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Studie zur Gehaltstransparenz: Kaum einer nutzt den Anspruch, die Gehälter der Kolleg
AFP

Das Entgelttransparenzgesetz sollte für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern sorgen - doch die Bilanz nach einem Jahr ist vernichtend: In den Betrieben spielt es kaum eine Rolle.

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lobro 07.01.2019, 15:30
110. Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufrieden

Zitat von Kurt-C. Hose
"Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." Søren Aabye Kierkegaard
Genau!
Dazu fällt mir noch eine Anekdote aus einem Programm von Eckhardt von Hirschhausen ein: Stellen Sie sich vor, Sie werden eines Tages zu Ihrem Chef gerufen, der Ihnen mitteilt, daß Sie ab nächsten Monat 500 Euro mehr Gehalt bekommen. Dann würden Sie doch vor lauter Freude am liebsten die ganze Welt umarmen, bis Sie am nächsten Tag erfahren, daß alle anderen Kollegen 1000 Euro mehr bekommen - und schon ist Ihre Laune im Keller, obwohl Sie mehr Geld bekommen.

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lobro 07.01.2019, 15:42
111. Lohn- und Gehaltsgruppen

Zitat von Paul Caster
Mein Gehalt ist Teil meiner Privatsphäre. Punkt. Wenn ich mehr erhalte als andere habe ich eben besser verhandelt... und in großen Unternehmen.....
Das ist zwar richtig, daß es Lohn- und Gehaltsgruppen in großen Unternehmen gibt, aber auch dort gibt es bei gleicher Tätigkeit sehr oft Unterschiede, in welche Tarifgruppe man eingestuft wird.

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jo126 07.01.2019, 15:47
112. Ja

Zitat von dr.eldontyrell
Warum Sie in Ihrem speziellen Fall so wenig Rente bekommen, bei 43 Arbeitsjahren, kann ich nicht beurteilen. Rente wird nach dem Bruttogehalt berechnet. Und das liegt an Qualifikation/Motivation/Können/Erfahrung/Glück.
Aber eben darauf basierend auch, wie hoch der Beitrag für die Rentenversicherung nominal ist. Hohes Gehalt=hoher Beitrag=hohe Rente. Aber eben diese ist dann auch gedeckelt, genauso wie der Beitrag (Beitragsbemessungsgrenze). Die Rentenbäume der gesetzlichen wachsen auch für Gutverdiener nicht in den Himmel. Wer mehrt haben will, muss sich selbst zusätzlich versichern und mehr zahlen. Ergo: Wer wenig zahlt, bekommt auch wenig. Kann ich nicht als ungerecht empfinden. Und bei der Frage, ob auch alle Selbständigen und Beamten einzahlen sollen - sicher, aber dann entstehen auch Ansprüche! Das müsste genau durchgerechnet werden. Aber bitte nicht so naiv und dilettantisch wie bei dem sogenannten "Generationenvertrag" - der im Übrigen natürlich keiner ist. Der Fond muss ich selber tragen. Und wer nicht einzahlt, bekommt auch nichts. Stichwort DDR-Renten - da wurde und wird fröhlich ausgetütet, was eigentlich aus Steuermitteln hätte finanziert werden müssen (wenn man es denn wollte, aber gefragt hat und ja seinerzeit keiner). Hat man übrigens bei der griechischen NAT (Rentenkasse der Seeleute) seinerzeit auch so gemacht: Die Mitglieder haben in Dollar eingezahlt, ausgezahlt wurde in Drachmen. Zwischendurch hat sich der Staat dann noch fröhlich aus den Kassen der NAT bedient, um andere kassenfremde zu beglücken. Da waren mehr Wähler zu angeln als bei den Seeleuten... weiß ich von meinem Schwiegervater, ehemaliger Kapitän auf griechischen Handelsschiffen.

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jo126 07.01.2019, 15:56
113. Es schafft Unfrieden

Wenn Mitarbeiter ihre Gehälter vergleichen, vergessen sie dabei ganz schnell die bestimmenden Faktoren. Nämlich Leistung, Ergebnisse, Engagement, die berühmte "Extra-Meile" und so weiter. Deshalb gibt es bei uns eine klare Regel: Wir zahlen Boni, ganz individuell. Als Anerkennung für besondere Leistung. Darüber ist Stillschweigen zu bewahren. Wer sich nicht daran hält, hat den letzten Bonus gesehen. Sonst geht es nämlich los: Warum hat Meyer sounsoviel bekommen, und ich weniger? Oder Meyer gockelt durch die Abteilung: Hey, ihr loser, auch so einen Bonus bekommen? Nicht? Du arme Sau. Und ernsthaft, ich hab sowas in meinem Unternehmen mitbekommen. Das kann das Klima versauen, oder man findet sich in Rechtfertigungsgesprächen wieder, warum man Meyer den Bonus gezahlt hat. Aber auch Gehaltshöhen haben zumindest bei uns immer mit individueller Bewertung zu tun. Nur ein BWL-Diplom reicht da nicht aus, um vergleichbar zu sein. Insofern: Wer unzufrieden ist, muss halt den Arbeitgeber wechseln - wenn er denn dort mehr bekommt (verdient ist etwas anderes) oder die Rahmenbedingungen besser sind. In diesen Fällen: Vaya con dios!

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kosaptes 07.01.2019, 16:01
114. :)

Vielleicht haben die Feministinnen gar kein so großes Interesse an Gehaltstransparenz. Es könnte sich zu Nachteil ihrer behaupteten Ungleichheit der Gehälter auswirken.
Da ist es günstiger zu argumentieren wenn die Faktenlage diffus ist.

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ruhepuls 07.01.2019, 16:14
115. Bereichern tun sich immer die anderen...

Zitat von Newspeak
Ich finde, man sollte die Information ueber Gehaelter oder auch Einkommen einfach immer und ausnahmslos oeffentlich machen. Dann liesse sich sehr viel besser darueber diskutieren, was eine gerechte Entlohnung fuer eine Aufgabe ist. Vor allem wuerde dann sicher fuer viele Menschen zum ersten Mal ueberhaupt sichtbar werden, wie ungerecht die Gesellschaft ist, und welche Personen sich nur bereichern.
Leider (oder Gott sei Dank?) ist der Mensch kein objektives Wesen und kann weder sich selbst, noch den Wert seines Beitrages zu einer Sache wirklich beurteilen. Insofern neigen wir alle dazu, uns selbst als unter- und andere als überbezahlt wahrzunehmen. Hinzu kommt, dass die Kriterien für unterschiedliche Bezahlung ebenso subjektiv bewertet werden. Wofür wird man bezahlt? Für den "Abschluss" (der "Dr." bekommt mehr als der "Dipl". - wofür eigentlich?), das Fachwissen, die Erfahrung - oder (pfui Teufel) gar für weiche Faktoren wie Umgang mit anderen? Ja, und manchmal auch fürs Verhandlungsgeschick oder Penetranz.

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ruhepuls 07.01.2019, 16:23
116. Sie sind für "Bürgerkrieg"?

Zitat von prisma-4d
Ich bin absolut für Gleichheit zwischen den Geschlechtern. Jeder, jede muß die gleichen Rechte und Pflichten haben, unabhängig davon wie Er oder Sie sich ihr Leben vorstellt. Es kann nicht sein das Mann zum Beispiel ein Leben lang als Selbstständiger in Saus und Braus lebt weil er keine Altervorsorge betreiben muß, im Alter dann aber in die Grundsicherung fällt. Es kann auch nicht sein, das Frau sich Kinder wünscht weil dies zu ihrem "Frausein" dazugehört, und deswegen in dieser Zeit von der Pflicht einer angemessenen Altervorsorge befreit ist. Es wird auch Zeit das sowohl Arbeitszeiten als auch Rentenbeiträge den gestiegenen Lebensalter angepaßt werden. Und so wie man von den "Leistungsfähigen" einen sollidarisch höheren Beitrag erwarten darf, darf man von den "Längerlebenden" einen solidarisch längere Beitragszahlung oder zumindest einen höhern Beitrag erwarten. Nur würde das Frauen treffen und somit nicht "gerecht" weil hier offensichtlich immer noch andere Gesetze.
Mit den Forderungen, die Sie hier erheben, mögen Sie rechnerisch Recht haben, aber Sie spielen da mit dem Feuer, abgesehen davon, dass Sie hier Klischees und Vorurteile dreschen. Die meisten Selbständigen bringen von ihrem versteuerten Geld ihre Altersvorsorge auf die Seite - und diejenigen, die das nicht geschafft haben, lebten vorher auch nicht in Saus und Braus, sondern kamen gerade so über die Runden - und sind daher auch im Alter arm dran.
Und die Frau, die Kinder bekommt, tat allein damit schon einiges für die Altersvorsorge aller, da in einem Umlagesystem nun mal die Jungen für die Alten zahlen. Keine Kinder würde auch bedeuten, kein Geld mehr für die Alten. Also freuen Sie sich über Frauen, die gerne Mutter sind. Über das Renteneintrittsalter wird ja seit einigen Jahren diskutiert - und da wäre wohl eine Anpassung an die tatsächliche Berufszeit sinnvoll. Warum soll ein Akademiker, der mit Mitte 20 das erste Mal gearbeitet hat und dann die meisten Zeit am Schreibtisch saß, genauso früh in Rente gehen, wie ein Arbeiter, der da bereits Jahre im Beruf war?

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ruhepuls 07.01.2019, 16:32
117. Wertschöpfung? Ein Fremdwort in der Politik...

Zitat von olli0816
Ich habe früher als Arbeitgeber gleiche Positionen unterschiedlich bezahlt. Allerdings nicht nach Geschlecht, sondern nach Leistung. Habe ich z.B. jemanden in der Kundenbetreuung oder Vertrieb, gibt es auf der gleichen Position sehr große Unterschiede, was der einzelne bringt. Warum soll ich also jemanden bestrafen, der außergewöhnlich gut ist? Wir hatten sogar eine Dame, die 25 Stunden arbeitete und fast soviel bekam wie ein eher sagen wir mal durchschnittlicher Stundenabsitzer. Die Dame hat in der gleichen Zeit genauso viel Umsatz gebracht. Da sehe ich keine Rechtfertigung, die Stellen gleich zu bezahlen. Das Gesetz erscheint mir so, als wenn jeder aufs Amt gehen würde und es völlig egal wäre, wie die Wertschöpfung ist. Sind ja alle die gleiche Zeit da, also machen wir die Stellen gleich und bezahlen sie genau so. Das ist realitätsfern. Zum anderen: Jeder auch nur durchschnittlich begabter Unternehmer würde die angeblich preisgünstigeren Damen bevorzugt einstellen, da diese mehr Gewinn bringen. Nein, in den Positionen werden die Damen heutzutage genauso abhängig von ihrer Leistung bezahlt wie die Herren und das ist richtig so. Der Unterschied resultiert eher daher, dass sich viele Damen für Stellen interessieren, die nicht sonderlich gut dotiert sind. Es ist z.B. extrem schwer, Damen für den Außendienst zu rekrutieren. Das passt nicht in die Work-Life-Balance vieler Frauen und solche Jobs sind eben aufgrund des Wegseins von zu Hause besser bezahlt. Übrigens: Am häufigsten wollten bei uns die Frauen "Assistentin der Geschäftsführung" werden. Nicht, weil ich so unwiderstehlich bin, sondern weil viele Frauen immer noch den alten gesellschaftlichen Gepflogenheiten nachgehen und dem Mann den Rücken freihalten. Mag sexistisch klingen, ist aber absolute Realität. Verantwortlichkeiten übernehmen ist auch nicht sonderlich populär, am besten einen Job wo um 5 Uhr Ende ist und man dann gepflegt nach Hause gehen kann. Genau aus diesen Verhaltensweisen und der Auswahl der entsprechenden Arbeitsstellen entsteht der Zahlungsunterschied, sieht man die reine Vergütung nach Mann und Frau an. Im übrigen: Die Leute unterhalten sich untereinander durchaus, was sie verdienen. Und ich habe immer begründen können, warum xy mehr verdient als z. In kleinen Unternehmen wird das sicher variabler verhandelt. In großen ist das extrem schematisiert. Beides hat Vor- und Nachteile. Aber die absolute Transparenz ist als Gesetz nicht sonderlich förderlich. In schlechten Betrieben mag das zu Neiddebatten führen, in guten oder mittelmäßigen weiß sowieso jeder, wo er ungefähr steht.
In der Politik finden sich nun mal überproportional viele "Staatsdiener" (eher Staatsselbstbediener) - und die haben von Wertschöpfung noch nie was gehört. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, aber zumindest früher begann ein Uni-Abgänger (Dipl. Ing.) beim Eintritt als Beamter (höherer Dienst) da, wo ein FH-Abgänger (Dipl. Ing (FH)) (gehobener Dienst) in seiner Laufbahn üblicherweise endete. Da zählte nicht die Leistung, sondern die Einstufung der Tätigkeit. Wertschöpfung?

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hutzel13 07.01.2019, 17:15
118. Es gibt Tarifliche Vorgaben

Bei Groß Unternehmen gibt es klare Vorgaben für die zu vergebende Stelle . und danach gibt es noch Leistungsbeurteilungen für einen Bonus , Natührlich erwarte ich Ledig keine Kinder einen höherern Bonus. Da ich mit dem Urlaub ncht auf Ferien angewiesen bin und auch nicht wegen kranker Kinder der Arbeit fern bleibe.
Aber die Leistugnsbeurteilungen werden vom direkten Vorgesetzten ermittelt und sind nicht einklargbar .

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bluebill 07.01.2019, 17:32
119. Gesellschaftlich bedingt

Wir haben seit vielen Generationen mit der Muttermilch aufgesogen, dass man über Geld nicht spricht. Besonders nicht über das Gehalt, weder das eigene noch das der Kollegen. Lange Zeit gab es sogar Klauseln in vielen Arbeitsverträgen, die vom Arbeitnehmer absolutes Stillschweigen über das Gehalt verlangten. Das ist heute zwar rechtlich unwirksam, aber in den meisten Köpfen noch verankert. - Da wird es halt sehr schwer, Gehaltstransparenz durchzusetzen. Zumal die Arbeitgeber von der antrainierten Verschwiegenheit ja extrem profitieren und kaum ein Interesse haben, das zu ändern. Der Anspruch der Arbeitnehmerin, männliches Vergleichsgehalt sehen zu dürfen, ist unbedeutend, denn der Arbeitgeber muss ja keinen Namen dazu nennen und kann auch einen fiktiven Lohnzettel dafür erstellen. - Besser geht es bei Tarifgebundenheit, da können alle Mitarbeiter ihre Gehälter einordnen. Aber auch da gibt es oft endlos dehnbare "Bandbreiten" für ein und dieselbe Tarifstufe. - Man kann nur allen Angestellten dazu raten, im Kollegenkreis kein Geheimnis aus dem eigenen Gehalt zu machen. Ich habe das noch nie getan, und mir ist in all den Jahren nichts Negatives deswegen passiert. Gehaltsanpassungen nach unten sind für einen Arbeitgeber nicht leicht durchsetzbar, aber wer sich benachteiligt sieht, kann auf eine Anpassung nach oben drängen. Von selbst kommt die praktisch nie. Leider.

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