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Trotz Azubi-Mangels: 23.712 Jugendliche haben keine Lehrstelle gefunden
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Viele Betriebe finden keine Lehrlinge - aber viele Jugendliche finden auch keine Lehrstelle. Die Zahl der vergeblichen Bewerber hat sich seit 2010 verdoppelt. Warum bleiben so viele Ausbildungsplätze leer?

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funny-smartie 25.07.2018, 14:06
30. Lesen Sie mal ....

Zitat von andropoli
Sie verwechseln hier, wie so viele, die schulische Laufbahn mit Bildung und allgemeiner Befähigung. Der Schulabschluss sagt darüber praktisch gar nichts aus. Die Gründe dafür, warum jemand "nur" einen Hauptschulabschluss hat, können sehr unterschiedlich sein. Elektrotechnisches Know-How erwirbt man in einer Regelschule normalerweise auch nicht. Ich arbeite mit meinem erweiterten Hauptschulabschluss in einem Bereich in dem mein Arbeitgeber bei Neueinstellungen inzwischen einen Bachelor verlangt. Und warum? Weil mein Abschluss vollkommen andere Gründe als mangelnde Bldung, Intelligenz oder Befähigung hatte. Mein Arnbeitgeber war immerhin klug genug, das recht schnell zu erkennen. Beim alleinigen Blick auf den jeweiligen schulischen oder akademischen Abschluss wird permanent sehr viel Potential verschenkt. Es gibt nicht wenige Menschen, die in unserem Schulsystem aus verschiedenen Gründen durch die Maschen fallen aber teilweise sogar herausragende Talente, durchaus auch auf technischen Gebieten.
... den Beitrag #19 von Statler-62, vielleicht erkennen Sie dann, was genau ich mit der Realität meine.

In der Elektrotechnik wird sehr oft prozentuale Veränderungen angenommen ggfs. muss man auch Korrekturwerte berechnen können, die sich zum Teil sogar mit einem Drei-Satz lösen lassen. Zusätzlich kommt, dank Digital-Technik und Programmierung von Mikrocontrollern und Steuerungseinheiten, logisches Grundverständnis hinzu, die mit einem bisherigen Hauptschulabschluss gar nicht erst vermittelt wurden.

Was Sie nicht verstehen ist, dass eine Ausbildung ganz klar erst die fachspezifischen Kenntnisse vermitteln müssen, aber nicht sowas wie Drei-Satz und Prozentrechnung. Dies sollte ein Ausbildungskandidat schon mal auch OHNE smartphone und wikipedia anwenden können. Und hier ist aus meiner Sicht für Hauptschüler eine 2jährige Berufsfachschule KEINE verlorene Zeit, sondern der Schüler wird dank schulischer Betreuung und Anleitung von Fachlehrern auf die eingeschlagene Berufsbildschiene intensiver betreut, als es überhaupt ein Ausbildungsbetrieb leisten kann.

Heute gibt es die "großen" Ausbildungswerkstätten der Großfirmen mit vielen Ausbildungsmeistern nicht mehr, werden Sie mal wach! Das duale Ausbildungsprinzip der 80er und 90er Jahren hat sich seit Beginn der 2000er "überholt". Was sich nicht "überholt" hat, ist die Vorgabe der Berufsbilder und der Prüfungsthemen. Eher hat man diese sogar noch verschärft und thematisch aufgepuscht.

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varlex 25.07.2018, 14:08
31.

Zitat von Sleeper_in_Metropolis
Das ist aber Teil des Problems. Es sollte Ausbildungsberufe geben, die (nur) das vermitteln, was in der Praxis auch tatsächlich gebraucht wird. Dann muß z.B. die Dame, die im Supermarkt die Regale auffüllt oder Waren über die Scannerkasse zieht dafür keine überfrachtete, über zwei Jahre lange Ausbildung machen. Das hätte gleich mehrere Vorteile : Die Ausbildungsdauer würde sich merklich verkürzen und es hätten auch geringerqualifizierte endlich wieder eine Chance. Heute braucht man sich mit einem Schulabschluss unterhalb des Abiturs ja kaum noch irgendwo zu bewerben (mal überspitzt gesagt). Die ursprüngliche (und typisch deutsche) Idee, dem Azubi möglichst alles nur erdenkliche an theoretischem Rüstzeug mitzugeben mag zwar gut gemeint gewesen sein, ist aber oftmals eher ein Hemmniss, sowohl für Auszubildenden als auch für den Betrieb.
Ne sorry, das ist kein Problem, sodern zum Glück ist dies so.

Der Vorteil am deutschen Ausbildungssystem ist, dass wenn Bäcker drauf steht, auch man einen Bäcker bekommt.

Wenn man jetzt also immer mehr die Berufsausbildung nach unten anpasst, entwertet man den Facharbeiter.

Wer also nur an der Kasse sitzt, braucht im Endeffekt auch nur eine Einweisung und bekommt ein Zertifikat dafür. Eine vollwertige Berufsausbildung ist dies aber nicht und sollte somit auch nicht entsprechend anerkannt werden.

Schon allein der Fairness anderen Facharbeitern gegenüber.

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barklug 25.07.2018, 14:15
32. @23

Wenn man diese Berufe auf Teiglinge in den Ofen schieben und Artikel über den Scanner ziehen beschränkt, sehe ich das sehr wohl als Ausdruck mangelnden Respektes. Und woher wissen Sie eigentlich, dass 99% der Ausbildungsinhalte in einigen Berufen später nicht mehr relevant sind?

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wut62 25.07.2018, 14:20
33. Sie haben Recht, aber

Zitat von Sleeper_in_Metropolis
Was hat das mit Respekt zu tun ? Selbstverständlich erledigen auch diese Menschen vernünftige und nötige Arbeiten, das steht doch gar nicht zur Debatte. Es geht um die Frage, ob man in solchen Berufsfeldern zwingend Ausbildungsgänge braucht, die massenhaft theoretischen Ballast mit sich bringen, der alle Beteiligten belastet und in der späteren Berufspraxis zu 99% sowieso nicht zum tragen kommt.
kann es nicht kürzere Ausbildungänge für solche Arbeiten geben Dann muss eine Kassiererin eben nicht 2,5 bis 3 Jahre Ausbildung durchlaufen, sondern vielleicht nur ein Jahr. Mit einer solchen Ausbildung müssten dann Angebote zur Weiterbildung angeboten werden.

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!!!Fovea!!! 25.07.2018, 14:21
34. Auch die heutigen

Betriebe suchen nur noch "billige Arbeitskräfte", die die dann als "Azubis" vermarkten.

Warum wollen viele Ausbildungsbetriebe nur noch mind. Realschule, wenn nicht nur noch Abiturienten?

Ein heutiger Azubi darf ja nicht lernen und auch Fehler machen, anscheinend muss ein heutiger Azubi am besten als "Geselle" anfangen, mit der Berufserfahrung eines Meisters.

Auch frage ich mich, warum ein Handwerker tatsächlich noch einen Goethe kennen muss, wenn ich mir im Umkreis meiner Bekannten Abiturienten anhöre, wie beschämend deren Geschichtskenntnisse sind......

Diese Betriebe werden noch "viel Spaß" mit unseren zugewanderten zukünftigen "Facharbeitern" haben.

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barklug 25.07.2018, 14:21
35. @27

Klempner/Innen produzieren übrigens keine Mischbatterien, sie installieren jene und die dazugehörige Infrastruktur aus Zu-und Ableitungen (für Sie: Rohre). Wenn Sie mir allerdings 'n Link zu einem Webshop schicken könnten, bei dem ich das alles als fertiges Paket à la Plug 'n Play per DHL-Express morgen im Briefkasten habe... Geil! Danke! Achso, einen größeren Briefkasten bräuchte ich auch noch ; -)

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Dia 25.07.2018, 14:21
36.

viele Lehrstellen existieren auch schlicht und einfach gar nicht erst und sind nur zur Imagepflege oder um halt zuzuschlagen, falls sich doch mal ein besonders vielversprechender Kandidat melden sollte.

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funny-smartie 25.07.2018, 14:21
37. sie bringen es auf den Punkt, .....

Zitat von wut62
Beispiel: Käse verkaufen. Wissen Sie eigentlich wieviel Käsesorte es gib? Woher der Käse stammt, wie er hergestellt wird und welche Fragen deshalb eine Verkäuferin dem Kunden zu beantworten hat sollte. Das ist nur mit einer fundierten Ausbildung möglich. Sie können ja weiter ihren Käse im Tiefkühlschrank kaufen und ihr Wissen dort erweitern. Also, ich bin kein Käsefachmann, sondern Verkaufsleiter hochwertiger industrieller Produkte. Dafür musste ich eine Ausbildung machen und studieren. Das Wissen solcher Mitarbeiter in ihrem Bereich, kann ich nur mit Hochachtung begegnen. Wenn man seine Arbeit gut machen will, kann man das nicht in einem "halben Tag" lernen. Ein elektrisches Kabel anschließen erscheint doch auch sehr einfach. Warum dann eine "aufwendige" Ausbildung? Ganz einfach, weil das auch hochqualifzierte Arbeiten sind, Solche Standards sollten wir beibehalten und nicht so abwertend beurteilen wie Sie.
... denn sowohl im Verkauf von Käse, auch im Hinblick auf die steigende Zahl von Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten, ist eine sehr gute Ausbildung wie auch im Elektrobereich entscheidend.

Warum? Man setzt andere Personen der "Lebensgefahr" aus, und genau aus diesem Grund müssen in Bereichen, die lebensgefährlich für den Endverbraucher werden, auch weiterhin qualitative Fachkräfte haben. Aber leider, so ist es zumindestens in der Versorgungskette so, entscheidet der Preis über die Qualität des Produktes. Der Endverbraucher tut mit seinem "bin ich billisch drangekommen"-Mentalität leider diesen Trend unterstützen.

Erst neulich hat wieder bei uns ein Bäcker-Handwerksbetrieb geschlossen, inzwischen kann ich im Umkreis von 10km diese Betriebe an einer Hand (Rhein-Main-Ballungsgebiet) abzählen.

Und NEIN DANKE zu tiefgefrorenen Teiglingen, DIE will ich selber nicht! Ich bezahle lieber 20 bis 30 Cent für das Brötchen mehr und habe dafür noch Qualität auf dem Teller und nicht ein nach 2 Stunden aus dem Konfektomat rausgeholten Knatschteig.

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Dia 25.07.2018, 14:24
38.

viele Lehrstellen existieren auch schlicht und einfach gar nicht erst und sind nur zur Imagepflege oder um halt zuzuschlagen, falls sich doch mal ein besonders vielversprechender Kandidat melden sollte.

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andropoli 25.07.2018, 14:27
39.

Zitat von funny-smartie
In der Elektrotechnik wird sehr oft prozentuale Veränderungen angenommen ggfs. muss man auch Korrekturwerte berechnen können, die sich zum Teil sogar mit einem Drei-Satz lösen lassen. Zusätzlich kommt, dank Digital-Technik und Programmierung von Mikrocontrollern und Steuerungseinheiten, logisches Grundverständnis hinzu, die mit einem bisherigen Hauptschulabschluss gar nicht erst vermittelt wurden.
Da liegt der Hund begraben. Wie gesagt, ich habe auch nur einen Hauptschulabschluss. Dreisatz kann ich trotzdem. Prozentuale Breechnung; kein Problem. Ist zufällig sogar Teil meines Jobs. Inklusive statistischer Aufbereitung größerer Datenmengen.
Entsprechend weiss ich sogar etwas von Gaußkurven und Normalverteilung. Ich spreche ein gutes Englisch, habe eine gute Allgemeinbildung und an meiner Intelligenz gibt es auch nichts auszusetzen. Und nein; natürlich habe ich das alles nicht aus der Schule.
Ich kenne genug Abiturienten, die mit all dem, was ich hier aufgezählt habe überfordert sind.
Sinnvoll ist es doch für Ausbildungsbetriebe eben die gefordereten Fähigkeiten abzufragen anstatt sich auf eine Schulbildung zu verlassen, die ihrem Namen kaum noch gerecht wird.
Ein gut ausgearbeiteter Test, der auf den Betrieb bzw den entsprechenden Ausbildingsberuf zugeschnitten ist hilft beiden.
Dem der Auszubildende sucht und dem der einen Ausbildungsplatz sucht.

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