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Überstunden-Debatte: Arbeiten Lehrer zu viel?
DPA

Lange Arbeitstage, völlige Überlastung - Grundschulleiter Frank Post hat deshalb das Land Niedersachsen verklagt. Autorin und Lehrerin Sigrid Wagner hingegen findet: Das Problem sitzt im Lehrerzimmer. Ein Pro und Contra.

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irgendeinleser 20.06.2019, 10:53
90. Re: So so ...

Zitat von grotefend
...hochbezahlt also. So erklärt sich dann sich der eklatante Lehrermangel, oder?
Zumindest in meiner Region ist der Nettoverdienst eines beamteten Lehrers schon *sehr* gut. Da kommt man als Angestellter in der Regel selbst mit gefragten Bereich wie Studium in Informatik oder ähnlichen höchstens mit Leitungsfunktion ran, alternativ mit Glück in sehr guter Spezialistenposition bei einem lukrativen Großunternehmen. Einige wenige liegen dann auch weit darüber, die allermeisten aber nicht.

Warum es dennoch einen Lehrermangel gibt? Nun, die Bezahlung ist nicht alles. Es gibt auch in anderen Berufen, die gut bezahlt sind einen Mangel. Für mich persönlich war die Laufbahn als Lehrer an Schulen nie erstrebenswert, völlig unabhängig von Entlohnung und Arbeitszeit. Letztere waren sowieso keine relevanten Kriterien für mich in der Zeit, in der ich mich für ein Studium entschied, auch wenn ich in einem gut entlohnten Gebiet gelandet bin.

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grotefend 20.06.2019, 11:03
91. Vorschlag

Zitat von aktiverbeobachter
Im Prinzip bin ich neidisch auf den (verbeamteten) Lehrerberuf. Topbezahlung, unkündbar, Pensionsansprüche, PKV, Geringe Wochenarbeitszeit, 14 Wochen Ferien pro Jahr usw. Lehrer sollten wirklich aufhören rumzujammern und einfach sich selbst und anderen gegenüber zugeben, dass sie einen ziemlich guten Job haben.
Wir haben eklatanten Lehrermangel in fast allen Bereichen. Bewerben Sie sich doch. Kleiner Wermutstropfen: Sie müssen 10 Semester Studium und ein zweijähriges Referendariat mitbringen (einen Doppel-Master sozusagen). Eben diese umfassende Ausbildung rechtfertigt ein Gehalt, das gemessen an vergleichbarer Position außerhalb der Schule äußerst moderat ist, was allerdings durch die Pensionsansprüche ausgeglichen wird. Die PKV geht im Übrigen vom Netto ab. Sie können sich auch eine private Zusatzversicherung leisten, dann sind sie auf demselben Stand. Ihre Einlassungen zur Arbeitszeit lasse ich unkommentiert, da Sie Ihrerseits von chronischer Ahnungslosigkeit zeugen.

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grotefend 20.06.2019, 11:10
92. Genau

Zitat von seb_fornpost
Mehr Raum für den einzelnen Lehrer, Großraumbürostandards einhalten, IT aufrüsten. Finanzieren kann der Staat das leicht, spart er doch die Steuerrückzahlungen für die unsäglichen Arbeitszimmer in der Lehrerwohnung.
Und weil ein Lehrer vielleicht 100€ rückerstattet bekommt, lohnt es sich natürlich infrastrukturelle Maßnahmen einzuleiten, um Arbeitsplätze an der Schule zu schaffen (Ironie aus). Jede Schule müsste für jede Lehrkraft einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass das günstiger wäre als die lächerliche Steuervergünstigung.

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hinz.und.kunz 20.06.2019, 11:16
93.

Zitat von ford_mustang
hier in Berlin beginnen heute die sechswöchigen Ferien. Ich habe ein Jahr den Computerraum einer Grundschule betreut. Spätestens ab 14 Uhr war keine Lehrkraft mehr anwesend. Klassenarbeiten wurden aus dem Internet gezogen und in der Großen Pause korrigiert. Was tun Lehrer eigentlich in dér Ferienzeit? Da es ja dann immer noch Studientage zusätzlich gibt.
Ich bin jetzt kein Lehrer; aber wäre ich einer, warum sollte ich mich dann nach 14 Uhr an der Schule aufhalten, wenn ich dort keinen Arbeitsplatz habe?

Abgesehen davon: an anderer Stelle wird mehr Home Office gefordert, ja was denn nun?

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hinz.und.kunz 20.06.2019, 11:28
94.

Zitat von smsderfflinger
Ja, das ging mir auch durch den Kopf. Warum nicht eine tägliche Arbeitszeit festlegen, z.B. 08:00 bis 17:00, die am Arbeitsplatz verbracht werden muss. ( Lehrerzimmer, ggfs zusätzlich zu schaffende Räumlichkeiten). Das ist ja in anderen Berufen auch üblich. Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen sind ja üblicherweise nicht mit einem höheren Geräuschpegel verbunden, so dass man sich gegenseitig wohl nicht stört. Ob eine solche Regelung wohl auf die Zustimmung der Lehrerinnen stiesse? Ich habe so meine Zweifel... D
Wo in der sog. freien Wirtschaft hat man feste Arbeitszeiten von z.B. 08:00 bis 17:00, die man am Arbeitsplatz verbringen muß? Die haben zwischenzeitlich alle Gleitzeit.

Und leitende Angestellte stempeln gar nicht mehr, weil der Arbeitgeber damit besser fährt. Müßten Lehrer stempeln, gäb's ein böses Erwachen.

Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz sagt im Übrigen nichts über die Leistung aus, die erbracht oder eben nicht erbracht wird. Das gilt für alle Arbeitsbereiche. Bei manchen Mitarbeitern wäre es vielleicht sogar besser, wären sie nicht am Arbeitsplatz; sie würden weniger Schäden anrichten.

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grotefend 20.06.2019, 11:43
95. Lustig, einfach nur lustig

Zitat von smsderfflinger
Nun erklären Sie doch mal, was Sie daran so belustigt? Haben Sie eine Ahnung, wieviele "Schreibtischarbeiter" in Grossraumbüros arbeiten? Ich kann mir schon vorstellen, dass der Vorschlag Sie schockt. Aber wenn er wirklich undurchführbar ist, sollten Sie das wenigstens begründen. D
Ja, in einem Großraumbüro hat man zumindest einen Schreibtisch! Im Lehrerzimmer eben nicht! Da teilt man sich mit einem Kollegen eine Schulbank. Ich war im Referendariat an einer Schule, die im Lehrerzimmer 80 Plätze (wiederum halbe Schulbänke) für 120 Kollegen hatte. In Lehrerkonferenzen saßen da etliche Kollegen mit geöffneter Tür im Gang. Verstehen Sie jetzt, warum man über solche realitätsfernen Vorschläge lachen muss?

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grotefend 20.06.2019, 11:51
96. Wieder lustig

Zitat von smsderfflinger
Ja das ist doch super! 100 % der Lehrer in Ihrem Bekanntenkreis, vielleicht lässt das auch auf eine hohe Zustimmung unter allen Lehrern schliessen. Dann ran an die GEW und Druck gemacht, dass die das auf die Agenda nehmen. Sollten die AG das meiden , wie der Teufel das Weihwasser, ist doch zuminderst die Diskussion hier gelaufen... D
Ihnen ist schon klar, dass Berufsverbände innerhalb des Beamtentums nur wenig Druckmittel haben, oder? Genau dadurch begründet sich das Beamtentum und schafft Sicherheit für den Dienstherrn. Es gibt etwa 800.000 Lehrer in Deutschland. Wenn sie für jeden in der Schule einen Arbeitsplatz schaffen, der mit eigenem Schreibtisch, PC usw. ausgestattet ist, können Sie mal kurz überschlagen, was das kostet und sich dann überlegen, warum die Länder nicht zu einer solchen Regelung übergehen. Hinzu kommt: die meisten Schulen platzen ohnehin schon aus allen Nähten. Bauliche Maßnahmen kämen also nich obendrauf.

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grotefend 20.06.2019, 12:04
97.

Zitat von irgendeinleser
Zumindest in meiner Region ist der Nettoverdienst eines beamteten Lehrers schon *sehr* gut. Da kommt man als Angestellter in der Regel selbst mit gefragten Bereich wie Studium in Informatik oder ähnlichen höchstens mit Leitungsfunktion ran, alternativ mit Glück in sehr guter Spezialistenposition bei einem lukrativen Großunternehmen. Einige wenige liegen dann auch weit darüber, die allermeisten aber nicht. Warum es dennoch einen Lehrermangel gibt? Nun, die Bezahlung ist nicht alles. Es gibt auch in anderen Berufen, die gut bezahlt sind einen Mangel. Für mich persönlich war die Laufbahn als Lehrer an Schulen nie erstrebenswert, völlig unabhängig von Entlohnung und Arbeitszeit. Letztere waren sowieso keine relevanten Kriterien für mich in der Zeit, in der ich mich für ein Studium entschied, auch wenn ich in einem gut entlohnten Gebiet gelandet bin.
Sie vergleichen gerade nicht etwa Studium mit Studium, oder? Ein Lehramtsstudium ist Master-äquivalent und es kommt noch ein zweijähriges Referendariat obendrauf. Es handelt sich also um einen Doppel-Master. Mit vergleichbarer Ausbildung verdient man außerhalb der Schule über sein Arbeitsleben hinweg deutlich mehr. Somit kann ich Ihnen zustimmen, dass Lehrer zwar sehr gut verdienen, jedoch allenfalls angemessen gemessen an der Ausbildung.
Und die Region spielt hierbei keine Rolle. Wenn es in Ihrer Region keine guten Jobs gibt, dann ziehen Sie um. Ein Lehrer kann sich auch nicht aussuchen, wo er arbeitet, sondern da, wo er gebraucht wird. Und Glauben Sie mir: in Bayern gibt es etliche Schulen, die von der Heimat sehr weit entfernt sind. Allgäuer unterrichten in Hof, Niederbayern in Aschaffenburg usw. Wenn man dann unverheiratet und ohne Kinder ist, ist eine Versetzung fast aussichtlos. Also: die Region spielt hier keine Rolle.

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grotefend 20.06.2019, 12:57
98. Vollkommen richtig

Zitat von dickebank
Der Dienstherr bzw. Arbeitgeber ist doch gar nicht zuständig. Die sachliche und räumliche Zuständigkeit liegt bei den Kommunen als Sachaufwandsträgern für Schulen. Schon wegen des absehbaren Streites wegen der Konnexität wird es bezüglich vollausgestatteter (Büro-)Arbeitsplätze an Schulen keine vernünftigen Bedingungen geben. Somit hat das Land das Problem die Arbeitsstunden im Home-office zu erfassen. Die pauschale Anrechnung von Konferenzen, Dienstbesprechungen, Fortbildungen, Eltern- und Hilfeplangesprächen und vielem mehr, das nicht mit Schülergruppen durchgeführt wird, ist das Problem. Hinzukommt die Anrechnung von Klassenfahrten, Wandertagen, Exkursionen etc. auf das Arbeitszeitkontingent. Warum darf man als Lehrkraft das Schullandheim während einer Wanderfahrt nicht nach 8 Stunden Arbeitszeit verlassen, um nach Hause zu fahren oder in einem angemessenen Hotel vorort zu übernachten?
Wenn der Dienstherr aber z.B. statt eines achtjährigen ein neunjähriges Abitur beschließt, dann haben die Kommunen auch für den zusätzlichen Platzbedarf zu sorgen. Und wenn jeder Dienstherr beschließt, dass ein Arbeitsplatz zur Verfügung stehen muss (der Dienstherr sorgt nämlich für das Personal und deren Arbeitszeit), dann muss der Sachaufwandsträger umsetzen.

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st_anja 20.06.2019, 13:55
99.

Zitat von grotefend
Sie vergleichen gerade nicht etwa Studium mit Studium, oder? Ein Lehramtsstudium ist Master-äquivalent und es kommt noch ein zweijähriges Referendariat obendrauf. Es handelt sich also um einen Doppel-Master. Mit vergleichbarer Ausbildung verdient man außerhalb der Schule über sein Arbeitsleben hinweg deutlich mehr. .......
ich kann ihnen versichern, dass ein Architekturstudium ca. 12 Semester benötigt..und ja, dann ist man erst einmal AIP (Architekt im Praktikum) für ganze zwe Jahre um sich überhaupt als Architekt bezeichnen zu dürfen.
Der Verdienst eines Architekten liegt weit unter dem eines Lehrers. Auch ein Vergleich mit den Arbeitszeiten hält nicht stand.

Ich denke, Lehrer wissen einfach nicht wie es "draussen" aussieht.
Sicher ist es anstrengend vor einer Klasse zu stehen. Ich bilde Erwachsene weiter und nach sieben Stunden weiss man was man getan hat...zumal auch die Workshops in unterschiedlichen Sprachen durchgeführt werden müssen. Nach den Schulung wird dann noch innerhalb Europas weitergereist und der nächst Workshop vorbereitet (mind. 4 tage "draussen" in der Woche)
Ach ja, ich muss eine bestimmte Quote bringen und werde von Kundenseite bewertet, was sich auch auf die Bezahlung auswirkt.

Das ist "draussen" der Aufwand um nur in die Nähe eine Lehrergehaltes zu kommen.
Man ist auch gezwungen attraktiv zu bleiben, d.h. man arbeitet sich permanent in neue Themen ein. Selbstständig in der freiene Zeit natürlich.

Sicher ist der Beruf eines Lehrers anstrengend. Das sind andere Berufe auch. Die Bedingungen für einen Lehrer sind im Vergleich immer noch weit überdurchschnittlich und sie müssen sich keiner Leistungskritik stellen.

Jammern auf hohem Niveau gehört zum Lehrerberuf anscheinend dazu.

Warum habe ich mich damals nicht wie 70 Prozent meiner Mitschüler, die die Sicherheit und guten Bedingungen betonten, auf Lehramt studiert ?

Ich war mein ganzes Leben bis dahin in der Schule und wollte auch erfahren, wie es anderswo zugeht...um mitreden zu können.

Ich habe auch schon ehemalige Lehrer getroffen, die mehr Action brauchten.

Ich habe im Bekanntenkreis einige Lehrer und von zwei Ausnahmen abgesehen, bin ich doch mehr als verwundert über die Argumentation....vor allem wenn man die Leistungsbereitschaft in der Freizeit beobachtet.

Zwei scheinen wirkich ihren Beruf zu lieben, sie sind engagiert und jammern nicht.

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