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Überstunden-Debatte: Arbeiten Lehrer zu viel?
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Lange Arbeitstage, völlige Überlastung - Grundschulleiter Frank Post hat deshalb das Land Niedersachsen verklagt. Autorin und Lehrerin Sigrid Wagner hingegen findet: Das Problem sitzt im Lehrerzimmer. Ein Pro und Contra.

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fuchsi 18.06.2019, 18:02
20. Liest man hier im Forum einige Beiträge

dann dürfte es hier im Land keinen Lehrermangel geben. Schließlich möchten doch alle gerne Beamtengehalt bei drei Monaten Urlaub im Jahr, und das alles für ein wenig Kinderbespaßung bis 12 Uhr, um nachmittags auf der Terrasse zu liegen, Voraussetzung ein easy Studium und vielleicht ein stressiges Jahr, in dem man leider den Unterricht für die nächsten 40 Jahre mal vorbereiten muss. Demnach müssten sich beinahe mehr Lehrer für Schulen finden, als überhaupt Kinder da sind, oder? Aber weshalb gibt es dann den die Zukunft der Gesellschaft gefährdenden Lehrermangel, frage ich mich.

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a.meyer79 18.06.2019, 18:28
21. Ganz einfach

8,5 Stunden pro Tag in der Schule sein, Klausuren kann man auch in der Schule korrigieren oder Unterricht vorbereiten. Auch in den Ferien kam in der Schule gearbeitet werden. Die 30 Tage Urlaub können dann in der Ferienzeit genommen werden. Wer mit den 8,5 Stunden nicht hinkommt geht trotzdem nach Hause, dann gibt es auch kein Burnout und wenn man mehr als 8 Stunden für Unterricht und Vorbereitung benötigt hat man zu viele Sonderaufgaben und die Leitung muss eingreifen. Das Problem ist, dass die Lehrer zuhause viel unkontrolliert machen können.

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patrick.ruediger 18.06.2019, 18:38
22.

Also die Kontraposition finde ich weitgehend nicht nachvolziehbar und ich bin kein Lehrer (ich hatte darüber nachgedacht einer zu werden, mich aber aufgrund dier schlechten Gehaltsaussichten gezielt dagegen entschieden).

- Selbst verbeamtete Lehrer verdienen nicht wirklich gut. Besser als nicht verbeamtete, ja, aber im Vergleich zu studierten Positionen in der Wirtschaft sind sie unterbezahlt. Ein Lehramtsstudium lohnt sich daher für idealisten, die die schlechten Bedingungen auf Grund des Inhalts des Jobs akzeptieren sowie für leute, die nen Master/Diplomstudium nicht packen würden.

- Neue Lehrer werden üblicherweise nicht verbeamtet, und oft sogar in den Sommerferien gekündigt. Sie verdienen ziemlich schlecht, vor allem in Grossstädten - dort verdienen sie das gleiche, wie auf dem Dorft, bei deutlich höheren Lebenshaltungskosten.

Und das wegen der besonderen Arbeitsbedingungen mehr engagement angemessen wäre, sehe ich auch nicht. Den vielen Urlaub erarbeiten sie sich mit 46 Stunden Arbeit innerhalb der Schulzeit - was vorgesehen ist. Warum deshalb noch über dieses Mass weitere unbezahlte Überstunden gerechtfertigt sein sollen, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Davon abgesehen: Vertrag ist Vertrag. Steht in dem Vertrag drinn, dass extrastunden zu leisten sind? Vermutlich nicht. Die Arbeitgeberseite erpressen die Lehrer mehr oder weniger - entweder ihr lasst die Kinder hängen oder ihr arbeitet freiwillig mehr. Schade das sie damit durchkommen. Wenn wir nicht wollen, dass bald - abgesehen von ein paar idealisten, von denen es jedoch einfach nicht genug gibt - diejenigen unsere Kinder unterrichten, die für einen Job in der Industrie schlichtweg zu schlecht sind, sollten wir Lehrern Bedingungen geben, die den Job attraktiv machen.

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2xtreme4u 18.06.2019, 19:03
23. Ein paar Fakten

Hier in Köln wird die Nachmittagsbetreuung in den Grundschulen und auch den weiterführenden Schulen in aller Regel nicht durch Lehrkräfte geleistet (was zu wünschen wäre), sondern durch Mitarbeiter*innen des Kolping-Bildungs-Werkes, meistens auf Mindestlohn-Ebene.
Sogenannte Silenzien (Lernzeiten) in Gymnasien werden dann meistens von älteren Schülern betreut.
Und wenn jemand ein Mittagsessen mit Schülern, mit denen "er gesprochen hat" als Arbeit bezeichnet, darf ich einfach nur noch herlich ablachen.
Nicht zu vegessen das ordentliche Gehalt, die üppigen Pensionen & Ferien sowie Krankenversicherung als Privatpatient, finanziert zum Großteil über die Fürsorge.
Das oben Geschriebene bezieht sich auf verbeamtete Lehrer*innen.

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systemzweifler 18.06.2019, 19:48
24. 40-Stunden-Woche

Wie wär's denn mit Anwesenheit in der Schule von z.B. 8-16 Uhr, bzw. eben 40 Zeit!Stunden in der Woche? In der unterrichtsfreien Zeit kann ja korrigiert, vorbereitet und der Austausch mit den dann ja auch immer anwesenden Kollegen gepflegt werden! Aber nein, das wäre ja dann kontrollierbar, das darf nicht sein! Ausserdem sollte auch mal die Leistung der Lehrer bewertet werden (mit den entsprechenden Konsequenzen), nicht nur die der Schüler. Pädagogik ist für viele Lehrer scheinbar auch nur ein Fremdwort. Ich erkenne aber auch an, dass der Umgang mit den heutigen Schülern und deren Eltern sehr viel Energie kosten kann!

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MDen 18.06.2019, 20:06
25. Und ewig grüßt die Ahnungslosigkeit

Die Länder wissen genau, warum es sich rechnet, den Lehrern keine Arbeitsplätze in den Schulen einzurichten, denn dafür wären massive Investitionen in die Infrastruktur notwendig: Räume, Mobiliar, Computer, Lustig der Vorschlag, doch das Lehrerzimmer dafür zu nehmen. Definitiv von jemandem, der nicht am Schreibtisch arbeitet.
Dass sich die Inhalte nicht so sehr ändern, sehr wohl aber die behördlichen Vorgaben, was wann und wie zu unterrichten ist, und auch die Verlage mit ständigen Neuauflagen dafür sorgen, dass die Bücher immer wieder neu beschafft und damit der Unterricht wieder angepasst werden muss, das merkt auch nur, wer überhaupt Kinder hat, und mehr als zwei dicht aufeinander folgende. Und es bleibt ein ewiges Rätsel, warum hier immer auf die wenige Arbeit bei wahnsinnig viel Geld hingewiesen wird, und trotzdem das Lehramtsstudium nicht völlig überrannt ist. Wahrscheinlich sind hier ganz überwiegend Foristen ohne allgemeine Hochschulreife. Die müssen nämlich beim Lehramt leider draußen bleiben.

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oberfrange 18.06.2019, 20:18
26. Äpfel und Birnen...

Genau wie Schüler kann man auch Lehrer nicht miteinander vergleichen. Der eine arbeitet lieber abends oder am Wochenende zuhause, wenn Ruhe ist, der andere erledigt Korrekturen lieber in den Ferien in der Schule. Bei einem normalen Schulbetrieb ist korrigieren im Lehrerzimmer sowieso unmöglich.
Hinzu kommen die Fächer... Ein Sportlehrer nimmt sicherlich weniger Arbeit mit nach Hause als ein Deutschlehrer.
Und natürlich persönliche Unterschiede. Der eine braucht 30 Minuten für eine Oberstufenklausur in einer Fremdsprache, der andere vielleicht 2h, weil er noch Berufsanfänger ist... Der eine hat aus Erfahrung noch ne Stunde im Kopf, die gut funktioniert, der andere muss alles neu machen... Einer kann Eltern in fünf Minuten klarmachen woran es hängt der andere redet ne Stunde sinnlos rum...
Wie soll man da "stempeln" und wo? Solange belastbare Noten am Ende des Schuljahres vorliegen und es sonst keine Probleme gibt...

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flaschengaist 18.06.2019, 20:30
27. schade,

dass die Recheche vor den Aussagen dazu der GEW halt gemacht hat. Die Klassengrössen sind einfach zu gross in manchen Bundesländern. In Hamburg dagegen weit weniger Kinder in einer Klasse. Hamburg hat weniger Förderunterricht als Berlin. Wenn Kollegen/innen krank sind, fällt zuerst der Förderunterricht aus. So hat Berlin weniger Nettounterricht.

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dodgerone 18.06.2019, 20:31
28.

Wenn man hier die Kommentare liest, dann immer mal weiter so.
Kein Wunder das es immer weniger Lehrer gibt... Fr. Wagner schneidet leider nur einige Punkte an. Evtl. sind ihr manche trotz ihrer Erfahrung nicht bekannt.
Fakt ist das die Anforderungen sich die letzten Jahre massiv gewandelt haben. Leider kommt die Struktur im Bildungsbereich diesbezüglich garnicht hinterher. Meine Frau arbeitet nach 2 Jahren nur noch Teilzeit und wird es auch dauerhaft tun, weil sie bei Vollzeit nur noch für die Schule da wäre. Ja sie sitzt halt Abends und Wochenende an ihrem privat gekauften PC um für die Schule vorzubereiten. Laminierer, Bücher etc. alles privat gekauft... wenn hier manche Foristen von Zimmern in der Schule fabulieren, dann empfehle ich mal einen Besuch dort. Das ist sicher kein Ort zum Arbeiten, geschweige denn zur Korrektur von Arbeiten. Meine Frau hat sich eine Materialsammlung (Stufe 1-4) erarbeitet die sich über 50 Ordner erstreckt, plus endlose Cds/Videos/digitale Vorlagen... Und natürlich gibt es Lehrer die deutlich weniger machen, ohne das es Konsequenzen hat.

Laptop, mobiler Lautsprecher, Laminierer... alles brav privat gekauft. Das ist Deutschland 2019.
Und dann die Termine, ob Eltern oder Jugendamt etc... alles nach dem Unterricht. Hier in BaWü wird nach und nach die Ganztagsschule eingeführt, sprich: Unterricht auch Nachmittags, tw. Pausen zwischen Stunden. Möglichkeiten zum Arbeiten in der Schule: Fehlanzeige. So wird das halt nix. Kein Wunder das Lehrer mit Kindern/Partnern reduzieren und nicht mehr voll arbeiten... zumindest wenn man seinen Beruf liebt.
Die Aussage bzg. fehlender Konsequenzen für arbeitsscheue Lehrer stimmt aber. Die Kollegen kennt meine Frau auch. Und eine leistungsgerechte Bezahlung bei Lehrern ist aktuell sowieso Utopie (gilt für andere Beamte auch)... wobei meine Frau angestellt ist (Vorteil: sie kann jederzeit kündigen, Nachteil sie verdient deutlich weniger; Grund übrigens hier: sie hat an einer ausländischen Uni studiert (Nicht-EU)- auch das ist Deutschland 2019!).

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StonyBrook 18.06.2019, 20:51
29. Völliger Unfug

"Zumindest beamtete Lehrer erhalten eine Gesamtkompensation für ihre Arbeit, die man in der Welt da draußen nur als AT-Kraft erhält"

Schauen Sie mal nach, was in der IG Metall noch im Tarif möglich ist. Und dann vergleichen Sie das mal mit einem Grundschullehrergehalt. Ich weiß, wovon ich rede, meine Eltern waren bis vor kurzem Lehrer, und ich bin zwischenzeitlich AT gewesen. Davor hatte ich schon deutlich mehr als die.

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