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Überstunden-Debatte: Arbeiten Lehrer zu viel?
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Lange Arbeitstage, völlige Überlastung - Grundschulleiter Frank Post hat deshalb das Land Niedersachsen verklagt. Autorin und Lehrerin Sigrid Wagner hingegen findet: Das Problem sitzt im Lehrerzimmer. Ein Pro und Contra.

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FossilLehrer 18.06.2019, 16:45
1. Stempeluhren - aus dem letzten Jahrtausend

Was - wie immer fehlt - sind konkret ausgearbeitete Vorschläge für eine Zeiterfassung der Arbeitszeit der Lehrer.

Einfach nur "Stempeluhren" fordern? Das ist es mit Sicherheit nicht. Denn dann fordert der nächste eine Kontrolle der Bedienung der Stempeluhren, da der "faule Sack" dann sicherlich "bei der Arbeit" bucht und sich auf die Terrasse setzt. Nach zwei Stunden ausgiebigem Sonnenbad wird dann "Arbeit beendet" gebucht. Unterrichtsvorbereitung kann auch in der Sonne stattfinden - die Gedanken sind frei und es muss ja nicht immer alles auf Papier manifestiert werden. Ein Kollege denkt beim Joggen über den Unterricht nach und bucht sich ein.

Nicht nur einfach eine Forderung in den Raum tröten! Nein, auch konkret ausarbeiten und sich dann mit der Ausarbeitung an die 16 Kultusminister wenden. Eine praktikable Lösung, die zugunsten der Kultusministerien ausfällt wird dort ergebnislos schon lange gesucht.

Nur zu!

Am besten wäre es doch, man schafft alle Lehrer ab und ersetzt diese durch eine künstliche Intelligenz. Dann wären alle Probleme im Bildungssektor in dieser Republik behoben. Ach ja, eine konkrete Ausarbeitung habe ich in Arbeit, nur ist das Textfeld hier zu klein, um die Lösung darzulegen - in Anlehnung an Fermat's letzten Satz.

Gruß

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isar56 18.06.2019, 16:56
2. Ich wohne neben einer

Grundschule und arbeite oft mit Schulen zusammen. Nach 12 Uhr habe ich selten einen Lehrer an einer Grundschule gesehen. Das soll keine Abwertung sein.
Aber ich frage mich schon ab und zu, was Menschen machen, die in Jugendämtern oder Jugendzentren arbeiten.
Oder an Haupt- und Mittelschulen, als Zugbegleiter, Streetworker, in einer Jugendschutzstelle oder in Kinderheimen. Die sind in der Regel nicht verbeamtet, verdienen weniger und haben nicht annähernd 12 Wochen Urlaub im Jahr. Mein Kollege erzählt, die Lehrer seiner beiden Kinder in der Grundschule beantworten Fragen der Kinder, fast ausnahmslos mit >darüber solltest Du nochmal nachdenken>
In einem Fall war die Aufgabenstellung falsch. Da konnte die ganze Familie sehr lange nachdenken.
Betonen will ich aber, dass ich genügend engagierte Lehrer/innen kenne die keine Ermüdungserscheinungen
zeigen oder sehr selten.

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remedias.cortes 18.06.2019, 16:57
3. Faule Lehrer- gute Lehrer ?

Was die Sache erschwert ist, dass ein fleißiger Lehrer zwar ein fleißiger Lehrer mit überstunden ist, aber nicht umbedingt ein guter Lehrer sein muss. Vielleicht ist sein Kollege mit den 30 Stunden , der abends in einer Rock Band spielt und öfter mal Stunden aus dem Ärmel schüttelt ( reales Beispiel) der bessere Lehrer. Was gerne vergessen wird: Obwohl viele Lehrerinnen Beamtinnen sind, hat Pädagogik oft mehr mit Künstlerin als mit Angestellter zu tun . Pädagogik ist eine Kunst, und es gibt Begabungen und Nicht- Begabungen. Daher kann unser jetziges System ungerecht erscheinen, aber ist eigentlich richtig.

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schwabenmaul 18.06.2019, 17:01
4. Das Problem ist der Beamtenstatus!

Sobald ein Beamtenstatus erreicht ist ,kann die Lehrerschaft nicht mehr kontrolliert und motiviert werden. Es kann ja nichts mehr passieren!Das Einkommen fürs Leben ist gebongt egal was passiert.Entlassen kann man auch nicht mehr werden also was soll's.

schwabenmaul

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muunoy 18.06.2019, 17:06
5. Unglaubliche Diskussion

Zumindest beamtete Lehrer erhalten eine Gesamtkompensation für ihre Arbeit, die man in der Welt da draußen nur als AT-Kraft erhält. Da spielt dann die Arbeitszeit keine Rolle. Vielleicht sollte man eher dafür sorgen, dass es für den hoch-bezahlten Job auch eine variable Komponente in der Vergütung gibt.

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dgs 18.06.2019, 17:08
6. Vertretungslehrerin

Als Vertretungslehrer hat man keinen wirklichen Überblick über die Arbeit als Lehrer. Man kommt in die Klasse und macht die direkte Arbeit die aktuell ansteht. Die wirklich belastenden Aufgaben wie Elterngespräche, Klassenleitung, Verwaltungstätigkeiten fallen gar nicht an. Frau Wagner fehlt die Berechtigung und Erfahrung, diese Fragestellung zu beantworten.

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Sleeper_in_Metropolis 18.06.2019, 17:16
7.

Nun ja, der Normalbürger arbeitet die 8 Stunden am Arbeitsplatz, und der Lehrer halt teils in der Schule und teils zu Hause - soweit erst mal nichts, was man den Lehrern vorwerfen kann.

Zitat : "Ich kenne Schulen, an denen sich das Kollegium darauf verständigt hat, keine Mehrarbeit zu leisten. Ist eine Lehrkraft krank, werden die Stunden nicht vertreten, sondern fallen aus."

Finde ich aber auch völlig OK so. Das ist im öffentlichen Dienst und in vielen Unternehmen ja auch nicht anders. Und Kinder freuen sich auch mal über eine Freistunde, zumindest war das früher so.

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hzj 18.06.2019, 17:19
8. Sigrid Wagner kennt ein paar Einzelfälle

Damit kann sie nach langjähriger Berufserfahrung als Vertretungslehrerin auch zuverlässig beurteilen, was in Schulen denn so abgeht. Noch ein paar pauschalisierte Vorurteile dazu und fertig ist der Artikel im Spiegel. Von Lehrerhassern gibt es sicher viel Zustimmung. Wer aber das System Schule und Lehrerarbeitsbelastung wirklich von innen kennt, hatkeine Lust mehr, auf solche Ergüsse einzugehen. Oder er ist wie ich ist seit mindestens 1 Jahr in Pension und beginnt langsam, sich von dem staatlich zu verantwortenden und den Medien gehypten Irrsinn zu erholen, hat endlich Zeit, zu reflektieren, was denn alles schief gelaufen ist in den letzten 40 Jahren föderaler Schulpolitik in Deutschland.
Ach ja, ich habe vor vielen Jahren mal 3 Wochen Praktikum in der Redaktion einer größeren Tageszeitung gemacht. Damit kann ich sicher auch beurteilen, wie die Medien heute funktionieren und wie sie ihre Macht mißbrauchen, nur um ein paar Werbeclicks zu generieren.

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iasi 18.06.2019, 17:28
9. Steigender Verwaltungsaufwand

Allein schon dieses vielfache Absichern und Verordnungszitieren, nur damit Eltern nicht einen Ansatzpunkt finden können, auf dem Klageweg ihr Kind durchs Abitur zu bringen. Natürlich beginnt der Kampf dieser streitbaren Eltern schon in der Vorschule. Heute genügt es nicht, sich darüber zu freuen, dass die Gesellschaft den Kindern eine gute Ausbildung ermöglicht. Heute erwarten die Eltern Dankbarkeit dafür, dass sie den Schulen ihren wertvollen Nachwuchs überlassen. Entsprechend fordernd sind Eltern in der heutigen Zeit. Und natürlich muss der Lehrer immer Zeit für die (vielen) Wünsche der Eltern haben.

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