White Collar, unserer Ausbildungspolitik sei Dank. Lösung des Problems: Ausbildungen als weitere Zugangsbeschränkung für das Studium. Habe auch erst mal was gelernt und dann studiert, war gut so, man lernt auf mal die Basis kennen statt als Chef von der Hochschule zu marschieren und von tuten und blasen wenig Schimmer zu haben (kann man niemand vorwerfen, ist aber oft genug so).

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spon-facebook-10000361426 12.04.2017, 17:19
4. @hj.binder

Ihre Analyse trifft übrigens nicht ins schwarze. Ich habe mir über Harz IV tatsächlich keine Gedanken gemacht als ich mich für ein Studium entschied und ich habe meine Zeit da auch nicht abgesessen, ich kann das weder von meinen Mitstudierenden behaupten, noch von meinen Freunden die derzeit noch studieren. Auch die Arroganz, zu behaupten, man säße da seine Zeit ab halte ich für ziemlich daneben. Jene die in meinem Umfeld studieren labern a) nicht nur stupide nach noch b) geht es ihnen um irgendwelche Papiere sondern um Wissenserwerb in einem Herzensfach und durchaus auch kritische Betrachtung. Ich würde Ihnen sehr ans Herz legen Ihr negatives Weltbild zu hinterfragen.

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HISXX 12.04.2017, 18:29
5. Heute hü morgen hot...

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde von der Wirtschaft beklagt, der Anteil der Studierenden unter den Abiturienten sei zu niedrig.
Nun haben wir diese Situation und es ist auch nicht richtig.
(Es wurde auch mal von der Wirtschaft beklagt, die Deutschen seien zu alt beim Berufseinstieg - das Resultat war G8. Von den Wirtschaftsführern hört man nichts mehr zu diesem Thema).
Es ist doch eine gute Entscheidung, zu studieren. Der Akademikeranteil an den Arbeitslosen ist niedriger als der der Nichtstudierten. Das Einkommen ist sowieso höher. Und vor dem Hintergrund einer steigenden Lebensarbeitzeit kann man von einem Beruf mit viel körperlichem Einsatz wohl nur abraten.
Wenn die Wirtschaft mehr Azubis haben will gibt es ein einfaches Mittel: Mehr Geld, bessere Aufstiegsmöglichkeiten, kürzere Lebensarbeitszeit für Handwerker.

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Hänschen Klein 12.04.2017, 20:26
6.

Selbst schuld. Schafft die ungleiche, unfaire Bezahlung die folgenden 4 Jahrzehnte nach dem Abschluss (und folglich sogar darüber hinaus im Rentenalter) ab, und schon wollen nicht mehr alle studieren. Aber solange man Leuten ohne Studium zu verstehen gibt, dass sie weniger wert seien, braucht man sich nicht zu wundern ...

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alternativloser_user 12.04.2017, 21:23
7. wundert mich nicht.

Zahlt den Azubis einen vernünftigen Lohn während der Ausbildung und gebt denen Garantien, dass sie nach der Ausbildung übernommen werden, dann werden die Leute gerne wieder eine Ausbildung machen.

Aber solange es Firmen gibt, die Azubis als Ersatz für ausgebildete Vollzeitkräfte verwenden und alle 3 Jahre austauschen weil sie dann ja ein richtiges Gehalt zahlen müssten kann ich das durchaus verstehen wenn die Jungen Leute keinen Bock auf eine Ausbildung haben.

Dazu kommt dass in vielen Betrieben immer noch die Devise herrscht "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" was von vielen so interpretiert wird, dass der Azubi der Arsch für alles ist.

Die Azubis sind ja nicht doof. Wenn die wissen dass nach der Ausbildung erstmal Arbeitslosigkeit kommt bzw. direkt Harz IV weil das Arbeitslosengeld ja abhängig vom letzten Ausbildungsgehalt und somit niedriger als Harz IV ist, dann überlegen die es sich dreimal ob sie nicht lieber Abitur machen und anschliessend studieren.

Und in Anbetracht von aufziehender Altersarmut (Rente ca. 40% des Gehalts) dürften sich viele auch Gedanken machen, ob der gelernte Beruf überhaupt reicht um irgendwann im Alter mal nicht in der Grundsicherung (Harz IV für Rentner) zu landen.

Die Leute brauchen eine Perspektive um ihr Leben einigermaßen planen zu können. Doch die heutigen Arbeitsverhältnisse erlauben ja gerade mal 2-3 Jahre (mit Glück) im voraus zu wissen wo man dann in etwa beruflich sein wird.

Wenn jemand mit Realschulabschluss heute mit 16-17 Jahren eine Ausbildung anfängt kann der mit abgeschlossener Ausbildung mit 20 Jahren genauso Arbeitslos sein wie der Abiturient.
Wenn er Glück hat gibts befristete Verträge in Folge und weiss mit Mitte 20, Anfang 30 nicht ob er es wagen kann eine Familie zu gründen oder vielleicht ein Haus zu bauen was dann die nächsten 20-30 Jahre abbezahlt werden muss.

Die Leute brauchen eine gewisse Perspektive und Sicherheit in Bezug auf berufliche Entscheidungen. Und genau das ist in den letzten 20-30 Jahren nachhaltig zerstört worden.

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mazzmazz 12.04.2017, 21:47
8. Das Leben läuft oft anders

Wenn ich mir ansehe, welche Jobs jüngere Akademiker in D meist verrichten, sehe ich das Problem v.a. bei den Personalern der Firmen. Schon im B2B-Vertrieb wird meist ein Studium erwartet oder ist zumindest von großem Vorteil. Obwohl ein E-Techniker oder Metallbauer im Vertrieb von Technik genauso gut sein kann.
Dies merken die jungen Leute, denn sie erleben bei ihren nicht studierten Vätern oft die gläserne Decke.
Wer seinen Beruf gerne ausübt, wird ihn gut machen. Der formale Anschluß ist dafür kein Indikator, zumindest wenn man von Berufen spricht, die eigentlich kein Studium erfordern. Anwälte und Ärzte müssen studieren. Verwaltungsmitarbeiter, Vertriebsleute und auch Maschinenentwickler nicht unbedingt.
Ich für meinen Teil werde meinen Kindern, wenn sie soweit sind, nahelegen, einen Beruf zu erlernen, der ihnen Freude macht und sich gleichzeitig mit Fremdsprachen zu beschäftigen.
Deutschland, der alternde, sich islamisierende Beamtenstaat, ist auf dem absteigenden Ast.
Ein in Deutschland ausgebildeter Schreiner mit guten Englischkenntnissen wird in 20 Jahren im Ausland eher einen Job finden, als ein junger Mensch mit BWL Bachelor Abschluss. In Deutschland wird es ohnehin in den nächsten Jahrzehnten unbequemer werden.
Insofern werde ich meine Kinder nicht zum Studium drängen.
Lebenslanges Lernen ist schon heute ganz klar die Voraussetzungen für U50-Menschen. Ich habe mich nach meinem BWL-Studium (deutsches Diplom) hauptsächlich in technischen Berufen getummelt und gelte in meiner spezialisierten Nische heute als Fachmann. BWL und Englisch ebneten mir den Weg in die Geschäftsführung. Wichtiger aber waren meine beruflichen Erfahrungen und was sie aus mir gemacht haben. Einen offenen, kompetenten, eloquenten Menschen, der sich überall auf dieser Welt bewegen kann. Anstand, geistige Beweglichkeit, Offenheit, Fleiß und Durchhaltevermögen sind die Soft-Skills, die man kultivieren sollte (gut, man könnte auch Jura studieren und Anwalt / Politiker werden. Aber auch diesen wird es irgendwann an den Kragen gehen wenn die Leute nicht mehr 8 Monate p.a. für parasitäre Kasten arbeiten möchten).
Dann klappt´s meist. Im internationalen Geschäftsleben ist ein Studienabschluss in einem vernünftigen Fach heute allerdings weitgehend Pflicht für den Nachwuchs. Weil das duale System und Abschlüsse als Meister, Techniker und Fachwirte eigentlich nur im deutschen Sprachraum existieren. Irgendwie muss man ja die zumindest einigermassen ausgebildeten Leute einordnen können.
Die guten Quereinsteiger finden, auch mit Ü40, in D allerdings auch noch ein Plätzchen, dann in kleineren Unternehmen. Man muss nur "was können".
Deshalb würde ich mir auch heute als junger Mensch, der kein Abi machen will/kann und gerne mit den Händen arbeitet, keine Sorgen machen. Ggf. muss man umziehen und eine Schreinerei in Boston eröffnen.
In den USA gibt es unter den Reichen einen riesigen Markt für perfekt geplante, sehr hochwertige deutsche Küchen, Fenster und Möbel.
Dies ist dann auch meine Hauptkritik an dem Artikel oben: er fokussiert sich auf Deutschland und auf die klassische Karriere als Wunschszenario.
Es gibt so viel mehr als das auf dieser Welt.

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ericus 12.04.2017, 21:51
9. Schade, aber nachvollziehbar

Mit Abi stehen halt alle Wege offen. Inklusive Aussichten auf viel Gehalt (Angestellte mit 35h Woche und ab 60.000 Brutto gibt es - aber meist mit Studium). Ferner ist das Prestige von Ausbildungsberufen leider im Keller- studiert sein klingt cooler, internationaler und gebildeter. Sehr schade und demütigend. Aber jeder möchte mit wenig Zeit, Verantwortung und Aufwand viel verdienen. Und das ist mit dem richtigen Studium schon möglich, aber kaum als Geselle. Daher nachvollziehbar. In China wurden mal die Schweiüer knapp, weil alle Akademiker wurden. Jetzt sind die Löhne für Schweißer stark gestiegen und über dem vieler Akademiker. Und es gibt mehr Schweißer.

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