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Studie zu ausländischen Pflegekräften: Arbeiten unter Wert
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Sie fühlen sich schlecht behandelt und oft missverstanden: Zwischen ausländischen Pflegekräften und deutschen Kollegen kommt es immer wieder zu Konflikten. Die Probleme sind jedoch nicht kulturell bedingt.

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max-mustermann 01.03.2019, 20:14
1.

Der wichtigste Punkt wurde mal wieder unterschlagen, nämlich das ausländische Pflegekräfte dazu beitragen das die Löhne im Pflegebereich von den Arbeitgebern weiter niedrig gehalten werden können und auch sonst keinerlei Anreiz besteht die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

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franxinatra 01.03.2019, 20:17
2. Danke für diese Offenlegung...

sie entspricht einigen meiner Beobachtungen und Schlussfolgerungen, die ich als eingeborener Umsattler im Pflegekomplex mache.
Sieht so aus, als ob es demnächst noch schlimmer werden könnte; denn genügend wollen es nicht mehr länger mitmachen. Auf beiden Seiten...

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unwichtig_0815 01.03.2019, 20:44
3. Das Pflege- UND Krankenhaussystem hat versagt.

In unseren Pflegeheimen im Ort (27711 Osterholz-Scharmbeck) werden die ausländischen Arbeitnehmer zu Dumpinglöhnen eingesetzt und sollen ohne irgendeinen merklichen fachlichen Hintergrund die Menschen pflegen.
Die tatsächlichen Fachkräfte verlassen reihenweise die Pflegeheime und das Krankenhaus da sie nur noch als Dompteure der verschiedenen Kulturen herhalten und die Verantwortung für 40 und mehr Personen übernehmen sollen. Die Leitung sieht nur den Personalschlüssel und versteckt sich hinter genau den in diesem Artikel aufgeführten (Er)Schlagwörtern.
Die zu pflegenden Personen gelten schon lange nicht mehr als hohes Gut sondern nur noch als Betriebsstörend.

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Nordstadtbewohner 01.03.2019, 21:09
4. Vor Arbeitsantritt mehr informieren

"◾In vielen der Herkunftsländer werden Pflegefachkräfte an Hochschulen ausgebildet. Eine hochqualifizierte schulisch-betriebliche Ausbildung wie in Deutschland ist dort unbekannt."

Diesen Punkt höre ich schon seit Jahren auch in anderen Branchen. Ich verstehe nicht, warum sich ausländische Bewerber nicht vor Arbeitsantritt entsprechend informieren, wie das hier in Deutschland zwecks Qualifikation so läuft. Dazu kommt das "Hochfeiern" von Hochschulabsolventen. Ein Studium wird hierzulande und auch im Ausland stets als das Nonplusultra angesehen, aber dabei wird völlig ausgeblendet, dass MFAs, MTAs und Pflegekräfte auch ohne Studium gut ausgebildet sein können. Der Artikel deutet natürlich auch an, dass im Ausland vieles anders läuft, vor allem in der Medizin. In den USA musste ich lernen, dass eine "Krankenschwester" dort Nursing studiert und nach dem Abschluss in einer Klinik oder sonstigen Pflegeinrichtung etwa 7 - 8 ungelernte Hilfskräfte (meist Lateinamerikaner) anleitet. Die werden im Spon-Artikel als Servicekräfte bezeichnet. Und eines finde ich auch bemerkenswert: Deutsch als Arbeitssprache und dabei in der Funktion als "Hierarchisierungsmittel". Das mag in der Praxis so stimmen. Nur ist das in fast allen Ländern so. Bei einem beruflichen Aufenthalt erlebte ich das gleiche mit Englisch. Nur da hilft kein Jammern und keine Forderungen. Da muss man halt mitziehen und die jeweilige Arbeitssprache auch lernen. So war es bei mir in den USA auch. Wer mitzieht, die Sprache wirklich beherrscht, der wird nicht unter Wert bezahlt und behandelt. Wer allerdings unrealistische Forderungen stellt, wird hier in Deutschland oder USA oder sonst irgendwo auf der Welt im Berufsleben scheitern.

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mpigerl 01.03.2019, 21:24
5. Weil das tatsächlich kein Punkt ist.

Ja, ich finde auch man sollte Pflegekräfte besser bezahlen. Es ist eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe. Nur selbst wenn sie 5, 10 oder 20% mehr Lohn bekommen würden (wobei 20% eh utopisch ist, weil das ja wieder über Pflege und Krankenversicherung refinanziert werden müsste und dann wäre in De was los), aber gut selbst bei theoretischen 20% mehr Lohn würde man nicht mehr deutsche Pflegekräfte bekommen. Das ist einfach Utopie. Ein Pflegeberuf ist eine Berufung das liegt nicht am Geld (auch wenns richtig wäre mehr zu bezahlen). Und mit der Ausbildung? Ja wir haben auch Ärztemangel. Vielleicht sollte man von den südlichen Ländern mal was lernen. Lasst die ausgebildeten Pflegekräfte mehr medizinische Tätigkeiten macht und gebt die Grundpflege öfter den Pflegehelfern.

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spiegeleix 01.03.2019, 21:25
6. Na, hier gibt es ja wohl gleich mehrere Baustellen

Dass in der Pflege viel zu wenig Personal beschäftigt ist, ist ja inzwischen kein Geheimnis mehr. Neu für mich ist, dass laut Artikel die ausländischen Pflegekräfte an einer Hochschule lernen, also mindestens Bachelor of Medicine oder so etwas sein müssen, was unserer Krankenschwester/pfleger entspricht, die ja auch das erste Staatsexamen haben. Nun, in Deutschland müssen die Pfleger/Schwestern richtig Hand anlegen am Patienten, da sollten sich die ausländischen Pflegekräfte besser gleich dran gewöhnen statt zu glauben, sie brauchen sich die Hände nicht "schmutzig" zu machen, weil es fürs Füttern und Hintern abwischen ja "Hilfskräfte" geben sollte. Außerdem kann ich den Vorwurf nicht nachvollziehen, dass "Deutsch als Arbeitssprache als "Hierarchisierungsmittel" eingesetzt wird, wodurch sie in eine Außenseiterposition gedrängt würden". Das ist doch Blödsinn! Sollen vielleicht 90% der Klinikmitarbeiter Sprachkurse machen, damit 10% ausländische Pflegekräfte kein deutsch zu lernen brauchen?? Außerdem sprechen die meisten Patienten doch auch deutsch, und mit denen sollten sich Pflegekräfte ja wohl unbedingt verständigen können! Ich habe in Südafrika gelebt und es wäre mir nicht im Traum eingefallen, mich dort an einer Klinik zu bewerben, bevor ich nicht mindestens eine der Amtssprachen solide beherrsche (in diesem Fall Englisch). Ich arbeite an einer Uni an der medizinischen Fakultät und bin immer wieder erstaunt über die Blauäugigkeit vieler Ausländer, die hierher kommen um zu arbeiten und nicht nur keinerlei Deutsch können, sondern oft nicht mal hinlängliches Englisch sprechen. Wir sollten endlich mal anfangen, solide Sprachkenntnisse der ausländischen Pflegekräfte einzufordern, bevor wir sie einstellen.

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freigeistiger 01.03.2019, 22:06
7. Managementfehler

Es wurde nur auf das formale Abschlusszertifkat geguckt. Die Ausbildungsinhalte und fachlichen Qualifikationen wurden nicht evaluiert und verifiziert. Die nominalen Abschlusse wurden gleichgesetzt. Das wirft ein erschreckendes Bild auf die Qualität von Management und Personalen. Ein Auto kauft man auch nicht nur nach der Farbe. Probleme treten immer dann auf, wenn Entscheider von ihren Maßnahmen nicht selber betroffen sind, sondern Andere. Wer die Folgen seines Handelns tragen muss handelt anders. Der Einsatz von Servicekräften für Essenausteilung, Waschen oder Krankentransport entlastet qualifiziertes Personal.

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upalatus 02.03.2019, 00:57
8.

In Deutschland zu leben und zu arbeiten ist eben was anderes als in Südeuropa oder sonstwo zu leben und zu arbeiten und umgekehrt. Wenns daheim schöner ist zum Arbeiten, würd ich daheim bleiben.

Und was steht eigentlich in den definierenden Stellenbeschreibungen, auf die sich Deutschlandexterne zu bewerben entschließen? Oder erst einfach mal ausblendend kommen, nur um dann überrascht, überfordert, enttäuscht zu sein? Ein Unding. Was zb gäbs eigentlich zum Rumdebattieren, wenn es für den Job in D nun mal die hiesige Sprache D unabdingbar braucht?

Aber da man aus betonierten Kostengründen und gesellschaftlich hingenommener Billigkeit auf die Externen geradezu händeringend angewiesen ist und diese das sehr wohl wissen, ist deren Position stark. Ausgehen tuts an den Patienten, zu denen sehr viele von uns dereinst zählen werden.

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KlausMeucht 02.03.2019, 01:29
9. Auch einfache Arbeiten müssen gelernt sein

Zitat von freigeistiger
Der Einsatz von Servicekräften für Essenausteilung, Waschen oder Krankentransport entlastet qualifiziertes Personal.
Beim Waschen kann man viel falsch machen. Es ist ein intimer Vorgang für den man Fingerspitzengefühl haben muss. Beim Krankentransport kann auch etwas schief gehen. Der Patient verträgt die Hitze nicht oder erbricht, Muss man den Patienten füttern, sollte dies auch eine Fachkraft machen.

Ich bin kein Freund davon scheinbar einfache Arbeiten weiter zu delegieren, Es ist unmöglich 8 Stunden lang hoch konzentriert zu arbeiten. Hat man eine halbe Stunde hoch konzentriert gearbeitet, ist man dankbar für Arbeiten die fast automatisiert ablaufen.


Ich habe leider Intensivpflege und Reha aus Patientensicht kennengelernt. Das andauernde Umgewöhnen an neue Pfleger, Ärzte und Therapeuten ist bei neurologischen Krankheiten ein Problem.

Es gab eine Nacht da hatte ich Angstzustände. Die Ängste waren vollkommen unbegründet aber ich hatte mir eingebildet Opfer einer Entführung zu sein. Die Pfleger redeten in einer osteuropäischen Sprache. Als ich wegen eines gewünschten Toilettenganges nach Hilfe fragen wollte, hatte ich plötzlich Tabletten im Mund. Wahrscheinlich hatte ich mich falsch ausgedrückt und der Pfleger hat mir nur vom Arzt verordnete Tabletten gegeben, Ich hatte daraufhin aus Angst mich stundenlang schlafend gestellt und war morgens dann froh eine bekannte Pflegerin wieder um mich zu haben.


Ich möchte betonen ich hatte auch sehr gute ausländische Pfleger. Ich war Opfer meiner eigenen Einbildung und nahe der Demenz. Aber ein ausgebildeter Pfleger hätte mir nicht einfach irgendwelche Tabletten in den Mund geschoben. Man kann selbst bei einfachen Dingen viel falsch machen.

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